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Kapitelinhalt 64. Kapitel: Kugelinstrument, Tonkunst und Tonschrift, Optik, Mechanik und Schreibkunst auf dem Miron.

   01] Das Kugelinstrument ist zusammengesetzt aus lauter gewundenen Röhren, die nach außen hin mehr abgeflacht sind; nur gegen innen zu haben sie eine vollkommen runde Gestalt. - Die Kugel hat in ihrer weitesten Ausbauchung drei Klafter im Durchmesser; unter dieser weitesten Bauchung der Kugel sind auch die dicksten Röhren gewunden. Gegen die Pole der Kugel aber, welche trichterförmig offen sind, sind nach abstufender Ordnung auch stets kleinere Röhren angebracht.
   02] Diese Kugel ruht auf einem offenen Dreifuß, unter welchem ein starkes Windgebläse angebracht ist, aus welchem Gebläse durch die Füße unseres Dreifußgestells der Wind in die Kugel geleitet wird. Neben den schon erwähnten Haupttonröhren laufen noch kleinere Windröhren, deren Mündungen über den Löchern angebracht sind, welche von den Haupttonröhren aus der Kugel etwas erhaben hervorbrechen. Da, wo der Wind in die verschiedenen Röhren verteilt wird, ist allenthalben eine Ventilklappe angebracht, welche durch einen eigenen Mechanismus geöffnet oder wieder geschlossen werden kann. Wird die Klappe geöffnet, so wird dadurch der Wind durch die Mündung an das tonbildende Loch des Tonrohres gebracht; im Gegenteil aber dann abgeschlossen, und der Ton hat mit dem Abschlusse natürlicherweise auch ein Ende, ungefähr also wie bei euren Orgeln.
   03] So wüßten wir demnach, wie dieses Instrument beschaffen ist. Es fragt sich jetzt nur: Wie wird dieses Instrument denn gespielt? - Dieses Instrument wird, ungefähr so wie eure Orgeln, mittels einer Art Tastatur gespielt; nur hat die Tastatur eine andere Gestalt, und die halben Töne sind anders eingt eilt als auf euren Klavieren. Denn die Skala, die ihr die diatonische nennt, ist hier keine Grundskala; sondern ihre Grundskala besteht aus lauter ganzen Tönen, zwischen welchen überall ein halber Ton sitzt. - So ist demnach auch die Tastatur. Diese besteht eigentlich aus zwei Reihen länglicher, ungefähr einen Schuh breiter Halbkugeln. Diese Tastatur wird die untere genannt. Zwischen einer jeden solchen untern Taste, etwas höher und auch etwas kürzer, ist ebenfalls eine, aber nur einen halben Schuh breite, längliche Halbkugel angebracht. - Ihr werdet hier sagen: Wären denn flache Tasten nicht besser als solche abgerundete? - Für eure Finger mögen flache Tasten wohl dienlicher sein als abgerundete; aber für die starken Finger unserer Mironbewohner sind wieder diese Tasten besser. Denn hätten sie flache Tasten, so müßten diese wenigstens noch einmal so breit sein, damit sie einzeln könnten abgedrückt werden, - da ein Finger eines Mironbewohners vorn nicht selten bei zwei Schuh (1 Schuh = 31,6 cm) im Durchmesser hat. Durch die Erhabenheit der Taste aber kann der Spieler jede einzelne Taste, welche einen sehr geringen Fall hat, gar leicht und unbeschadet der zwei Nebentasten eindrücken. Nun seht ihr schon den Vorteil dieser Tastaturform für unsere Bewohner.
   04] Jetzt wäre uns das ganze Instrument bekannt. - Es fragt sich nur, was für einen Ton es denn eigentlich hat? - Der Ton dieses Instruments gleicht zumeist einem Flötentone bei euch; nur ist er ums Unvergleichliche stärker, kann aber durch eine eigene Vorrichtung, durch welche die Polarschalltrichter dieses Instruments entweder mehr geöffnet oder gedeckt werden, vom Fortissimo bis ins Pianissimo übergehen.
   05] Auf diesem Instrument sind unsere Mironbewohner hin und wieder wirklich große Künstler. Manche besitzen eine solche Fertigkeit in der Behandlung dieses Instruments, daß sich die größten Künstler bei euch hoch verwundern würden, dort einen solchen Kugelspieler zu hören. Dieses Instrument fehlt daher auch in keinem Hause und ist so allgemein beliebt, daß ein Mensch, der wenigstens nicht etwas auf demselben hervorzubringen vermag, für sehr einfältig gehalten wird, welcher Fall jedoch nur äußerst selten vorkommt.
   06] Ihr möchtet wohl auch wissen, was für Musikstücke diese Musiker spielen, und ob sie etwa auch Tondichtungen haben so wie ihr? - Ihr könnt es glauben, an dergleichen Produkten ist auch hier durchaus kein Mangel. Denn fast in einem jeden Hause ist sicher auch ein Komponist daheim, der mittels farbiger Zeichen zwischen drei gezogenen Linien, durch welche die drei Oktaven bedeutet werden, seine Ideen entweder auf Metallplatten oder auch auf Steintafeln, manchmal wohl auch auf dünne, glatt gehobelte Holztafeln niederschreibt.
   07] Diese Tonzeichen sind viel einfacher als die eurigen. Denn durch sechs Farben bezeichnet er die sechs ganzen Töne, und zwar durch runde Punkte wie bei euch. - Die halben Töne aber werden durch gleich große Nullen von derjenigen Farbe gemacht, aus welcher der vorliegende Grundton besteht. Dadurch kann er [der Tondichter] auf einer Linie die ganze Skala von einer Oktave schreiben. - Will er nun einen Akkord setzen, so setzt er diese Punkte von verschiedener Farbe, so wie ihr, übereinander; aber so, daß sie nicht die zweite Linie beirren, aus welchem Grunde auch die drei Linien allzeit in gehöriger Distanz voneinander gezogen sind.
   08] Ihr werdet hier sagen: Solches wäre ganz gut und richtig; wie aber bringt er da die rhythmische Einteilung heraus? - Auf die leichteste Weise! - Er zieht die nacheinander in gleichem Zeitmaße zu spielenden Tonzeichen mittels einer Linie zusammen, unter diese Linie setzt er dann entweder eine Zahl oder drückt diese Zahl auch durch Punkte aus. Soll eine Note länger ausgehalten werden, so steht sie für sich allein da; und durch ein bestimmtes, unter der Note angebrachtes Zeichen wird angedeutet, wie lange sie auszuhalten ist. Und zu Anfang eines jeden Tonstücks wird, ebenso wie bei euch, ein bestimmtes Zeitmaßzeichen gesetzt, nach welchem sich die fernere Einteilung eines Tonstücks rhythmisch zu richten hat; und der Rhythmus wird, ebenso wie bei euch, durch kleine Querlinien bezeichnet.
   09] Das ist aber auch das Wesentlichste über die Art und Weise, wie unsere Mirontondichter ihre Ideen aufzuzeichnen pflegen. - Da sich ihre Instrumente allzeit nur innerhalb dreier Oktaven bewegen, so langen sie mit diesen drei Linien auch vollkommen aus und haben somit auch nur einen einzigen Schlüssel. Geht auch zum Beispiel das Scheibeninstrument um eine Oktave höher, so hat dieses mit der Sache keine Not; denn das Ganze liegt dann nur am Instrument, welches dieselben Tonzeichen in seiner Lage geradeso spielt, wie das um eine Oktave tiefer liegende. - Was aber hier für die Instrumente gilt, dasselbe gilt um so mehr noch für die Sänger, welche nur gar selten mit ihren Kehlen den Umfang ihrer Instrumente erreichen.
   10] Ein ganzes, volles Orchester besteht außer den Sängern demnach nur aus drei Personen und - bei dem Kugelinstrument -, einem Blasewerkrührer. Diese drei Menschen bringen aber mit Hilfe des einzigen Blasewerkrührers einen solchen Toneffekt hervor, daß ihr bei einer solchen Produktion in einer dreistündigen Entfernung noch vollauf zu hören hättet. Denn fürs erste haben diese Instrumente, zufolge der sehr intensiven und elastischen Luft dieses Weltkörpers, einen außerordentlich starken Ton, und fürs zweite sind die Sänger hier auch überaus gut bei Stimme; denn ein recht forcierter Ton eines solchen Mironsängers dürfte bei euch auf der Erde mit seiner Kraft wohl eine ziemlich lebhafte Kanonade unvernehmbar machen.
   11] Für eure Ohren wäre ein solches Konzert in der Nähe wohl ein wenig zu stark; aber in einer gehörigen Entfernung würde euch dasselbe sicher nicht wenig entzücken. Denn ihre Tondichtungen sind von sehr erhabener Art, bewegen sich sehr selten in den Dur-Tonarten, sondern meist in den Moll-Tonarten, welche bei ihnen halbe Tonarten genannt werden.
   12] Sie haben in ihrer Musiktheorie drei Tonarten: eine ganz harte, welche der Grund der übrigen ist; dann eine ganze Tonart, welche ähnlich ist eurer Dur-Tonart; und dann haben sie eine halbe Tonart, welche eurer Moll-Tonart entspricht. Diese [halbe oder Moll-Tonart] nennen sie die allein genießbare Frucht ihres Tonbaumes; die ganze Tonart ist bei ihnen der ungenießbare Stamm des Baumes; und die harte Tonart ist die Wurzel dieses Baumes, welche, so wie der Stamm, als ungenießbar erklärt wird. - Und so denn hätten wir auch das Wesen der Tonkunst der Bewohner dieses Planeten kennengelernt.
   13] Es bleibt uns demnach nur noch zu erwähnen übrig, daß die Menschen dieses Planeten auch im Fache der Optik dasselbe leisten wie im Fache der Akustik. - Und ihr könnt schon aus diesem Umstand gar leicht entnehmen, daß sie auch im Fache der Rechenkunst und Astronomie bewandert sind.
   14] Daß sie zur Erzeugung von dergleichen Instrumenten auch im Fache der Mechanik bewandert sein müssen, braucht kaum erwähnt zu werden. Ihr würdet euch verwundern, so ihr hier sogar die allerzweckmäßigsten Zeitmesser mechanischer Art fast allenthalben antreffen würdet, welche viel sicherer und genauer als eure besten Uhren die Zeit messen und die kleinsten Teile derselben genau bestimmen. Solche Techniker sind in einem jeden Dorfe gleich den Professionisten zu Hause und haben dazu auch eigene Werkstätten nebst den Wohnhäusern.
   15] So besitzen die Menschen dieses Planeten auch Schriftzeichen, durch welche sie Worte niederschreiben können, und zwar auf dasselbe Material wie das, auf welches sie ihre Tonzeichen niederschreiben. - Aus diesem könnt ihr doch sicher schließen, daß die Menschen dieses Planeten in jeder Hinsicht sehr gebildet sind.
   16] Was aber ihre religiöse Geistesbildung betrifft, davon wollen wir ein nächstes Mal ausführlich sprechen. - Und daher gut für heute!


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