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   01] Spricht daraus abermals Petrus: "Aber du warst doch dein ganzes irdisches Leben hindurch kein König! Wie kannst du da vor uns sagen, daß du schon von der Wiege an zum Herrschen geboren gewesen wärest? Du bist nichts als ein Beduinenhäuptling gewesen, und das nur in den letzten Jahren deines Lebens. Früher warst du ein Schafhirte und danebst ein getreuer Helfershelfer deiner löblichen Vorgänger und bist erst durch die schmähliche Heirat mit der ältesten Beduinenhäuptlingstochter zum Häupllinge erhoben worden. Du hast somit auf der Erde gar lange blindlings gehorchen müssen und hast erst in den letzten Jahren deines Lebens, wie ich schon eher bemerkt habe, eine höchst schnöde Art von Herrschaft über dein allerlumpigstes Räubergesindel und über deine echten Bluthunde ausgeübt. Und so meine ich denn, daß dir das Herrschen eben nicht in dem Grade angeboren sein möchte, wie du es uns ehedem gesagt hast!"
   02] Spricht Cado: "Das ist gleich! Was ich nicht will, das will ich durchaus nicht! Und ihr möget selbst Götter sein, so werdet ihr mich doch so lange nicht auf eine andere Idee bringen, bis ihr mir ein anderes Herz und einen andern Willen einhauchen werdet. - Glaubet ihr denn, daß ich die Hölle fürchte? Oh, da irret ihr euch sehr an mir! Einem allmächtigen Gotte gehorchen kann ein jeder feige Esel; aber einem anmächtigen Gotte den hartnäckigsten Trotz bieten und alle seine Weisheit zuschanden machen, das kann nur ein starker Geist, der keine Furcht kennt, auch vor einem ewigen Schmerze in der ärgsten Hölle nicht! Werfet mich in kochendes Erz, und ich werde euch im höchsten Brandschmerze dieselbe Antwort erteilen, die ihr nun hier vernommen habt. Denn groß ist der Geist, der seinen Schöpfer verachten kann, auch unter den größten Schmerzen! - Welchen Dank soll ich dem Schöpfer denn auch schuldig sein? Ich bin nur dann gegen jemanden Dankes verpflichtet, so er mir das tat, um was ich ihn ersucht habe. Den Schöpfer aber habe ich sicher nie ersucht, daß er mich hätte erschaffen sollen. Er hat es eigenmächtig getan! Es ist dann Schande genug für seine angepriesene höchste Weisheit und Macht, daß er an mir eine barste Pfuscherei von einer Schöpfung zuwege gebracht hat. Oder vielleicht muß ich wegen der Erhaltung des Ganzen gerade so sein, wie ich bin. Und ihr werdet daher weder auf die eine noch auf eine andere Art mit mir etwas ausrichten. Sehet daher, daß ihr weiterkommet!"
   03] Hier wird Cado ganz schwarz, und seine Gestalt wird entsetzlich, so daß die Helena sich recht sehr zu fürchten anfängt. Seine Augen werden glühend wie die eines wütenden Hundes, und er macht Miene, die beiden (Apostel) anzufallen. - Aber Petrus sagt zu ihm: "Im Namen Jesu des Gekreuzigten gebiete ich dir, daß du dich vor uns ruhig verhaltest, sonst sollst du die schärfe des Gotteszornes zum verkosten bekommen, sobald du es wagst, nur einen Finger gegen uns emporzuheben!"
   04] Cado bebt nun vor Wut und wird in seinem Innersten ganz glühend, äußerlich aber aller Kleidung bar. So steht er häßlichsten Anblickes vor uns, ohne jedoch unser ansichtig werden zu können.
   05] Ich frage nun die Helena und sage: "Nun, Meine geliebteste Tochter, was sagst du zu dieser Seele? Findest du, daß von Meiner Seite auch nur im geringsten etwas unterlassen oder unternommen worden sei, das nicht für ihre Beseligung beabsichtigt wäre? Du sagst mir in deinem edelsten Herzen ein gewichtiges Nein! Und also ist es auch. Es ist bei diesem Geiste alles aufgeboten worden, was nur immer als ein Meiner Liebe entsprechendes sanftes Mittel gedacht werden kann. Aber, wie du dich nun selbst überzeugt hast - ohne den geringsten Erfolg! Dieser Geist wurde sozusagen auf den Händen getragen. Starke Engel wurden zu seiner Bewahrung beordert. Aber sein Wille, der frei bleiben muß, war stets mächtiger als Meine Liebefesseln, die Ich ihm durch die mächtigsten Engel anlegen ließ. Er zerriß sie alle und spottete ihrer allzeit gräßlich. Es fehlte ihm nicht an der Erkenntnis; er kennt jeden Buchstaben der Schrift und hatte sogar das Vermögen, mit der gesamten Geisterwelt zu verkehren. Er kennt Mich und Meine Göttlichkeit und kann doch Meiner spotten. Für ihn ist jeder Herrscherstuhl ein Fluch, so er ihn nicht sein nennen kann. Ein Greuel ist für ihn jedes Gesetz, das er nicht gegeben. Er kennt nur seinen Willen, und der Wille eines andern ist für ihn ein Verbrechen, das er nie zur Genüge rächen könnte! Sage Mir, was kann da Meine Liebe noch ausrichten bei solch einem Wesen?"
   06] Spricht die Helena: "Ach du großer, lieber, heiliger Vater! Solch ein Wesen verdient denn doch eine fernere Gnade nimmer von Dir; wohl aber so lange eine gerechte Züchtigung, bis es nicht mehr sich selbst als etwas zu sein dünket, sondern in aller Demut zu Kreuze kriechen wird."
   07] Rede Ich: "Wäre alles recht, so die Züchtigung als von Mir ausgehend nicht auch schon ein Gericht wäre! - So Ich irgend die Menschen ihrer großen Bosheit wegen züchtige, so muß die Züchtigung ja so gestellt sein, daß sie soviel als nur immer möglich als eine natürliche Folge der Böswilligkeit erscheint, gleichwie, so sich jemand selbst einen Schlag versetzt, der daraus folgende Schmerz als eine notwendige und ganz natürliche Folge (seines Tuns) sich darstellen muß - obschon eigentlich von Mir die Natur ursprünglich schon so eingerichtet ist, daß der Schlag auf das Fleisch einen Schmerz nach sich ziehen muß, weil er eine Sünde gegen die bestimmte Ruhe des Fleisches ist, und so muß jede von Mir ausgehende Züchtigung beschaffen sein, wenn durch sie die Freiheit des Geistes und der Seele nicht untergraben werden soll.
   08] "Also aber darf auch bei diesem argbösen Geiste keine andere Züchtigung angewendet werden, als die er sich selbst aus seinem höchsteigenen bösen Willen, aus der Ausgeburt seiner Liebe, geben wird. So er dann aus solch eigener Schöpfung des Schmerzes satt bekommen und sich gewisserart selbst ersticken wird in seiner Wut, dann erst wird es wieder möglich sein, sich ihm auf einem gelinderen Wege zu nahen. Er kommt somit nach und nach in die unterste und allerärgste Hölle - aber nicht etwa von Mir dahin verdammt, sondern durch sein eigenes Wollen. Denn er erschafft sich diese Hölle selbst aus seiner Liebe! Was aber jemandes Liebe ist, das ist auch sein Leben, und dieses darf ihm ewig nimmer genommen werden!"
   09] Spricht Helena: "Aber Herr, der Du allein die wahrste und vollkommenste Liebe und Erbarmung bist! So er dann in solcher allerbösesten Liebe für ewig verharret und Dir zum Trotze lieber ewig das Ärgste und Gräßlichste erleidet, als seinen starren Willen zu beugen unter Deinen allersanftesten - was dann mit solch einem Geiste? - Wäre denn bei solchen gar argen Geiste nicht ein glimpfliches Gericht in eine vielleicht recht sehr nützliche Anwendung zu bringen? Der Geist würde sich mit der Zeit vielleicht daran gewöhnen und am Ende aus solch einer Gewohnheit eine Tugend machen, wie es zu Zeiten auch schon auf der Welt der Fall war.
   10] "Zum Beispiel eine Dirne findet Versorgung in einem eingezogenen Hause, mit der streng gemessenen Weisung, sich von der Zeit ihrer Ausnahme an so zu betragen, als wäre sie einem strengen Kloster einverleibt geworden! Und sieh, o Herr, das ist für eine rechte Nachtwandlerin sicher ein kleines Gericht. Sie überlegt sich die Sache wohl eine Weile. Aber da der Vorteil eines guten, geregelten Lebens doch sehr anspricht, so läßt sie sich gerne das Gericht gefallen, gewöhnt sich endlich an die Ordnung, wird darauf eine ganz züchtige Person und bleibt und stirbt dann auch als solche! - Und so meine ich denn, daß so etwas vielleicht bei diesem Cado auch der Fall sein könnte."
   11] Rede Ich: "Ja, Meine geliebteste Helena, siehe, das ist bei diesem Geiste schon vielfältigst auf allerlei Art und Weise angewendet worden - aber leider allzeit ohne den allergeringsten Erfolg, wie Ich es dir schon früher bemerkt habe. Und so bleibt uns nun nichts mehr übrig, als ihn ganz sich selbst zu überlassen. Will er durchaus die Hölle - gut, so genieße er sie denn auch in aller Fülle! Denn dem, der etwas Böses selbst will, geschieht auch für die nimmer endende Ewigkeit kein Unrecht! Wer in der Hölle verharren will, der verharre! Ich werde keinen bei den Haaren herausziehen wider seinen Willen. So ihm die Geschichte denn doch etwa einmal zu derb wird, da wird er dann sich schon von selbst auch einen Weg daraus bahnen. Macht ihm aber die Hölle eine Freude, ist ihm die ewige Nacht lieber als das ewige, alles beseligende Licht, so freue er sich dessen, was ihm Freude macht! - Bist du damit einverstanden?"
   12] Spricht Helena: "Herr, du bester Vater! Jetzt vollkommen! - Habe auch gar kein Mitleid mehr mit solch einem allerdümmsten Esel! - Aber was wird mit diesem wahrhaft dümmsten Teufel denn jetzt geschehen?" Rede Ich: "Das wirst du nun gleich sehen. Ich werde nun den beiden Aposteln einen Wink geben, ihn völlig freizulassen und ihn aber nur in seiner Sphäre - tun zu lassen, was er will. Und da wirst du dann schon sehen, was es da mit diesem Geiste für einen weiteren Vorgang nehmen wird."
   13] Ich gebe nun den beiden den vorbezeichneten Wink. Und Petrus sagt zu Cado: "Da wir beide uns nun zur vollsten Genüge überzeugt haben, daß du dich durch uns, die wir von Gott dem Herrn an dich abgesandt worden sind, nicht für die Himmel Gottes vorbereiten lassen willst, so gehe von hinnen und tue, was dir Freude macht! Denn das will auch dein Gott und unser Gott Jesus Jehova Zebaoth! - Von nun an wird Gott keine Boten mehr an dich absenden. Wir beide waren die letzten!" Nach diesen Worten werden die beiden für ihn unsichtbar, während er selbst allen Anwesenden gar wohl sichtbar wie auch mit jeglichem Gedanken und Worte vernehmbar bleibt.

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