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Endzeitprophezeiungen bis 2028 (Lorber, Dudde | SeherInnen)

Vorsorge-Tipps

Warum große Strafgerichte selten erfolgen und wenig ändern

Textauszüge aus den Werken des Propheten Jakob Lorber


Inhaltsübersicht:


Fraglicher Nutzen von Gerichten; wie Motivation sein sollte

   Warum größere Strafgerichte selten von Gott verhängt werden, begründet Jesus folgendermaßen:
   (jl.ev02.207,12) »... Ein Gericht aber ist und bleibt leider stets nur eine äußerste Nötigung zur Besserung und hat darum gewöhnlich für die Seelen der Menschen mehr eine schlechte denn eine gute Wirkung; denn wer das Schlechte nur der schlechten Folgen wegen meidet und das Gute tut der guten Folgen wegen, der ist noch sehr ferne dem Reiche Gottes. Nur der, welcher das Gute eben darum tut, weil es gut ist, und das Schlechte meidet des Schlechten selbst wegen, ist ein vollkommener Mensch. Denn solange sich der Mensch nicht aus sich selbst ans wahre Licht befördert, bleibt er ein Sklave im Geiste und somit tot für das Reich Gottes.«

Fragwürdigkeit von Strafgerichten für innere Besserung

   Jesus entgegnete auf den Wunsch eines Jüngers, das Evangelium mit Macht und Strafen zu verbreiten:
   (jl.ev01.137,01) »Weil du ein Mensch von dieser Erde bist, so redest du auch wie ein Mensch von dieser Erde. Der aber von oben herab ist, Der redet anders, weil Er allein einsieht und gar wohl kennt, was zu jeder Zeit dem Menschen not tut, damit dessen Geist frei werde von der Allgewalt und vom Zorne Gottes und gelange zur wahren Selbständigkeit für ewig.
   (jl.ev01.137,02) Denn dieser Erde Leben gibt dem Geiste weder Leben noch Freiheit desselben, sondern den Tod; aber der Tod dieser Erde ist die Ausgeburt des Geistes zum ewigen Leben und dessen wahrer ewiger Freiheit.
   (jl.ev01.137,03) So Ich aber schon menschlich reden will, so sage Ich dir, daß alles das und noch weit mehr schon mit der Menschheit vorgenommen worden ist, und sage es dir selbst, wo da sind die goldenen Früchte nach deiner Meinung!
   (jl.ev01.137,04) Was geschah bei den Zeiten Noahs, und um wieviel sind dadurch die Menschen diesirdisch besser geworden, als sie es vor Noah waren? Was geschah bald darauf zu Sodom und Gomorra?
   (jl.ev01.137,05) Und sieh, alle nunmaligen Heiden bis auf die Mohren und Siniten im äußersten Morgenlande sind Lots Nachkommen, auch viele ganz tierisch wild gewordene Skythen, die der Erde mitternächtliche Länder bewohnen; wie findest du sie, trotz der Lektion, die ihr Vater Lot erfuhr?
   (jl.ev01.137,06) Gehe hin nach Ägypten und prüfe die Völker, um wieviel sie besser geworden sind durch die sieben Plagen! Was hat Moses alles getan, was so manche Propheten?!
   (jl.ev01.137,07) Vierzig Jahre ließ Jehova die zu arg gewordenen Juden in der babylonischen Gefangenschaft elendigst schmachten, wie die schlechtesten Lasttiere sind sie behandelt worden, mit der Kost der Schweine und Hunde sind sie gefüttert worden; die lieblichen Töchter der Juden sind unter Geißelung und allerlei Martern von den übermütigen Babyloniern bei Tag und Nacht geschändet worden bis zum Tode, ebenso die Knaben und Jünglinge, die zuvor verschnitten wurden! Gehe hin und frage die hohen und stolzen Juden alle, um wie vieles sie besser geworden sind auf solch eine Lektion!
   (jl.ev01.137,08) Zeige Mir eine Zeit, ein Jahr, einen Monat, eine Woche, einen Tag, wo der Herr die zu arge Menschheit nicht im einzelnen wie im allgemeinen gezüchtigt hätte! Da gibt es kein verschontes Haus im ganzen Judenlande; antworte dir selbst, um wievieles darum die Menschen im Grunde des Grundes besser sind?! -
   (jl.ev01.137,09) Darum kommst du Mir mit deinem Rate viel zu spät; denn das ist alles schon dagewesen und hat für den geistigen Weg auch das bewirkt, was es zu bewirken hatte; aber für das äußere diesirdische Lebensverhältnis der Menschen kann und darf im Grunde des Grundes kein merklicher Effekt hervorgehen, weil dessentwegen allein von oben auch nie etwas zugelassen wurde.
   (jl.ev01.137,10) So Ich aber nun abermals mit Donner und Blitz das Evangelium vom Reiche Gottes auf Erden den Menschen verkündigen wollte, so bedürfte Ich dazu euer nicht; denn da gäbe es im Himmel noch der mächtigsten Engel in übergroßer Menge, die sich auf solch eine Verbreitung des Gottesreiches auf Erden viel besser verständen als ihr.
   (jl.ev01.137,11) Aber es ist nun die Zeit gekommen, die dem Elias gezeigt wurde, als er in der Grotte auf dem Berge verborgen lag. Nicht im Sturme, auch nicht im Feuer, sondern im sanften Wehen zog Jehova einher! (vgl. 1 kön.19,12) Und diese Zeit des sanften Wehens Jehovas vor der Grotte dieser Welt ist nun da! Darum wollen und dürfen wir nun auch weder mit Sturm noch mit Feuer ausziehen, sondern nach der ewigen Ordnung Gottes mit aller Liebe, Sanftmut und Geduld! Aber die Klugheit sollt ihr nicht außer acht lassen! Denn wohl sehe Ich, daß ihr nun als Lämmer unter die reißenden Wölfe ziehet; aber so ihr klug seid, so werdet ihr dennoch vieles ausrichten!« (vgl. mt.10,16)

Fraglicher Nutzen von großen Strafgerichten; biblische Beispiele

   Die Sintflut als Strafgericht zeigte, wie solche Ereignisse die Einstellung der Menschen nur kurzfristig ändern.
   (jl.ev05.204,02) »Was deine Meinung hinsichtlich der Sichtung der Menschen und aller ihrer Weltkulturwerke betrifft, so ist zu Noahs Zeiten eine solche (die Sintflut, d. Hg.) über die damals bewohnte Erde mit einer geringen Ausnahme vor sich gegangen, wie sie auch von Moses beschrieben ist, obwohl bildlich, woraus aber ein wahrer Weiser und Entsprechungskundiger dennoch den reinen geschichtlichen Stand herausfinden kann.
   (jl.ev05.204,03) Wie war aber die Menschheit, obwohl nur von dem überfrommen und weisen Noah abstammend, schon nach einigen hundert Jahren?
   (jl.ev05.204,04) Zu den Zeiten Abrahams schon wieder ward Sodom und Gomorra mit den übrigen zehn Städten wegen der zu allergröbsten Laster durch Feuer und Schwefel aus dem Firmamente herab samt Menschen und Vieh derart vertilgt, daß von ihnen keine Spur mehr übrigblieb. An der Stelle dieser Städte hast du nun das Tote Meer, darin bis zur Stunde kein Tier leben kann, und auch die Vögel vermeiden es, darüber hinwegzufliegen.
   (jl.ev05.204,05) Zu den Zeiten Mosis ist das entartete Ägypten jahrelang durch die bekannten sieben Plagen über zwei Dritteile an Menschen und Vieh gesichtet worden, und die sämtlichen Israeliten, die anfangs als wenige Brüder Josephs um ein paar hundert Jahre früher dahin aus Not eingewandert waren und eben unter dem grausamen Pharao sich alle Bedrückung und Verfolgung gefallen lassen mußten, wurden als die besten Arbeiter dieses Reiches hinweggeführt, so daß dadurch das ganze Reich in eine größte Armut und zugleich Anarchie verfiel. Aber es erhob sich nach und nach wieder, ward reich und mächtig und übermächtig und deshalb auch wieder durch Krieg, Hungersnot und Pest gezüchtigt. Sieh es jetzt an, und du wirst es also finden wie alle andere Welt!«

Trägheit als Ursache vieler Übel

   (jl.ev05.204,06) (Fortsetzung durch Jesus:) »Aus diesen wenigen wahren dargetanen Tatsachen wirst du wohl begreifen, daß eine Sichtung der sündigen Menschheit durchaus lange nicht von einer so ersprießlichen Wirkung ist, wie du sie dir vorstellst; denn die Verschlimmerung eines Menschen wie auch eines ganzen Menschengeschlechtes liegt nicht so sehr in einem grundbösen Willen der Menschen, wie du es dir vor uns nun denkst, sondern sie liegt vielmehr in der zum Leben notwendigen Reizbarkeit der Seele, in der Trägheit, sich ernstlich auf den erkannten Wegen des Lichtes zu bewegen.
   (jl.ev05.204,07) Weil aber der Seele die Ruhe und Untätigkeit gar so gut gefällt, so sucht sie Helfer und Diener, die für sie arbeiten oder ihr wenigstens helfen. Dadurch wird sie bald wohlhabend, reich und mächtig und fängt zu ihren Gunsten an zu herrschen, gibt Gesetze und ordnet zu ihrem Besten allerlei Dinge an. Und siehe, so wird sie dann zumeist eine feine Seele, die zur Tätigkeit keine Lust hat, und dies ist der Grund zur Verschlimmerung der Sitten ganzer Völker, die durch sie stets mehr und mehr vom Geistigen ins Materielle herübergedrängt werden.
   (jl.ev05.204,08) Also die Trägheit oder die stets steigende Lust zum Müßiggang ist und bleibt stets der Anfang zu allen Lastern, und diese Eigenschaft der menschlichen Seele ist eben jener böseste Geist, den die Schrift 'Satan' nennt. Und darin besteht eben auch das Erbübel, an dem alle Menschen leiden, und von dem sie niemand befreien kann als eben nur ein wahrer Messias, der da kommt aus den Himmeln des vollsten Lebens und der höchsten Tätigkeit desselben.«

Aufgabe des Messias, die menschl. Trägheit zu überwinden; Notwendigkeit von Eigenbemühung zur Entfaltung

   (jl.ev05.204,09) (Forts.:) »Denn daß es unter den Menschen dieser Erde ein Erbübel gibt, das haben bereits alle Weisen der bekannten Erde ersehen und erkannt; aber worin es besteht, und wodurch es zu bekämpfen ist, haben sie nicht ergründet. Und eben das wird die Sache des Messias sein, durch Lehre und Tat die Menschen von diesem Übel, dessen Frucht der Tod der Seele ist, für ewig zu erlösen!
   (jl.ev05.204,10) Aber es wird die Erlösung für den Menschen nur dann eine wahre und wirksame sein, so er die dazu angezeigten Mittel ganz genau und getreu anwenden wird, - sonst wird er nach der Ankunft des Messias ganz derselbe schlechte Mensch sein, der er vor derselben war; denn der aus den Himmeln angekommene Messias wird niemanden befreien von seinem Erbübel als allein den nur, der nach Seiner Lehre in allem genau also leben wird, wie es die Lehre vorschreiben wird. Niemand erhoffe sich von Ihm irgendeine gewisse magisch-wunderbare Wirkung in bezug auf die Erlösung von dem bekanntgegebenen Erbübel!«

Wozu die Wunder des Messias dienten; Gleichnis vom Gastmahl

   (jl.ev05.204,11) (Forts.:) »Wohl wird der Messias zum Zeugnisse dessen, daß Er es ist, große Wunderwerke verrichten; aber diese werden zu niemandes Seele Nutz und Frommen sein an und für sich, sondern nur dadurch, daß sie wecken werden den Glauben und aneifern die Seele zur Tat nach der Lehre, die gegeben wird.
   (jl.ev05.204,12) Es wird sonach der Messias gleichen einem reichen und guten Haus- und Gastwirte, der ein großes Gastmahl bereitet und aussendet seine Knechte und Diener nach allen Orten, Wegen, Straßen und Gassen und läßt alle gar freundlich einladen, zu kommen und teilzunehmen am großen Gastmahle. Arme und Reiche, Kleine und Große und Schwache und Starke, und auch Ohnmächtige und Mächtige werden die Einladungsstimme aus dem Munde der Boten vernehmen. Die da kommen werden, die werden auch gesättigt werden; die aber nicht werden kommen wollen, denen wird darum keine Gewalt angetan werden, daß sie kommen müßten. Ob sie kommen oder nicht kommen, das wird dem Gastwirte eins sein; den Segen der großen Mahlzeit aber werden natürlich nur jene überkommen, die der Einladung gefolgt sind. (vgl. mt.22,03; lk.14,07)
   (jl.ev05.204,13) Das Gastmahl aber wird eben die Lehre des Messias sein. Wer sie anhören wird und dann danach tun, der wird ein rechter Teilnehmer am großen Gastmahle sein und den Segen davon in Fülle überkommen; wer die Lehre aber nur wohl anhören, aber sie nicht durch alle Tätigkeit ins Werk setzen wird, für den wird sie sein wie ein wohlgedeckter Tisch für jemanden, der aber nichts isset von all den guten Speisen, und für den es dann einerlei ist, ob er als Geladener zum Gastmahle kommt oder nicht. Nun, da hast du nun den Messias, wie Er ist und sein und bleiben wird!...«

Seltenheit von Strafgerichten wegen kurzdauernder Wirkung; Müßiggang als Urgrund der Übel

   Jesus begründet, warum die geistige Entwicklung der Menschen nur sehr zögerlich vonstatten geht:
   (jl.ev10.151,03) »Das ganze Menschengeschlecht auf dieser Erde wird noch mehr denn ein paar tausend Jahre vonnöten haben, um in ein reineres Licht überzugehen.
   (jl.ev10.151,04) Du weißt, daß nach der noachischen Flut (Sintflut, d. Hg.) die wenigen übriggebliebenen Menschen auf ziemlich lange hin einen besseren Weg des Lichtes gewandelt sind; aber die Welt und ihre Materie, in welcher der eigentliche Satan steckt, hat sie bald wieder an sich gezogen, und schon unter Abrahams Zeiten hat die Gottlosigkeit der Menschen einen ganz bedeutenden Fortschritt gemacht. Zähle alle die Gerichte auf, durch welche Ich derlei Völker auf das empfindlichste und schärfste heimgesucht habe!
   (jl.ev10.151,05) Wie lange dauerte aber die Wirkung eines solchen Gerichts? Im allgemeinen höchstens drei bis vier Menschenleben hindurch, und es ging darauf gleich wieder zu wie früher und noch um vieles ärger! Ein Sodom und Gomorra, ein Babylon und ein Ninive wären jetzt nahezu als ein Paradies gegen Jerusalem, gegen viele andere Städte des einstigen Gelobten Landes und auch gegen viele Städte der Heiden anzusehen.
   (jl.ev10.151,06) Es wird auch über alle diese Städte in jüngster Zeit ein Gericht ums andere kommen; aber die Wirkung desselben wird den vorangegangenen Gerichten ganz gleichkommen. Auf eine Zeitlang werden sich viele Menschen bessern und bekehren und Buße tun; sowie sie sich aber dadurch werden in einen diesirdisch besten Zustand versetzt fühlen, so wird sich bald wieder bei ihnen der Müßiggang einstellen, und die Pfiffigeren werden sich von den weniger Pfiffigen wieder um allerlei Scheinlohn bedienen zu lassen anfangen.
   (jl.ev10.151,07) Und sind die Menschen einmal auf diesem Punkte angelangt, so fängt unter ihnen auch die Verfinsterung in ihren Gemütern wieder an; die Sonne des Lebens geht unter, und die volle Nacht geht auf der entgegengesetzten Seite siegreich auf und einher, und es dauert dann lange wieder, bis ein neuer Tag zu werden anfängt.«

Warum Liebe zu Gott besser als Ehrfurcht ist

   Warum Gott Liebe lieber ist als Ehrfurcht oder Furcht vor ihm, erklärte Jesus Samaritern:
   (jl.ev09.129,01) »... Ich begab Mich an den Tisch der Samariter, die sich von ihren Sitzen eiligst erhoben und in tiefster Ehrfurcht zu Mir sagten: »O Herr, Herr! Wir sind Sünder und nicht würdig, daß Du Selbst an unseren Tisch kommest, - sprich aber auch nur ein Wort über uns, auf daß wir stark in Deinem Lichte werden!«
   (jl.ev09.129,02) Sagte Ich: »Lasset ab von der zu großen Ehrfurcht vor Mir, und nehmet dafür zu in der rechten und wahren Liebe zu Mir! Denn Gott den Herrn über alles lieben, ist und gilt um ein gar Großes mehr denn Gott über alles fürchten. Eine übertriebene Furcht vor Gott entfernt den Menschen von Gott stets mehr und mehr und ist am Ende das böse Samenkorn, aus dem mit den Zeiten das Heidentum erwächst mit all seinem Götzentum, Aberglauben und am Ende mit dem vollen Unglauben.
   (jl.ev09.129,03) Mit der vollen Liebe aber nähert sich der ganze Mensch Gott stets mehr und mehr, wird vertraulich mit Ihm und sehnt sich nach Ihm und wird somit stets erfüllter mit dem Geiste Gottes; denn die stets zunehmende und zutraulicher werdende Liebe zu Gott ist ja eben der wahre und lebendige Geist Gottes im Menschen und der Geist des ewigen Lebens in der Seele. Darum ist denn auch ein Sünder, der sich aus Liebe zu Gott bekehrt, Gott näher und angenehmer denn neunundneunzig sehr gottesfürchtige Menschen, die sich noch nie an einem Gesetze versündigt und somit als Gerechte der Buße niemals bedurft haben.
   (jl.ev09.129,04) Seht euch ein Kind an, das eine zu große Furcht etwa darum vor seinen Eltern hat, weil sie es seiner kindlichen Ungezogenheit wegen ein paarmal abgestraft haben! Solch ein Kind wird dann seinen Eltern wohl gehorchen, aber nicht so sehr aus Liebe als vielmehr aus Furcht vor einer Strafe, die es zu gewärtigen hätte, so es sich wieder einmal gegen der Eltern Willen versündigte. Die Nähe der Eltern wird solch einem Kinde mit der Zeit auch widrig, und es sucht sich aus solch einer für es unangenehmen Lage dadurch zu befreien, daß es das elterliche Haus verläßt und in der weiten Fremde sein Glück und seine Ruhe und Behaglichkeit sucht, - und es kehrt von da unter Furcht und Zittern reuig erst dann zu den Eltern zurück, so es in der Fremde das Gegenteil von dem gefunden hat, was es zu finden wähnte.
   (jl.ev09.129,05) Dieselben Eltern aber haben noch ein Kind, das sie weniger fürchtet, aber dafür stets mehr und mehr liebt, sich aus einigen Zurechtweisungen wenig macht und seine Fehler demnach nicht aus der stets steigenden Furcht vor der Strenge der Eltern, sondern aus der eigenen stets wachsenden Liebe zu ihnen ablegt und ihren Willen tut.
   (jl.ev09.129,06) Was meinet ihr wohl, welches der beiden Kinder der größere Liebling der Eltern sein wird?«
   (jl.ev09.129,07) Sagte der Wortführer: »Offenbar das, welches weniger Furcht vor den Eltern, aber dafür mehr Liebe und kindliches Vertrauen zu ihnen hat!«
   (jl.ev09.129,08) Sagte Ich: »Du hast da gut geurteilt und Mir eine rechte Antwort gebracht; seid aber darum auch ihr gleich dem Kinde, das seine Eltern mehr liebt denn fürchtet, und liebet demnach Gott als den ewigen Vater aller Menschen mehr, als ihr Ihn als irgendeinen unerbittlichen Richter fürchtet, und ihr werdet dann auch vor Meiner Gegenwart bei euch keine solche Furcht und Scheu mehr haben, wie das bis jetzt bei euch der Fall war!«

Not als Mittel der Vertrauensbildung, Selbständigkeitsförderung und Vollendung

   (jl.ev09.129,09) (Forts.:) »Glaubet es Mir, daß Gott auch die sehr furchtsamen Kinder liebt; aber mit dem kindlich furchtlosen Zutrauen zu Ihm hat es da oft seine sehr krummen Wege, ohne welches Zutrauen aber eine Seele nie völlig gottähnlich und selbständig frei in Gott selig werden und auf den besagten krummen Wegen auch schwer dahin gelangen kann. Nur eine große Not kann solche Kinder auf den rechten Rückweg ins Haus der Liebe seiner Eltern bringen.«

Seltenheitsgrund und Zeitpunkt von Strafen; Angebote göttlicher Liebe trotz Strafen

   (jl.ev09.129,10) »Weil aber die Kinder durch die von oben kommenden Züchtigungen anstatt gebessert nur verschlimmert werden, so kommen diese auch nur selten und nur dann, wenn alle Liebeversuche an dem blinden Eigensinn der Menschen gescheitert sind; und Gott hat eben darum allzeit eine so große Geduld mit dem Übermute der Menschen, um sie durch ein beständiges Strafen Sich nicht noch mehr zu entfremden, als sie sich selbst von Ihm entfernen.
   (jl.ev09.129,11) Hat aber Gott einmal die Menschen mit der Zuchtrute in Seiner Hand heimsuchen müssen, so trägt Er ihnen dabei in der andern Hand, wennschon etwas verhüllt, auch Sein Herz entgegen, auf daß sie erkennen mögen, daß Gott der Vater auch mit der Zuchtrute in der Hand ihnen dennoch mit aller Liebe entgegenkommt, gleichwie das nun vor euren Augen der Fall ist.«

Warum Böses mit Gutem vergolten werden soll und Strafen möglichst vermieden werden sollten (jl.ev01.074,09-12)

    Anläßlich einer Beleidigung Jesu durch Pharisäer ergab sich folgender Disput:
   (jl.ev01.074,09) »Alle die Meinen ärgerten sich darob, und Simon Petrus trat zu Mir eben auch voll Ärgers und sprach: »Herr, es ist wohl gut also, wie es Dir wohlgefällig ist; aber so ich nur einen Funken Deiner geistigen Kraft und Macht hätte, da wüßte ich, was ich diesen dummen und bösen Lästerern Deines mir so überheiligen Namens zugefügt hätte!«
   (jl.ev01.074,10) Sage Ich: »Simon, hast du denn Meine Lehre, die Ich am Berge (Bergpredigt über die Feindesliebe, d. Hg.) gab, schon vergessen? Was wohl kannst du damit Gutes bewirken, so du Böses mit Bösem vergeltest?! Wenn du eine Speise kochst, die in sich selbst unschmackhaft ist, wirst du wohl weise handeln, so du darob, weil die gekochte Speise an und für sich unschmackhaft ist, statt sie mit gutem Salze, Milch und Honig wohlschmeckend zu machen, dieselbe Speise mit Galle und Aloesaft begießen wirst?! Wenn du zu einer schon ohnehin guten Speise noch etwas Besseres hinzutust, so wird dich darob sicher niemand einer Torheit zeihen; aber so du die schlechte Speise durch noch schlechtere Zugaben schlechter machen willst, als sie ohnehin vom Grunde aus ist, sage, wo ist da ein Mensch von einiger Einsicht, der nicht alsbald zu dir sagen wird: "Siehe da, was tut da dieser Tor?!"
   (jl.ev01.074,11) Siehe, also ist es um so mehr unter den Menschen! So du ihr Böses mit noch mehr Bösem vergeltest, frage dich selbst, ob dadurch je ihr Böses besser wird! Vergiltst du aber das dir angetane Böse mit Gutem, so wirst du dadurch das Böse in deinem Bruder sänften und aus ihm am Ende einen guten Bruder ziehen! (vgl. röm.12,17; 1 thess.05,15; 1 petr.03,09)
   (jl.ev01.074,12) Wenn ein Herr einen Knecht hat, dem er vieles anvertraut, der Knecht aber, da er die Güte seines Herrn kennt, sich an seinem Herrn versündigt und sonach eine Züchtigung verdient, - so der Herr den Knecht ruft und ihm vorhält seine Untreue und der Knecht wird dagegen erbost und begegnet seinem Herrn mit schmählicher Gegenrede, wird dadurch der Herr besser und sanfter gegen seinen Knecht werden? Nein, sage Ich; da wird des Knechtes Herr erst (recht) zornig über den treulosen Knecht, wird ihn lassen binden und werfen ins Gefängnis!«

Wirkung von Reue, Sanftmut und Bitte um Vergebung

   (jl.ev01.074,13) (Forts.:) »So aber der Knecht, da er sieht, daß ihm sein Herr für die Untreue Übles tun will, vor seinem Herrn niederfällt, demselben sein Vergehen reumütig bekennt und ihn voll Sanftmut und Liebe um Vergebung seiner Schuld bittet, wird darauf der Herr dem Knechte auch tun wie zuvor?! Nein, sage Ich! Durch die reuige Sanftmut des Knechtes wird der Herr selbst sanft und nachgiebig und wird dem Knechte nicht nur alles vergeben, sondern ihm noch obendrauf Gutes tun.«

Rückwirkung von Strafen auf den Strafenden; Reaktion der Bestraften

   (jl.ev01.074,14) (Forts.:) »Darum also vergeltet nie Böses mit Bösem, so ihr alle gut werden wollet! So ihr aber die richten und strafen werdet, die sich an euch versündigten, da werdet ihr am Ende alle böse, und wird in keinem mehr sein eine rechte Liebe und irgend etwas Gutes!
   (jl.ev01.074,15) Der Mächtige wird sich ein Recht nehmen, die zu strafen, die sich gegen seine Gesetze versündigen; die Sünder aber werden dagegen in Rache erglühen und werden suchen, den Mächtigen zu verderben. Frage: Was für Gutes wohl wird am Ende daraus hervorgehen?!
   (jl.ev01.074,16) Darum richtet und verdammet niemanden, auf daß ihr nicht wieder gerichtet und verdammt werdet (vgl. lk.06,37)! Habt ihr alle diese allerwichtigste Lehre begriffen, ohne die Mein Reich nie in euch Platz fassen kann?«

Wann Strafmaßnahmen berechtigt sind

   (jl.ev01.075,01) (Forts.:) Sagt Simon Petrus: »Ja, Herr, wohl haben wir es verstanden aus dem Grunde; aber es hat diese Sache dennoch eine Schattenseite, und die besteht meines Dafürhaltens darin, daß, so wir nach Deiner Lehre die Strafen auf Übeltaten ganz aufheben, so werden sich in Kürze die Übeltäter mehren wie das Gras auf der Erde und der Sand im Meere. Wo irgend ein Gesetz gegeben ist, da muß es mit einer angemessenen Strafe sanktioniert sein, ansonst es so gut als gar kein Gesetz ist. - Oder kann ein Gesetz auch ohne eine Sanktion bestehen?«
   (jl.ev01.075,02) Sage Ich: »Mein Lieber, du urteilst hier wie ein Blinder von der Farbe des Lichtes! Gehe hin und beschaue dir die Tiergärten der Großen; allda wirst du sehen allerlei wildes Getier, als: Tiger, Löwen, Panther, Hyänen, Wölfe und Bären. Wenn solche Bestien nicht in starken Zwingern sich befänden, wer wäre in ihrer Nähe seines Leiblebens sicher?! Welch eine Torheit aber wäre es, auch die zarten Lämmer und Tauben in Zwingern zu halten!
   (jl.ev01.075,03) Die Hölle bedarf freilich wohl der strengsten Gesetze, versehen mit der peinlichsten Sanktion; aber Mein Reich, das der Himmel ist, bedarf weder eines Gesetzes und noch weniger irgend einer Sanktion

Warum Jesus lieber andere Erziehungsmaßnahmen als Strafen benutzt

   (jl.ev01.075,04) (Forts.:) »Ich aber bin nicht gekommen, euch durch die sanktionierte Schärfe der Gesetze für die Hölle, sondern durch Liebe, Sanftmut und Wahrheit für den Himmel nur zu erziehen. So Ich nun euch von dem Gesetz durch Meine neue Lehre aus dem Himmel frei mache und euch zeige den neuen Weg durchs Herz zum wahren, ewigen, freiesten Leben, warum wollt ihr dann stets gerichtet und verdammt unter dem Gesetze leben und bedenket nicht, daß es besser ist, in der freien Liebe dem Leibe nach tausend Male zu sterben, als einen Tag im Tode des Gesetzes zu wandeln?!«

Recht auf Notwehr und zu Freiheitsentzug; Richtlinien hierfür

   (jl.ev01.075,05) (Forts.:) »Es versteht sich von selbst, daß man die Diebe, Räuber und Mörder einfangen und in die Zwinger (Gefängnis, d. Hg.) tun muß; denn diese sind gleich den wilden, reißenden Bestien, die als Ebenbilder der Hölle in Löchern der Erde hausen und Tag und Nacht auf den Raub lauern. Auf solche eine gerechte Jagd zu machen ist sogar eine Pflicht der Engel im Himmel; aber vernichten soll sie niemand, sondern sie in die Zwinger tun und sie allda sänften und zähmen! Nur bei einer gewaltsamen Gegenwehr sollen sie verstümmelt und beim hartnäckigen Widerstande auch getötet werden dem Leibe nach! Denn da ist eine tote Hölle besser als eine mit einem Leben versehene.
   (jl.ev01.075,06) Aber wer immer einen Dieb, Räuber und Mörder im Zwinger noch weiter richtet und tötet, der wird von Mir einst mit zornigen Augen angesehen werden. Denn je schärfer die Menschen ihre Übeltäter richten und strafen, desto grausamer, vorsichtiger, heimlicher und hartnäckiger werden die noch in der Freiheit befindlichen Übeltäter sich gestalten; und wenn sie dann in ein Haus bei der Nacht einbrechen, so werden sie nicht nur alles nehmen, was sie finden, sondern sie werden auch alles ermorden und alles vertilgen, was sie irgend verraten könnte.«

Vorteile des freiwilligen Gebens

   (jl.ev01.075,07) (Forts.:) »Nimm du aber hinweg das scharfe Gericht und gib allen Menschen den weisen Rat, daß sie dem, der von jemandem einen Rock verlangt, auch den Mantel hinzugeben sollen (vgl. mt.05,40), so werden zwar die Diebe noch kommen und von euch verlangen dieses und jenes, aber rauben und morden werden sie nicht!
   (jl.ev01.075,08) So aber die Menschen aus wahrer Liebe zu ihren Brüdern und Schwestern aus der Liebe zu Mir nicht mehr die vergänglichen Güter dieser Erde zusammenhäufen werden und werden einhergehen wie Ich, dann wird es auch alsbald weder Diebe und noch weniger Räuber und Mörder geben!«

Fragwürdigkeit strenger Gesetze und Gerichte im Vergleich zu Liebe, Sanftmut und Geduld

   (jl.ev01.075,09) (Forts.:) »Wer da meint, durch strenge Gesetze und stets verschärfte Gerichte werden am Ende die Übeltäter ausgerottet werden, der irrt sich gewaltig! Die Hölle hat daran noch nie einen Mangel gehabt. Was nützt es dir, zu töten einen Teufel, so darauf die Hölle an die Stelle des getöteten einen zehn schickt, von denen einer ärger ist, als es zehn der ersten Art gewesen wären?! Wenn der Böse, so er kommt, sich gegenüber wieder Böses findet, so ergrimmt er und wird zum Satan im Vollmaße; so er aber kommt und findet nichts denn Liebe, Sanftmut und Geduld, da steht er von seiner Bosheit ab und zieht weiter.
   (jl.ev01.075,10) Ein Löwe, so er sieht einen Tiger sich ihm nahen oder einen andern Feind, da wird er bald voll Grimm, springt hin mit aller Gewalt und vernichtet seinen Gegner; aber ein schwaches Hündchen läßt er mit sich spielen und wird sanft. Kommt ihm aber gar eine Fliege entgegen und setzt sich sogar auf seine starken Pfoten, so würdigt er sie kaum eines Blickes und läßt sie ungehindert von dannen fliegen; denn der Löwe gibt sich mit dem Mücken- und Fliegenfange nicht ab. Also aber wird sich jeder mächtige Feind gegen euch benehmen, so ihr ihm nicht mit einer Gewalt entgegentretet.
   (jl.ev01.075,11) Segnet daher lieber eure Feinde (vgl. mt.05,44; röm.12,14), als daß ihr sie fanget, richtet und in die Zwinger sperret, so werdet ihr glühende Kohlen über ihren Häuptern sammeln (vgl. spr.25,22; röm.12,20) und sie unschädlich machen für euch!
   (jl.ev01.075,12) Mit der Liebe, Sanftmut und Geduld kommet ihr überall fort; so ihr aber die Menschen, die trotz ihrer Blindheit am Ende dennoch eure Brüder sind, richtet und verurteilt, so werdet ihr statt des Segens des Evangeliums nur Fluch und Zwietracht streuen unter die Menschen auf dem Erdboden!
   (jl.ev01.075,13) Ihr müßt daher in allem ganz Meine Jünger sein in Wort, Lehre und Tat, so ihr Mir Diener zur Ausbreitung Meines Reiches auf Erden werden und sein wollt! Wollt ihr aber das nicht, oder kommt euch das zu beschwerlich und zu unrichtig vor, so tut ihr alle besser, heimzukehren; Ich aber kann Mir auch aus Steinen Jünger ziehen!« (vgl. mt.03,09)

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Letztes Update: 09.12.2017