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   01] Spricht Robert: "Ganz gut, ganz gut, dein Rat ist, bei Gott, wahrlich sehr gut! Das sieht man aber gleich, daß du, mein geliebtester Cado, kein Enropäer bist; denn diese sind samt mir keiner so offensichtlich weisen Ansicht fähig. - Doch jetzt nur stille, denn sie kommt schon sehr eilig in unsere Nähe! Aber das herrliche Kleid hat sie noch an, und das Pseudoschwert aus Blech und Pappendeckel! Auch von ihrer außerordentlichen Schönheit scheint sie noch nichts eingebüßt zu haben! Wahrlich wahr, das muß man bekennen, was da ihre Gestalt anbetrifft, so kann man sich wohl unmöglich etwas schöneres vorstellen! Sie ist wirklich unendlich schön und reizend! Man könnte beinahe die Behauptung aufstellen, daß es der lieben Gottheit gar nicht möglich sein sollte, eine noch größere gestaltliche Schönheit ins Dasein zu rufen! - Aber ich glaube, man das auch ihre Gestalt nicht gar zu sehr rühmen; sie könnte dadurch denn doch noch eitler und stolzer werden, als sie ohnehin schon ist. - Spricht Cado: "Ja, ja, überhaupt von und mit ihr nicht reden, sonst bringt man sie nicht leichtlich vom Halse!"
   02] Spricht hinter dem Rücken des Cado schon die Minerva, sagend: "Richtig, du triffst den Nagel wohl immer auf den Kopf! O du Hascherl du! Du wirst die anderen was lehren, wie sie meiner am ehesten loswerden könnten - als ob ich mich etwa jemanden je schon aufgedrungen hätte! Dazu besitze ich wohl zu viel Ehre in mir und bin zu stolz, als daß ich solch kleinlicher Schmutzereien fähig wäre. Und du, mein Freund Cado, darfst dich schon gar nicht fürchten, meiner etwa schwer loszuwerden! Denn weißt du, wir kennen uns schon so hübsch lange. Soll ich dich etwa bei deinem wahren Namen nennen?!"
   03] Spricht Cado: "Schweige! Sonst sollst du von meiner dir schon bekannten Höflichkeit sogleich ein neues Pröbchen erfahren! Dort ist die verschlossene Pforte, versuche, ob dich wer hineinlassen wird! Denn du gehörst etwa ja auch dort hinein, wo es sicher besser ist, als da außerhalb der verschlossenen Pforte." - Spricht die Minerva: "Lecke mich! - Ich tue, was ich will, und nie was du willst! - Verstehst du das?"
   04] Spricht Cado: "O das verstehe ich ganz vollkommen! Denn du bist eitel und stolz und somit auch dumm zur Genüge! Wie solltest du da wollen und tun können, was dir für ewig wahrhaft frommen möchte? - Im übrigen aber merke ich, daß du, seitdem dir das berühmte Schwert des großen Helden Kolofuntius Bratto (der damit ganz glücklich gegen die Mücken gekämpft haben soll) eingehändigt wurde, an Höflichkeit gar nicht zugenommen, sondern nur ganz bedeutend abgenommen hast! Denn unsereinem, und das in der Gegenwart einer ganz allerliebsten, schönsten, zartesten und bestgeschmückten Himmelsdame, deinen für deine liebe Zunge unzulänglichsten Teil belecken zu heißen - das ist und bleibt, um geradeheraus zu sprechen, sackgrob! Wenn so ein Wort aus dem Maule eines Schweines gegrunzt werden würde, da ließe man sich's gefallen; denn von einem Schweine läßt sich füglichermaßen wohl nichts besseres erwarten. Aber verstehe, so man solch eine höchst unfein klingende Sentenz von einem so weich und schön geformten Munde eines allerschönsten weiblichen Geistwesens zu vernehmen bekommt, so wird man wahrlich sehr unangenehm berührt. So du mit uns etwa noch etwas zu reden haben solltest, so bitte ich dich um ein wenig gewähltere und bessere Ausdrücke! Denn so du schon mich nicht berücksichtigen willst, so berücksichtige unsere hier gegenwärtige, allerzarteste, wahre Himmelsdame!"
   05] Spricht die Minerva: "Fahre ab mit dieser Lerchenfelderin! Das wäre eine rare Himmelsdame! Diese allergemeinste Proletariertrud - vor der soll ich am Ende noch gar einen Respekt haben!? Ich - das erste Wesen in der ganzen Unendlichkeit! Und die das letzte aus dem allerlumpigst berühmten Lerchenfeld! Nun, nun! Du hast einen hübschen Begriff von einer Himmelsdame, wenn du dieses echte Wiener Mistbratel für eine, sage, Himmelsdame ansiehst! Gratuliere, gratuliere! Du hast es in deinem Himmel mit deiner Weisheit wahrlich schon sehr weit gebracht!"
   06] Hier unterbricht sie die vor Ärger nahe ganz glühend gewordene Helena, sagend: "Nun, du stolzes Aas! Weißt etwa über mich noch was Schlechteres - du aus der ganzen Unendlichkeit zusammengedroschenes Schwein du! Schau nur gleich, daß dir die ganze Unendlichkeit nicht zu eng wird! Nein, das gefällt mir! Will dieses Hauptluder aus allen Fixsternen sich über mich hermachen! Na Warte, du bist schon über die rechte gekommen! Ich werde dir deine polierte Quadrateselshaut schon etwas runzlicher klopfen, weil sie dich gar so juckt! Glaubst du, schönes Obers von der höllischen Rindsuppe, ich kenne dich etwa nicht! O da sei ganz besorgt, du schmutzigstes Unterfutter von einer Liguorianer-Hose! Schau, schau, das alte Jesuitenschnupftuch will mich eine Proletariertrud nennen!? Jetzt schau nur, daß du bald weiterkommst, sonst zeige ich dir, wo die ewigen Zimmerleute Gottes für dich das Loch gemacht haben!"
   07] Spricht Robert: "Aber ich bitte dich, du meine holdeste Helena, du mein herrlichstes, von Gott Selbst in den Himmeln mir gegebenes Weib, ereifere dich nicht! Es wäre ja ewig schade für deinen herrlichen, schönsten Mund! Schau, mit dieser Schein-Minerva richtet Gott Selbst nichts, was sollen erst wir mit ihr richten!? Sie ist einmal so, wie sie ist! Du weißt es ja, daß auf den Disteln keine Datteln und auf den Dornhecken keine Feigen wachsen! Lasse sie daher reden, was sie will! Denn in unsere Ohren dringt ihre Stimme wahrlich nicht und somit noch weniger in unsere Herzen!"
   08] Sagt Helena: "Ja, ja, das weiß ich wohl. Aber das weiß ich auch, daß man dem Teufel das Maul stopfen muß, als ein ehrlicher Christ, wenn er es zu weit aufmacht! Schau, jetzt ist sie schön sauber still, weil sie sieht, daß sie nimmer gröber werden kann als unsereins! Nein, die soll aber auch nur einmal noch sich mucksen, so will ich ihr ein echtes Lerchenfelder Liedl anstimmen, daß sie für alle Ewigkeit damit genug haben soll! Nein, dies Giftbratl vom heiligen Erzengel Michael soll mich dann erst kennenlernen! Wahrhaftig wahr, ich könnte sogar unserm lieben Herrgott und Himmelsvater eine Grobheit um die andere ins Gesicht sagen, wenn Er je diesem Leibstuhle Petri eine Gnade erweisen möchte. Die ist ja schon lange für die Hölle zu schlecht! Daher leiden sie die anderen Teufel auch gar nicht mehr unter ihnen! - Hast es aber auch hierher berufen müssen!?"
   09] Spricht Cado zur vor Zorn ganz bebenden Minerva: "Nun, bist du mit deinem Grobheitslexikon schon zu Ende, daß du auf die würdevollen Komplimente, die dir soeben von der lieben Lerchenfelderin zugekommen, keine gleichwürdige Erwiderung zuwege bringst? Mir scheint es, daß du eine Meisterin gefunden hast und nun durch dein Schweigen bekennst, daß die Lerchenfelderin recht habe!" - Spricht die Minerva: "Ich bitte dich, rede mir nur von dieser Galgenschnur nichts mehr, denn ich habe sie genossen!"
   10] Unterbricht sie die Helena: "Schau nur, daß du weiterkommst, sonst setzt's noch Gelsen und spanische Mucken ab! Kennst du diesen Lerchenfelder Salat?" (Der Minerva die beiden Fäuste zeigend): "Ich sag dir's, wenn du nicht bald weitergehst, so putz ich dir so eine kleine Tagwacht über dein rotzigs Großmaul runter!" - Spricht Robert: "Aber ich bitte dich, Helena, um Gottes willen! Wir kommen ja anstatt in den reinen Himmel Gottes gar zum Schmierseppl nach Oberlerchenfeld! Bedenke doch, wie als ein wahrer Gottesliebling du dem Herrn Selbst an der heiligen Brust lagst und alle Gnade von Ihm einsogest - und nun bist du, bis auf ein etwas besseres Deutsch, so ganz wieder eine vollendete Lerchenfelderin! Schau, das mußt du ganz ablegen, sonst wird dir die Pforte noch lange nicht aufgehen!"
   11] Spricht Helena: "Nun, ich glaube, dir ist's etwa gar leid, daß ich diesem ewigen Mistvieh ein paar Wahrheiten ins Gesicht gesagt habe?" - Spricht Robert: "Nein, meine allerliebste Helena, das sicher nicht! Aber um deinen nun schon ganz himmlisch gewordenen Mund ist es mir leid, daß er nun wieder, nachdem er schon sogar mit Gott gesprochen und mir manche recht herrliche Lehre in der Liebe gegeben hat, wieder in das rein Oberlerchenfeldische übergehen sollte und das gerade hier, hier an der bedeutungsvollsten Gottesreichstüre zum wahren ewigen Leben!"
   12] Spricht Helena: "Was! Mund hin, Mund her! Die Wahrheit muß einmal heraus! - Daß sich die Wahrheit auch aus dem schönsten Munde eben nicht am besten ausnimmt, das ist schon was Altes, ob's nun oberlerchenfeldisch oder ob's sächsisch klingt! - Aber wie kommt es denn, daß du die Wahrheit gerade aus meinem Munde als übelklingend darstellst, während du die Lüge aus dem ebenfalls sehr schönen Munde jener ewigen Teufelsgretl eben nicht als sehr häßlich gefunden zu haben scheinst!? So es um meinen Mund denn dir schon leid ist, wenn er auf oberlerchenfeldisch dieser ewigen Gottes-Gnad-und-Barmherzigkeits-Schnipferin eine Wahrheitslektion gibt wie sich's gehört - um wieviel mehr leid sollte es dir dann erst um jenen holdesten Mund sein, über dessen Lippen wohl noch nie ein wahres Wort gekommen ist?! Sage lieber ihr einige gute Rügen ins Gesicht und laß mich reden, so ich einmal im Zuge bin!"
   13] Spricht die Minerva: "Bist einmal fertig, du grobes ungehobeltes Lerchenholz!? Du hast die Höflichkeit sicher nie auf einer hohen Schule studiert! Denn etwas Gröberes ist wahrlich durch meine Ohren noch nie gedrungen." Unterbricht sie die Helena: "Nun, schau Sie nur gleich, daß Sie etwa kein Ohrengeschwür bekommt! Ist Sie mir denn etwa gar so höflich gekommen!? Ich soll etwa Ihre (Grobheiten nur gleich so recht von ganzem Herzen demütig einstecken, wie so ein frommes Jesuitenbeichtkind, wenn es von seinem Herrn Gottesstellvertreter mit Höll und Fegfeuer gefüttert wird!? Da warte du ein bißchen! Ich sage es dir, wenn du mir nicht sogleich aus den Augen gehst, so wird es zwischen uns beiden noch einen ganzen Mordspektakel absetzen! Darum sage ich dir nun ein für alle Male, daß du dich nun sogleich aus den Staube machst, sonst möchte dein schönes Gefriß bald ein anderes Aussehen bekommen!"
   14] Sagt Cado: "Sei ruhig, Helena, und du auch, Freund Robert! Ich werde nun mit der Minerva ganz allein reden und mit ihr etwas sehr wichtiges abzumachen versuchen. Vielleicht gelingt es mir, sie dem Herrn wieder um einen Schritt näherzubringen. Aber ihr müsset euch unterdessen ganz ruhig verhalten." - Spricht Robert: "Ja, Bruder, tue das! Ich wäre nun schon wahrlich sehr froh, so wir ihrer bald loswerden könnten. Es geht von ihr ein wahrer Zwietrachtssamen in die über, die ihr zu nahe kommen! Ich glaube, so es ihr möglich wäre, in die Himmel Gottes zu kommen, da brächte sie in kürzester Zeit alle Engel durcheinander. - Ich wünsche dir aber auch zugleich sehr viel Glück zu deinem sicher höchst löblichen Vorhaben! Nur zweifle ich an dem geringsten Erfolge auch deiner Mühe; denn dies Wesen wird nur als genötigt guttun, aber als vollkommen frei nie, ewig nie! Darauf getrauete ich beinahe meine ganze Seligkeit zu setzen."
   15] Spricht Cado: "Du dürftest zwar eben nicht ganz Unrecht haben; aber meine Seligkeit getrauete ich mich dennoch nicht darauf zu setzen. Die Ewigkeit ist endlos lang. Und in solcher endlosen Zeiten- und Zustandsfolge könnte denn doch noch so manches geschehen, von dem bis jetzt noch keinem Geiste etwas durch seinen Sinn gefahren ist. Daher nehmen wir alles als möglich an, was nicht mit der göttlichen Ordnung im handgreiflich grellsten Widerspruche steht. Aber etwas daran setzen, ob dies oder jenes irgendwann möglich oder unmöglich sein dürfte, wäre unweise und hieße so viel als in die göttliche Weisheit selbst einen Zweifel setzen. Bei Gott sind alle Dinge möglich, warum auch nicht die volle Umkehr Satans!?"

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