Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

185. Kapitel: Freuden- und Dankrede des Weisen. Die überschwemmten Fruchtgärten. Vertreibung Satans durch Petrus und Martin.

   01] Als der Weise solches Verlangen von Mir vernimmt, erregt er sich freudigst und spricht: »O Herr, o Vater voll Liebe, Güte, Herrlichkeit, Macht, Kraft und Heiligkeit! Das erst gibt uns die größte Bürgschaft, daß Du uns nimmer verlassen wirst. Denn wer mit uns speist, der sagt uns, daß er bei uns bleiben wolle. Und so wirst auch Du bei uns verbleiben, wie Du es uns ehedem verheißen hast. O ewig alles Lob, alle Ehre und aller Dank Dir darum!«
   02] Auf diese Worte eilt alles hinaus und will aus den Gärten Speise holen um sie im reichsten Maße und in ausgewähltester Art vor Mir hinzulegen.
   03] Aber als die Speiseholer hinaus ins Freie treten, werden sie trübselig überrascht, da sie das von der großen Feuergeschwulst hinausgetriebene Wasser über die reichen Fruchtgärten stehend erblicken. Sie sind daher nicht imstande, auch nur etwas Weniges aus den großen und sonst überreich bestellten Gärten zu bekommen für den von Mir verlangten Zweck. Sie kommen daher auch ganz traurig zurück,
   04] und der Weise spricht: »O Herr, vergib uns Armen! Du siehst, die arge Feuergeschwulst hat mit dem garstigen Meereswasser alle unsere Fruchtgärten überdeckt, und das dergestalt, daß wir nicht das Kleinste daraus zu bekommen imstande sind. Treibe daher diese arge Flut vorher hinweg, und wir werden dann sogleich Deinem Verlangen gemäß handeln können.
   05] Rede Ich und berufe den Martin und Petrus: »Mein Bruder Petrus, und du auch, Martin: Geht hinaus, schlagt die Flut und vernichtet die arge Feuergeschwulst, auf daß diese nicht aufgehalten sind in der Erfüllung Meines Verlangens! Sollte euch aber der Feind nicht gehorchen wollen auf den ersten Ruf, dann gebietet ihm in Meinem Namen zum zweiten und zum dritten Male! Sollte er auch da sich widerspenstig zeigen, so macht dann einen ernsten Gebrauch von der euch innewohnenden himmlischen Gewalt! Also sei es!«
   06] »Petrus und Martin verneigen sich vor Mir und gehen eilends mit dem Weisen hinaus ins Freie. Als sie da anlangen, erstaunt Martin gewaltig über diesen Spektakel und spricht:
   07] »Ah, - das ist doch ein niederträchtigstes schändlichstes, verworfenstes, allerbösestes Luder! Aber sage mir doch, Bruder Petrus, wird denn diese halbewige Erzkanaille nimmer aufhören, Böses zu treiben und Schändliches zu tun?
   08] Du, Bruder, zuckst mit den Achseln! Das will so viel sagen als: 'Das weiß allein der Herr!' - Ja, ja, du hast allerdings recht; aber freuen soll sich nun das Luder, so es uns nicht urplötzlich Folge leisten wird! Wahrlich, dem soll sein Starrsinn teuer zu stehen kommen! Unsere vom Herrn und Vater verliehene himmlische Gewalt wird ihm wohl etwas zu sagen imstande sein, wo er künftighin seine bösen Gaukeleien treiben soll! Bruder, sollen wir zugleich rufen, oder rufst du allein, oder soll ich allein im Namen des Herrn für uns beide rufen?«
   09] Spricht Petrus: »Rufe du im Namen des Herrn allein für uns beide!«
   10] Spricht Martin: »Gut, so will ich's versuchen! Und so vernimm denn, du arge Flut, und du auch, überarge Feuergeschwulst, und hauptsächlich du, alter, bösester Satan: Weicht augenblicklich zur Ordnung des Herrn zurück, sonst fürchtet ein gerechtes und allerschärfstes Gottesgericht! Amen! Dreimal Amen, Amen, Amen!«
   11] Auf diesen Ruf erschallt zurück ein gellendes Gelächter und danach diese Worte:
   12] (Satan:) »O du elende Schmeißfliege von einem Bischof Martin! Du Zehntausendmal-weniger-als-Nichts willst mir gebieten zu weichen? Siehe, mich bringt weder Gott noch alle Seine Himmel zum Weichen, geschweige du elendstes Nichts!
   13] Aber nun rufe ich dir und all dem anderen Schmeißgesinde aus purer Großmut zu: Verkriecht euch irgendwohin in Löcher, sonst sollt ihr alle von der guten und sehr warmen Speise etwas zu verkosten bekommen, die in meinem großen Topfe sogleich vollends fertig gekocht sein wird!
   14] Es ist wohl nicht darum, um mich an euch Nichtsen zu rächen, denn ein mächtigster Löwe fängt nicht Fliegen. Ich tue, was ich hier tue, notwendig zur Erhaltung meiner Schöpfung! Auf daß ihr Nichtse aber dabei nicht zugrunde geht, so flüchtet euch und erfrecht euch ja nimmer, mich etwa noch einmal zu bedräuen! Treibt meine große Geduld nicht aufs äußerste! Wehe euch, so sie reißt!«
   15] Martin zerplatzt fast vor Ärger über diese Frechheit Satans und weiß nicht, was er ihm in aller Eile erwidern soll.
   16] Petrus aber ermahnt ihn und spricht: »Bruder ärgern darfst du dich ja nicht, denn dadurch tust du gerade, was er eigentlich von dir haben will. Den muß man ganz anders fangen! Sieh, ich werde ihn sogleich zum Weichen bringen, und das mit der größten Ruhe! Ich werde ihm nur ganz sanft sagen: 'Satana, der Herr Jesus Christus sei auch mit dir!' - Und sieh, schon weicht die Flut und die Feuergeschwulst sinkt in ein wahrstes Nichts zusammen. Er meldet sich nicht mehr und muß sich über alles ergrimmt zufriedenstellen, was meine Himmelsgewalt über ihn verfügt hat.«
   17] Spricht Martin: »Ah, das hätte ich nicht geglaubt, daß sich dieses Unwesen so bald fügen wird! Ist denn das die Himmelsgewalt? Ich habe mir darunter ganz etwas anderes gedacht! Ich danke dir, Bruder, für diese wahrhaft himmlisch-weise Belehrung. Durch sie bin ich nun schon wieder ums tausendfache weiser geworden!
   18] Sieh, das Wasser ist ganz zurückgewichen und von der glühenden Geschwulst ist auch nichts mehr zu entdecken! Dem Herrn Lob und Ehre ewig! Ich glaube, nun wird sich dieses arge Luder von einer Satana oder von einem Satan nicht so bald wieder in unsere Nähe wagen.«
   19] Spricht Petrus: »Sorge dich darum nicht, der hat schon ganz andere Lektionen bekommen als diese da. Aber kehre die Hand um, so ist er schon wieder mit einer ganz neuen Erfindung fertig! Es wird gar nicht lange währen, wird er uns wieder zu schaffen geben. Aber so man ihn mit nichts in die Flucht schlagen kann, muß man dann wieder zur Gewalt der Himmel Zuflucht nehmen und er ist besiegt. Merke dir das, Bruder, und tue darnach ein nächstes Mal!«
   20] Darauf wendet sich Petrus zu dem Weisen, der noch ganz verblüfft vor den beiden steht und sagt zu ihm: »Nun erfüllt des Herrn Verlangen, denn eure Gärten sind wieder frei!«
   21] Der Weise verneigt sich tief und eilt dann in die Gärten, zu holen Speise und Trank.


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