voriges Kapitel Jakob Lorber: 'Robert Blum' ('Von der Hölle zum Himmel') nächstes Kapitel

Kapitelinhalt 290. Kapitel

   01] Sagt Robert: "O ja, du hast ganz recht, also ist es auch! Jeder Mensch für sich tut wohl daran, so er seiner vorgesetzten Obrigkeit gehorcht in weltlichen Dingen und sich friedfertig verhält bei allen oft noch so traurigen Lagen des irdischen Lebens. Denn es steht auch geschrieben: »Selig sind die Friedfertigen, sie werden das Erdreich besitzen!« Aber was sollen die armen Menschen auf der Erde machen, wenn ihre Herrscher, aus Furcht, Thron und Glanz zu verlieren, bei ihren Untergebenen auch die Sphäre des Geistes angreifen, dieselbe knechten und fesseln und der Seele und dem Geiste die Sehe verfinstern, die reine Lehre des Herrn auf Erden in ein Götzentum verwandeln und dadurch die ihnen gehorchen müssende Menschheit mit aller Blindheit schlagen? Frage noch einmal: Was sollen da solchermaßen geknechtete Menschen tun, so die herrschsüchtigen Kronträger für die vom Herrn selbst erweckten Geister Scheiterhaufen, Galgen und mindestens harte Kerker und Gefängnisse errichten?
   02] "Soll den Menschen auch da aus den Himmeln kein unverantwortliches Recht zuständig sein, sich der Geistesmörder zu entledigen? Ist auch solch ein Handeln wider die Ordnung der Himmel, so muß man andererseits ja doch notwendig annehmen, daß es dem Herrn am Ende einerlei ist, ob der Mensch auf der Welt ein Fetischdiener, ein finsterer Heide oder ein reiner Christ sei. Ist aber das der Fall, so sehe ich die ganze Erlösungsgeschichte, alle die (Wahrheiten der) Propheten und die reine Wunderlehre des Lebens aus dem Munde Gottes nicht ein. Denn da ist das alles vergeblich, und die Menschheit hätte lieber in ihrer Urnacht verbleiben sollen. Millionen von Menschen, die sich Christen nennen, haben von Christo dem Herrn nicht den allerleisesten Begriff und von Seiner Lehre ebenfalls nicht. Der Papst ist ihr Gott und der Regent ist sein Handlanger. Beide sorgen nach Kräften für die Verfinsterung der Menschen und seiern Triumphe, so es ihnen gelang, jeden Funken Geistes in ihren Untertanen zu ersticken. Sage, Freund, haben die im Geheimen sich noch irgendwo vorfindenden helleren Gesellschaften auch da keinen Funken Rechtes, sich gegen solch eine allergrausamste Tyrannei zu erheben, sie zu schlagen und zu vernichten?"
   03] Sagt Petrus: "So sie es vermögen, warum nicht? Vermögen sie aber so etwas nicht, so wird ihnen ihr Versuch bitter zu stehen kommen, und sie werden dann in der Folge noch zehnfach mehr geknechtet werden, als sie es früher waren. Ich sage dir, es bleibt ewig bei dem, daß Menschen für sich allein gar nichts tun können; und tun sie doch etwas, so machen sie nur, daß ihr Zustand verschlimmert, nie aber gebessert wird. Aber ganz etwas anderes ist es, so solch eine reinere Gesellschaft von Menschen, die dem Herrn ergeben ist, Ihn um Hilfe und Schutz anflehet. Da legt dann schon der Herr Selbst die Hand an solch ein Werk und mit der von dir beschriebenen Tyrannei hat es dann für immer ein Ende. Denn nur die Allmacht kann jede andere Macht schlagen! Des Menschen Ohnmacht aber vermag nichts ohne den Herrn. - Im übrigen weiß der Herr schon auch, inwieweit Er solch eine Tyrannei fortkommen lassen kann.
   04] "Siehe an den Pharao und sein Tun und Handeln! Siehe an tausend andere Tyrannen! Sie gaben sich alle Mühe, ihre Völker bis auf den tiefsten Abgrund aller Finsternis zu schleudern. Und wo sie meinten, ihr Ziel zu erreichen, eben da stellte der Herr dann in der Tiefe der von den Tyrannen vermeinten Nacht ein großes Licht auf, stärkte solche gedrückte Völker, diese erhoben sich dann und die Tyrannen flohen vor ihnen wie lose Spreu vor dem Sturmwinde. Und man nannte daraus ihren Namen kaum mehr, und so sie auch irgend genannt wurden, da wurden sie nur zur Schande aber nimmer zur Ehre ihrer Handlungen genannt und wurden verabscheut von jedermann. - Ich sage dir: Der Herr mißt eines jeden Zeit. Und so ist auch aller Tyrannen Zeit genauest bemessen. Es fehlt oft nur der letzte Tropfen. Fällt dieser, dann ist die Zeit zu Ende. Darum sorge dich nun nicht mehr um die Verhältnisse der Erde! Der Herr versteht sie am besten zu leiten und zu schlichten.
   05] "Wie oft habe ich schon von besseren Erdenmenschen den Wunsch vernommen, daß der Herr dem Papsttume doch endlich einmal ein Ende machen möchte. Aber der Herr säumt noch immer, und Er weiß es gar wohl, warum Er also säumt. Daß Er aber gar nicht mehr lange säumen wird, dessen kannst du völlig versichert sein. Rom meint wohl einem Phönix gleich du sein, der sich selbst verbrennt und dann aus seiner Asche wieder herrlicher denn früher ersteht. Aber diesmal wird es am Ende bei der Asche verbleiben. - Und so wird es nun gar manchen anderen ergehen auf der Erde! - Verstehst du das?"
   06] Sagt Robert: "Ja, nun erst bin ich in allem klarst berichtet und unterwiesen. - Aber nun kommt der Herr! Darum nichts mehr weiter von dem!"
   07] Robert geht mit der ganzen Gesellschaft von sieben Personen, er selbst mitgerechnet, Mir entgegen und sagt: "Herr! Vater! Wie Du es befohlen hast, steht alles in Bereitschaft."
   08] Sage Ich: "Mein lieber Bruder! Das habe Ich schon gesehen. Aber so Ich nicht Selbst gekommen wäre, so hättest du Mich und die große Gesellschaft noch hübsch lange warten lassen und wärest nicht gekommen, Mir vor der Gesellschaft zu sagen: »Herr und Vater komme, es ist alles bereit!«
   09] Sagt Robert: "Herr, das habe ich ja ohnehin gewollt, aber der Bruder Petrus hat mich im allereigentlichsten Sinne davon abgehalten!" - Sage Ich: "Ei, ei, wenn du auf eine kleine Hausprobe gestellt wirst, so darfst du nicht gleich so nachgiebig sein!"
   10] Sagt die Helena: "Siehe, ich habe dir noch mit den Augen gewinkt! Aber du legtest den Finger auf den Mund und zeigtest mir dadurch an, daß ich hier schweigen solle, wo der erste Bruder des Herrn das Wort führe! Ihr habt dann recht lange miteinander über verschiedenes gesprochen, bis nun der liebe Herr Vater von Selbst gekommen ist, ohne von euch Weisen gerufen worden zu sein. - O es geschieht euch schon recht, so euch der liebe Herr Vater ein wenig putzt!"
   11] Sage Ich: "Nun, nun, meine liebste Tochter Helena, es ist schon lange alles wieder in der Ordnung! Robert ist gerecht, da er dem Bruder Petrus folgte. Der Bruder Petrus ist ebenfalls gerecht; denn er weiß, was er bei solchen besonderen Gelegenheiten zu tun hat. Und du bist auch gerecht, weil du Mich durch deinen Robert wolltest hereingerufen haben. Ich Selbst aber bin noch nie ungerecht gewesen, und so haben wir alle uns in der Zukunft nichts mehr vorzuwerfen! Es ist also schon alles recht! Daher werden wir nun das Mahl einnehmen! - Gehet und berufet die Gesellschaft! Und du, Bruder Petrus, öffne alle Türen, die in diesen Speisesaal führen!"

nach oben


voriges Kapitel Home  |   Zum Buch-Inh.-Verz. Buch-Inhaltsverzeichnis  |   Orig.-Werke Lorbers  |   Sekundärlit.  |   Themenbearbeitungen (eBooks) nächstes Kapitel