Der Krieg — sagte er — ist für Deutschland verloren und geht ins fünfte Jahr, dann kommt Revolution, aber sie kommt nicht recht zum Ausbruch; der eine geht und der andere kommt; und reich wird man; alles wird Millionär, und soviel Geld gibt's, daß man's beim Fenster rauswirft und klaubt's niemand mehr auf.
Denn der nimmt den Leuten mehr, als es gibt, und straft die Leute entsetzlich, denn um diese Zeit verliert das Recht sein Recht, und es gibt viel Maulhelden und Betrüger. Die Leute werden wieder ärmer, ohne daß sie es merken. Jeden Tag gibts neue Gesetze, und viele werden dadurch manches erleben oder gar sterben. Die Zeit beginnt zirka 1932 und dauert neun Jahre, alles geht auf eines Mannes Diktat — sagt er — dann kommt die Zeit 1938; werden überfallen und zum Kriege gearbeitet.
Der Krieg dauert nicht ganz drei Jahre und endet schlecht
für diesen Mann und seinen Anhang. Das Volk steht auf
mit den Soldaten. Denn es kommt die ganze Lumperei auf und
es geht wild zu in den Städten.
Er sagte, man soll
unter dieser Zeit kein Amt oder dergleichen annehmen, alles
kommt an den Galgen oder wird unter der Haustür aufgehängt,
wenn nicht an Fensterblöcke hingenagelt; denn die Wut
unter den Leuten sei entsetzlich, denn da kommen Sachen
auf, unmenschlich.
Und im Jahre 1943 kommt erst der Aufstieg. Dann kommen gute Zeiten.
Was gibt's Neues zuhause, und sind schon wieder welche fortgekommen? Sonst habe ich noch keinen getroffen. Ich hoffe, der Brief wird Euch alle gesund antreffen; und gebt mir bald wieder Antwort. Die Adresse ist noch die gleiche. Haben die Leute schon bald alles Zuhause vom Feld, da die Leute doch fehlen jetzt mit dem Krieg? Kommt der Vater auch hie und da rauf...? Nun muß ich schließen und sende Euch allen die herzlichsten Grüße aus weiter Ferne und macht Euch keine Sorgen, es wird schon durchgehen. Viele Grüße an alle im Dorfe. Die werden sich den Krieg ganz leicht vorstellen. Aber da haben die Leute keine Ahnung.
Vorgestern Hauptmann Bauchschuß und viele verwundete
Soldaten. Viele Grüße Euer Vater. Bald schreiben!
Liebe Anna und Kinder! Habe endlich Euren Brief vom 17.
mit Dank erhalten, und nun wird's schnell Zeit, einige Zeilen
zu schreiben. Hoffentlich habt Ihr meinen Brief schon in
Händen. Sonst gibt es nichts Neues bei uns. Man sagt,
der Krieg ist bis Weihnachten zu Ende. Hoffentlich geht
es Euch gut...
Den Brief vom prophetischen Franzosen werdet
Ihr auch schon haben. Da werde ich nicht fertig, was der
alles gesagt hat. Denke immer an ihn. Es scheint fast unglaublich,
und ich will noch einiges Euch mitteilen. Denn ob das wirklich
kommen soll, ist wie ein Hirngespinst.
Da hat er immer wieder betont von den dunklen Männern, die dieses Unheil bringen sollen; und die sind in der ganzen Welt verteilt, an der Zahl sieben. Und die Zahl sieben hat eine große Bedeutung, und der Stuhl 12, den dieser Mann zur Zeit bekleidet, ist voll Schrecken und Morden. Er spricht und mahnt die Völker zur Rückkehr, aber alles umsonst. Die Menschen werden immer wieder ins Unglück getrieben und schlechter, und alles will nur Ware und Besitz haben.
Steht an der Jahreszahl vier und fünf, dann wird Deutschland
von allen Seiten zusammengedrückt, und das zweite Weltgeschehen
ist zu Ende. Und der Mensch verschwindet, und das Volk steht
da und wird noch vollständig ausgeraubt und vernichtet
bis ins Unendliche...
Aber die Feinde stehen auch nicht
gut miteinander...
Die Dunklen werden bestrebt sein, die
Völker mit großen Versprechungen zu beruhigen,
und die Sieger kommen in das gleiche Ziel wie die Besiegten.
Die Leute bedienen sich sogar aller möglichen Ausflüchte
und Religionen, um die Schuld an dem teuflischen Verbrechen
abzuwälzen.
Aber es ist den Leuten alles gleich, denn
der gute Mensch kann fast nicht mehr bestehen während
dieser Zeit und wird verdrängt und verachtet.
Dann
erheben sich die Leute selbst gegeneinander, denn der Haß
und Neid wachsen wie das Gras und die Leute kommen noch
immer weiter in den Abgrund.
Dann werden die Leute, die noch da sind, ruhig, und Angst
und Schrecken wird unter ihnen weilen. Denn jetzt haben
sie dann Zeit, nachzudenken und gute Lehren zu ziehen, was
sie zuvor nicht gewollt haben.
Am Schluß dieser Teufelszeit
werden dann die geglaubten Sieger an die Besiegten kommen
um Rat und Hilfe, denn auch ihr Los ist schrecklich, denn
es liegt alles am Boden wie ein Ungeheuer. Er sagte, das
soll im Jahre 1949 sein.
47 und 48 sollen die Jahre dieser wilden Einkehr sein. Wer weiß, ob wir bis dort noch leben, und es ist ja nicht zum glauben, und ich schreibe es nur, damit Ihr seht, was der alles gesagt hat, und von den Kindern erlebt die Zeit doch eines.
Die Flüsse sind alle so seicht. daß man keine
Brücke mehr braucht zum Hinübergehen. Von der
Isar an wird den Leuten kein Leid mehr geschehen, und es
wird nur Not und Elend hausen.
Die schlechten Menschen werden
zugrunde gehen als wie wenn's im Winter schneit; und auch
die Religion wird ausgeputzt und gereinigt. Aber die Kirche
hält den Siegestriumph, sagt er.
Aber er sagte, von uns erlebt's nur einer, und der wird
an mich denken. Nun, was soll das werden? Es ist fast nicht
glaubhaft.
Im Jahre 1948 geht die Strafe Gottes zu Ende,
und die Menschen werden sein wie die Lämmer und zufrieden
wie noch nie. Und von Siegerträumen hört es auf,
und es ist ausgestorben in den Ländern. Ich glaub,
bis dahin leb ich nicht mehr. Macht Euch aber keine Gedanken
darüber! Was gibt es bei Euch Neues? Wie gehts meiner
Schwester? (Nachschrift): Die Buben werden lachen über
den Schwafel von dem Mann.
Spezielle Seite zu den Feldpostbriefen