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Kapitelinhalt 264. Kapitel: Die Gefangennahme des hochmütigen Sebastian durch die Friedensgeister. Die Schneedecke als Sondergericht für Meuterer gegen die Gottesordnung.

   01] Die beiden Bischöfe Wadstein und Arko verwundern sich sehr darüber und erheben mit ihrem ganzen, höchst demütigen Anhange ihre Augen aufwärts. - Als sie aber kaum den Sebastian ins Auge fassen, ist er schon ein Gefangener der Friedensgeister samt seinem Anhange. Er bäumt und krümmt sich nun wie ein getretener Wurm und schleudert einen Fluch um den andern auf das Haupt dieser Geister, die so frevelnd keck sind, sich an ihm, als einem Manne nach dem Herzen Gottes, zu vergreifen. Aber das kümmert Meine Friedensgeister nicht. Ihre eiserne Gemütsruhe läßt sie all das Toben und Schimpfen ganz überhören. Sie handeln wie ein Uhrwerk und lassen auch nicht im geringsten mit sich handeln.
   02] Der Bischof Waldstein sagt: "O Herr, das kommt mir geradeso vor, als so ich auf der Erde nicht selten einer Kreuzspinne zugesehen habe, wie sie die Fliegen in ihrem Netze gefangen hat. In einem Nu war die Fliege von allen Seiten her umgarnt und somit vollkommen gefangen. So scheinen es auch diese famosen Friedensgeister nun getan zu haben. Sie müssen schon früher ganz unsichtbar ein Netz weit und breit ausgespannt haben; sonst wäre es mir kaum begreiflich, wie sie nun mit dem Sebastian und dessen Anhange gar so plötzlich haben fertig werden können. - Aber wie der Sebastian nun flucht und seine Schar mit ihm! Das ist ja ganz unerhört!"
   03] Sage Ich: "Ist nichts Neues von Wesen seiner Art! Hat er doch schon auf der Welt jeden in den Grund der Hölle verflucht, der nicht nach seinen Noten pfeifen und tanzen wollte - wie sollte er dann hier anders handeln können gegen jeden Geist, der es wagt, seinem Hochmute in die Nähe zu treten. O das ist ein dummböser Pfaffe, ein Geist, der in der größten Gemütsruhe eine Million Menschen als Ketzer auf dem Scheiterhaufen mit einer wahren Wollust hätte verbrennen sehen können. Das macht ihn nun aber auch so wütend, weil er sich nirgends mehr Luft machen kann.
   04] "Sehet, wie die Geister ihn nun durch die Luft gegen Obersteier hinschieben. Sie werden ihn auf einer Hochalpe versorgen; die geringeren Geister aber auch auf niedereren Gebirgshöhen, als da sind die des Schöckels, des Rabenwaldes, des Kulms und noch einer Menge anderer. - Sehet, nun haben sie schon die Höhen erreicht! Und sehet nun, wie die Rücken der Berge grau und nach und nach weißer werden? - Wie gefällt euch das?"
   05] Sagt Waldstein: "Diese Geschichte sieht wahrlich etwas traurig und düster aus! Wie lange werden diese Geister wohl unter solch einer Kühldecke zu verbleiben haben? Etwa gar ewig?"
   06] Sage Ich: "O mitnichten! Sobald sie zur Einsicht aus sich selbst gelangen, daß sie grundfalsch und irrig daran sind, und sich in ihren Herzen an Mich wenden, da sollen sie von solch einem Gerichte sogleich befreit werden; aber eher auch nicht um eine Sekunde Zeit! Der Sebastian aber wird schon noch unters Eis der Gletscher gebracht werden müssen, bis er gehörig abgekühlt wird; denn der hat des Hochmuts viel in sich und ist dabei sehr dumm, so daß er seinen Hochmut am Ende sogar für gottesverdienstlich ansieht. Mit solchen Narren ist es schwer weiter zu kommen, aber dessenungeachtet dürfen wir ihnen gegenüber unsere Geduld, Gnade, Liebe und Erbarmung nie auf die Seite setzen, weil sie denn doch auch unsere Brüder sind, für deren Heil wir vorzüglich sorgen müssen."
   07] Spricht Robert, der hinter den beiden Bischöfen die Szene der Gefangennehmung und der Weiterbeförderung des Sebastian und dessen starken Anhanges betrachtet hatte: "Herr, Du allgütigster, bester Vater! Ich sehe nun, so weit mein Auge reicht, alle Berge und Höhen mit Schnee bedeckt. Sollte das alles dieses Sebastians wegen also sein? - Alle höheren Berge Steiermarks, Kärntens, Tirols, Salzburgs sind durch und durch hoch überschneit. - Das kann denn doch wohl unmöglich alles des Sebastians falscher Grund und Boden sein!"
   08] Sage Ich: "Das freilich wohl nicht. Aber solcher Narren, wie er einer war und noch ist, gibt es in allen Landen gar viele. Bei diesen Geistern aber geht die Sache wie durch eine elektrische Kraftverbindung. So auch in einem allerverborgensten Winkel irgendein Geist in was immer erregt wird, so werden im selben Augenblicke alle Geister gleicher Art erregt und in die besondere Tätigkeit versetzt. Ist diese in irgend etwas Meiner Ordnung schroff zuwider, so werden dann auch alle solchen Geister auf einmal in allen Landen gepackt und zurechtgewiesen durch ganz taugliche Mittel. Aber mit dem Besserwerden geht es dann nicht also gleichartig und plötzlich wie mit dem gleichzeitigen Erregtwerden zum Bösen; sondern da geht es dann sehr allmählich vorwärts, beinahe also, wie wenn auf einem Felde tausend Menschen in Reih und Glied stünden und durch einen Erdstoß plötzlich umgeworfen würden. Fallen werden sie sicher alle zugleich; aber mit dem Aufstehen, was dann natürlich einem jeden frei zusteht, wird es wohl schwerlich also gehen. Einige werden sich sogleich wieder aufrichten; besonders so sie durch den Fall keine Verletzung erlitten haben. Andere hingegen, die sich mehr oder weniger beschädigt haben, werden sich mühsam erst nach und nach ganz langsam emporzurichten anfangen. Und einige, die dabei schwer verletzt worden sind, die werden zum Aufstehen wohl sehr viel Zeit und Mühe brauchen. Ja einige darunter werden als Totgewordene liegen bleiben. Und siehe, gerade also geht es auch bei diesen Sondergerichten! Gefangen werden sie alle sozusagen auf einmal; aber frei werden sie nicht also, weil das Freiwerden nicht von einer äußeren Macht, sondern rein nur von ihrer eigensten Lebenskraft abhängt.
   09] "Also ersiehst du denn auch nun wie auf einen Schlag alle Berge voll Schnee, der da eine Kühldecke ist für zu hitzige Geister, aber im eigentlichsten Sinn des Wortes und der entsprechenden Bedeutung nach (sich darstellt) als die erscheinliche Kraft der Friedensgeister. Wenn diese Kraft zu rechter Zeit dann wieder von den Geistern zurückgezogen wird, so zerfließen die mitgefangenen Naturgeister als Wasser. Die unter diesen Naturgeistern aber gefangenen wirklichen Geister werden dann wieder frei und können tun, was sie wollen. Wenden sie sich dem Guten zu, so ist es eben gut und wohl für sie; wenden sie sich aber wieder dem Schlechten zu, nun, so ergeht es ihnen denn auch natürlich wieder nicht anders als schlecht. - Verstehst du das?"


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