Jakob Lorber: 'Die zwölf Stunden'


12. Stunde


Inhaltsübersicht:


   01] Nachdem wir in der elften Stunde den verlorenen Sohn von seinem Aufgange bis zu seinem Niedergange begleitet und beleuchtet haben, und haben auch die Zeit berechnet, und die Stunde nahe bestimmt, die da zeugen solle von seinem Untergange, so wollen wir in dieser zwölften Stunde sehen, wo und wie dieser verlorene Sohn wieder zurückkehren wird, durch und durch gedemütigt in das große Vaterhaus.
   02] Um aber dieses vollends zu verstehen, ist es nicht nur hinreichend, dass wir das Weltstäublein, Erde genannt, ein wenig durchschaut haben; sondern, da Ich zu diesem Zwecke in der euch bewußten Camera obscura des Geistes eine schon erwähnte kleine Vorrichtung hinzugegeben habe, noch einmal in dieser neu vorgerichteten Kammer einen etwas weiter gedehnteren Blick zu tun. - Ich sage euch aber zum Voraus, macht euch gefaßt; denn dieser Anblick wird euch etwas vor eure Augen führen, das noch bis auf diese Zeit in keines Menschen Sinn gekommen ist.
   03] Vermöge dieser neuen Vorrichtung wird die Tafel zur Aufnahme eines so großen Bildes auch wohl natürlicherweise selbst etwas vergrößert werden müssen, und statt der früheren wagrechten Lage eine senkrechte annehmen. Nun seht, unsere Vorrichtung ist getroffen; so richtet denn eure Blicke hin auf die weitgedehnte Tafel, und sogleich werdet ihr das große Bild auf derselben erblicken. Denn nur auf diese einzig und alleinige Art ist es möglich, die endlos ausgedehnte Schöpfung unter einem Bilde euch vor die Augen zu stellen.
   04] Nun seht nur genau hin auf die Tafel, und sobald ich das Wort 'Epheta'! aussprechen werde, da werdet ihr das großartige Bild auf der Tafel erschauen. Und nun denn, da eure Blicke dahin gerichtet sind, sage Ich: 'Epheta'! -
   05] Nun, was sagt ihr zu dem Bilde? Nicht wahr, ihr erblickt auf dieser Tafel nichts mehr und nichts weniger, als die deutliche Figur eines Menschen, dessen Lenden nur kaum von einigen Lumpen bedeckt sind, und dessen Haare zottigen Aussehens ihm bis über den halben Leib vom Kopfe herabhängen.
   06] Nicht wahr, ihr werdet euch wohl denken, - "an diesem Bilde ist gerade nichts besonderes zu sehen, außer dass es auf dieser Tafel in einer sehr kolossalen Form dargestellt ist. Übrigens aber hätte ein solches Bild auch ein jeder nur einigermaßen bewanderte Figurenzeichner mit einer weißlichten Farbe auf eine schwarze Tafel entwerfen können;" - und Ich kann euch nichts anderes dazu sagen, als dass euer Schluß vor der Hand seine Richtigkeit hat; so ihr noch etwas tiefer denken wollt, so möchtet ihr auch wohl bald in dieser weißlichen Figur die Gestalt des verlorenen Sohnes erblicken.
   07] Aber seht, Meine lieben Kinder! Die Tafel ist ein wenig zu weit weg gestellt für eure Augen, daher gehen wir vollends an die Tafel hin; denn die ganze Gestalt habt ihr jetzt schon gesehen, daher wollen wir die Farbe, mittelst welcher diese Figur an diese Tafel aufgetragen ist, ein wenig näher untersuchend beschauen.
   08] Nun, jetzt sind wir an der Tafel. Seht, diese klafterbreite schimmernde Fläche ist ein Teil des Fußes dieser ganzen Figur. Seht nur recht nahe hin, und sagt Mir, was ihr darauf entdeckt. Seht nur recht genau; nicht wahr, ihr entdeckt nichts, als lauter nahe aneinander gereihte kleine schimmernde Kügelchen. Ihr wisst, dass dieses Bild kein gemaltes, sondern nur ein Lichtbild ist eines äußeren Gegenstandes.
   09] Was meint ihr wohl, was diese Kügelchen in der Wirklichkeit sind? Seht, Ich will euch nicht lange herum raten lassen; aber, wenn ihr meint, dass diese Kügelchen etwa Abbilder sind von entfernten Sonnen, Planeten, Monden und Kometen, hört, da müßte Ich euch wohl sagen: Kinderchen! Urteilt nicht zu vorschnell, sonst möchtet ihr euch gar gewaltig irren! Jedoch bevor Ich euch das Wesen dieser kleinwitzigen Kügelchen enthülle, bemüht ihr euch auf einem linsengroßen Flecke diese Kügelchen zu zählen!
   10] Nun, seid ihr schon fertig? - Ja, ja, Ich sehe schon, ihr werdet damit nicht leichtlich fertig; denn es ist eine für euch kaum aussprechbare Zahl solcher Schimmerpünktchen auf dieser linsengroßen Fläche vorhanden, und möchten ihrer wohl mehr als eine Trillion sein; und da ihr euch so ein wenig vertraut gemacht habt mit der Farbe, so sage Ich euch, wovon ein solches Pünktchen eigentlich ein Abbild ist. Wie schon gesagt, nicht etwa von einer Sonne, oder von einem anderartigen Weltkörper, sondern ein jedes solches Pünktchen, oder wie es sich euren geistigen Augen darstellt als Kügelchen, ist nichts mehr und nichts weniger als das Abbild einer Hülsenglobe; was es aber mit der 'Hülsenglobe' für eine Bewanntnis hat, brauche Ich euch nicht mehr zu erklären.
   11] Nun treten wir wieder ein wenig zurück, und schauen uns wieder die ganze Figur an. Seht, wie es ist eine vollendete Menschengestalt; und da ihr nun diese Figur hinreichend beschaut habt, so sage Ich euch: Diese Figur stellt aus und nach Meiner ewigen Ordnung das Universum dar; und ist in seiner Art von niemanden, außer von Mir in der Wirklichkeit so erschaulich. Auch hat dieses Bild, wie ihr es jetzt erschaut habt, noch nie ein erschaffener Geist gesehen.
   12] Aber Ich sehe schon wieder, was in euch steckt. Ihr möchtet wohl gerne eure Erde in diesem Menschen erblicken. Solches euch zu zeigen, kann wohl nicht sein, so lange die ganze Figur auf der Tafel prangt. Aber wartet ein wenig; denn seht, Ich bin ein sehr guter Optiker, daher will Ich in unserer Camera erst eine kleine optische Veränderung vornehmen, nach welcher Veränderung von dieser ganzen Figur nichts als nur ein einziges leuchtendes Pünktchen zurück bleiben wird.
   13] Nun seht, die Figur ist verschwunden; es ist bereits alles in der Ordnung. Treten wir jetzt nur wieder näher der Tafel und suchen unser Pünktchen auf. Nun, habt ihr es schon gefunden? - Eines allein gibt freilich nicht viel Licht; aber strengt eure Sehe nur an, ihr werdet es schon finden.
   14] Ihr müsst nicht hinaufschauen auf die hohe weitgedehnte Tafel, sondern da ganz zu unterst seht hin, da ihr früher den linken Fuß der ganzen Figur gesehen habt, und da zwar am äußersten Ballen des kleinen Zehens. Dieses Kügelchen ist diejenige Hülsenglobe, innerhalb welcher sich auch eure Erde befindet.
   15] Damit wir aber zu unserer Erde gelangen können, werde Ich denn schon auch wieder mit Meinem 'Epheta' über das Schimmerpünktchen kommen müssen, und so spreche Ich denn 'Epheta!' Nun seht, wie dieses Kügelchen auseinander gegangen ist, und nimmt nun beinahe die ganze große runde Gestalt der Tafel ein.
   16] Seht die zahllosen leuchtenden Pünktchen nun wieder durch einander schimmern. sucht nun euch eure Erde heraus. Nicht wahr, ihr mögt sie nicht finden, aus der großen Unzahl dieser Schimmerpünktchen heraus. Ja, Ich sage euch, ihr würdet euch auch vergebliche Mühe machen; denn diese Pünktchen, die ihr da seht, sind schon wieder keine Sonnen, sondern sind ganze Sonnenwelten-Gebiete;
   17] daher werde Ich nun wieder ein Pünktchen, und zwar das rechte heraussuchen, und alles übrige auslöschen von der großen Tafel. Nun, da ist das erwählte Pünktchen, und damit wir schneller zum Ziele gelangen, sage Ich sogleich wieder 'Epheta'!
   18] Nun seht, unsere Tafel ist schon wieder voll neuer leuchtender Pünktchen. Allein diese leuchtenden Pünktchen sind schon wieder keine Sonnen, sondern sind lauter Sonnenwelten-Alle; daher wird es mit der Auffindung der Erde sich auch hier nicht tun.
   19] Und so will Ich aus diesen Pünktchen auch wieder das rechte erwählen, und alles übrige von der Tafel löschen. Nun, da ist das Pünktchen. Seht, wie es einsam matt schimmert auf der großen Fläche! Aber nun Mein 'Epheta!' und das Pünktchen soll gleich eine größere Ausdehnung bekommen; darum 'Epheta'!
   20] Nun seht, unsere Tafel ist denn schon wieder voll von lauter glänzenden Pünktchen. Möchtet ihr euch da nicht die Erde heraussuchen aus all diesen trillionenmal trillionen Pünktchen? Allein ich muß euch hier auch schon wieder sagen: Gebt euch keine Mühe; denn auch diese Pünktchen sind noch keine Sonnen, sondern einzelne Sonnengebiete, und sind das, was ihr unter euren sogenannten Nebel-Sternen begreifet.
   21] Allein damit wir schneller zum Ziele gelangen, will Ich euch da das rechte Pünktchen erwählen, und alles übrige von der Tafel löschen, und zugleich das'Epheta'! hinzufügen.
   22] Nun seht hin auf die Tafel. Nicht wahr, ihr seht eine Schimmergrieswolke, die sich horizontal über die ganze Tafel verbreitet, und ist siebenmal so lang als breit (unsere Milchstraße, d. Ed.). Nun seht, da hübsch gegen die Mitte wollen wir uns wieder ein solches Schimmergrieswölkchen wählen, und alles übrige wieder auslöschen von der Tafel. - Nun es ist schon alles wieder geschehen, wie ihr seht, und Mein Epheta gebe diesem Pünktchen wieder seine rechte Gestaltung.
   23] Nun seht hin recht genau; jetzt werdet ihr euch wohl schon auskennen. Seht, da in der Mitte ein leuchtendes linsengroßes Scheibchen; seht, es ist das Bild eurer Sonne, und seht nun genauer hin; der dritte schimmernde Punkt von der Sonne auf der linken Seite etwas abwärts ist eure Erde.
   24] Ich brauche euch nun dieses Bild nur ein wenig zu vergrößern, und ihr werdet eure Erde sogleich erkennen; und so tue du Erdenpunkt dich auf, auf dass dich Meiner Beschauer erkennen mögen. Und seht, wie nun dieser Punkt sich allmählig ausdehnt, und nun denjenigen Durchmesser erreicht hat, der da hinreichend genügt zu erkennen euer naturmäßiges schmutziges Wohnhaus. -
   25] Da wir nun jetzt alles gesehen haben, so kehren wir wieder zu unserem verlorenen Sohne zurück. Und seht hin auf die Tafel; schon wieder prangt unsere erste Figur auf derselben. Aber seht, jetzt wird diese Figur kleiner und kleiner, und seht, jetzt hat sie nur kaum noch die Größe eines Kindes, und seht abermals hin, nun ist auch dieses Kind zu einem Punkte zusammen geschmolzen; aber seht, auf der rechten Seite der Tafel fängt ein anderes großes Menschenbild an aufzutreten; und nun ist es auch in der Mitte der Tafel, und unter seinem linken Fuße entdeckt ihr noch das früher eingegangene Pünktchen, welches da ist im rechten Verhältnisse seiner Größe zur Größe dieses neuen Bildes.
   26] Was meint ihr wohl, was dieses neue Bild vorstellt? Ihr werdet euch vielleicht denken, die ihr mehr oder weniger den großen Menschen in den Schriften Swedenborgs habt kennen gelernt, das sei dieser größte Mensch. Ich aber sage euch: Weit fehl geschossen! Dieser Mensch, den ihr da seht, ist nichts mehr und nichts weniger als der sich selbst wieder gefundene verlorene Sohn, aber nicht etwa in seiner Allheit, sondern es ist derjenige verlorene Sohn, der sich in einem jeden einzelnen wiedergeborenen Menschen wiedergefunden hat; oder mit andern euch leichter verständlichen Worten gesagt: das ist ein Allergeringster in Meinem neuen Reiche, und es ist hier in diesem Bilde euch ein gerechtes Verhältnis dargestellt, und zeigt euch das vollkommene Maß eines Menschen, welches unendlichmal erhabener ist, denn das ganze euch durch die frühere Zergliederung gezeigte endlos scheinende Universum in der Gestalt des verlorenen Sohnes!
   27] Wenn ihr nun so dieses Bild ein wenig beherzigt, so dürftet ihr auch schon ein wenig zu begreifen anfangen, was es mit der Rückkehr des verlorenen Sohnes für eine Bewandtnis hat.
   28] Ihr müsst euch nicht etwa denken, dieser euch in der 'elften Stunde' bekannt gegebene gefallene Luzifer wird als Ganzer wieder zurückkehren; wenn solches möglich gewesen wäre, wahrlich, es hätte nie eine materielle Schöpfung stattgefunden, sondern
   29] in einen jeden einzelnen Menschen, der nach Meinen Worten lebt, und wiedergeboren wird durch das Wort und durch die Erlösung, wird dieser Verlorene (als ein Teil, d. Ed.) wiedergefunden, und wird zurückkehren in das große Vaterhaus! -
   30] Ich sage euch nicht umsonst: in das große Vaterhaus; denn für so groß gewordene Menschen muß auch ein gar großes Haus bereitet sein, da sie werden Wohnung nehmen können wieder bei ihrem Vater. --
   31] dass es aber so ist, könnt ihr aus all' dem Vorhergegangenen ja klar und deutlich abnehmen; denn leidet nicht bei den allgemeinen Drangsalen ein jeder Mensch in sich selbst, und wird jeder geschlagen für seine eigene Person? Es gelten aber alle diese Schläge einem und demselben verlorenen Sohne.
   32] So aber ein Mensch geschlagen wird, ist es nicht so, dass nur er als der Geschlagene den Schmerz empfindet, während der Ungeschlagene oft genug nur zu schmerzlos zusieht? Oder so da mißhandelt wird eine ganze Nation in einem andern Weltteile, sagt, ob ihr je nur einen Peitschenhieb auf eurer Haut wahrgenommen habt? So aber jemand stirbt, stirbt er für sich oder für andere? Oder könnt ihr behaupten, dass je jemand für einen andern zur Welt geboren worden ist? Oder gilt Meine Erlösung und Mein Wort nicht eben so gut einem jeden Menschen einzeln für sich, wie für ganze Völker? Und kann nicht jeder Mensch für sich Mich mit seiner Liebe und dem lebendigen Glauben daraus vollends aufnehmen, dass Ich in ihm, und er in Mir wohne? -
   33] Wenn ihr nun alles dieses betrachtet, könnt ihr nach dem allem nur die entfernteste Behauptung aufstellen, Ich sei in einem Menschen weniger, denn in allen zusammen? -
   34] So aber Ich mit einem Menschen eins geworden bin und er mit Mir, sagt, was geht da noch ab von der Wiederfindung des verlorenen Sohnes in einem einzelnen Menschen?
   35] Hat der nicht alles empfangen und in sich aufgenommen, der Mich aufgenommen hat? Wahrlich, ein jeder einzelne Mensch, der mit Mir eins geworden ist, ist mehr, ja Ich sage, unendlichmal mehr, als der große Luzifer es je war in seiner euch auf natürlichem Wege unbegreiflichen Größe! -
   36] Seht unter diesem verlorenen Sohne, der da Luzifer heißt, wird demnach jeder einzelne Mensch für sich verstanden; und so ein ganzes Volk mit Mir eins geworden ist, so wird dieses ganze Volk ebenfalls nur ein Mensch mit Mir; und alle Menschen, die je auf der Erde gelebt haben, und noch leben werden, wenn sie eins geworden sind mit Mir, so werden auch sie nur sein ein Mensch in Mir; d.h. sie alle wird beseelen und beleben ein und derselbige heilige Geist aller Liebe und aller Wahrheit und aller Macht und aller Kraft, und werden nicht sein viele mehr denn einer, und einer weniger denn viele, sondern alle werden sein vollkommen eins in Mir; und werden nicht haben viele mehr Macht und Kraft denn einer, und einer nicht weniger denn viele, sondern alle werden leben wie einer, aus derselben Kraft und Macht des heiligen Geistes aller Liebe und aller Wahrheit aus Mir!
   37] Ihr habt aber gehört, dass die Lumpen des verlorenen Sohnes von den Winden zerstreut wurden wie Spreu, und die übrig gebliebenen aber wurden ihm ausgezogen, und verbrannt. wisst ihr, was unter diesen Lumpen zu verstehen ist?
   38] Es ist darunter nichts anderes zu verstehen, als der eingegangene frühere Universalmensch auf unserer Tafel; denn durch die Gewinnung eines jeden einzelnen Menschen ist das Edle, von Mir Ausgehende oder Mein verlorener Sohn wieder gewonnen. Die Lumpen oder das eigentliche Erzböse wird verworfen werden in das Feuer, daraus es eigentlich hervorgegangen ist. Es ist aber dieses Feuer dasjenige in der Gottheit, aus welchem alle Dinge ihr materielles Dasein haben.
   39] Wer somit sich an die Welt hängt, und klebt an der Materie, der klebt an den Lumpen des verlorenen Sohnes; wie aber alle Materie euch schon ihre große Feuerverwandtschaft zeigt, dasselbe sind auch die Lumpen an den Lenden des verlorenen Sohnes.
   40] So wird es aber geschehen! Damit Gott werde wieder ein freier Gott, in dem keine Materie mehr wallet, so wird das Feuer oder Zornverwandte wieder dahin kehren müssen, daher es als das, was es ist, gekommen ist; und wird gerade so geschehen, als so ihr an eurem Leibe habt irgend eine Verhärtung, und legt da heiße Breiumschläge auf, damit sie wieder erweicht werde; so auch wird Mein ewiges Feuer diese erzböse Verhärtung in seiner Allheit erfassen, um es dadurch wieder seinem eigenen Wesen selbst zu assimilieren.
   41] Es ist noch eine Frage in euch vorhanden, ob diejenigen Wesen, die unter den Lumpen verstanden werden, auch ein fortwährendes Selbstbewußtsein haben werden oder nicht? Ich aber sage euch: Die Frage beantwortet sich schon beinahe von selbst, da ihr doch unmöglich annehmen könnt, dass es in der Gottheit irgend einen sich unbewußten Punkt geben sollte.
   42] Diese Frage löst sich somit von selbst; aber eine Frage, ob dieses Sichselbstbewußtsein ein leidendes ist oder nicht? Seht, das ist eine andere Frage. Um aber diese richtig zu verstehen, müsst ihr zuvor begreifen, dass jedes Bestreben, um sich selbst zu finden, ein gewisses Leiden in sich selbst notwendig begreifen muß; nur hängt es jetzt einzig und allein von dem ab, ob dieses Leiden ein schmerzliches oder ein wohltuendes ist?
   43] Wenn dieses Leiden darin besteht, dass sich das Wesen in sich selbst immerwährend ergreift, und durch dieses Ergreifen sich zur Einheit immerwährend zu bilden bemüht ist, dann ist ein solches Leiden ein höchst wohltuendes, und die Empfindung aus dem klarsten Selbstbewußtsein eine höchst beseligende.
   44] Wenn aber das Leiden, oder die selbstbewußte Empfindung eines Wesens in sich ein zerreißendes und zerstörendes ist, dann ist es auch ein höchst schmerzliches, was ihr auch aus der Natur sehr leicht abnehmen könnt, wenn ihr nur je irgend eine entzündliche Krankheit beobachtet habt, welche in nichts anderem besteht, als dass sich gewisse Teile im Körper mehr und mehr auszudehnen anfangen. Je heftiger ein solcher Akt vor sich zu gehen anfängt, desto schmerzlicher wird er. Aus allem diesem geht dann heraus, dass der sich selbst bewußte wesenhafte Zustand des feuerverwandten Erzbösen ein eben auch höchst leidend schmerzlicher sein muß.
   45] Ihr werdet nun vielleicht meinen, dass die Gottheit dadurch gewisserart in ihrem Zornteile selbst immerwährend höchst schmerzlich leidend sein müsse. Allein es ist dem nicht so! Sondern es ist gerade so, als wenn Speisen in eurem Magen verkocht werden; da bersten auch die Hülschen der zu sich genommenen Nahrung, getrieben durch das Feuer des Magens. Aber fragt euch selbst, ob im natürlichen Zustande dieser schauerliche Zerstörungsprozeß im Feuer eures Magens euch je geschmerzt hat? -
   46] Jedoch, da Ich euch schon so weit geführt habe, so will Ich euch bei dieser Gelegenheit einen noch nie ausgesprochenen Wink geben! wollt ihr die Endursache solches Zustandes aller weltlich materiellen Erzbosheit erschauen, so blickt in euren Magen, und seht dort zu, was da mit der in sich genommenen Speise geschieht, wie und warum? so werdet ihr eine große Strecke Meiner Wege erschauen, das da geschehen wird; jedoch die Zeit steht nicht geschrieben in eurem Magen, und es genügt euch, dass Ich euch gezeigt habe den Zweck. -
   47] Nun seht, liebe Kinder! Das ist alles, was euch gegeben werden kann; das ist alles, was ihr zu ertragen vermögt; mehr braucht ihr nicht zu wissen, sondern beachtet dieses von Punkt zu Punkt, und das zwar von der euch gegebenen ersten Stunde bis zur letzten Stunde; durchwandert auf diesem Wege die ganze Erde in euch, und findet auf diese Art in euch selbst den verlorenen Sohn.
   48] Tut daselbe, das dieser getan hat, und noch immer tut in jedem einzelnen Sünder, der nach Meinem Reich trachtet. lasst in der inneren Kammer eures Geistes auf der Tafel eurer Weltbegierden mit der Welt das geschehen, was ihr zuletzt geschehen saht auf der euch gezeigten Tafel mit dem Universalmenschen; so wird in einem jeden von euch der verlorene Sohn wieder gefunden werden, und wird werden sein Verhältnis, wie Ich es euch gezeigt habe, da ein anderer Mensch an die Stelle des früheren, der da auf einen Punkt zusammen geflossen, getreten ist;
   49] dann erst werdet ihr als Wiedergefundene die große Wahrheit des euch in diesen zwölf Stunden gegebenen in euch selbst im hellsten Lichte erschauen und erkennen;
   50] denn, wie früher gesagt wurde, dass alle Menschen auch einen Menschen ausmachen, sie einer alle, so sucht denn auch all' das Übel in euch; und habt ihr es gefunden, und mit Meiner kräftigen Beihilfe aus euch geschafft, da werde Ich als euer heiliger Vater, der Ich schon über den halben Weg euch entgegen gekommen bin, vollends zu euch kommen, euch dann gänzlich von euren Lumpen befreien, und dann aufnehmen in das große Vaterhaus Meiner ewigen Liebe!
   51] Schließlich mache Ich euch nur noch darauf aufmerksam, dass Ich derzeit nicht nur euch, sondern auch schon vielen anderen verlorenen Söhnen entgegen gekommen bin.
   52] merkt aber in euch selbst vorzugsweise auf Meine Ankunft, und kümmert euch weniger um die allgemeine. Was ihr aber für's Allgemeine empfindet, das tragt Mir betend in eurem Herzen vor, um alles andere kümmert euch nicht; denn das große Wann, Wie und Warum ist in den besten Händen wohlverwahret. Amen. Das sage Ich, Euer großer, heiliger, liebevollster Vater. Amen.


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