voriges Kapitel Jakob Lorber: 'Das gr. Evangelium Johannes', Bd. 3, Inh.-Verz. nächstes Kapitel

Kapitelinhaltjl.ev03.107. Kapitel

   01] Sagt Mathael: »O du meine allerliebste Helena! Deine Frage ist wirklich sehr kurz; aber eine vollständige Antwort darauf dürfte mich wohl wenigstens mehr als ein volles Jahr kosten! Darum wollen wir die Beantwortung dieser deiner kurzen Frage auf spätere Gelegenheiten verschieben und für jetzt davon nur so viel sagen, daß die Namen aller Sternbilder ganz denselben Ursprung haben wie die zwölf des großen 'Zodiakos', welche griechisch klingende Benennung eben dieses Kreises auch ganz irrig der Tierkreis genannt wird, weil darin auch Menschen und Sachen vorkommen, natürlich nur dem Namen nach.
   02] Nach altägyptischer Zunge bezeichnet die Silbe Zo oder Za soviel als 'für', dia auch diaia 'Arbeit' und kos 'ein Teil', auch die 'Teilung'; und heißet ganz gut verdolmetscht Za diaia kos (auch Kos'e) einmal wörtlich: für die Arbeit die Teilung, oder: Einteilung der Arbeit.
   03] Du siehst nun, daß die Sache sich nie anders im Anfange hat verhalten können, und so muß meine dir nun gemachte Erklärung des Zadia-kos (Zodiakus) eine vollkommen richtige sein! Denn anfangs teilten die Alten den großen Kreis nach dem periodischen Vorkommen ihrer Arbeiten ein; bei den späteren Nachkommen aber bestimmte hernach der schon eingeteilte Kreis die Arbeiten; denn jedes darin vorkommende Sternbild mahnte die Ägypter schon zum voraus, mit welcher Arbeit sie sich in der nächsten Periode würden zu beschäftigen haben. Und somit war die Benennung dieses Kreises auch eine ganz richtige, - aber nur nicht im falschen Sinne der Griechen und Römer.
   04] So wie aber die Weisen diesen Kreis und seine Bilder ganz richtig benannten, also benannten sie auch viele, wenn auch nicht gar alle andern Sternbilder und waren auch die ersten Entdecker von den dir bekannten Planeten außer dem Monde und der Sonne, die im Grunde, wenigstens für unsere Erde, durchaus kein Planet ist, indem nicht die Sonne sich um die Erde, sondern die andern Planeten samt der Erde sich nur um die große Sonne in verschiedenen Zeiträumen bewegen, darunter aber nicht die scheinbar tägliche Umlaufszeit, die von der Umdrehung der Erde selbst um ihre Mittelachse herrührt, zu verstehen ist, sondern jene, die die Erde binnen einem Jahre durchmacht, die Venus und der selten sichtbare Merkur in einer noch kürzeren Zeit; Mars, Jupiter und Saturn aber brauchen zu ihrem Umlaufe eine längere Zeit als die Erde.
   05] Der Mond aber gehört ohnehin der Erde an und bewegt sich mit derselben im Jahre einmal um die Sonne, während er als steter Begleiter unserer Erde noch dazu alle 27 bis 28 Tage einmal um die Erde in einer Entfernung von einhunderttausend Stunden Weges sich bewegt.
   06] Allein, das sind nun noch Dinge, die du so mir und dir nichts auf einmal nicht fassen kannst; wenn aber der Geist Gottes in deiner Seele wach wird, dann wirst du alles das und viel anderes mehr von selbst erkennen ohne allen äußeren, schwerfälligen Unterricht.
   07] Darum tut nun vor allem nur eines not, und das ist: sich selbst und Gott erkennen und Ihn über alles lieben; alles andere kommt dann schon von selbst.
   08] Übrigens hätten wir beide nun geredet zur Genüge, und es wird sehr gut sein, so wir nun ein wenig ausruhen, auf daß die andern Freunde, die um vieles weiser sind denn wir, auch vielleicht einige gute Bemerkungen über uns machen können.
   09] Man muß nie selbst zu viel über eine Sache reden, sondern darüber auch andere reden lassen und sie anhören; denn kein Mensch auf der ganzen Erde ist so weise, daß er dann und wann nicht auch sogar von einem Minderweisen etwas lernen könnte, geschweige denn erst von den noch um vieles Weiseren - als man selbst ist! Und so wirst du, allerliebste Helena, mir schon vergeben, so ich nun eine Zeitlang selbst nichts reden, sondern die andern anhören werde, - natürlich vorausgesetzt, daß sie etwas reden wollen.«
   10] Sagt darauf Helena: »Oh, ganz gut, ganz gut! Ruhe du nun nur ein wenig aus; denn du hast nun ja ohnehin fast ein paar Stunden hindurch in einem fort allein geredet
   11] Vielleicht sagt uns bei dieser Gelegenheit doch einer etwas Näheres von dem großen Meister, der nun unter uns ist und dabei kaum merken läßt, daß Er eben das ist, was Er ist!«

nach oben


voriges Kapitel Home   Zum Buch-Inh.-Verz. Buch-Inh.-Vz.  |   Orig.-Werke Lorbers  |   Sekundärlit.  |   Themenbearbeitungen (eBooks) nächstes Kapitel