voriges Kapitel Jakob Lorber: 'Die geistige Sonne' (Inh.-Vz. Bd. 2) nächstes Kapitel

Kapitelinhalt jl.gso2.015. Kapitel:

   01] Ihr sagt: Gut wäre es freilich, wenn man nur gleich wüßte, welchem Teile unserer Liebe, oder welcher Himmelsgegend derselben man eben diese Welt unterschieben sollte. Ich aber sage euch, meine lieben Freunde und Brüder: Da ihr die Hauptsache schon durch mein Stößchen zum Dreiviertelteile aus euch gefunden habt, so wird es wohl nicht so schwer sein, auch das vierte Viertel durch allenfalls noch ein paar Stößchen zu finden. Ich will euch zu dem Behufe sogleich eine Frage geben, deren Beantwortung ihr schon zum voraus in euch habt. Die Frage aber sei diese: Habt ihr nie etwas gehört von der sogenannten alten Astrologie? Ihr sagt: O sicher, dergleichen Bücher finden sich noch heutigen Tages unter uns vor. Aber auf diese wird man doch etwa nicht zuviel halten dürfen? Ich sage euch: Auf die Art, wie ihr darauf zu halten pfleget, freilich wohl nicht, denn das wäre ein absurder Aberglaube und wäre sündhaft, darauf zu halten. Aber es hat jede Sache zwei Seiten, nämlich eine Licht- und eine Schattenseite. Wir wollen uns daher nicht der Schatten-, sondern der Lichtseite dieses altertümlichen Mysteriums bedienen.
   02] Wie lautet aber diese? Ihr Name heißt: Kunde der Entsprechungen. Auf dem Wege der Entsprechung aber haben ein jedes Ding, eine jede Form und ein jedes gegenseitige Verhältnis der Formen wie der Dinge einen entsprechend geistigen Sinn. Und so hatten einen solchen Sinn und haben es noch alle die Sterne und ihre Bilder. Wer demnach diese Bilder von dieser Lichtseite lesen und verstehen kann, der ist auch ein Astrolog; aber kein Astrolog mit Hilfe der finsteren Mächte; sondern ein Astrolog aus dem Reiche der Geister des Lichtes, d.h. er ist ein wahrhaftiger Weiser, wie da die drei Astrologen (Sternkundige) aus dem Morgenlande wahrhaftige Weise waren. Sie hatten den Stern des Herrn erkannt, haben sich von ihm führen lassen und haben durch ihn den Herrn der Herrlichkeit gefunden.
   03] Ich sehe wohl in euch soeben eine Frage betreffend die eben erwähnten drei weisen Sternkundigen aus dem Morgenlande. Ich weiß, daß ihr darüber auch schon eine Erläuterung bekommen habt. Aber solches wißt ihr nicht, daß eben aus den Himmeln keine Kunde völlig enthüllt zu den Menschen auf der Erde gelangen kann, sondern noch allezeit ist eine jede Kunde mit einer Hülse umschlossen. Denn ohne eine solche hülsige Umschließung könnte keine Kunde aus den Himmeln, welche rein geistig ist, zu den Menschen gelangen, so wenig als da jemand von euch imstande wäre, den für den Leib nur tauglichen ätherischen Nahrungsstoff ohne Beigabe gröberer Materie in sich aufzunehmen.
   04] Das Brot, das ihr esset, besteht aus lauter kleinen Hülschen welche die Träger des eigentlichen Nährstoffes sind.
   05] Wenn aber demnach eure schon empfangene Kunde über die drei Weisen aus dem Morgenlande ebenfalls noch ein wenig umhülset ist, so können wir sie hier ebenfalls ein wenig enthülsen. Es kann aus dieser Enthülsung ja etwa auch so ein kleines Stößchen hervorgehen, und unsere Lichtseite der Astrologie, die wir eben brauchen, wird uns stets anschaulicher.
   06] Ihr habt so viel erfahren über diese drei Weisen, daß sie seien dagewesen - den Adam, den Kain und den Abraham vorstellend. Solches ist richtig; aber würdet ihr es ganz wörtlich nehmen, so würdet ihr dadurch ebensogut noch in einer Irre sein, als wenn ihr an das ominöse Himmelszeichen glauben wolltet, in welchem ihr nach der Kalenderrechnung geboren seid. Ihr sagt: Das mag wohl sein; aber wie soll man denn hernach die Sache nehmen, die doch hier und da zumeist kerzengerade ausgesprochen ist? - Ich sage euch: Wie mam solche Sachen nehmen soll, wird sich sogleich klärend darstellen.
   07] Ihr habet doch auch allerlei handgreifliche Gegenstände vor euch als da sind allerart Mineralien, Pflanzen, Tiere und Menschen. Sagt mir, wenn ihr diese Gegenstände also nehmt und begreifen wollet, wie sie kerzengerade vor euch stehen, versteht ihr sie dann? Ihr könnt z.B. wohl sagen: Siehe, das ist ein hoher Berg, er hat eine sehr romantische Form, sein Gestein besteht aus Urkalk, auf seiner höchsten Spitze muß eine herrliche Aussicht sein, und in seinem Innern werden vielleicht manche Metalle rasten. Wenn ihr solches von dem Berge ausgesagt habt, dann seid ihr aber auch schon fertig.
   08] Um kein Haar besser wird es euch bei den Pflanzen und Tieren gehen, da ihr nur das beurteilen könnt, und das noch dazu überaus oberflächlich, was euch in die Sinne fällt oder was kerzengerade vor euch ist. Aber was die innere, höhere, geistige Ordnung betrifft, sagt, mit welchem Maßstabe wollt ihr diese bemessen?
   09] Also stehen auch hier Adam, Kain und Abraham unter dem Bilde der »drei Weisen« aus dem Morgenlande kerzengerade vor euch zufolge der euch gewordenen Kunde aus den Himmeln.
   10] Aber wie ihr das Reich der Mineralien, der Pflanzen und Tiere durchaus noch nicht versteht aus dem Grunde, also ist es auch der Fall mit den drei Weisen aus dem Morgenlande.
   11] Ja, Adam, Kain und Abraham waren zugegen. Solches ist euch gegeben worden zur Kunde über die Frage hinsichtlich der Bedeutung der drei Weisen aus dem Morgenlande. - Wie aber waren sie zugegen? Seht, das ist eine andere Frage. Diese habt ihr nicht gestellt; daher blieb diese Frage auch eine Hülse über die euch gewordene Kunde. Nun aber ist es an der Zeit, diese Hülse zu brechen, da wir zu unserem Zwecke die reinere Wahrheit gebrauchen. Und so wißt denn:
   12] Diese drei Weisen waren drei ganz gewöhnliche Priester besserer Art aus den Gefilden Assyriens. Ihr wißt, daß zur Zeit Salomonis die euch wohlbekannte große Königin des Assyrischen Reiches nach Jerusalem kam, um Salomons Weisheit zu hören. Also zu dieser Zeit schon war auch diesem heidnischen Volke durch seinen besseren Teil der Priester eine Prophezeihung gemacht worden, daß ihre Söhne einst einen Stern entdecken werden, welcher allen Völkern der Erde aufgehen wird. Seit dieser Prophezeihung blieb denn auch immer ein Teil der besseren Priesterschaft dieses Volkes dabei stehen und beobachtete fortwährend den gestirnten Himmel. Diese Priester reisten zu dem Behufe auch nach allen Landen, wo in derselben Zeit sich irgend große Weise aufhielten, und lernten von solchen so manche tiefere Weisheit, besonders aber die Weisheit in der Kunde der Entsprechungen.
   13] Zur Zeit der Geburt Christi war das Gremium dieser Priester ziemlich groß geworden; aber bis auf drei ließen sich alle von der Gewinnsucht hinreißen und dienten somit dem Mammon. Nur drei blieben bei der reinen Weisheit, verschmähten die Welt und ihre Schätze und suchten den Lohn ihrer geistigen Tätigkeit allein im Geiste und in der Wahrheit.
   14] Was geschah denn zur Zeit der Geburt unseres hochgelobten und über alles geliebten Herrn?
   15] Sie entdeckten einen ungewöhnlich glänzenden Stern aufgehend und beobachteten seinen Gang und die Sternbilder, unter denen er aufging und welche er passierte. Als sie so mit der inneren entsprechenden Bedeutung dieses Sternes beschäftigt waren, und der Stern gegen die Mitte der Nacht gerade über ihren Zenith zu stehen kam, da erschienen ihnen drei Männer mit weißen Kleidern angetan und sprachen zu ihnen: Kennet ihr den Stern? Und die Weisen sprachen: Wir kennen ihn nicht. - Die Männer aber, die da erschienen sind, sprachen zu den Weisen: Laßt euch anrühren von uns an euren Stirnen und an euren Brüsten, und ihr werdet sobald die große Bedeutung dieses Sternes erkennen. Die Weisen aber sagten: Seid ihr etwa Zauberer aus Indien, daß ihr uns solches antun wollt?
   16] Die drei erschienenen Männer aber erwiderten: Das sind wir mitnichten, denn wir wollen euch nicht die Macht der Hölle enthüllen, sondern die Kraft Gottes wollen wir euch zeigen und euch führen dahin, da sich der ewige Herr Himmels und der Erde niedergelassen hat in aller Seiner göttlichen Fülle. - Einer Jungfrau ward die endlose Gnade zuteil: Sie hat vom Herrn empfangen und hat geboren ein Kind aller Kinder, einen Menschen aller Menschen und einen Gott aller Götter! - Seht, das wollen wir euch zeigen, und aus diesem Grunde laßt euch anrühren von uns! Und die Weisen sprachen: Es sei denn, wie ihr wollt; aber zuvor sagt uns, wer ihr seid?
   17] Und der eine aus den drei Erschienenen sagte: Habt ihr je etwas gehört, wie es war im Anfange der Welt? Seht, ein Leib ward mir gegeben von Gott, den trug ich neunhundertunddreißig Jahre und ward also geschaffen der erste Mensch dieser Erde; mein Name war Adam, der Erstling Gottes auf dieser Erde. Nach diesen Worten ließ sich der Älteste von dem Geiste Adams anrühren, und als der Geist den Ältesten anrührte, ward er sobald unsichtbar; aber der Älteste war erfüllt von dem Geiste Adams.
   18] Und auf dieselbe Weise geschah es mit den beiden anderen, und sie wurden erfüllt, der Ältere mit dem Geiste Kains und der Jüngere mit dem Geiste Abrahams, ohne jedoch dabei von ihrer eigentümlichen Individualität nur im geringsten etwas zu verlieren. Aber im Augenblicke dieser Handlung erkannten sie die große Bedeutung dieses Sternes und die Worte der Prophezeiung, welche geschah, wie schon gesagt wurde, zu der Zeit der großen Königin dieses Landes.
   19] Daher machten sie sich auch sobald auf den Weg von ihrem Beobachtungsplatze, rüsteten ihre Kamele aus und geboten ihren Knechten, einzukaufen Myrrhen, Gold und Weihrauch. Denn solches war im selben Lande die gebräuchliche Opferung einem neugeborenen Könige; Myrrhen dem Kinde, Gold dem Könige, welcher bei ihnen hieß Mensch der Menschen, wie ein solches königliches Kind ein Kind der Kinder, und Weihrauch opferte man dem Könige ebenfalls, weil der König als gesalbter Machthaber der Gottheit auf Erden angesehen ward. - Als solches alles herbeigeschafft worden war, da wurde auch sogleich die Reise angetreten. Der Stern war der Wegweiser, und die drei Geister waren die inneren Führer unserer bekannten drei Weisen aus dem Morgenlande.
   20] Seht, in dieser Darstellung habt ihr euere Kunde enthülset und dennoch auch zugleich die innere Wahrheit mit, daß in eben diesen drei Weisen Adam, Kain und Abraham gegenwärtig waren. Abraham, der sich gar lange schon auf diesen Tag in seinem Geiste gefreut hat, daß er ihn sehen möchte, wie es der Herr Selbst von ihm aussagte, hat ihn auch wirklich gesehen leiblich durch die Weisen, geistig in sich und himmlisch in dem erschauten Kinde der Kinder, Menschen der Menschen und Gott der Götter! -
   21] Aus dieser Darstellung aber könnt ihr auch zur Genüge ersehen, wie die wahre Astrologie beschaffen sein solle. Wir haben ebenfalls einen Stern erschaut von ganz ungewöhnlicher Art in uns oder am Firmamente unseres Geistes. Sind wir rechte Astrologen, so werden wir auch sicher mit der leichtesten Mühe unser letztes Viertelchen finden und werden gar wohl erkennen, wo hinaus es so ganz eigentlich mit unserem Sterne will.
   22] Es ist wahr, es liegen noch Milliarden und Milliarden von Sternen und Welten in euch; aber aus diesen Milliarden hat sich einer nur gelöst. Dieser steht vor uns und liegt unter unsern Füßen gleichwie ein herrliches himmlisches Vaterland; aber wir fragen: Wo stehst du, herrliche Welt, in deiner großen Wirklichkeit? Aus welcher Gegend der weiten Himmel traf dein mächtiger Strahl dein Ebenbild in uns und stellte es hinaus, einen herrlichen Abglanz aus dir? Doch wir wissen nicht, woher dein Strahl kam!
   23] O Freunde und Brüder! Es klingt sonderbar solch ein Fragen, wenn man das Werk unter seinen Füßen hat. Habt ihr nie etwas gelesen von einer großen Burg der Geister wie von einer Burg der Seelen? Seht, darin liegen kleine Andeutungen von einer großen geheimen Wahrheit, die aber bis jetzt noch unentdeckt geblieben ist. Ich aber sage euch: Was zum Herrn will, muß auch den Weg zum Herrn gehen. Ich sage euch noch gar gewichtig hinzu: Freut euch hoch, denn der Herr hat aus Milliarden den Staub, die Erde, erkoren; sie ist die Geburtsstätte der Geister, welche zum Herrn wollen, aus allen endlosen Gebieten der Schöpfung geworden! -
   24] Nun haben wir nicht mehr weit, seht an diese Welt, die nun unter euren Füßen ist, ein altes Vaterhaus eures Geistes! Große Pracht treffet ihr hier, und solche Prachtliebe habt ihr auf die Erde mitgenommen. Aber der Herr mag die Pracht nicht, darum hat Er die Erde gedemütigt. - Wißt ihr jetzt noch nicht, wo hinaus es mit unserer Welt will? Ja, ich sehe schon, ihr könnt die Astrologie noch nicht recht verdauen. Ich werde euch aber nun auf etwas aufmerksam machen.
   25] Es war zu allen Zeiten und bei allen Völkern gebräuchlich, daß sie sagten und auch hier und da ganz fest glaubten, dieser oder jener sei »ihr Stern«. Buchstäblich genommen hätte es freilich wenig Grund, aber geistig genommen hat es einen desto tüchtigeren; denn woher irgendein Geist ist, von dorther hat er auch seine Liebe. Nun aber sind all die Myriaden Gestirne entweder Vor- oder Nach-Wohnstätten der Geister. Wenn solches der Fall, so ist es auch sicher klar, daß eines jeden Erdmenschen Geist aus einem Sterne als Vorwohnorte her ist; und dieser Stern ist der erste, der bei der inneren Beschauung auch sicher zuerst auftaucht.
   26] Nun dürfet ihr einmal den gestirnten Himmel mustern und den wohlgefälligsten Stern betrachten; der euch am behaglichsten anstrahlen wird, bei dem bleibt. - Seht, das wird der entsprechende sein, durch welchen dieser geweckt wurde.
   27] Darin liegt aber auch der Unterschied zwischen den Kindern der Welt, welche da sind von unten her und sind Kinder der Erde, und zwischen den Kindern des Lichtes, welche sind von oben her und sind Kinder der Sonnen oder Kinder des Lichtes und demnach berufen, als Knechte so oder so gleich dem Herrn zu dienen und zu leuchten den Kindern der Welt, damit auch diese würden gewonnen zu Kindern des Lichtes und wahrhaftigen Erben des ewigen Lebens, welches der Herr bereitet allen Seinen geschaffenen Geistern von Ewigkeit her, indem Er für sie gemacht hat im unendlichen Schöpfungsgebiete zahllose Schulen zur Gewinnung der Freiheit des Lebens und hat ihnen selbst gesetzt auf dieser Erde ein heiliges Ziel in Seinem Kreuze, damit sie alle würden wahrhaftige Kinder Seiner Liebe und allerseligste Erben Seiner Erbarmung und Gnade!
   28] Ich meine, das vierte Viertel ist uns hoffentlich bekannt. Wenn wir uns aber auf dieser Welt erst ein wenig werden umgeschaut haben, da wird uns schon noch wie von selbst so manches Geheimnis klar werden, davon euch und aller Welt bisher noch eben nicht zuviel geträumt haben möchte.
   29] Es hat aber der Herr nach Seiner Auferstehung a noch gar vieles mit uns, Seinen Erwählten, gesprochen, welches nicht aufgezeichnet ward; und wäre es auch aufgezeichnet worden, so hätte die Welt die Bücher vor der Menge und vor der Größe und Tiefe des Inhaltes nicht fassen können. Hier aber wird euch so manches davon kundgetan; daher möget ihr wohl aufmerksamen Geistes sein, um in euch zu fassen das große Geheimnis des Lebens und die innere große Weisheit des Geistes! (a Joh.20,30. 31; Joh.21,25)

nach oben


voriges Kapitel Home   Zum Buch-Inh.-Verz. Buch-Inh.-Vz.  |   Orig.-Werke Lorbers  |   Sekundärlit.  |   Themenbearbeitungen (eBooks) nächstes Kapitel