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Jesu Gleichnis, was unrein macht und was nicht. Zorn der damit gemeinten Pharisäer.

  • Mt.15,10] a Und er rief das Volk zu sich b und sprach zu ihnen: »Hört zu und vernehmt es: {a = Mk.07,14; jl.ev02.125,01; b jl.ev02.125,02a*}:
       01] a Da rief Ich sogleich alles Volk zusammen, das zum Teil aus den ziemlich vielen Einwohnern der Stadt bestand, die an diesem Tage, als am Vorsabbat, einen Feiertag machten. {a Mt.15,10; =Mk.07,14}
       02a] Als das Volk beisammen und der Saal nahezu vollgefüllt war, sagte Ich zum Volke: »Höret zu, und vernehmet Mich wohl! {a mt.15,10; =mk.07,14}

  • Mt.15,11] a 'Was zum Mund hineingeht, das verunreinigt den Menschen nicht; sondern was aus dem Mund herauskommt, das verunreinigt den Menschen.'« {a = Mk.07,15; Apg.10,15; 1 tim.04,04; tit.01,15; jl.ev02.125,02b*; jl.ev07.085,12; jl.ev10.126,08}
       02b] a 'Was zum Munde eingeht, das verunreinigt den Menschen nicht; aber was zum Munde ausgeht, das verunreinigt den Menschen. Mit ungewaschenen Händen das Brot essen, verunreinigt keinen Menschen. Das sage Ich euch allen und hebe somit für ewig solche Menschensatzung auf!« - Da fing alles Volk an zu Jubeln und lobte Mich. {a Mt.15,11*; =Mk.07,15; Apg.10,15; 1 tim.04,04; tit.01,15; röm.14,14; röm.14,20; jl.ev07.085,12; jl.ev10.126,08}

  • Mt.15,12] a Da traten seine Jünger zu ihm und sprachen: »Weißt du auch, daß sich die Pharisäer ärgerten, als sie das Wort hörten?« {a jl.ev02.125,03*}
       03] a Da traten aber auch die Jünger zu Mir und fragten Mich und sprachen: »Hast Du wohl gemerkt, wie grimmig sich die Pharisäer geärgert haben, als sie Dich solches Wort aussprechen hörten?« {a Mt.15,12*}

  • Mt.15,13] a Aber er antwortete und sprach: »Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen.« {a Apg.05,38; jl.ev02.125,04a*; VatB.295}
       04a] a Sage Ich laut zu den Jüngern: »Alle Pflanzen, die nicht Mein himmlischer Vater gepflanzt hat, werden ausgerottet. {a Mt.15,13*; Apg.05,38}

  • Mt.15,14] Laßt sie fahren, sie sind a blinde Blindenführer! Wenn aber ein Blinder den andern leitet, so fallen sie beide in die Grube. {a = Lk.06,39; Mt.23,24; röm.02,19; jl.ev02.125,04b*; jl.ev03.163,09-11}
       04b] a Lasset sie fahren! Sie sind blinde Blindenleiter. Wo aber ein Blinder einen Blinden führt, da fallen doch sicher beide in den Graben! Diese können sich ärgern wie sie wollen; denn ihr Vater ist ein anderer als der unsrige. Unser Vater ist oben - und der ihrige unten!« {a Mt.15,14*; Mt.23,24; =Lk.06,39; röm.02,19}
       05] Als die Pharisäer solches vernahmen, da wurden sie gelb, grün und feuerrot vor Zorn und Wut; und der Oberste sagte, mit zwar bebender Stimme: »Wir haben nun genug gehört! Er hat Gott und uns gelästert! Nun wissen wir, mit wem wir es zu tun haben, und wer dieser Jesus aus Nazareth ist! Lasset uns daher von dannen ziehen und laut verkünden dem Hohenpriester, welch ein Mensch dieser Nazaräer ist!«
       06] Sagt der Hauptmann: »Man kann wohl in eine Stadt kommen, wie ihr, nach eigenem Willen; aber das Hinauskommen liegt im Willen des Machthabers über die Stadt! Es ist wohl bald gesagt: 'Lasset uns hinausziehen!'; aber da tritt der Machthaber entgegen und spricht: 'Ihr bleibet!'« - Das letzte ward mit einer Donnerstimme hinausgedröhnt.
       07] Über die letzten Worte: »Ihr bleibet!« erschraken die Pharisäer aber auch derart, daß sie alle erdenbleich wurden, zu beben begannen und kein Wort mehr über ihre Lippen zu bringen imstande waren.
       08] Als der Hauptmann sah, daß seine Anrede auf sie einen mörderischen Eindruck gemacht hatte, da sagte er weiter: »Bevor ich euch werde abziehen lassen, werden wir miteinander noch viel zu reden haben, und ihr werdet mir zuvor noch ein Paar Kontrakte und ein Zeugnis mit eurer Handschrift im Beisein des Volkes unterfertigen; aber sowohl die Kontrakte als wie das Zeugnis auf Leben und Tod! Wohl verstanden! Denn sowie ich durch meine scharfhörigen Spione erführe, daß ihr nur einen Punkt der Kontrakte nicht hieltet, so seid ihr noch am selben Tage des Todes, und möchtet ihr euch auch hinter tausend Tempeln verbergen!«
       09] Hier ließ sich der Hauptmann von seinen Dienern sogleich ein Schreibzeug bringen und schrieb folgendes: »Kontrakt Nr. 1: Wenn einer von euch es wagen sollte, über Jesus von Nazareth auch nur ein schmählich Wort zu reden, entweder untereinander oder zu jemand Fremdem, was augenblicklich aufkommen wird, der verfällt dem Gerichte und dem Tode! - Kontrakt Nr. 2: Wer von euch von alledem, was sich hier zugetragen hat und hier geredet ward, in Jerusalem und im Tempel nur eine Silbe fallen ließe und Jesus dem Herrn ein böses Zeugnis gäbe, ob im Tempel oder in einem andern Hause, der verfällt dem peinlichen Gerichte und darauf dem martervollsten Tode! Und niemand tröste sich mit dem: >Es wird doch wohl sicher nicht aufkommen!< Wie schon gesagt, im selben Momente, als wo ihr immer nur eine Silbe von dem aussagen werdet, was in den zwei Kontrakten euch zu schweigen geboten ist, werden es meine Spione erfahren, und mit euch wird es geschehen, was euch in diesen Kontrakten verheißen ist!«
       10] Darauf schrieb der Hauptmann das Zeugnis, das also lautete: »Wir samt und sämtlich bekennen am Ende mit unserer Handschrift zur Steuer der Wahrheit pro memoria aeterna (zur ewigen Erinnerung), daß wir den bekannten Raub der kaiserlichen Steuern und Schätze aus dem Pontus und aus Kleinasien begangen und solche durch eine allerschmählichste List den Überbringern abgenommen haben, aber bei dem Transporte nach Jerusalem in Kis durch den Jesus von Nazareth verraten worden sind, wennschon nicht mündlich, so doch durch seinen Einfluß. Wir wären zwar vom Richter Faustus samt und sämtlich zum Tode verdammt worden - aber Jesus von Nazareth hat sich für uns verwendet, und wir kamen unverletzt davon! - Dies ist eine Wahrheit, für die wir unser Leben einsetzen!«
       11] Als der Hauptmann diese drei Stücke fertiggeschrieben hatte, las er sie ganz ruhig den Pharisäern und Schriftgelehrten vor. Bei jeder Zeile wurden ihre Gesichter länger und länger, und als sie das Zeugnis verlesen hörten, da erst schlugen sie die Hände über den Häuptern zusammen und schrien: »Was, das sollen wir unterschreiben?!«
       12] Sagt der Hauptmann: »Ja, es ist reine Wahrheit! Wollt ihr solche aber nicht, so stehen dort schon die Büttel mit Ruten, Geißeln und scharfen Beilen versehen!« - Hier sahen sich die Pharisäer um und ersahen die Schreckensmänner. Da verlangten sie aber auch gleich ohne Widerrede Schreibzeug. Der Hauptmann aber erinnerte sie noch, ihre wahren Namen zu unterschreiben, da ein falscher Name jedem den Tod brächte. Da unterschrieben sie ihre wahren Namen, und wer aus dem Volke schreiben konnte, mußte als Zeuge unterschreiben.
       13] Als die drei Dokumente also in der Ordnung waren, sagte der Hauptmann: »Nun habe ich das, was ich von euch schon lange gern gehabt hätte, und ihr wißt es, was ich habe. Was ihr zu beachten habt, wißt ihr auch, und somit sind wir fertig. Nun möget ihr schon ziehen, wohin ihr wollt! Bis an die Grenze wird euch sicheres Geleit gegeben!«
       14] Hierauf packten diese Pharisäer und Schriftgelehrten auch sogleich zusammen, und es dauerte keine halbe Stunde, so hatten sie Genezareth auch schon hinter dem Rücken, ganz stille, ohne Wort und Laut.

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