Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

58. Kapitel: Mehr über die Gesellschaft von männlichen und weiblichen Dienern Roms. Ein katholisch-chinesischer Missionar.

   01] Spricht einer aus der Gesellschaft: »Lieber Freund und Bruder! Wir alle haben im Jahre 1846 nach Christi Geburt die Erde verlassen. Auf der Erde lebten wir sehr zerstreut und haben uns erst hier in der Geisterwelt so eigentlich zusammengefunden. Denn wir waren auf der Erde Mönche aus dem Orden der Jesuiten, Liguorianer, Minoriten und Karmeliter. Wir sind männlicherseits bei 800 an der Zahl; die 200 Schwestern sind zum Teil aus dem Orden der 'Barmherzigen' und zum Teil aus dem Orden der 'Schulschwestern' und 'Herz-Jesu-Damen'.
   02] Nun weißt du, unser aller lieber Freund und Bruder, wann wir auf der Erde gelebt haben und was wir waren. Alles andere kannst du dir leicht selbst denken, was wir alles für Narrheiten haben ausführen müssen, wie uns Rom in die ganze Welt aufs Fischen hinausgesandt hat. Und wie wir für diese saure Ehre uns zum Teil in Asien, zum Teil im glühenden Afrika und Australien und auch in Amerika haben müssen die Köpfe abschlagen lassen. Und als wir dann, hier in der Geisterwelt anlangend, meinten, als offenbare Märtyrer sogleich die Krone der ewigen Glorie zu erreichen, da erst ging das Elend so recht radikal an!
   03] Wie ich dir sage, du bist nach wirklichen oder bloß nur gefühlten Trillionen von Erdenjahren - was ein Teufel ist - das erste menschliche Wesen, dem wir in dieser endlosen Wüste begegneten. Ist das nicht scheußlich - so ein Lohn für unsere märtyrerischen Mühen auf der Erde? Ach wie große Esel sind doch die Menschen auf der Erde! Wir aber waren doch sicher die allergrößten!
   04] Freilich, wohl glaubten wir alles das, was wir den andern Menschen mit glühendsten Zungen lehrten, nicht im geringsten - denn unser Motiv war nur Rom und die goldenen Fische für uns und für Rom. Aber Christus haben wir dennoch gepredigt und viele Heiden zum Christentum bekehrt und haben uns am Ende noch müssen martern lassen. Welchen Lohn wir hier dafür geerntet haben, das zeigt dir unser namenloses Elend in dieser Welt.
   05] Ich bin ganz besonders gut zum Teile gekommen! Ich war in China und hatte dort, dieser Sprache mächtig, zehn Jahre hindurch recht gute Geschäfte gemacht. Ich drang vor und kam mit Hilfe einer wunderschönen Chinesin sogar vor den Hof. Da aber entlarvte sich diese Bestie, die ich leider zu tief in meine Geheimnisse eingeweiht hatte, und verklagte mich sogleich bei der höchsten Behörde des Betrugs und meiner andern Absichten, die freilich auch einen Hochverrat im Schilde führten.
   06] Ich wurde ergriffen und sogleich zwischen zwei steinerne Platten gesteckt und festgeklemmt. Zu deren beiden Seiten fingen die Mandarins zu heizen an, wodurch diese Platten nach und nach stets mehr erhitzt und ich langsam gebraten wurde. Diese Todesart ist doch sicher die schmerzvollste und man sollte glauben, damit alle Todsünden abgebüßt zu haben; allein, höre! Diese Marter ward an mir auch nach dem Tode fortgesetzt durch jene zwei glühenden Felsen, deren ich schon früher erwähnt habe.
   07] Das war der Lohn für meine vielen irdischen Mühen bisher; was noch folgen wird, weiß ich nicht. - Ich glaube, du wirst nun so ziemlich mit unserm Wesen und Lose vertraut sein. Wir sind mit einem Worte kreuzarme Teufel nun, und du tust an uns ein gutes Werk; der Herr, so Er irgend Einer ist, entgelte dir's!«
   08] Spricht Bischof Martin: »Oh, nun weiß ich auf einmal mehr als ich eigentlich wissen wollte! Aber das macht nichts; wir bleiben deshalb noch gute Freunde! Bringt mir aber die Klosterjungfern her, auf daß ich auch von ihnen erfahre, wie sie zu euch und hierher gelangt sind!«


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