Jakob Lorber: 'Die Erde'

83. Kapitel: Urbewohner von Australien (Aborigines) aus geistiger Sicht (12. Mai 1847)


Originalinhaltsübersicht: Die Urbewohner von Australien, als der größten Erdinsel. Dort sind noch reine Naturmenschen, sie sind meist friedfertig, haben keine Todesfurcht, keine Schmerzensangst. Schlangenesser. Abscheu vor bekleideten Menschen. Sie sind Kainiten bester Art, mit dunklen Begriffe v.d. Urzeit u.v. Gott. Herrliche Vogelwelt daselbst. Die Philosophie dieser Menschen darüber. Ihre Speise-Behandlung der verschiedenen Fleischarten. Ihre Wohnungen nach Urart. Kluge Anlage dieser Wohnstätten u.s.w. Halbmonarchische Stämme daselbst, besonders im Norden. Scharfer Geruchssinn derselben. Die Religion bei diesen Nordischen mehr chinesisch. Diese sind jenseits schwerer zur Wahrheit zu führen, als die ersten eigentlichen Ureinwohner. Letztere sind Meister von Flechtwerk aus Gras. Diese gestalten sich jenseits besser, als mancher kultivierte Sektenchrist!

Gegliederte Inhaltsübersicht:


   01] Nebst diesen afrikanischen wilden Völkerhorden gibt es auch gleiche Rassen, wie ihr zu sagen pflegt, im von euch gezählten fünften Weltteile namens Australien. Dieser Weltteil, oder vielmehr diese größte Insel der Erde, hat besonders in ihrem Innern noch eine bedeutende Menge Völkerschaften, zu denen noch beinahe kein Strahl menschlicher Bildung gelangt ist;
   02] da sind noch, wie ihr zu sagen pflegt, reine Naturmenschen, die aber gerade nichts Bösartiges an sich haben. Sie sind überaus friedfertig; von einem Kriege wissen sie nichts, obschon sie den Tod nicht im geringsten fürchten, im Gegenteile haben sie nicht selten eine große Sehnsucht darnach.
   03] Auch leibliche Schmerzen können sie mit einer für euch kaum begreiflichen Gleichgültigkeit ertragen; daher sie auch die größten Strapazen des Lebens mit dem größten Gleichmute ertragen können.
   04] Kämpfe mit reißenden wilden Bestien sind ihnen ein unterhaltendes Spielwerk; auch im Fangen der Schlangen sind sie größte Meister, und gehen auch allezeit mit der größten Begierde auf diesen Fang darum aus, weil diese Tiere für sie die wohlschmeckendsten Leckerbissen sind.
   05] Wenn sie fremde Ankömmlinge irgendwo erblicken, so ergreifen sie gewöhnlich die Flucht, weniger aus Furcht, als aus einer Art Abscheu, die sie vor den bekleideten Europäern, auch Asiaten bekommen; denn nichts ist ihnen widerlicher und ärgerlicher, als ein bekleideter Mensch.
   06] Sie sind ebenfalls Kainiten, aber von der besten Art, und haben einen dunklen Begriff von der Urzeit und von einem höchsten Wesen.
   07] Das höchste Wesen aber verehren sie nicht selbst, sondern solches überlassen sie den Vögeln in der Luft, welche Tiergattung wohl nirgends so schön und so reichlich vorkommt, als in diesem Weltteile.
   08] Die Menschen sagen da: Gott sehe nicht auf die Verehrung, sondern lediglich auf die Arbeit des Menschen, und habe über ihm herum fliegende himmlische Gestalten erschaffen, die ihn beobachten, was er tut; und wenn sie ihn beobachtet haben, so fliegen sie dann bald wieder aufwärts zu den Sternen, und erzählen es dem höchsten Wesen, wie sich die Menschen drunten auf der Erde aufführen.
   09] Daher sind denn diese Menschen auch sehr fröhlich, wenn sie eine Menge Vögel um sich herfliegen sehen; denn sie schließen daraus, daß sich Gott für sie sehr interessiere, wenn er ihnen recht viele Beobachter über den Kopf hinstellt.
   10] Aber Vögel, die nicht fliegen können, als da sind ihre sehr vielen Truthühner, und noch eine Menge anderes Geflügel dieses Gelichters, stehen bei ihnen in keinem großen Ansehen, daher werden sie von ihnen auch gegessen, aber allezeit roh; denn bei ihnen ist das Regel, daß man das Geflügel roh essen muß, das Fleisch der zahmen vierfüßigen Tiere bloß gesalzen, und in der Luft getrocknet, die Fische müssen gesotten werden, und die Erdwürmer, als da sind allerlei Schlangen, Eidechsen und Krokodile, beim Feuer gebraten.-
   11] Früchte aber müsse man also genießen, wie sie wachsen, wann sie reif sind; die beste Frucht aus allen ist aber die Kokosnuß, die ihnen alles gibt, Getränk, Butter und eine Art Brot.
   12] Nur selten haben diese Menschen Häuser oder Hütten; und wenn sie schon irgend etwas ähnliches haben, so haben sie es fast in der Art noch, wie es die Urmenschen gehabt haben. Dichte Baumgruppen werden mit einer Art lebendigem Zaune umfaßt, und nur auf einer Seite wird ein Eingang gelassen. Eine solche lebendig umzäunte Baumgruppe ist gewöhnlich das Haus einer ganzen oft sehr zahlreichen Familie; inwendig ist alles ganz blank geputzt, auswendig aber sieht es einem undurchdringlichen Gestrüppe gleich, so daß es auch nicht leicht möglich wäre, irgendwo anders in solch ein Haus zu gelangen, als durch die gewöhnliche Eingangstüre, besser: Eingangsgasse, welche nie in gerader Richtung, sondern in möglichsten Krümmungen in das eigentliche Wohnhaus führt.
   13] Eine solche Türe, oder besser Gasse, ist nicht selten eine Stunde lang, und ist ein wahrer Irrgang, den ein Fremder nicht leichtlich durchwandert, ohne sich wenigstens hundert Mal zu verirren. Diesen Eingang legen sie aber darum so verführerisch an, damit eine fremde Völkerschaft, oder auch wilde reißende Tiere sie zur Nachtzeit nicht auffinden und überfallen können.
   14] Längs dieses krummen Irrweges befinden sich ihrer größeren Sicherheit wegen nicht selten 2 Klaftern tiefe Gruben, gewöhnlich so breit als der Weg selbst, nämlich etwa 3-4 Schuh, und bei anderthalb Klafter lang. Am Tage sind diese Gruben zugedeckt, bei der Nacht aber wieder abgedeckt, und das ist ein recht gutes Schutzmittel für ihr Haus; denn durch das Gestrüpp, welches so dicht aneinander gewachsen ist, daß man nicht leichtlich einen Finger zwischen hindurch bringen kann, kommt nicht einmal eine Maus durch, geschweige erst irgend ein anderes Tier oder ein Mensch, besonders bei schon alten Wohnhäusern, wo das lebendige Zaun-Gestrüppe die dichte alte Baumgruppe in einer Entfernung von 3 bis 400 Klaftern umgibt.
   15] Das Schrecklichste für sie ist, wenn ein Baum ihres lebendigen Hauses anfängt, aus Altersschwäche abzudorren. Da wird alles mögliche angewendet, um womöglich solch' einen Baum noch wieder zu beleben; nützt aber alles nichts, so wird er von oben gewisserart wie ein Haus bei euch von Ast zu Ast behutsam abgetragen, und das bis zur Wurzel; ist der alte Baum ganz abgetragen, dann wird Feuer auf seinem Wurzstocke gemacht, und langsam der ganze Baum verbrannt. Ist diese manchmal mehrere Tage andauernde Verbrennungsszene vorüber, und das Erdreich abgekühlt, so wird dann an dieselbe Stelle ein anderer Baum gesetzt und gepflegt, damit er ja so schnell wie möglich seinen Vorgänger ersetzen möchte.
   16] Überaus unglücklich aber macht es diese Menschen, wenn, wie besonders in gegenwärtiger Zeit, nicht selten habgierige Europäer an ihre über alles geliebten Wohnungen kommen, und dieselben von außen her anzünden, was dann natürlich die armen Einwohner, wenn es noch möglich ist, ihre Wohnungen zu verlassen nötigt; meistens aber werden diese Armen von dem massiven Rauche erstickt; welche Handlungsweise der Europäer diese armen unschuldigen Menschen auch zu allermeist mit einer untilgbaren Abscheu gegen bekleidete Menschen erfüllt.
   17] Es gibt dergleichen Urstämme nunmehr nur noch im mittelsüdlichen Australien; denn der Ost, Nord und West ist schon zum größten Teile unter englischer und holländischer Botmäßigkeit.
   18] In einigen nördlichen Gebieten aber gibt es wohl auch einige geduldete Urstämme, welche aber sich von den eigentlichen darin unterscheiden, daß sie eine Art königlicher Oberhäupter haben, und mit denen eine Verfassung, die der borneonischen ziemlich ähnlich ist; diese Oberhäupter haben auch eine Art Militär, welches noch die gewöhnliche Bogenbewaffnung hat, und daneben auch einen überaus scharfen Geruchsinn, vermittelst dessen ein solcher australischer Krieger einen Feind auf eine Stunde weit riecht.
   19] Der Geruchsinn ist zwar auch bei den eigentlichen Urbewohnern dieses Weltteils überaus scharf; aber sie machen weniger Gebrauch davon, als die beoberhaupteten Stämme des Nordens dieses Weltteiles.
   20] Die Religion bei den Nordländern ist schon mehr chinesischer Art, obschon auch mitunter daneben uraustralisch; daher sie in der Geisterwelt auch nicht so leicht zum Christentume zu bewegen sind, als die Urbewohner dieses Weltteils.
   21] Bei den Nordbewohnern aber ist daher auch schon ein größerer Grad von einer Kultur zu Hause, als bei den eigentlichen ganz einfachen südlichen Urbewohnern, die außer einer Art Hacke und einer Art Schnitzmesser gar kein anderes landwirtschaftliches Gerät kennen, wohl aber Meister sind in allerlei Flechtwerk aus Gras, Wurzeln und einer Art Baumwolle, welches Flechtwerk sie aber lediglich zur besonderen Ausschmückung ihrer Wohnhäuser gebrauchen, indem sie sonst ganz nackt einhergehen, und statt der Kleidung manchmal ihre Haut tätowieren, was aber auch nicht bei allen der Fall ist.
   22] Daß diese einfachen unschuldigen, überaus gutmütigen Menschen in der Geisterwelt sehr leicht zum Christentume bewogen werden können, ist schon oben berührt worden, und mehr braucht es aber auch nicht; denn es ist mit so einem Menschen jenseits wahrlich viel besser, als mit einem dummen, eingebildeten Sektenchristen. -
   23] Mehr brauchen wir aber auch von diesem Volke nicht zu wissen, weil alles andere nur für eine Statistik, nicht aber für unsere geistige Völkeransicht taugt; daher wollen wir für's nächste noch zu einem anderen Völkchen übergehen.


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers