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   01] Spricht der zuerst hervorgetretene Klubist zu den andern: "Reden tät er aber schon wie a Buch! Und so a bißchen auf die Schwarzkunst verstünde er sich auch! Und ein prächtigs Gmüt hätt er auch! Und so närrisch sonst das Ding auch klingt, daß er uns für Geister und sich selbst für'n Apostel Paulus hält - aber wißt's, so ganz leer scheint solche seine Behauptung nicht zu sein! Denn mir ist auch schon so manches aufg'fallen, was i euch nit hab sagen wolln, weil's euch so wie mich gwiß sehr stark geniert hätte. Aber d' Sach ist einmal so und wir können's leider nicht anders machen. Darum mein i halt, wir soll'n grad diesem Paul folg'n! Denn schlecht meint er's nicht mit uns!"
   02] Sagen einige: "Ja, ja, probieren können wir's ja! Was kann uns dabei g'scheh'n? Ist was dran, nun, so kann's nichts schlecht's sein. Und ist nichts dran, so haben wir nichts verlor'n. - Also gut, wir fünfe sind mit dir einverstanden! Was die andern, die sich noch nicht erklärt hab'n, machen wollen, das geht uns natürlich nichts an. Wir aber sind einmal dabei!" - Sagt der erste: "Wann nur noch einer wär', so macheten wir grad die heilige Zahl aus! Nun, hat denn von euch keiner a Lust mehr dazu?!"
   03] Tritt einer aus der Menge hervor und sagt: "Nun, weil ich von allen, die mit euch stimmen, der Dümmste bin, so will ich in eure heilige Zahl treten. Und so wären nun ,die sieben Schwaben' wieder beisammen! Aber das müßt ihr mir schon erlauben, daß ich als der Letzte hinter euch einhergehe und zu euch sage: "Jockele, geh du voran, du hast Stiefel an!« - Wißt ihr aber, was die heilige Zahl bedeutet? Ich seh schon, daß ihr's nicht wißt. Drum will's ich euch sagen! Seht, sieben bedeutet einen Esel: zwei Eselsohren, zwei ditto Augen, zwei ditto Nasenlöcher und ein Eselsmaul macht gerade sieben! Ich glaube, daß uns keines dieser teuern Stücke fehlet, und so sind wir denn auch ganz geeignet, alles das für bare Münze anzunehmen, was uns dieser wahrlich aus den Wolken gefallene Paulus sagt! - Nur zu! Solange es gut geht, bin ich überall dabei! Wenn's aber dann schief zu gehen anfängt, so werde ich, als nun Letzter, beim Umkehren sicher der Erste sein, wie es auch irgendwo in einem Evangelium heißt: und so werden dann die Ersten die Letzten und die Letzten die Ersten sein - nämlich beim Davonlaufen!
   04] "Ihr wisset, daß ich stets ein lustiger Kauz war und noch bin. Aber daß wir schon g'storben sein sollen, das geht mir nicht ein; denn wir müßten da ja doch etwas davon wissen! Denn das Sterben ist doch keine gar so unbedeutende Sache, daß sie der Betreffende gar so total sollte vergessen können. - Aber sei ihm nun, wie's ihm wolle - ich bin beim Dummwerden nun einmal dabei, und so sei es denn! Um zehn Dukaten für ein lumpig's Zehnkreuzerstück kann man ja wohl so etwas mitmachen. Ich hätte selbst noch so ein halb's Dutzend solcher Zehnkreuzerfetzen. Vielleicht verwandelt's mir der gute Eskamoteur (Zauberkünstler) Paul auch in Goldstücke!? Wenn das, da bin ich dann völlig zufrieden!"
   05] Hier wendet sich dieser siebente an Paulus und spricht: "Höre du, lieber guter Freund, der du das sonderbare Vermögen besitzest, Papier in reines, gediegenes Gold zu verwandeln, und zwar auf die Art, daß aus zehn Kreuzer Scheinwert zehn Dukaten werden! Sieh, ich habe hier gerade sechs solcher Zehnkreuzerfetzen! Möchtest du sie mir nicht auch in Goldstücke umschaffen?" - Spricht Paulus: "Warum dem nicht!? So dir nach deiner freilich offenbar höchst blinden Meinung damit gedient ist! Wo hast du deine Fetzen?'
   06] Sagt der siebente: "Hier sind sie schon - beinahe jeden Zusammenhanges ledig!" - Paulus rührt sie an, und es werden in demselben Augenblicke sechzig Dukaten daraus. - Der siebente sinkt beinahe zu Boden vor Verwunderung und sagt nach einer ziemlichen Weile des Staunens: "Ja, jetzt ist es klar, das ist ein Wunder in bester Art! Denn beim früheren dachte ich, daß du, um uns in unseren Meinungen über dich gewisserart breitzuschlagen, bloß so ein Boskoisches Trugstückchen produziert habest, aber da hört des Bosko Kunst auf und an ihre Stelle tritt ein reines Wunder! In meiner Hand aus den 6 Zehnkreuzerfetzen augenblicklich sechzig Dukaten herzaubern, das geht über den Horizont alles menschlichen Wissens himmelweit hinaus! Jetzt aber glaube ich auch an die sämtlichen Wunderwerke Christi. Ihre Möglichkeit liegt vor meinen Augen auf meiner rechten Hand, und so glaube ich nun alles, was ich sonst ewig nie hätte glauben können. Siehe, du guter Mann Paulus, nun glaube ich auch, daß du im Ernste der eigentliche und wahrhaftigste Paulus bist, wie auch, daß wir schon im Ernste gestorben sind."
   07] Sagt der zuerst Hervorgetretene: "Ja, ja, der Meinung bin ich nun auch ganz festweg! Aber wahrlich nicht so sehr wegen dieses Wunderwerkes, als vielmehr seiner früheren Rede wegen, die er, als wir ihn wegen der paulusvereinlichen Verdächtigkeit hinausschaffen wollten, an uns gerichtet hat. Denn da hat wirklich der alte Paulus, wie er einst mag geleibt und gelebt haben, haufenweise groß und stark herausgeleuchtet! Mir ist die Rede erst nach und nach so recht in den Leib gedrungen. Und je mehr ich bei mir darüber nachdenke, desto mehr Paulus finde ich darinnen und desto mehr Wahrheit! Das Dukatenmachen aus den Fetzen ist wohl sehr blendend und breitschlagend; ob's aber deshalb auch gut und wahr ist, das ist eine ganz andere Frage! Ich setze den Fall, daß wir schon ganz sicher in der Welt der Geister uns befinden, in der doch sicher allerlei zauberhafte Dinge zum Vorschein kommen dürften - da wäre es mit dem Dukatenmachen ein (gar leichter) Spaß! Denn der gute Paulus darf sich nur recht fest zum Beispiele hundert oder tausend Dukaten denken, und da die Geister Gedanken sehen können, so werden auch wir, so wir im Ernste Geister sind, des Paulus Dukatengedanken beschauen können!"
   08] Sagt der siebente: "Ja, aber wie kommt es denn, daß wir als Geister auch schon seit einer geraumen Zeit her uns mit lauter klingenden Gedanken beschäftigten, und es kam anstatt der Fetzen auch nicht ein schlechtester kupferner Pfennig zum Vorscheine, geschweige ein Dukaten! Siehst du, da bin ich mit dir nicht so ganz einverstanden. Es muß also hinter der paulinischen Dukatenmacherei ganz was anderes stecken als bloß nur feste Dukatengedanken!"
   09] Sagt der erste: "Ist nicht in Abrede zu stellen! - Aber dabei bleibe ich dennoch stehen, daß seine Rede besser war als seine Dukatenmacherei!" - Sagt der siebente: "Allerdings! Aber er hat in seiner Rede eben auch gar herrlich gezeigt, was so ganz eigentlich seine Dukatenmacherei für uns bedeutet. Und wir können letztere sonach so ziemlich der Rede gleichstellen."
   10] Spricht Paulus: "Eure ganze Gesellschaft besteht aus einhundertundzwanzig Menschen. Sieben haben sich meinen Worten und Taten gefügt. - Somit bleiben noch hundertunddreizehn, die sich nicht gefügt haben! Was ist mit ihnen?" - Sagt einer aus den hundertunddreizehn: "Wir bleiben und brauchen nichts mehr von deiner Lehre und von deinem Golde!"
   11] Spricht Paulus: "Nun ist geöffnet die Pforte zum Reiche Gottes! Wer da hinein will, der wird auch hinein kommen. Wer aber nun nicht will, der wird dann, so die große Pforte der besondern Gnade wieder geschlossen wird, schwer hineinkommen! - Denn obschon der Herr stets unveränderlich ist in seiner Liebe und großen Erbarmung für alle seine Geschöpfe und Kinder, so ist Er aber dennoch in der Gabe Seiner besonderen Gnade nicht allzeitig gleich, und nicht jedweder bekommt sie, sondern nur wenige, die da von Anfang an erwählt und dazu schon also geschaffen und zugerichtet sind, die besondere Gnade in sich ohne Nachteil für ihr Sein fassen und ertragen zu können. Auch sind nicht zu allen Zeiten Propheten da. Nicht jedes Erdjahr bringt seine eigenen zum Vorscheine. (Sondern) da gibt es kaum von hundert zu hundert Jahren irdischer Zeitrechnung Propheten, die da (erweckt) sind nach dem Willen des Herrn aus Seiner besondern Gnade, auf daß sie schauen Dinge des Geistes und hören das Wort aus dem Munde Gottes und dann beides verkünden den Schwachen und den Blinden der Erde - damit dann auch diese selig werden und eingehen mögen in die Gnadenhimmel Gottes.
   12] "Und so höret ihr Tauben und sehet ihr Blinden! Nun ist wieder eine solche zugelassene Epoche der besondern Gnade Gottes des Herrn! Boten aus den höchsten Himmeln durchziehen nach allen Richtungen die unteren und untersten Sphären der finstern Geisterwelt! Ja der Herr Selbst tut dasselbe, um die Unglücklichen glücklich zu machen! Und auf der Erde und in allen Weltkörpern werden nun besondere Propheten und Knechte des Herrn erweckt und geben den andern Menschen das Licht und das Wort aus den Himmeln!
   13] "Aber leider kehren sich nur wenige daran. - Viele aber tun, was ihr tut: sie lachen den Propheten ins Gesicht und spotten ihrer oder drohen ihnen gar! - Aber diese Zeit wird bald wieder vergehen, und die besondere, große Gnadenpforte Gottes wird wieder auf lange hin verschlossen werden den Kindern der Welt und des Gerichtes. Und so ihr dann rufen werdet in eurer großen Not, da wird euch keine Antwort werden. Und so ihr auch suchen werdet, da werdet ihr dennoch nichts finden. Und durch all euer Bitten und Flehen werdet ihr dann nichts bekommen! - Jetzt aber, da noch die Zeit der besondern Gnade währet, brauchet ihr weder zu suchen noch zu rufen, zu bitten und zu pochen, sondern bloß einfach nur zu wollen, und ihr werdet angenommen! Denn nun werdet ihr gerufen, gesucht, gebeten, und an die Türe eures Herzens wird von uns aus gepocht, und ihr braucht bloß ernstlich ,herein' zu sagen und die Aufnahme ins Gottesreich ist bewerkstelligt! - Was wollet ihr mehr?! Jetzt tut der Herr alles, was ihr wollet, zu eurer Beseligung für ewig. Aber nach dem baldigen Ablaufe dieser besondern Gnadenzeit werdet ihr alles mögliche tun können und werdet dennoch nichts erlangen - wie ich es euch schon im Verlaufe dieser meiner Belehrung und Beredung gezeigt habe.
   14] "Aber ich sehe euren Sinn! Und danach wollt ihr nicht dem Geiste angehören und seiner sanften Stimme aus den geöffneten Himmeln nicht folgen, weil ihr auf die tote Stimme eures vermeintlichen Fleisches höret und Weiber wollet, um mit ihnen den Rest eures Lebens zu verbuhlen! - Aber eure Bocksgestalt will den Weibern nicht mehr gefallen. Und nach denen ihr gieret wie eine Hyäne nach einem Leichname, die haben vor euch einen Ekel wie vor der Pest, und die an euch noch irgendein Vergnügen fänden, die wollen eurem Sinne nicht behagen, weil ihr zu geile Fleischböcke seid und nur junges und fettes Fleisch wollt!
   15] "Wartet aber nur noch ein wenig! Denn diese besondere Gnadenzeit wird nimmer lange währen, und es werden dann Weiber über euch kommen, denen werdet ihr über alle Maßen dienen! Da werdet ihr dann zu heulen und zu wehklagen anfangen und werdet euch vom Fleische der Weiber entfernen wollen. Aber all euer Bestreben und all euer Heulen und Wehklagen wird dann vergeblich sein. Die Weiber werden um eure Lenden glühende Fesseln, aus Schlangen gemacht, schlagen und werden euch also versenken in die Grube des Verderbens für ewig, daraus euch dann auch keine künftige Gnadenzeit mehr wird befreien können! - Wehe euch und jedem hier in der Geisterwelt wie auch jedem Unzüchtigen auf der Welt, so er seinen Sinn von der Gnade abwendet und seine Augen nach dem fetten und jungen Fleische der Weiber richtet! Wahrlich wahr, so wahr ein Gott lebt und so wahr Sein Wort durch meinen, Mund nun an euch ergeht, so wahr und gewiß wird das, was eurer Gier nun wie ein Himmel voll Lust und Wonne sich zeigt und euer Herz verlockt, in aller Kürze für euch und für alle euresgleichen eine Hölle gräßlichster Art werden!
   16] "Ihr schimpfet in einem fort über die Regierungen der weltlichen Fürsten, weil ihr Aufwand zuviel der Schätze benötigt und ihr dabei zu kurz kommet. Aber dies Zukurzkommen geniert euch nur hauptsächlich eures zu unbefriedigten Fleisches wegen! Hättet ihr Millionen, bei Gott dem Herrn, euch wäre jede Regierung recht. Denn da würdet ihr euch schon einen Fleischhimmel schönster Art einrichten können. Aber weil eure Finanzen nicht auslangen und ihr gewisserart mit den Schweinen die gemeinen Treber speisen müsset, und das nur selten - so seid ihr darob voll Grimmes gegen die Fürsten, die da die schönsten Weiber haben können, soviel sie nur wollen, mögen und können.
   17] "Aber das sehet ihr nicht ein, daß das Gott der Herr Selbst also anordnet und geschehen läßt, auf daß ihr zu euch kommen sollet und erkennet, daß euch Gott der Herr für etwas Besseres erschaffen und bestimmt hat als bloß für die Werke des Fleisches nur, die der Mann, solange er auf einer Welt im wahren Fleische des Todes lebt, wohl auch zu verrichten hat nach weisem Ziel und Maß - aber nie anzusehen hat als Bestimmung seines Seins, sondern als eine zufällige, allzeit nüchterne, natürliche Verrichtung, wie es deren zur Bedienung des zeitlichen, toten Fleisches mehrere gibt, von all denen diese die unwesentlichste ist.
   18] "Wer da auf einer Welt es tut nach Maß und Ziel, der tut wohl; wer es aber ganz unterläßt, der tut besser. Denn der Herr gab diesen Sinn dem Fleische nicht zu einem Bedürfnisse, sondern als eine Eigenschaft zum nüchternsten und weisesten Gebrauche. Wer aber daraus ein Bedürfnis sich macht, der ist ein elender Sünder, und die Gnade Gottes weicht aus seinem Herzen, da er dem stummen Gesetze des Fleisches gehorcht und sich in diesem Gehorsame einen Himmel der Böcke und Hunde nach der Gerechtigkeit des Todes und des Gerichtes erbaut!
   19] "Fasset es, wer es fassen kann: wer immer an einem Gesetze, auf dem ein Gericht lastet, eine Wollust findet und das Gesetz der Wollust wegen beachtet und darnach tut, der hat das Gericht schon in sich, wer aber das Gericht in sich trägt, der ist ein Sklave und ist für die Freiheit in Gott und aller Wahrheit verflucht.
   20] "Und darum sollt ihr über dem Gesetze des Fleisches stehen durch die freie Macht der Selbstverleugnung und durch die Liebe und den lebendigen Glauben an Gott den Herrn, auf daß ihr alles Gesetzes und alles Gerichtes ledig werden möget! Denn ein Sklave des Gesetzes, ob natürlich oder moralisch, kann in das Reich Gottes nicht eher eingehen, als bis er jedes Gesetzes ledig geworden ist. Niemand wird (zwar im Reiche Gottes) nach dem Gesetze gerichtet. Aber das Gesetz selbst ist schon das Gericht. Nur wer sich in der Liebe zu Gott über alles Gesetz frei erhebt, der wird auch frei werden in Gott und in aller Wahrheit! Denn die Liebe in Gott ist die alleinige Wahrheit!
   21] "Nun habt ihr es alle gehört, und niemand kann sich entschuldigen, als ob er es nicht vernommen hätte! Tuet daher nun, was euch als Bestes bedünket!"

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