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Kapitelinhalt 165. Kapitel: Cado im Höllenschwitzbad. Entsetzen und Erbarmen der Zuschauer. Gottes notwendig-konsequente Folgen von Ordnungsübertretungen.

   01] Als Cado sich nun allein befindet, sagt er bei sich: "Dank der Hölle, daß ich diese beiden faden Luder endlich einmal losgeworden bin! - Ha, da seh ich ja Bekannte, mehrere meiner Gesellen, ja sogar meinen einstigen Häuptling! Na, das wird ein Jubel sein, so wir zusamenkommen werden und uns gar leicht wieder erkennen! Sehen doch noch alle wie auf der dummen Welt aus!"
   02] Die Schar nähert sich ihm stets mehr und mehr, und sein vormaliger Häuptling, ihn erkennend, stürzt mit grauser Hast auf ihn los, packt ihn an der Kehle und schreit fürchterlich pfeifend: "Ha! Schurke! Elender Hund! Bist du einmal hier, damit ich dir's zahle für das, daß du durch ein schändlichstes Mittel dir meine Königstochter zum Weibe zu verschaffen dich erfrecht hast! Warte, du elender Schurke der Schurken, diese Schmach sollst du mir nun in einem Schwitzbade büßen, daß dir darob das Hören und Sehen für ewig vergehen soll! Ich hatte viel auszustehen, unbeschreibliche Schmerzen sind mir hier zugefügt worden durch Flammen und Glut, aber keiner ärger als der, daß ich hier am Orte der Qualen und Schrecken erfahren mußte, daß ein elendester, gemeinster Hund meine erhabenste Königstochter sich zum Weibe gemacht hat! Aber dafür sollst du Hund mir nun auch auf eine Art gezüchtigt werden, wovon der ganzen Hölle noch nie etwas geträumt hat!"
   03] Aus diese Worte macht Ludwig Bathianyi folgende Bemerkung zu Dismas, Pater Thomas und dem General: "Nun, das ist ein sehr löblicher Empfang! Ganz gehorsamer Diener! Der König-Häuptling scheint auch ein ganz verzweifelt starker Kerl zu sein; denn der Cado kann trotz all seines gräßlichen Ringens auf den mächtigen Krallen seines Häuptlings sich nimmer loswinden. Nun kommen auch wahrscheinlich dessen alte Helfershelfer herbei, und - o verflucht! - nein, da vergeht wahrhaft dem beherztesten Geiste buchstäblich das Hören und Sehen! Mit ganz glühenden Stricken umwickeln sie ihn nun wie die Spinne mit ihrem zähen Fadenschleime eine Fliege, die sich zufällig in ihr Netz verirrt hat. - Cado raucht nun von allen Seiten und schreit erbärmlich um Hilfe! - O Herr, das ist gräßlich! - Da, da, sehet hin, wie sie ihn vor sich nun stoßen und hinwälzen wie einen Glühknaul! - Und dort im hinstersten Hintergrunde sehe ich einen Thron wie von ganz weißglühendem Metalle. Gegen diesen Thron wälzen sie stets heftiger den sehr zu bedauernden Cado-Knaul? - Was wird denn da geschehen? sollte etwa da das verheißene Schwitzbad sein?! O verflucht! Herr, gar sehr bitte ich dich, vergebe mir meine Sünden! Aber das ist zu arg! _Sie stellen ihn richtig auf den Thron hinaus, von dem nun auf allen Seiten lichterlohe Flammen schlagen. Und er wird extra noch mit glühenden Ketten an den Thron gefesselt. - Oh, dies schaudererregendste Schmerzgeheul von Seite des geknebelten Cado! - Herr, willst Du mir so viel Macht einräumen, daß ich hingehe und den Cado frei mache? Und da, da sieh! Nun kommen andere mit glühenden Spießen und fangen an, von allen Seiten ihn zu durchstoßen! Von jeder Wunde fließt eine gräßlich dampfende Glühmasse! - Herr, ich bitte Dich um alles, was Du willst, gebe mir Macht und laß mich hineilen, diesen wahrhaftig ärmsten Teufel zu befreien!"
   04] Rede Ich: "Lasse du das gut sein und sei froh, daß zwischen uns und ihnen eine unübersteigliche Kluft gestellt ist - sonst würden auch die Auserwählten zur Qual kommen. Warte aber nur ein wenig ab! Es wird diese Sache bald ein ganz anderes Gesicht bekommen. Denn der zu große, allerunausstehlichste Schmerz wird den Cado bald zum Meister seiner Fesseln machen. Dann wirst du den zweiten Akt eines höllischen Dramas zu Gesicht bekommen."
   05] Spricht Bathianyi: " O Herr! Ich bin schon mit diesem über alle Maßen zufrieden und, wie ich's aus allen Gesichtern lese, auch alle anderen hier Seienden. Auch die allerliebste Helena scheint mehr als genug zuhaben!" Spricht die Helena ganz erschüttert: "Mehr als übergenug! Denn das ist gräßlich, übergräßlich!"
   06] Rede Ich: "Meine lieben Kindlein! Ich sage es euch, ihr müsset das sehen, auf daß ihr vollkommen rein werden möget. Denn ein jeder Engel muß auch die Hölle kennen, wie sie beschaffen ist und was da für Früchte aus ihrer bösen Liebe erwachsen. - Denket ja nicht, als ließe Ich so etwas sie aus einer Art Zorn und Rache geschehen. O das ist ferne Meinem Vaterherzen! Aber ihr wisset, daß ein jeglicher Same seine bestimmten Früchte trägt und jede Tat auch eine bestimmte Folge haben muß, wie jedwede Ursache ihre bestimmte Wirkung - und das alles wegen der ewigen Ordnung aus Mir Selbst, ohne die nie auch ein Atom hätte erschaffen werden können und ohne die noch viel weniger an irgendeine Erhaltung des Geschaffenen zu denken wäre. Nun aber hat dieser Geist so sehr wider die für ihn notwendig frei gestellte Ordnung gehandelt, daß er durch solches Handeln sich selbst die notwendig höchst traurige Folge hat bereiten müssen, die wir wegen der Erhaltung der allgemeinen, ewigen Ordnung nicht früher abändern dürfen und können, als bis dieses vor unseren Augen nun höchst unglückliche Wesen durch die schmerzhaften Folgen seiner früheren Handlungen aus sich selbst zu anderen Handlungen getrieben wird, die dann auch andere, bessere oder aber wohl auch noch schlimmere Folgen nach sich ziehen werden!
   07] "So jemand einen guten Samen in die Erde legt, so wird daraus auch eine gute Frucht erwachsen. Legt aber jemand statt des Weizenkornes den Samen einer Tolkirsche ins Erdreich, so wird Er wegen der ewigen Ordnung doch auch nur wieder eine Tollkirsche und keinen Weizen ernten.
   08] "Es dürfte Mir aber leichtlich jemand einwenden und sagen: »Wäre alles recht, o Herr; aber Du hättest Deine Ordnung denn doch nicht in so ungeheuer grelle Extreme (Höchstgrade) treiben sollen!« - Gut, sage Ich und füge aber dazu die Frage: Ist das Lichtextrem einer Sonne darum als ein Fehler Meiner Ordnung zu beklagen, weil wegen seiner außerordentlichen Stärke jedes Auge erblindet, das da so toll wäre, stundenlang unverwandt in die Sonne zu schauen? Oder ist das alles verzehrende Feuer etwa doch mit einem zu heftigen Hitzegrad begabt? Ist nicht die Last eines Berges zu gewaltig, die Schnelligkeit des Blitzes zu groß, die Kälte des Eises zu scharf und die Masse des Meerwassers zu ungeheuer? Wie sähe es aber mit einer Welt aus, auf der die Ordnung in den Elementen nicht also bestellt wäre? So des Feuers höchster Hitzegrad nur lau wäre, könnte es wohl die harten Metalle zerschmelzen? Oder wie weich müßten die Metalle wohl sein, auf daß sie schon bei einer geringen Wärme in Fluß kämen? Wären aber die Metalle also weich, wozu könnten sie dann nütze sein? Wäre aber die ganze Erde etwa so weich wie eine Butter, welches Geschöpf von nur einigem Gewichte würde auf so einer butterweichen Welt oder Erde bestehen können? Und so die Sonne nicht ein so intensivstes Licht besäße, würde je dann wohl auch imstande sein, aus Entfernungen von sehr vielen Millionen Meilen (nach irdischem Maße) die für den Planeten erforderliche Wärme und das über alle Maßen nötige Licht zu bieten?
   09] "Es möchte vielleicht jemand den Gedanken haben und bei sich selber sagen: »Es sollen ja alle Extreme sein und bestehen, aber wozu ist denn beim Menschen die außerordentlich große Schmerzfähigkeit gut? Warum hat er eine tausendfach größere Empfindlichkeit für Schmerzen und Leiden als für Wohltun und für Empfindungen beseligender Reize?« - Die Antwort auf diese Frage ist eine überaus handgreiflich leichte. Stellet euch die Menschheit als rein schmerzunfähig vor; gebet ihr dann ein vollkommen freies Erkenntnisvermögen und einen völlig freien Willen. Sanktionieret dann aber auch die Gesetze wie ihr wollet, und es wird niemand ein Gesetz beachten! Denn wer keine Empfänglichkeit für Schmerzen hat, der hat auch keinerlei Lust, und würden wollüstige Menschen, so sie nur mit einer puren Lustempfindlichkeit begabt wären, sich nicht in aller Kürze gänzlich verstümmeln, so sie bei einem allfälligen Abtrennen eines oder des andern Gliedes, statt des schützenden Schmerzes nur Lust und Wohltun empfänden?
   10] "Dieser vor uns aus übergroßem Schmerze heulende Cado wäre sicher für ewig verloren, wenn er schmerzunfähig wäre. So aber wird er in seinem Hochmutswahne wohl vielleicht noch eine sehr geraume Zeit den schroffsten Trotz bieten; aber wenn ihn der Schmerz zu gewaltig erfaßt, so wird er am Ende anfangen, mit sich auch sehr handeln zu lassen und wird sich auf bessere Wege begeben!
   11] "Ihr sehet nun aus diesen Meinen Worten sehr leicht, daß da jede Fähigkeit und Beschaffenheit eines Menschen wie auch jedes andern Wesens aus Meiner ewigen Ordnung bestens beraten und berechnet ist, und es darf an ihr kein Häckchen fehlen, so der Mensch vollkommen das werden soll, was er werden kann. Wenn aber alles das also sein muß, dann müsset ihr hier neben Mir auch keine so schiefen Gedanken in euch aufsteigen lassen, sondern sollet stets denken: »Was jemand selbst will, trotz der großen damit verbundenen und ihm wohlbekannten Nachteile, dem geschieht auch ewig kein Unrecht, und ginge es ihm noch tausend Male schlechter als es ihm geht!« - Nun aber gebet weiter acht auf die vor euren Augen vor sich gehende Handlung! - Und du, Meine allerliebste Helena, sehe ebenfalls hin und erzähle uns, was du siehst!"
   12] Spricht Helena: "O Herr, da ist es ja nimmer (möglich) hinzusehen! Denn das ist zu ungeheuer gräßlich! O wohl dir, Robert-Uraniel, daß du das nicht mit uns schauest! Du würdest erstarren vor Grauen!" Rede Ich: "Meine allerliebste Helena, sorge dich nicht um den Robert! Er sieht diese Szene ebensogut, wo nicht noch besser als du! Denn im Geisterreiche gibt es keine Ferne, von der aus man irgendein Geschehnis weniger klar sehen würde, als so man ganz in der Nähe sich zu befinden meint. In dieser Welt gibt es ganz andere Nähen und Fernen, und diese befinden sich lediglich im Herzen eines jeden Geistes. Je inniger sich irgend Geister lieben, desto näher sind sie sich. Je schwächer aber da ist die gegenseitige Liebe, desto ferner sind sie sich auch. - Verstehst du das? - Ja, du verstehst es! Darum sehe jetzt nur mutig die Szene an!"
   13] Helena schaut nun mit mehr Mut und Ergebung nach der Szene hin, da sie nun einsieht, daß die Sache, wie sie sich auch immer gestalten möge, unmöglich anders sein kann, als wie sie wegen des Gesamtbestandes der ewigen Ordnung sein muß.


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