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Kapitelinhalt jl.gso2.109. Kapitel:


   01] Wie es erscheinlich in der ersten Hölle aussieht, das habt ihr schon einmal im Verlaufe der Mitteilungen aus der Sonne gesehen, wie auch die verschiedenartigen Eingänge in die erste Hölle. Nur muß ich das Wenige noch beisetzen, daß der Eifer eben derjenigen höllischen Geister, die ihr in der ersten Hölle geschaut habt, vorzugsweise nur ein Genuß- oder, wie ihr zu sagen pfleget, ein Freß-Eifer ist. Es gleicht dieser Zustand demjenigen auf der Erde, in welchem die Menschen auch alles Mögliche ergreifen, um, wie ihr zu sagen pfleget, zu einem Brote zu gelangen.
   02] Die einen errichten verschiedenartige Gewerbe, die andern haschen nach Beamtenstellen, wieder andere nach irgendeiner guten Heirat. Aber das alles tun sie nicht etwa des Guten wegen, sondern rein nur ihrer selbst und des Brotes wegen. Sie kümmern sich in diesem Zustande wenig um irgendeine Herrlichkeit, sondern es liegt ihnen alles daran eine gewisse Versorgung zu bekommen.
   03] Nach himmlischer Art sorgt man sich um gar nichts außer allein um die Liebe und die Erkenntnis Gottes. Für alles andere sorgt der Herr! Nach höllisches Art aber sorgt man sich gerade umgekehrt. Man will eine sichere Versorgung haben und denkt im besten Falle: Wenn ich erst für alle äußeren Bedürfnisse gedeckt bin, dann will ich sehen, ob der Geist mit dieser Versorgung zufrieden ist. Wenn aber dann jemand eine äußere Versorgung erlangt, welche gewöhnlich mit irgendeiner kleinen Herrlichkeit verbunden ist, so geht der Versorgte bald in einen seiner Herrlichkeit entsprechenden Hochmut über, den er durch einen gewissen Glanz stets mehr aufzurichten bemüht ist. Aus diesem Grunde fangen denn auch junge Beamte wie auch angetretene Gewerbsleute - versteht sich ein jeder in seiner Sphäre - sich mehr und mehr aufzublähen an. Gar bald wissen sie nicht mehr, wie sie sitzen, stehen, gehen, sehen, hören und reden sollen, damit man ihnen auf den ersten Augenblick anmerkt und gewisserart anerkennen und von der Nase ablesen soll, in welcher Herrlichkeit sie stecken und was für ein vielsagendes Amt sie bekleiden.
   04] Sind solche Menschen auf diese Weise versorgt, da sollen sie sich um nichts mehr sorgen, denn sie haben ihr bestimmtes Einkommen und Brot erhalten. Sie sollten jetzt für das Geistige zu sorgen anfangen. Aber - ganz umgekehrt - jetzt ist mit der Versorgung das Glanz- und Herrschbedürfnis eingetreten. Darum sorgen sie jetzt mehr als je dafür, um nur höher und höher zu steigen, wie die Gewerbsleute, um nur reicher und reicher zu werden. In dieser Lage werden sie voll Neides und inneren Hasses gegen diejenigen, die ihnen irgend im Wege stehen.
   05] Die Nächstenliebe geht bei ihnen so weit, daß so mancher Unterbeamte nichts sehnlicher wünscht als den Tod seines ihm vorgesetzten höheren Beamten, um bei solcher Gelegenheit dann die Stelle des Höheren einzunehmen. Der Gewerbsmann wünscht nichts sehnlicher als den geschäftlichen Ruin seiner Kollegen, damit er dann alles Geschäft an sich reißen könnte. Ja, seine Nächstenliebe geht so weit, daß er alle seine Geschäftsgenossen mit einem Tropfen Wasser umbringen möchte, wäre solches nur irgend möglich. Er unternimmt auch alles erdenkliche, um, wo und wie nur immer möglich, seinen Nebengeschäftsmann zu ruinieren.
   06] Wenn ihr dieses weltliche Benehmen nur ein wenig klar beleuchtet, so habt ihr schon die erste Hölle vollkommen in dem Freßbestreben und auch, wie diese in die zweite Hölle übergeht, im Haß, Zorn, Neid und Herrschbestreben auf ein Haar genau getroffen vor euch. Ihr brauchet hier nichts als die äußeren sittlichen und bürgerlichen Staatsgesetze hinwegzustreifen, und die erste wie die zweite Hölle sind buchstäblich und bildlich vor euch.
   07] Was sich auf der Welt unter dem Deckmantel der sittlichen und bürgerlichen Gesetze noch in einer gewissen Dezenz ausnimmt, das tritt bei Hinwegnahme dieser Gesetze sogleich als Raub, Krieg und Mordbrennrei auf. Da habt ihr dann das vollkommene Bild der ersten Hölle.
   08] Wollt ihr aber das Bild der zweiten Hölle, so tut dasselbe. Ihr werdet sogleich allenthalben eine geheime Verschmitztheit zu entdecken anfangen, und nirgends werdet ihr Menschen oder Geister sich gegenüberstehend entdecken, die nicht gegenseitige Todfeinde wären. Begegnen sie sich auch äußerlich freundlich und voll Höflichkeit wie auch voll scheinbarer gegenseitiger Liebe, so ist aber alle diese Liebe dennoch nichts anderes als purer Haß. Denn alles das ist Politik um den Gegner zum Frieden zu stimmen, ihn auf die feinste Art zu entwaffnen, um ihn dann desto sicherer ohne Widerstand überfallen zu können und bis in den Grund und Boden zu verderben.
   09] Betrachtet nur auf eurer Erde die sogenannten Kriecher und Speichelecker. Das sind gewöhnlich die größten Todfeinde derjenigen, vor denen sie kriechen. Sie erheben sie aus demselben Grunde wie ein Geier eine Schildkröte, um sie, wenn er mit ihr die rechte Höhe erlangt hat, auf das schmählichste fallen zu lassen und so durch ihren Fall noch mehr zu gewinnen.
   10] Seht, das ist wieder buchstäblich und bildlich die rein höllische Liebe des zweiten Grades. Daher werden in dieser Höllet auch schon allerlei Trugkünste gehandhabt, um sich gegenseitig zu fangen und zu verderben, in der tollen Meinung, durch den Fall anderer auf jede mögliche Weise stets mehr zu gewinnen. -
   11] Auf diese Weise lernen auch unsere Schüler die Höllen zuerst theoretisch und dann praktisch erscheinlich durch und durch kennen. Und so hätten auch wir in möglichst gründlicher Kürze die ersten zwei Höllen erscheinlich beschaut. - Wer diese Darstellung nur ein wenig nachdenkend beachtet, der hat alles sonnenklar vor sich. Was aber die Erscheinlichkeit der dritten Hölle betrifft, so wollen wir derselben eine eigene Betrachtung widmen, denn diese muß am meisten erkannt sein, weil sie der Grund alles Lasters ist. -

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