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'Im Fleisch Gott schauen'

   01] (Der Herr:) »Unter der a Auferstehung des Fleisches aber verstehe du die guten Werke der wahren Nächstenliebe! Diese werden sein das Fleisch der Seele und sogleich mit ihr an ihrem geistweltlich jüngsten Tage nach dem wahren Posaunenrufe dieser Meiner Lehre zum ewigen Leben als gediegener ätherischer Leib auferstehen. Ob du hundert Male auf der Erde getragen hättest einen Leib, so wirst du jenseits aber nur einen Leib, und zwar nur den bezeichneten haben. - Hast du das nun verstanden?« {a mt.22,28; mk.12,23; lk.20,33; lk.14,14; lk.20,35; joh.05,29; joh.17,32; joh.24,15; 1 kor.15,42; hebr.06,02; hebr.11,35}
   02] Sagte Petrus: »Ja, Herr und Meister, das ist mir nun klarer denn je! Aber ich kann mich noch eines Textes aus einem Propheten erinnern, der da etwa also lautet: 'In deinem Fleische wirst du dereinst deinen Gott schauen; darum halte es fein und verunreinige es nicht durch allerlei Sünde! Mit einem sündigen Fleische wirst du Gottes Angesicht nimmer schauen!' So ungefähr lautet der Text und es ist für den Menschenverstand da schwer, etwas anderes herauszufinden. Wie soll man denn hernach das im wahren Sinne nehmen?«
   03] Sagte Ich: »So wie das Frühere! a 'In deinem Fleische wirst du Gott schauen' heißt soviel als: In deinen guten Willen nach dem wohlerkannten Willen Gottes wirst du deinen Gott schauen, weil nur die Werke es sind, die die Seele mit ihrem Leibe, der ihr bloß zu einem Werkzeuge gegeben ist, ausübt und die einer Seele entweder den Adel vor Gott oder auch das Gegenteil geben. Reine Werke geben das Reine, unreine das Unreine. Das reine Denken nach der reinen Wissenschaft und das auch sonst keusche und reine Sich-Verhalten allein ohne Werke der Nächstenliebe oder mit zuwenig derselben verschafft einer Seele noch lange keinen geistigen Leib und somit auch keine Anschauung Gottes. {a jes.40,05}
   04] Denn wessen Seele noch in so lange hin derart blind ist, daß sie nicht einsieht, daß nicht das pure Wissen allein, sondern nur vor allem die Werke nach dem reinen Wissen und Glauben der Seele die wahre Lebensfestigkeit geben, der ist noch sehr armselig daran und gleicht einem Menschen, der ganz gut ein Haus aufzubauen versteht und auch des besten Baumaterials in großer Menge besitzt, aber sich nicht dazu entschließen kann, seine Hände ans Werk zu legen. Saget, wird der wohl einmal ein Haus besitzen und sich, so da kommen Stürme und der Winter, darin verbergen und schützen können vor der wilden Elemente entfesselter Gewalt?
   05] Was nützet dir im Sturme das allerbegründetste Wissen und Kennen darin, daß die wohlgebauten Wände eines Hauses den Stürmen Trotz bieten können, demzufolge der im Hause Wohnende vor ihrer Macht völlig sicher ist, so du kein Haus besitzest und auf deiner Wanderung über die noch starke Wüste deines Lebens auch kein fremdes mehr irgend erreichen kannst?
   06] Ja, Meine Lieben, das noch so reine Wissen und Glauben hat keine festen Wände, die euch schützeten zur Zeit der Stürme; wohl aber sind und haben das die Werke der wahren Nächstenliebe. Sie sind der wahre, bleibende Leib der Seele, ihr Wohnhaus, ihr Land und ihre rechte Welt. Dieses merket euch wohl, nicht allein euretwegen, sondern auch vor allem deretwegen, denen ihr das Evangelium predigen werdet nach Mir! So sie einmal wissen und glauben werden das Wort des Heils, so ermahnet sie, zu tun die wahren Werke der von Mir sooft gebotenen Nächstenliebe!
   07] Denn wahrlich sage Ich euch: So da jemand sagt, er liebe Gott über alles, dabei aber nicht achtet der Not seines armen Bruders, der wird Gott nimmer in seinem Fleische schauen! Denn die Pharisäer und Schriftgelehrten sagen es auch, daß sie Gott dienen im reinsten Maße und Sinne und durch ihre Gebete und Opfer in einem fort die sündige Menschheit mit Gott versöhnen; dafür aber ziehen sie das Volk ganz aus, und es ist bei ihnen von keiner Nächstenliebe je eine Rede. Was nützet dann solches? Es nützt weder den Pharisäern noch dem Volke!
   08] Denn fürs erste hat Gott noch nie irgendeines Menschendienstes bedurft, und noch weniger irgendeines Brandopfers geschlachteter Tiere. Aber das Opfer, das die wahre Nächstenliebe Gott darbringt in guten Liebeswerken, das siehet Er an mit wohlgefälligen Augen, und Sein Lebenssegen wird da auch nicht unterm Wege verbleiben. - Verstehest du, Petrus, nun, was das heißt: 'in seinem Fleische Gott schauen'?«

   09] Sagt Petrus: »Ja, Herr, nun bin ich schon völlig im klaren; denn Du, o Herr, hast uns das nun ja doch so klar gezeigt, daß wir es schon ganz ordentlich mit Händen und Füßen begriffen haben. Wir danken Dir darum! Aber nun sind wir auch schon wieder im Orte; doch anstatt Mittag wird es nun schon nahe Abend sein!«
   10] Sage Ich: »Das tut nichts! Wir werden etwas Brot und Wein nehmen und uns dann sogleich weiterbegeben! Darum gehen wir das kleine Stückchen Weges nur recht behende!«

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