voriges Kapitel Jakob Lorber: 'Das gr. Evangelium Johannes', Bd. 4, Inh.-Verz. nächstes Kapitel

Kapitelinhalt jl.ev05.225. Kapitel

   01] Sage Ich: »Seht, Meine Lieben! Das, was die heidnischen Bücher davon sagen, ist nur ein höchst verstümmelter Widerhall dessen, was den Urmenschen dieser Erde hell und klar durch denselben Geist, der nun in Mir wohnt, ist geoffenbart worden.
   02] Nur die Schrift der Juden enthält allein die volle Wahrheit, allein nicht enthüllt, sondern in entsprechenden Bildern verhüllt, und zwar aus dem wohlweisen Grunde, damit die Heiligkeit der darin enthaltenen Wahrheit von den eigentlichen, schmutzigen Kindern dieser Erde nicht verunreinigt und entheiligt werde.
   03] Denn es wohnen auf dieser Erde oder Welt zweierlei Art Menschen. Die eigentlichen und meisten sind nach der geordneten Stufenfolge des geschöpflichen Emporklimmens der Seele und dem Leibe nach pur von dieser Erde, und man kann sie 'Kinder der Welt' nennen.
   04] Ein viel geringerer Teil der Menschen dieser Erde aber ist nur dem Leibe nach von eben dieser Erde, der Seele nach aber entweder aus den verschiedenen Sternenwelten oder mitunter sogar als reinste Engelsgeister aus den reinen Geisterhimmeln. Das sind jedoch bisher die seltensten.
   05] Diese zweite und viel edlere Art der Menschen dieser Erde kann man 'Gotteskinder' nennen, und diesen allein ist es auch vorbehalten, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu fassen, zu verstehen und nach Bedarf und nach Fähigkeit der Auffassung solche den Kindern der Welt zu lehren und ihnen zu zeigen den Weg, auf dem auch sie zu Kindern Gottes und zu Bürgern Seines Reiches werden können.
   06] Nun, diese eigentlichen Weltmenschen, als erst aus dem Schlamme dieser Erde entwachsen, sind natürlich noch sehr sinnlicher Art, da ihre Seelen noch nie eine irgendwie menschliche Vorschule eines freien, sich selbst bestimmenden Lebens durchgemacht haben. Sie können daher anfänglich auch nur durch pur sinnliche Bilder zu der Erkenntnis eines allerhöchsten und ewigen Gottesgeistes hingeleitet werden.
   07] Und sehet, der meisten Menschen dieser Erde wegen sind auch die Offenbarungen über die Reiche der Geister in lauter gewisserart sinnliche Bilder eingehüllt, die nur von den Kindern Gottes von Zeit zu Zeit mehr und mehr, nach der Fassungsfähigkeit eben der Weltkinder, denselben enthüllt werden können, - aber nie zuviel auf einmal, sondern gerade nur so viel, als selbige zu vertragen und in ihrem seelischen Magen zu verdauen vermögen. Aus dem Gesagten aber könnet ihr nun schon so manchen Schluß fassen.
   08] Der Menschen Seelenleben nach dem Abfalle des Leibes ist, wie ganz leicht von selbst verständlich, ein fortwährend progressives, da die Vollendung desselben unmöglich das Werk eines Momentes sein kann, und das aus dem Grunde, weil die Seele ein gleich ihrem früheren materiellen Leibe räumlich wie auch zeitlich begrenztes und in die bestimmte, schöne Menschenform gewisserart eingezwängtes Wesen ist und deshalb das Unendliche und das Ewige sowohl dem Raume und der Zeit nach, wie auch der allerunbegrenztesten Macht des Geistes Gottes und seiner Werke nach nur nach und nach in sich aufnehmen und fassen kann.
   09] Es kommt nun auf den Standpunkt der inneren Gesittung an, in welchem eine Seele ihren Leib verließ. Ist dieser den irgend bestehenden guten Gesetzen gemäß, so wird der jenseitige Zustand der Seele sicher sogleich auch ein solcher sein, von dem aus sie sich sofort auf eine höhere Vollendungsstufe des freien Lebens setzen und immer und immer auf eine höhere Stufe fortschreiten kann.
   1O] Hat aber eine Seele entweder aus Mangel an einer Erziehung oder im schlimmeren Falle aus Mangel an irgendeinem guten Willen bei sonst guter Bekanntschaft mit den bestehenden Gesetzen den Leib verlassen müssen, ohne sich früher im Leibesleben und dessen Verhältnissen nur ein wenig zum Wahren und Besseren gekehrt zu haben, nun, da wird es ja für einen nur einigermaßen helleren Denker doch auch leicht begreiflich sein, daß eine solche ganz verkümmert elende Seele jenseits nur in einen solchen, sicher nicht beneidenswerten Zustand gestellt werden muß, in dem sie nach der höchsten Liebe und Weisheit Gottes von ihrer tierischen Crudheit (Roheit) einmal gereinigt und geheilt werden und mit der Weile sich zu einer höheren Lebensstufe erheben mag, von der sie dann schon immer leichter und leichter zu einer noch höheren übergeht.«

nach oben


voriges Kapitel Home   Zum Buch-Inh.-Verz. Buch-Inh.-Vz.  |   Orig.-Werke Lorbers  |   Sekundärlit.  |   Themenbearbeitungen (eBooks) nächstes Kapitel