Jakob Lorber: 'Das gr. Evangelium Johannes', Bd. 9, Inh.-Verz.

jl.ev09.067. Kapitel
lk.17,20a] Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, {jl.ev09.067,17b}
17b] aber sage es uns doch, wie und wann das Reich Gottes kommen wird unter die Menschen auf dieser Erde!«
lk.17,20b] antwortete er ihnen und sprach: a Das Reich Gottes kommt nicht so, daß man's beobachten kann; {a joh.18,36; jl.ev09.067,18-20a}
18] Sagte Ich: »So, wie ihr euch das vorstellet, ganz sicher nicht!«
19] Sagte der Schriftgelehrte nun: »Wie denn anders hernach?«
20a] Sagte Ich: »Das Reich Gottes wird nicht kommen mit irgendeinem äußeren Schaugepränge,
lk.17,21] man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. (Luther übersetzte Vers 20b u. 21: »Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden...sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch«) {jl.ev09.067,20b}
20b] und man wird da nicht sagen: 'Sieh, hier oder da ist es!'; denn das Reich Gottes ist kein materielles, sondern ein geistiges Reich, da Gott Selbst in Sich der urewige und reinste Geist ist und Sein Reich daher auch nicht für den Leib, sondern für dessen Seele und Geist gegeben und auf der Erde errichtet wird. Seele und Geist aber sind inwendig im Menschen und nicht außerhalb desselben; und so ist das Reich Gottes auch nur inwendig im Menschen, und so es zum Menschen kommen wird, da wird er dessen in sich gewahr werden und nicht irgend außer sich.«
21] Auf diese Meine Antwort wußten die Pharisäer nichts mehr zu erwidern und begaben sich wieder zu ihrem Tische.
22] Und der Wirt frohlockte heimlich, daß Ich den Pharisäern den Mund gestopft habe, und ließ auf unseren Tisch frischen und besten Wein aufsetzen und sagte zu Mir: »Esset und trinket, soviel ihr wollet; der Zechmeister bin ich diesmal!«
23] Und wir aßen und tranken ganz wohlgemut.
24] Da das die Pharisäer sahen, da ärgerten sie sich noch mehr und sagten so ganz laut unter sich: »Der soll der von Gott in diese Welt gesandte Messias sein? Wie ist er doch ein Fresser und Vollsäufer samt seinen Jüngern! Dazu aber wissen wir auch noch, daß er mit Zöllnern, Heiden und andern Sündern umgeht und das Brot mit ungewaschenen Händen ißt, und so mag er noch so viele Wunder wirken, und es wird dennoch kein wahrer Schriftgelehrter und Pharisäer an ihn glauben!«
25] Sagte hierauf der Wirt: »Daran wird Ihm auch sicher sehr wenig gelegen sein! So Er der Herr ist - wie ich das nun auch glaube -, da wird Er, als in Sich der vollkommenste Geist aus Gott, wohl nicht nötig haben, Sich nach unseren Weltsatzungen zu richten, sondern wir nach denen, die Er uns geben wird!«
26] Sagten die Pharisäer: »Was du uns sagst, das ärgert uns nicht, da wir wohl wissen, daß du mehr ein Samariter denn ein Jude bist; uns ärgert nur das, daß er viele Juden durch seine Lehren und Taten verführt, und sich als etwas ausgibt, das er nicht sein kann, weil er das Gesetz Mosis in vielen Stücken nicht hält!«
27] Hierauf erhob Ich Mich mit ernster Miene und sagte: »Wem soll Ich diese Unart von Menschen vergleichen? Johannes aß und trank beinahe nichts denn nur Heuschrecken und wilden Honig und führte ein strenges Büßerleben; da sagten sie: 'Wie ist doch der Mensch ein Gleisner und Scheinheiliger!' Aber das sagten sie, weil Johannes ihnen ihre volle Gottlosigkeit und ihrer Sünden Unzahl vorhielt, darum sie es durch Herodes dahin brachten, daß er ihn ins Gefängnis werfen und darin enthaupten ließ.
28] Ich esse und trinke, mache keinen Frömmler und Kopfhänger und begegne jedermann freundlich, und helfe jedem, der zu Mir kommt, glaubt und sich von Mir Hilfe erfleht, und da sagen sie: 'Wie ist der Mensch doch ein Vollsäufer und Vielesser und ein Freund der Sünder, Zöllner und Heiden und achtet der Satzungen Mosis nicht!'
29] Aber was ist denn hernach das, so sie lehren: 'So du opferst, ist es dir nützlicher, als so du selbst ehrest Vater und Mutter!'? Heben da nicht sie Gottes Gebote auf und quälen die Menschen mit den Satzungen, die sie zum Besten ihres Bauches erfunden haben? Darum werden sie aber dereinst auch desto mehr Verdammnis überkommen! Sie bürden den Menschen unerträgliche Lasten auf, sie selbst aber rühren dieselben auch nicht mit dem kleinen Finger an! Für die großen Opfer versprechen sie lange Gebete zu halten, die sie dann von ihren untergeordneten Dienern herz- und sinnlos ekelig den betrogenen und blinden Menschen vorplärren lassen. Sind sie da nicht denen gleich, die da Mücken säugen und dafür Kamele verschlingen?
30] Ja, ja, sie essen das Brot wohl mit gewaschenen Händen, aber ihr Herz ist voll Unflates und Schmutzes. Sie gleichen darum auch den fein und zierlich übertünchten Gräbern, die inwendig voll Moders und Gestankes sind. Mit ungewaschenen Händen das Brot essen, verunreinigt den Menschen nicht - und schon am allerwenigsten dort, wo man oft keine Gelegenheit hat, sich vor dem Brotessen die Hände zu waschen -; aber Lüge, Betrug, Neid, Geiz, Fraß und Völlerei, Stolz, Haß, Zorn, Unzucht, Hurerei und Ehebruch und Gottesleugnung bei sich selbst verunreinigen den ganzen Menschen und machen aus ihm ein Kind der Hölle!«
31] Als die Pharisäer solches von Mir vernommen hatten, da wurden sie grimmig, erhoben sich von ihrem Tische und verließen den Saal, was uns allen sehr lieb war.
32] Und der Wirt kam zu Mir und konnte Mir nicht genug danken darum, daß Ich diesen Pharisäern die Wahrheit so ganz unverhüllt ins Gesicht geschleudert habe, und auch alle Meine Jünger lobten Mich.
33] Der Wirt sagte am Ende: »O Herr und Meister, diese Deine Rede wird etwa doch einen oder den andern dieser Pharisäer auf eine bessere Meinung von Dir bringen?«
34] Sagte Ich: »Eher wäschest du zehn Mohren weiß, als daß da einer dieser Gleisner sich bekehre und Buße tue! Wo in einem Menschen der Geiz, Neid und die Herrschsucht zu tiefe Wurzeln getrieben haben, da ist von einer wahren Besserung schwer eine Rede mehr! Aber lassen wir sie nun brüten unter sich; morgen ist auch noch ein Tag, an dem sich etwas tun lassen wird!«
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