Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

184. Kapitel: Gute Antwort des Weisen.

   01] Spricht der Weise: »O Herr, Deine Forderung an uns alle ist unaussprechlich mild, sanft und über alle Maßen gut! Es bedarf von unserer Seite wohl ewig nicht des geringsten Besinnens, um selbe mit dankerfülltem Herzen nicht augenblicklich anzunehmen! Was sollen wir uns fragen, was beschließen, ob uns Deine heiligste Anforderung in unseren Herzen genehm wäre oder nicht?
   02] O Du allerheiligster Wohltäter, wir werden ewig nie Dir gebührend zu danken imstande sein für diese endlose Wohltat und Gnade, die Du uns nun erzeigt hast: daß Du uns durch Deine für uns unbegreifliche Herablassung solch unerhörte Liebe erzeigt hast, uns Geschöpfen einen so überleicht zu wandelnden Weg zu zeigen, auf dem wir die höchste Himmelswürde erlangen können, Deine freien Kinder zu werden! Und wir sollten uns dazu noch besinnen?
   03] O Herr, o Vater, Du ewiger, heiligster Geist - wenn ich tausend Leben hätte und müßte sie hergeben zur Erreichung Deiner Kindschaft nur dem geringsten Grade nach - wahrlich, ich gäbe sie mit tausend Freuden und wenn der Verlust eines jeden Lebens auch mit größten Martern und Schmerzen verbunden wäre! Und ich sollte mich hier über solche höchsten Gnadengaben noch bedenken, ob ich und dies Volk sie annähmen oder nicht?
   04] Du heiligster Vater! Ich will nicht ja und nicht nein sagen mit dem Munde. Sieh nur gnädig in unsere, Deines heiligsten Anblickes freilich wohl ewig unwürdigen Herzen. Diese werden Dir noch ein tausendmal feurigeres Ja entgegenbeben, als wie feurig dort jene Weltgeschwulst ist, die nun bald zum Ausbruch reif sein wird.
   05] O Herr, o Vater, alles, alles, das Du willst, wollen wir noch genauer erfüllen, als wie da bahnen die kleinen Welten um unsere nun durch Dich für ewig geheiligte große Erde!
   06] Aber nur diese Bitte lasse nicht unerhört an Dein heiligstes Vaterherz dringen, daß Du uns von nun an mit Deiner sichtlichen Gegenwart nicht für immer verlassen möchtest, sondern Dich nach Deinem Wohlgefallen uns dann und wann zeigen möchtest!
   07] Denn siehe, zu mächtig ist unser aller Liebe zu Dir nun entbrannt! Welch einen Jammer würden unsere Herzen empfinden, so unsere Augen Dich, o heiligster Vater, nimmer erblicken und unsere Ohren nimmer vernehmen sollten Deiner Vaterstimme so wohlklingende Worte! Haben sie doch unsere gebeugten Herzen plötzlich mit einer solch unerhörten Lebensfülle erfüllt, daß wir keine Worte finden können, Deine wahrste Gott-Vatergnade zu beschreiben!
   08] Daher, o Herr, laß diese Bitte von uns allen nicht ganz unerhört an Dein Vaterherz dringen. Dein allein heiligster Wille sei ewig gepriesen
   09] Rede Ich: »Kindlein, worum ihr bittet, das habe Ich schon lange väterlich vorgesehen. Der Schöpfer bleibt nur den Geschöpfen unsichtbar und unerforschlich. Denn die Geschöpfe sind gerichtet in des Schöpfers Macht und können nie vor Ihn hintreten, Ihn schauen und vernehmen Seine Stimme. Aber ganz anders steht es mit den Kindern, die Ich als Schöpfer und nunmehr Vater frei gestellt habe durch Wort und Lehre. Diese können Mich sehen und sprechen, wann sie wollen - vorausgesetzt, daß ihre Herzen sich in der Ordnung Meiner Lehre befinden!
   10] Ist das aber nicht der Fall, sind die Herzen sinnlich gestimmt, haben materielle Dinge und nichtige Weltsorgen in ihnen Platz genommen und Mein Wort und Meine Lehre untätig gemacht: da freilich kann Ich nicht mehr gesehen und gehört werden, weil da so ein werdendes Kind meiner Gnade, Liebe und Erbarmung dann wieder das gerichtete Kleid der Geschöpflichkeit angezogen hat - wozu es freilich auch die volle Freiheit hat.
   11] Daher bleibt fortan alle in dieser Meiner Lehre! Bewahrt eure Herzen in eurer urangestammten sittlichen Reinheit, auf daß Meine Vaterliebe in ihnen Raum haben und in euch erzeugen kann ein neues Leben, das da ist ein wahrstes, freiestes in und aus sich selbst. Dann werdet ihr nie Grund haben, zu klagen: 'Herr, Vater, wo bist Du? Warum können wir Dich nimmer sehen und nicht vernehmen Deine Vaterstimme?'
   12] Wahrlich sage Ich euch: Alle, die an Meiner Lehre tätig hängen, die sind es, die Mich wahrhaft lieben. Da sie Mich aber wahrhaft lieben, werde Ich entweder sichtlich oder vernehmlich stets unter ihnen sein und werde sie Selbst lehren und ziehen zu Meinen Kindern. -
   13] Nun aber schafft Speise und Trank herbei, soviel ihr könnt! Wir wollen uns alle sättigen, und ihr werdet es sehen, daß Ich euch segnend gleich wie ihr essen und trinken werde, und alle die Brüder und Schwestern, die mit Mir sind! Also geht und tut nach Meinem Worte!«


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