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   01] Rede Ich: "O Weib! O Tochter! Dein Glaube ist groß, und viel Liebe wohnt in deinem Herzen! Dir geschehe nach deinem Glauben und nach der Macht deiner Liebe! - Meine liebe Tochter, du stehst nun hungrig, durstig und nackt vor Mir, denn das, mit dem du auf der Erde deine Seele gesättigt hast, war eine schlechte und magere Kost. Wärest du nicht in der ersten Zeit deines Erdenlebens im Geiste vorgenährt worden und wäre deine Seele in das Pfützen- und Kloakenleben des gemeinsten und ekelhaftesten Gewürmes mit ganz stummem Geiste übergegangen, so wärest du wohl verloren, und es wäre beinahe unmöglich geworden, dich je zu retten. - Denn so unmöglich es ist, einen Fisch außerhalb des Wassers in der freien Luft am Leben zu erhalten, ebenso unmöglich ist es auch, Seelen, die sich selbst zum Pfützen- und Kloakengeschmeiß hinab- und hineingelebt haben, in dem Lichtäther der Himmel am Leben zu erhalten. Denn wo der Drache lebt ein totes Leben, da lebt dem Tode auch sein Gewürm!
   02] "Aber du bist in deinem Geiste vorgenährt worden, und die nachträgliche Kloakenkost, die deiner Seele gereicht wurde, war nicht vermögend, deine Seele ganz zu verderben. Denn die Vornahrung deines Geistes würzte nach Möglichkeit und äußerst nötigem Bedarfe die elende Weltkost deiner Seele und benahm ihm das tötende Gift. - Daß aber deine Seele bei solcher Kost sich kein Fett sammeln konnte, das wirst du nun hoffentlich einsehen. - Nun aber will Ich dir wegen deines Glaubens und wegen deiner Liebe Nahrung aus den Himmeln und ein besseres Kleid geben. Und das wird dir dann schon zu einem besseren An- und Aussehen verhelfen. - Robert, schaffe Brot und Wein und ein neues Kleid her!"
   03] Als Ich solches kaum ausspreche, ersieht Robert hinter sich eine Art Krämerbude mit Brot und Wein und einem Bündel, darinnen sich das verlangte Gewand befindet. Er bringt Brot und Wein und sein Weib Helena bringt das Bündel mit dem Gewand. - Ich segne Brot und Wein und lasse es der Mathilde und dem Offizier verabreichen. - Als sie mit unaussprechlichem Dankgefühle mit dem Offizier das Brot und den Wein verzehrt, wird sie augenblicklich voller und voller, bekommt ein wundervoll schönes, jugendliches Aussehen und weiß sich aus lauter Dank nicht mehr zu helfen. Nun bekommt sie auch ein schönes, azurblaues Kleid mit purpurroter Verbrämung, was sie sehr schön zieret.
   04] Als Mathilde nun so versorgt dasteht, fängt sie an laut zu weinen vor Dankbarkeit, Liebe und Seligkeit. Sie fällt, nun schon so schön wie eine Blume der Himmel, vor Mir auf ihre Knie nieder, breitet die Hände weit aus und sagt schluchzend: "O Du heiliger Vater! Mein Herz kann es nur fühlen, aber die noch viel zu matte Zunge nimmer aussprechen, was ich nun für Dich, o Du heiligster Vater, fühle! Deine Liebe. Deine Gnade ist zu endlos groß, als daß sie eine geschaffene, endliche Zunge je auszusprechen vermöchte. So weit aber nun das Gefühl und die Empfindung dieses von Dir, o heiligster Vater, mir neu gegebenen und durch Deine Gnade neu erweckten Lebens reicht, fühle und empfinde ich nur Dich, Du heilige, ewige, reinste Liebe! O Vater, o Vater, o Du lieber, heiligster Vater! Dein heiligster Name Jesus werde geheiligt ewig, ewig, ewig!" - Bei diesen Worten übermannt sie ihre Liebe zu Mir so mächtig, daß sie vor Mir mit dem Gesichte ganz auf den Boden niedersinkt.
   05] Aber auch der Offizier wird so von der Liebe übermannt, daß auch er zu weinen beginnt. - Aber Ich ermahne ihn, sagend: "Freund, ermanne dich! Denn die Beseligte wird bald deiner Kraft bedürfen. Du hast sie bis hierher gebracht und wirst daher ihr weiterer Führer sein! - Achte ihren Geist!"
   06] Spricht der Offizier: "Ja, Du mein ewig bester Vater, Herr und Gott! Dein Wort, allezeit neue Seligkeit schaffend, soll ewig das alleinige Leben im Zentrum meines Herzens sein! Es ist zu viel Liebe und Gnade von Dir, o heiliger Vater, auf uns herniedergegangen, so daß wir in unserem Gemüte noch viel zu klein und schwach sind, solch eine Fülle von Seligkeit zu ertragen! Aber Deines ewigen Reiches heilige Zeit, eine Zeit, die kein Ende und auch keinen materiellen Anfang hat, wird uns mit Deiner übergroßen Liebe, Gnade und Huld schon vertrauter und kräftiger machen. Mein ganzes Wesen aber sei ein ewiger Dank für solche Liebe und Gnade von Dir an uns armen Sündern. Was können wir Dir anderes, o Du heiliger Vater, wohl tun, als Dir ewig danken und Dich lieben und loben und preisen über alles! Und so sei denn unser nun so überseliges Leben Dir, o lieber, heiliger Vater, ein ewiger Lobgesang! Große Weisheit wird zwar unsere Sache nicht sein, denn dazu hast Du, o heiliger Vater, dir Engel geschaffen aus der Flamme Deines Lichtes, von dem der Welten Sonnen ihren gebrochenen Schimmer borgen, daß sie die unendliche Majestät Deiner Werke befingen und allezeit lobpreisend sagen: »Heilig, heilig, heilig ist unser Herr und Gott-Zebaoth! Die Himmel sind Seiner Ehre voll! Darum ewig Ehre, Lob und Preis Ihm, ewig!« - Wir aber wollen Dich in aller Demut dafür über alles in unseren Herzen preisen! Denn Du allein bist all unsere Liebe und all unser Leben!" - Hierauf wendet er sich zu Mathilde und sagt: "Liebste Schwester Mathilde, stehe auf und schaue, wie gar so endlos gut, liebevoll, mild und sanft unser allein wahrer, heiliger Vater ist!"
   07] Hierauf erhebt sich Mathilde, sieht ganz wonnetrunken um sich her und erkennt nun in dem Offiziere sogleich ihren Lehrer Peter-Peter. Noch auf ihren Knien am Boden ruhend, ruft sie: "O Gott, o Vater! Du bist denn doch wahrlich zu ungeheuer gut und liebvoll! Nicht nur, daß Du mich hier als eine unwürdigste Sünderin namenlos selig gemacht hast dadurch, daß Du mir ein unnennbares Übermaß Deiner Gnade, Liebe und Erbarmung hast zukommen lassen, sondern ich darf auch den Lehrer hier vor Deinem allerheiligsten Angesichte treffen, der mir schon auf der Erde zuerst die Wege zu mir gezeigt hat. Diesem Lehrer werde ich nun von Dir zur weiteren Ausbildung übergeben; o welch eine Wonne, welch eine Seligkeit! Wie Herrliches, Schönes und Erhabenes werde ich von ihm erfahren, reiner und reiner werden, um würdiger anzuschauen Dein allerheiligstes, allergöttlich-schönstes Angesicht! Noch bin ich zwar hier in der Stadt, in der ich geboren und leiblich wie auch seelisch unglücklich geworden bin; aber der Ort macht für mich nicht den Himmel aus, sondern Deine sichtbare allerheiligste Gegenwart. Wo Du bist, o Herr, da ist auch der höchste Himmel! Mein Herz, mein ganzes Wesen sei Dir, o heiligster Vater, allein geweiht! Dein heiligster Name Jesus werde geheiliget!"
   08] Tritt aus dem Hintergrunde zu Mir hin der Erzbischof Migatzi und sagt: "Herr und Vater, heilig, überheilig! Dieses Wesen, nun so hold und schön wie ein schöner Stern Deiner Himmel, beschämt uns wirklich alle, wie wir da sind! Wie die Stöcke stehen wir hier, während diese nunmehrige Blume der Himmel in der würdigen Lobpreisung Deiner Person wahrlich einen David zu Schanden reden würde. Nein, das habe Ich noch nie gesehen und gehört! Diese Anmut, diese feierlichste Würde, dieser echt himmlische Anstand vor Dir! Diese heilige Reinheit in ihrer Sprache, diese engelhafte Wahl der Worte! Ihre unbegrenzte Liebe und Dankbarkeit! Kurz, in allen ihren nunmehrigen Gebärden liegt eine so wahrhaft magische Würde, daß wir alle ganz hingerissen sind. Sie lehrt uns alle Dich erst so ganz und recht erkennen! Ah, das ist ja ein rein himmlisches Wesen, an dem sich nun nichts Mangelhaftes mehr zeigt. - O Herr, Du ewige, reinste Liebe! Welch großen Dank sind wir Dir alle für diese Verklärung schuldig! - O du liebstes, holdestes, rein himmlisches Wesen! Und ihr Lehrer neben ihr nicht minder!"
   09] Sage Ich zu Migatzi: Mein Freund und Bruder! Das gibt nicht die Weisheit, sondern allein nur die Liebe! Daher haltet euch alle an die Liebe, wollet ihr in den Himmeln bei mir sein! - Ihr werdet zwar in jedem der drei Haupthimmel bei Mir sein und leben und wandeln vor Meinem Angesichte - aber so wie hier nur in und durch die alleinige Liebe. Diese Mathilde aber hat den rechten Grad der Liebe und wird demnach auch, so wie hier, im den Himmeln bei Mir sein, allwohin wir nun bald gelangen werden. - Gehe aber hin und verkünde das allen, die hier sind!"
   10] Migatzi dankt Mir inbrünstigst für diese Belehrung und geht sogleich hin zu der großen Menge und verkündet das allen.
   11] Der Offizier aber sagt zu Mir in seiner großen Liebe: "Herr, siehe wir sind nun so selig als nur immer möglich; aber dort stehen noch in Reih und Glied meine Soldaten! Was soll nun mit ihnen geschehen?" Sage Ich: "Gehe hin und lasse sie die Gewehre ablegen! Denn fortan werden sie diese Waffen nicht mehr gebrauchen. In meinem Reiche kämpft man ewig allein nur mit den Waffen der Liebe!"

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