Tom: »Von allen persönlichen und größeren
Prophezeiungen, die Großvater vorhersagte, ragen
vier heraus und stehen über allen anderen. Es sind
diese vier, die die Zerstörung der Menschheit und
des Lebens auf der Erde markieren, des Lebens, so wie
wir es kennen und wie es jetzt existiert. Großvater
sagte noch, daß wir die Dinge noch ändern können,
sogar noch bis die ersten zwei Prophezeiungen wahr werden,
doch nach der Dritten gäbe es kein zurück mehr.
«
Diese Vision hatte der alte Apache in den 1920ern, und
Tom traf ihn 1962, als Stalking Wolf in seinen Achtzigern
war.
Tom fragte: »Wie erfahre ich, daß wir so
nahe der Zerstörung sind?«
»Ich hatte eine Vision,« sagte Großvater,
»Es war eine Vision der Vernichtung der Menschheit.
Aber den Menschen wurden vier Warnungen vor dieser Vernichtung
gegeben, zwei davon gaben der Menschheit die Möglichkeit,
ihren eingeschlagenen Weg zu ändern und zwei würden
den Kindern der Erde gegeben, um vor des Schöpfers
Zorn zu entfliehen.«
»Wie werde ich diese Warnungen und Zeichen erkennen?«
fragte Tom.
Großvater fuhr fort: »Sie werden unverkennbar
sein für dich und für diejenigen, die auf den
Geist der Erde hören, doch die, die in Fleisch leben
und nur Fleisch kennen, erkennen und verstehen es nicht.
Wenn diese Zeichen, diese Warnungen und Prophezeiungen
offenkundig sind, dann wirst du die Dringlichkeit
von dem was ich spreche, verstehen. Dann wirst du verstehen,
daß die Menschen nicht nur arbeiten müssen
für ihr eigenes spirituelles Erwachen, sondern daß
dieses Erwachen in das Bewußtsein der modernen Menschen
zu bringen ist.«
Tom schrieb später in seinem Buch »Die Suche«
folgendes:
Großvater war in den Vierzigern und wanderte mehrere Jahre als er die Vision der vier Zeichen hatte.
Er hatte gerade seine Drittes Warnzeichenssuche an der Ewigen Höhle beendet, als er die Vision selbst hatte. Er hatte am Höhleneingang gesessen und auf die aufgehende Sonne gewartet, als ihm der Geist des Kriegers erschien. Er fiel in einen Zustand irgendwo zwischen Traum und Realität, Schlaf und Wachsein, bis schließlich der Geist sprach und er wußte, daß es keine Einbildung war. Der Geist rief Großvaters Name und winkte ihm zu folgen. Als Großvater stehen blieb, war er plötzlich in eine andere Welt versetzt. Wieder dachte er, daß er träumen würde, doch sein Fleisch konnte die Realität dieses Ortes fühlen. Er fühlte, daß es eine andere Zeit und ein anderer Ort war.
Der Geist des Kriegers sprach zu Großvater: »Diese
Dinge, die bevorstehen, zeigen die Vernichtung der Menschheit
an. Diese Dinge mögest du nicht mehr sehen, aber
du mußt helfen, sie zu stoppen und diese Warnungen
an deine Enkelkinder weitergeben.
Das ist die mögliche
Zukunft, wenn die Menschen nicht zur Erde zurückkehren
und anfangen, die Gesetze des Schöpfers und der Schöpfung
einzuhalten. Es sind vier Zeichen, vier Warnungen, die
nur die Kinder der Erde verstehen werden. Jede Warnung
zeigt den Beginn einer möglichen Zukunft an.«
Damit war der Geist des Kriegers gegangen und Großvater
war allein in der fremden neuen Welt.
Als Großvater das Dorf betrat, war er von dem Grauen des lebenden Hungertodes tief betroffen. Kinder konnten gerade so gehen, Alte lagen im Sterben und überall waren Schreie von Schmerz und Angst. Der Gestank des Todes und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit überwältigten Großvater, drohten ihn aus dem Dorf zu vertreiben. Da erschien Großvater ein Alter, der erst in einer Sprache sprach, die er nicht verstand. Großvater begriff als der Alte sprach, daß es der Geist eines Mannes war, welcher nicht in seinem Körper war, aber auf einem spirituellen Pfad, vielleicht ein Schamane seines Stammes. Er verstand dann, was der Alte ihm zu erzählen versuchte.
Der Alte sprach leise: »Willkommen hier, das einmal das Land des Hungers genannt werden wird. Die Welt wird mit Entsetzen eines Tages auf all das hier schauen und wird die Schuld dem Wetter und der Erde zuschieben. Das wird die erste Warnung an die Welt sein, daß die Menschheit weder gegen die Gesetze des Schöpfers leben kann, noch die Natur bekämpfen kann. Wenn die Welt einsieht, daß sie Schuld ist an dieser Hungersnot, dann wird eine große Lektion gelernt. Doch ich bin besorgt, daß die Welt nicht sich selbst beschuldigt, sondern die Schuld der Natur zuschiebt. Die Welt wird nicht einsehen, daß dieser Platz des Todes dadurch geschaffen wurde, daß diese Leute gezwungen waren, größere Familien zu haben. Wenn die Naturgesetze des Landes gebrochen werden, sterben die Menschen, wie wenn die Natur Rehe sterben läßt im Winter, falls ihre Zahl zu groß geworden ist für das Land.«
Der Alte weiter: »Diese Menschen sollten in Ruhe gelassen werden. Sie verstanden einmal zu leben mit der Erde und ihr Wohlstand war bemessen in Glück, Liebe und Frieden. Doch all das wurde ihnen weggenommen, als die Welt sie als primitive Gesellschaft ansah. Dann zeigte ihnen die Welt, wie sie leben und wirtschaften sollten auf eine weniger primitive Art. Es war die Welt, die sie zwang, außerhalb der Gesetze der Schöpfung zu leben und als Resultat davon sind sie jetzt gezwungen zu sterben.« Der alte Mann begann langsam wegzugehen, zurück zu Tod und Verzweiflung.
Er drehte sich ein letztes Mal zu Großvater um
und sagte: »Das wird das erste Zeichen sein. Es
wird Hungersnot kommen vor und nach dieser Hungersnot,
doch keine wird mehr Beachtung in der Welt finden, wie
diese. Die Kinder der Erde werden die Lektion kennen,
die sie in all diesem Schmerz und Tod hält, doch
die Welt wird es nur als Dürre und Hungersnot ansehen,
wird der Natur die Schuld geben, anstatt sich selbst.«
Damit verschwand der Alte und Großvater fand sich
wieder am Höhleneingang der Ewigen Höhle.
Großvater legte sich zu Boden und dachte über
das Erlebte nach. Er wußte, daß es eine Vision
einer möglichen Zukunft war und daß ihn der
Geist des Kriegers dazu brachte und ihm beibrachte, was
passieren könnte. Großvater wußte, daß
Menschen überall auf der Erde jetzt verhungern würden,
aber warum war dieser Hunger so schlimm, so viel wichtiger
als der Hunger, der jetzt passierte? Es war, daß
Großvater sich erinnerte an den Stammesältesten,
der sagte, daß die ganze Welt Notiz nehmen würde,
doch daß die Welt die Lektion des Todes und des
Hungers nicht lernen würde. Die Kinder der Erde würden
sinnlos sterben.
In einem Zustand von körperlicher und emotionaler
Erschöpfung fiel Großvater in einen tiefen
Schlaf, doch es war, daß ihm der Geist des Kriegers
in diesem Schlaf wieder erschien und teilte ihm den Rest
des ersten Zeichens zur Vervollständigung mit. In
diesem Traum sagte der Geist zu Großvater: »Während
der Jahre des Hungers, des ersten Zeichens, wird alles
durch eine Krankheit gequält werden, eine Krankheit,
die das Land ausfegen wird und die Massen terrorisiert.
Die Doktoren (weiße Kittel) werden keine Antwort
für die Menschen haben und ein großes Geschrei
wird durch das Land tönen.
Es schien, als würde der Himmel wogen und große Löcher begannen zu erscheinen. Die Löcher rissen auf mit einem lauten Widerhall, einem donnernden Dröhnen und die ganze Erde wurde erschüttert und der Erdboden bebte. Die Haut des Himmels schien wie eine Reihe klaffender Wunden aufzureißen und durch diese Wunden sickerte eine Flüssigkeit, die aussah wie der Auswurf einer Infektion. Es war ein großer See von fließendem Abfall, Öl und totem Fisch. Großvater sah durch eine dieser Wunden die Körper von Delphinen, er sah außerdem gewaltige Erhebungen der Erde und starke Stürme.
Alles um ihn herum war eine einzige Katastrophe. Haufen von Abfällen reichten bis in den Himmel, Wälder wurden geknickt und starben, Küstenstriche wurde überflutet und Stürme wurden immer heftiger und stärker. Mit jedem Augenblick der vorüberging, wurde die Erde mit größerer Intensität erschüttert, drohte auseinanderzubrechen und Großvater zu verschlucken.
Plötzlich endeten die Erderschütterungen und
der Himmel klarte auf.
Aus der staubigen Luft kam der
Geist des Kriegers, der in der Nähe des Großvaters
blieb. Als Großvater in das Gesicht des Geistes
blickte, konnte er sehen wie große Tränen aus
dessen Augen flossen und jede Träne fiel auf die
Erde mit sengendem Geräusch. Der Geist sah Großvater
lange Zeit an, dann endlich sprach er: »Löcher
im Himmel.« Großvater überlegte einen
Moment, fragte dann zweifelnd: »Löcher im Himmel?«
Und der Geist antwortete: »Sie werden als Zeichen
für die Vernichtung der Menschheit kommen. Diese
Löcher im Himmel und alles, was du gesehen hast,
kann der Menschheit Realität werden.
Am Anfang dieses
zweiten Zeichens kann die Menschheit die Erde nicht länger
mit physischen Maßnahmen heilen. Man muß die
Warnungen beachten und härter an der Änderung
der Zukunft arbeiten. Doch die Menschen müssen nicht
nur physisch daran arbeiten, sondern auch spirituell,
geistig, durch Gebete.«
Großvater verbrachte die nächsten vier Tage am Höhleneingang, obwohl in diesen vier Tagen niemand mit ihm sprach, nicht einmal die Erde. Er sagte, daß es eine Zeit großen Leidens war, des Alleinseins und eine Zeit der Sammlung. Er wußte, das diese Dinge nicht in seiner Lebenszeit passieren würden. Doch sie würden den Menschen in der Zukunft mit derselben Dringlichkeit und Macht passieren, mit welcher sie ihm überliefert wurden. Aber er wußte nicht, wie er diese unwahrscheinlichen Ereignisse irgend jemandem erklären sollte. Sicher würden die Schamanen und Stammesältesten verstehen, doch nicht die Gesellschaft und gewiß nicht jemand, der sich von der Erde und dem Geist entfernt hat. Er saß dort vier volle Tage regungslos, wie aus Stein.
Am Ende des vierten Tages kam die Drittes Warnzeichen zu ihm. Als er auf die Landschaft starrte in Richtung Sonnenuntergang, veränderte der Himmel sich plötzlich zu einem blutigen Rot. So weit seine Augen sehen konnten, war der Himmel tief rot, ohne Schattierung oder Musterung. Die ganze Schöpfung schien ruhig zu werden. Zeit, Ort und Schicksal schienen in der Vorhölle zu sein, erstarrt durch den blutigen Himmel.
Er starrte lange Zeit in einem Zustand von Ehrfurcht
und Entsetzen den Himmel an, denn die rote Farbe des Himmels
war wie nichts, was er jemals gesehen hatte bei irgendeinem
Sonnenauf- oder Sonnenuntergang.
Die Farbe war die des
Menschen, nicht von der Natur und hatte einen ekelhaften
Gestank. Es schien, als brenne die Erde, wo immer sie
berührt wurde.
Als der Sonnenuntergang in die Nacht
überging, schienen die Sterne hellrot, die Farbe
verließ nie den Himmel und überall war Geschrei
von Furcht und Schmerz zu hören.
Wieder erschien Großvater der Geist des Kriegers,
doch diesmal als Stimme aus dem Himmel. Wie Donner erschütterte
die Stimme die Gegend und sagte: »Das dann ist das
dritte Zeichen, die Nacht der blutenden Sterne. Es wird
überall in der Welt bekannt werden, der Himmel in
allen Ländern wird rot sein mit dem Blut des Himmels,
Tag und Nacht.
Dann ist es so, daß mit dem Zeichen
der dritten möglichen Zukunft keine Hoffnung mehr
besteht. Das Leben auf der Erde, wie Menschen es leben,
wird zu einem Ende kommen, und kann nicht mehr zurückgedreht
werden, weder physisch, noch geistig. Wenn das während
des zweiten Zeichens nicht geändert wird, erlebt
die Menschheit jetzt gewiß die Zerstörung der
Erde. Es ist, daß die Kinder der Erde in die Wildnis
rennen müssen und sich dort verstecken müssen.
Wenn der Himmel Feuer blutet, dann wird es keine Sicherheit
in der Welt der Menschen mehr geben.«
Großvater befand sich in schockierendem Entsetzen als die Stimme fortfuhr: »Von dieser Zeit an, wenn die Sterne bluten bis zum vierten und letzten Zeichen wird es vier Jahreszeiten des Friedens geben. In diesen vier Jahreszeiten müssen sie tief in der Wildnis leben und ein neues Zuhause finden, das der Erde und dem Schöpfer nahe ist. Nur die Kinder der Erde werden überleben. Sie müssen die Philosophie der Erde leben und dürfen nie wieder zurückkehren zum Denken der Menschen. Und Überleben wird nicht alles sein, denn die Kinder der Erde müssen auch vertraut sein mit dem Geist. Und sag ihnen auch, daß sie nicht zögern sollen, wenn das dritte Zeichen in den Sternen zu sehen ist, denn es sind doch vier Jahreszeiten zur Flucht.« Großvater sagte, daß die Stimme und der rote Himmel für eine Woche blieben und dann waren sie weg, so schnell wie sie gekommen waren.
Dann war Ruhe, die Landschaft klärte sich auf und
kehrte in ihren normalen Zustand zurück und auch
Großvater kam von seiner Vision zurück. Aufgerüttelt,
sagte er, wanderte er in der nächsten Saison umher,
versuchte zu verstehen, warum er auserwählt wurde.