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Kapitelinhalt 57. Kapitel: Das Tierreich auf dem Planeten Miron. Der Dampfer, der Donnerer und der Windmacher.

   01] Was hier das Tierreich betrifft, so ist zum Teil erwähnt worden, wie dasselbe bis zu einer gewissen Stufe der immerwährenden Formenverwandlung unterliegt, und zwar wechselweise von den Pflanzen zu den Tieren und von den Tieren zu den Pflanzen. Sonach wollen wir nicht bei dieser [unteren] Stufe der Tiere, welche so sehr der Formenverwandlung unterliegt, unsere Betrachtungen anfangen, sondern wollen uns sogleich zu jener [höheren] Klasse der Tiere wenden, welche auf diesem Erdkörper schon einen bleibenden Standpunkt einnimmt.
   02] Zu der Klasse dieser Tiere gehört vor allem eine bedeutende Gattungsanzahl verschiedener großer, vierfüßiger Tiere, welche das Land bewohnen. Ferner eine sonst nirgends als auf diesem Planeten vorkommende Tierklasse, nämlich die der zweifüßigen Tiergattungen; sodann einiges Geflügel. - Und endlich erst wollen wir den Menschen selbst in Augenschein nehmen.
   03] Ein Tier aus der vierfüßigen Reihe unter dem Namen »der große Dampfer«, ist eines der seltensten Tiere dieses Planeten. Dieses Tier hat eine Größe, derzufolge es von den Füßen
bis auf den Rücken bei dreißig Klafter mißt und hat um den Bauch einen Leibumfang von wenigstens sechsunddreißig Klaftern. Seine Füße sind verhältnismäßig lang und stark und nahe so gebaut wie die Füße eines Elefanten bei euch; nur sind sie zuunterst an den Tritten, anstatt mit stumpfen Klauen, mit starken, einer Bärentatze ähnlichen Krallen versehen. - Dieses Tier hat ebenfalls einen verhältnismäßig langen und starken Schweif, der mit einem reichlich gekrausten Haarbusch versehen ist, etwa so wie der Schweif eines Löwen bei euch. Der Kopf dieses Tieres sitzt auf einem kurzen, aber desto stärkeren Halse und hat eine bedeutende Ähnlichkeit mit dem Kopf eines Rhinozeros bei euch.    04] Statt des Horns auf der Nase hat es einen weiten und sehr geräumigen Trichter, welcher mehrere Klafter im Umfange hat. Über dem Trichter, an der Stirn, hat es zwei Rüssel, die bis zu dreißig Klaftern dehnbar sind. Mit diesen Rüsseln sammelt dieses Tier Wurzeln und allerlei andere, für dasselbe genießbare Früchte, legt diese in den weiten und.geräumigen Trichter; und ist der Trichter angefüllt, so läßt es gar bald einen ganz heißen Dampf durch seine Nüstern in diesen Trichter. Dadurch werden die Früchte förmlich gekocht, und wenn sie gehörig weich geworden sind, so langt dieses Tier mit dem Rüssel in den Trichter, hebt die erweichten Nahrungsmittel nach und nach heraus und schiebt sie in seinen ziemlich weiten Rachen. Der Rachen aber ist zahnlos und besitzt statt der Zähne nur sehr starke Quetschmuskeln, mittels welcher es die in den Rachen gelegten und zuvor in dem Trichter schon gekochten Nahrungsmittel zerquetscht und sodann zu seiner Sättigung verschlingt.
   05] Wenn dieses Tier seine Speisen kocht, so verbreitet es aus seinem Trichter nicht selten einen bei weitem stärkeren Dampf, welcher in dichten Wolken aufsteigt, als wenn bei euch auf der Erde ein sehr großes Gebäude in Flammen stünde, - weshalb das Tier auch, wie schon anfänglich bemerkt wurde, der große Dampfer genannt wird.
   06] Auf keinem Planeten gibt es so viele entgegengesetzte tierische Polaritäten, die sich aus dem Grunde allzeit feindlich begegnen, wie auf dem Miron. Und so geschieht es denn auch, daß unser großer Dampfer eine Menge tierischer Feinde hat, welche ihm nach dem Leben streben. - Aber alle dieses Tier anfeindenden anderen Tiere kommen im Kampfe mit ihm sehr übel weg; denn so groß dieses Tier ist, so ist es aber dennoch äußerst behende und ganz besonders mit seinen beiden Rüsseln pfeilschnell. Wenn sich ihm demnach Feinde nähern und dieses Tier solches merkt, so stellt es sich, als ob es sie nicht merkte und läßt dadurch die Feinde ganz an seinen Leib kommen; sodann aber schießt es mit seinen Rüsseln plötzlich nach den Feinden, wirft sie in seinen weiten Dampftrichter, welcher sehr fest ist, und läßt alsogleich seinen heißen Dampf über sie los. Wenn noch einige andere sich ebenfalls nahenden Feinde solches Spektakel erblicken, so kehren sie gewöhnlich um und machen keine Miene mehr, diesen Feind anzufallen, sondern ziehen sich, wie ihr zu sagen pflegt, ganz bescheiden zurück und versparen ihren feindlichen Groll auf eine bessere Gelegenheit, bei welcher es aber einem und dem andern um kein Haar besser ergeht, als wir es soeben gehört haben. Nur gegen Menschen, vor welchen dieses Tier eine eigene Achtung hat, übt es nie diese Art Verteidigung aus, sondern treibt diese, wenn sie es zu sehr reizen, mit seinen stark schwingenden Rüsseln davon; läßt aber bei dieser Gelegenheit dennoch eine solche Masse Dampf seinem Trichter entsteigen, daß darob die Menschen in eine ganz dichte Wolke eingehüllt werden und dann nicht leicht merken können, wohin das Tier seinen Weg genommen hat. Die Menschen aber, wenn sie sich noch in dieser eben nicht gar zu angenehm duftenden Dampfwolke befinden, verhalten sich ebenfalls so lange ruhig, bis sich die Wolke wieder gelichtet hat; und ist solches geschehen, so ziehen sie sich gewöhnlich unverrichteter Sache zurück.
   07] Das ist sonach schon ein denkwürdiges Tier dieses Planeten. Seine Nützlichkeit hat zumeist nur das metaphysische Feld zum Grunde, vermöge dessen es eine Übergangsstufe bildet von dem gewöhnlich metamorphosischen Pflanzenleben in das konstante Tierleben. Seine Farbe ist grünlichgrau.
   08] Ein zweites nicht minder denkwürdiges Tier dieses Planeten ist der sogenannte Donnerer. Dieses Tier ist um ein Drittel kleiner als das vorige und ist in seiner Art einzig und allein diesem Planeten eigen. Dieses Tier hat einen besonders großen Bauch, welchen es noch obendrauf bei gewissen Gelegenheiten durch die Entwicklung einer innern Luft so außerordentlich auftreiben kann, daß es dann nicht selten einen Umfang von mehr als vierzig Klaftern um die Bauchgegend bekommt, während es sonst nur einen Umfang von etwas über zehn Klaftern hat. Dieses Tier hat nahezu die Ähnlichkeit mit einem sogenannten Känguruh, welches Tier bei euch auch den Namen »Beuteltier« führt; nur hat es einen runden Kopf, ungefähr wie ein Affe bei euch, und seine Füße sind ebenfalls so gestaltet wie die eines Affen, aber natürlicherweise im Verhältnis zur übrigen Größe des Tieres gehörig stark und fest.
   09] Auch dieses Tier nährt sich von Kräutern, mitunter auch von Baumfrüchten, und hält sich vorzugsweise in der Nähe der Gewässer auf. - Warum aber wird es der Donnerer genannt? - Solches wird sogleich ersichtlich werden.
   10] Wenn dieses Tier von seinen Feinden verfolgt und irgend in die Enge getrieben wird, so treibt es seinen Bauch auf, wodurch es dann ein überaus lächerlich fürchterliches Aussehen bekommt. Ist der Bauch nun aufgetrieben, so begibt es sich augenblicklich ins Wasser und schwimmt behende vom Ufer hinweg. Ist es nun etwa bei zehn oder zwanzig Klafter vom Ufer entfernt, so fängt es, im Wasser schwimmend, mit seinen Vorderfüßen auf seinem stark gespannten Bauche zu trommeln an. Dadurch verursacht es einen solchen Lärm, daß darob sogar das Ufer in eine Art Schwebung gerät, als wäre ein kleines Erdbeben vorhanden. Durch diesen Lärm erschreckt es dann seine Feinde nicht selten so gewaltig, daß sich diese nicht so leicht wieder in eine solche schauderhafte Gegend zu begeben getrauen.
   11] Selbst Menschen sind eben nicht die größten Freunde von diesem ziemlich unangenehmen Lärm, welcher manchmal, besonders bei den Männchen, von so intensiver Art wird, daß sich bei euch auf der Erde ein ziemlich naher Kanonendonner weidlichst schämen müßte.
   12] Die Nützlichkeit dieses Tieres ist der des vorhergehenden ähnlich. Es wird auch von seiten der Menschen nie Jagd auf dasselbe gemacht, weil es sonst überaus sanfter Natur ist und keinem andern Wesen etwas zuleide tut, außer, wenn es verfolgt wird, durch seinen Lärm; den es gewöhnlich so lange fortsetzt, bis sich die Feinde weithin geflüchtet haben; sodann aber begibt es sich wieder ans Ufer, entladet seinen Bauch von der Luft und treibt da wieder seine gewöhnliche Lebensweise fort. - Die Farbe dieses Tieres ist rücklings dunkelblau, vorn aber am Bauche ins Grünlichgelbe übergehend.
   13] Das wäre sonach das zweite denkwürdige Tier dieses Planeten. - Und so gehen wir wieder zu einem andern über, welches ebenfalls nicht weniger merkwürdig ist.
   14] Dieses dritte sonderbare Tier hat den Namen »der Windmacher«. - Bevor wir aber die Ursache seines Namens betrachten wollen, werden wir uns mit seiner etwas sonderbaren Gestalt beschäftigen. Wie sieht denn diese aus? - Für euch, wie ihr zu sagen pflegt, im wahren Sinne komisch. - Ihr habt auf eurer ganzen Erde nicht eine so lächerliche Tiergestalt wie die dieses Tieres. Ein Esel bei euch könnte dagegen als ein wahrer Weiser des Morgenlandes auftreten. Aus diesem Grunde wird auch dieses Tier gewöhnlich zahm gehalten, weil es den Bewohnern dieses Planeten sehr viele erheiternde Schauspiele macht, wovon sie große Freunde sind, da sie auch in geistiger Hinsicht in dem großen (Schöpfungs-) Menschen den Lachdrüsen des Bauches entsprechen.
   15] Dieses Tier hat die zehnfache Größe eines Pferdes bei euch. - Die Farbe dieses Tieres ist ungefähr so rot wie ein schmutziger Ziegel bei euch. - Die Füße sind im Verhältnis ziemlich lang und etwas auswärts gebogen, besonders in dem Teil unter dem Kniegelenk, und sind vom Bauche an bis auf die beiden kamelartigen Stumpfklauen mit plump gekrausten Haaren stark bewachsen. Die Hinterfüße sind ebenfalls, wie die vorderen, nach auswärts gebogen und sind so behaart wie die vorderen. Die Bauchgegend ist mit zwei Reihen nackter Zitzen behangen, welche nicht selten eine halbe Klafter lang sind. Das Männlein hat zwar etwas kürzere Zitzen, aber desto ausgezeichnetere Geschlechtsteile; besonders ist der Hodensack bis zu den Knien der Hinterfüße herabhängend. Der Schweif ist vom Rücken weg ebenfalls mit plump gekrausten Haaren reichlich versehen und ist sehr lebhaft beschäftigt, um allfällige Insekten vom Leibe zu treiben. Die Rückengegend ist ebenfalls mit plump gekrausten Haaren versehen. Und so sieht der Mittelleib, besonders da der Steiß ziemlich stark aufgeworfen ist, der Form nach einem riesigen Pavian bei euch nicht unähnlich, bis auf die Füße und den Schweif. - Von dem ziemlich plump voluminösen Leib erhebt sich ein schlanker Schwanenhals; auf diesem zierlichen Schwanenhalse sitzt ein euren Mauleseln nicht unähnlicher Kopf; nur sieht er noch stumpfer aus als der Kopf eines Maulesels und hat auch noch bei weitem größere und weniger gespitzte Ohren als eure Maulesel. Die Ränder der Ohren sind ebenfalls stark behaart in der Art wie die Füße. Und vom unteren Kinnbacken hängen ein paar lange, ganz nackte Zitzen von graulicher Farbe, welche nur hier und da mit einigen ziemlich langen Haaren bewachsen sind. Zudem hat das Tier einen sehr weit aufzusperrenden Rachen, aus welchem es eine mehrere Klafter lange Zunge nach Bedarf strecken kann. - Also wäre die Gestalt dieses Tieres.
   16] Warum heißt es aber der »Windmacher«? - Wenn dieses Tier, zufolge seiner für die Bewohner dieses Planeten sehr lächerlichen Gestalt, über die Maßen geneckt und gereizt wird, so bläht es sich auf, rollt seine Zunge zu einem Rohr zusammen und bläst dann aus diesem Rohr so gewaltig, daß es einen Menschen, der auf diesem Planeten eine sehr beachtenswerte Größe hat, wenn er sich nicht versieht, mit leichter Mühe umwirft. Besonders aber wendet dieses Tier seinen Wind allda gerne an, wo es vor sich eine Menge lockerer und zugleich schmutziger Gegenstände erblickt. Diese bläst es dann seinen Neckern und Beleidigern zu; und da geschieht es dann nicht selten, daß einige zu mutwillige Necker dieses Tieres ganz übel bedient werden. Aber eben diese Erscheinung macht dann erst den sogenannten Hauptspaß dieser Bewohner aus, und zwar nicht so sehr wegen des Faktums selbst, als besonders wegen der überaus lächerlichen Stellung, welche dieses Tier bei dergleichen Operationen einnimmt.
   17] Das ist aber auch, von seiten der Menschen betrachtet, die ganze Nützlichkeit, für welche sie sich dieses Tieres bedienen. Sonst aber ist seine Nützlichkeit ähnlich der der zwei früheren Tiergattungen. Und so sind wir denn mit diesem Tier fertig und wollen unsere Betrachtungen das nächste Mal fortsetzen.


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