Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 176

Lohn der Lehrer und Propheten (= Arbeiter im Weinberg). Zweck, Wesen und Wirkung der Offenbarungen.

   01] Sagte Ich zu Lazarus und auch zu den andern Jüngern, da auch sie der etwas erhitzten Meinung des Lazarus waren: »Gebet acht, Ich werde euch hier ein Bild geben; das soll euch die Antwort auf die Frage des Lazarus geben!

  • Matthäus.20,01] a Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg zu mieten. (a Matthäus.21,33Jesaja.05,01-07;  ⇒ jl.ev06.176,02*;  gm.pred.010)
  • Matthäus.20,02] a Und als er mit den Arbeitern einig wurde um einen Groschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. (a ⇒ jl.ev06.176,02gm.pred.010)
  • Matthäus.20,03] a Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere an dem Markt müßig stehen (a ⇒ jl.ev06.176,02gm.pred.010)
  • Matthäus.20,04] a und sprach zu ihnen: »Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist.« (a ⇒ jl.ev06.176,02gm.pred.010)
  • Matthäus.20,05] a Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und neunte Stunde und tat nochmals dasselbe. (a ⇒ jl.ev06.176,02gm.pred.010)
  • Matthäus.20,06] a Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere müßig herumstehen und sprach zu ihnen: »Was steht ihr den ganzen Tag müßig da?« (a ⇒ jl.ev06.176,02gm.pred.010)
  • Matthäus.20,07] a Sie sprachen zu ihm: »Es hat uns niemand gedingt.« Er sprach zu ihnen: »Geht ihr auch hin in den Weinberg. Und was recht sein wird, soll euch werden.« (a jl.ev06.176,02*)

       02] a Es war ein Herr, der Arbeiter in seinen Weinberg dingte. Diese kamen am Morgen, und b der Herr wurde mit ihnen um einen Groschen Taglohn einig. c Und um die Mittagszeit ging er hin, wo er noch müßige Leute fand, und sagte: 'Was stehet ihr hier müßig? Gehet hin in meinen Weinberg, und ich will euch geben, was da recht ist!' Und sie gingen hin und arbeiteten. Aber d gen Abend hin sah der Weinbergsherr noch eine Menge Arbeitsleute müßig stehen. Und er ging hin und sagte zu ihnen: 'Warum stehet denn ihr den ganzen Tag müßig da?' Und sie antworteten: 'Herr, es hat uns niemand gedungen!' Da sagte der Herr zu ihnen: 'Nun, so gehet auch ihr hin in meinen Weinberg und arbeitet diese eine und letzte Tagesstunde, und ich werde euch auch noch geben, was recht ist!' Da gingen sie hin und arbeiteten emsig noch die letzte Stunde des Tages. (a Matthäus.20,01*; Matthäus.21,33; jes.05,01-07; jl.ev06.176,02*; gm.pred.010; b Matthäus.20,02*; c Matthäus.20,03-05*; d Matthäus.20,06-07*)

  • Matthäus.20,08] a Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: »Rufe die Arbeiter und gib ihnen den Lohn; und fang an bei den letzten bis zu den ersten.« (a 3. Mose.19,135. Mose.24,14-15Jeremia.22,13Jakobus.05,04;  ⇒ jl.ev06.176,03gm.pred.010)
  • Matthäus.20,09] a Da kamen, die um die elfte Stunde gedingt waren, und jeder empfing seinen Groschen. (a ⇒ jl.ev06.176,03gm.pred.010)
       03] a Am Abend aber berief der Herr zuerst die Arbeiter, die vom Morgen an gearbeitet hatten, und gab einem jeden den bedungenen Groschen. b Dann berief er die, welche nur einen halben Tag gearbeitet hatten, und gab auch einem jeden einen Groschen. Darauf berief er die, welche nur eine Stunde gearbeitet hatten, und gab auch jeglichem einen Groschen. (a Matthäus.20,08*; lev.19,13; dtn.24,14-15; jer.22,13; jak.05,04; b Matthäus.20,09*)

  • Matthäus.20,10] a Als aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Groschen. (a ⇒ jl.ev06.176,04gm.pred.010)
  • Matthäus.20,11] a Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausvater (a ⇒ jl.ev06.176,04gm.pred.010)
  • Matthäus.20,12] a und sprachen: »Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben.« (a ⇒ jl.ev06.176,04gm.pred.010)
  • Matthäus.20,13] a Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: »Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden um Groschen? (a ⇒ jl.ev06.176,04gm.pred.010)
  • Matthäus.20,14] a Nimm, was dein ist, und gehe hin! Ich will aber diesem Letzten soviel wie dir geben. (a ⇒ jl.ev06.176,04gm.pred.010)
  • Matthäus.20,15] Oder a habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel drein, weil ich so gütig bin?« (a Jeremia.18,04-06Jesaja.45,09Römer.09,16Römer.09,21;  ⇒ jl.ev06.176,04gm.pred.010)
       04] a Da sagten die, die den ganzen Tag gearbeitet hatten: 'Herr, wie magst du auch denen, die nur eine Stunde gearbeitet haben, auch das gleiche geben wie uns, die wir doch des ganzen Tages Last und Hitze trugen?' b Da sagte der Herr: 'Was geht denn euch das an, so ich gut und barmherzig bin? Bin ich darum ungerecht, so ich aus meinem guten Willen auch den letzten soviel gebe wie euch? Bin ich mit euch denn nicht um einen Groschen einig geworden? Ihr selbst habt nicht mehr verlangt! c Und so ich euch nun das gebe, was ihr verlangt habt, was wollt ihr nun noch mehr von mir? d Bin ich denn nicht der Herr meines Vermögens, mit dem ich tun kann, was mir wohlgefällt?!' Darauf konnten die ersten Arbeiter dann nichts mehr sagen und waren mit ihrem Tagwerkslohne zufrieden. (a Matthäus.20,10-12*; b Matthäus.20,13*; c Matthäus.20,14*; d Matthäus.20,15*; jer.18,04-06; jes.45,09; röm.09,16; röm.09,21)

  • Matthäus.20,16] a So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.« (a Matthäus.22,14Matthäus.19,30;  ⇒ jl.ev06.176,05*;  jl.ev07.124jl.ev07.195,13jl.ev10.219,03-06;  jl.ev11.284jl.gso2.071,19jl.him2.419jl.him2.435  gm.pred.010)
       05] Und Ich sage euch allen aber auch, daß Mein Vater, der in Mir ist, euch dasselbe tun wird, - a und da werden dann auch die Ersten die Letzten und die Letzten die Ersten sein. (a Matthäus.20,16*)
       06] Der Weinberg aber sind die eigentlichen Menschen dieser Erde als Reben, die zu bearbeiten sind. Diese stehen in keinem Kontrakte mit Mir, sondern sie sind da zur Bearbeitung, auf daß sie Gott dem Herrn brächten eine gute Frucht.
       07] Alle die Propheten aber sind, so wie nun ihr, der Seele nach nicht von dieser Erde, sondern sie sind von oben her gedungene Arbeiter und haben zuvor mit Mir einen festen Kontrakt abgeschlossen wegen der Erreichung der Kindschaft Gottes, die nur auf dieser Erde möglich ist.
       08] Alle die großen Propheten von Anfang an bis jetzt, euch mitgerechnet, die eine große Offenbarung empfingen, sind die a zuerst gedungenen Arbeiter im Weinberge des Herrn. (a Matthäus.20,01-02)
       09] a Die kleinen Propheten, die nur den halben Dienst zu verrichten haben, nämlich die Aufrechterhaltung der einmal gegebenen großen Offenbarung, sind jene, die in Meinem Namen nach euch kommen werden, wohl auch selbst gewisse kleine Offenbarungen habend und daraus weissagend, aber jene Kraft und Macht, die Ich euch geben werde, nicht besitzen werden. Diese werden mit euch den gleichen Lohn haben, weil ihr Glaube ein kräftigerer wird sein müssen; denn weil sie das nicht sehen, was ihr nun alles sehet und erfahret, so wird ihr freiwilligerer Glaube ihnen auch zu einem höheren Lebensverdienste angerechnet werden. So sie dann aber mit euch den gleichen Lohn bekommen werden, so denket, daß sie es schwerer hatten zu glauben, was nun zum Heile aller Kreatur geschieht, da sie nicht gleich euch Zeugen von alldem waren. (a Matthäus.20,03-05)
       10] a Endlich in gar später Zeit werden abermals knapp vor einem großen Gerichte Seher erweckt und zugelassen werden, welche die kurze, schwere Mühe haben, die sehr unrein gewordene Lehre zu reinigen, auf daß sie behalten und nicht von der heller denkenden Menschheit als ein alter Priestertrug verworfen werde. Diese dritten Arbeiter in Meinem Weinberge werden nicht durch große Wundertaten, sondern allein durch das reine Wort und durch die Schrift wirken, ohne eine andere auffallende Offenbarung zu bekommen als nur die des inneren, lebendigen Wortes im Gefühl und in den Gedanken in ihrem Herzen, und sie werden voll des klaren und vernunftvollen Glaubens sein und werden sonach ohne Wunderwerke die verdorrten Menschenreben Meines Weinberges aufrichten und werden von Mir denn auch denselben Lohn bekommen, den ihr als die Arbeiter des ganzen Tages bekommen werdet; denn sie werden es um sehr vieles schwerer haben, fest und ungezweifelt an das zu glauben, was über tausend Jahre vor ihnen hier geschah. (a Matthäus.20,06-14)
       11] Wenn sonach die großen Offenbarungen denn auch hübsch ferne voneinander abstehen, so wird von Gott aus aber dennoch stets dahin gesorgt, daß allzeit und alsogleich wieder neu erweckte Seher unter die Menschen kommen, sobald die Lehren der großen Offenbarung irgend anfangen, unrein zu werden, und das also, daß dabei keines Menschen freier Wille irgendeinen Zwang erleidet. Denn eben darum werden die großen Offenbarungen der Zeit nach stets weit auseinander getrennt, damit die Menschen sich mit ihrem freien Willen desto ungezwungener bewegen können.
       12] Wenn am Ende die Welt die Menschen wieder gar zu weit von ihrer geistigen Bahn abgelenkt hat, so bleibt dann freilich wohl nichts anderes übrig, als zu einer großen Offenbarung zu schreiten, die freilich stets ein Gericht hinter sich hat, weil sie selbst ein leidiges Gericht für die Menschen ist. Denn solange du an das tote Holz kein Feuer legst, wird es nicht brennen; aber das Feuer entzündet es. Und siehe, was das Feuer dem Holze ist, das ist eine große Offenbarung den Menschen. - Verstehet ihr nun das?«


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