Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

178. Kapitel: Hinweis des Petrus zum rechten Danken und Bitten. Uhrons Ablehnung von Bittgebeten zu Gott.

   01] Spricht Petrus: »Des Herrn Allmacht ist Seine ewige Ordnung, aus der ihr wie die ganze Unendlichkeit hervorgegangen seid. Wollte euch der Herr nun ganz eigens umgestalten, müßte Er zuvor auch Seine ganze Ordnung umgestalten, was Er wohl ewig nie tun wird, da Er eben diese Ordnung Selbst ist!
   02] Aber euer bisheriges Leben ist ein außerordentlich bequemes und sorglosestes zu nennen! Es kostet euch nirgends einen Kampf, nirgends eine Mühe und Anstrengung. Von der Geburt an bis zu eurem freiwilligen Austritt aus eurem Leibesleben wißt ihr von keiner namhaften Unvollkommenheit etwas, daher auch von keiner Selbstverleugnung.
   03] Ihr wißt es wohl, daß ihr samt eurer Welt Werke eines allweisesten Gottgeistes seid, den ihr darum auch allerhöchst verehrt. Aber wann habt ihr Ihn noch um etwas besonders gebeten und wann Ihm gedankt für eine der großen Lebenswohltaten, die Er euch doch allzeit im höchsten Übermaße hat zukommen lassen!
   04] Seht, bis nun lebtet ihr wie völlig unabhängig von Ihm. Wäre es etwa zu viel von euch verlangt, so ihr in der Folge euch bequemen würdet, von Ihm doch etwas mehr abhängen zu wollen, als es bis jetzt der Fall war? Rede nun wieder und zeige mir getreu deinen Entschluß!
   05] Spricht der Weise: »Freund, das wollen wir allerdings! Besonders was unsere schuldigste Dankbarkeit betrifft, wollen wir wohl alles Erdenkliche aufbieten, um diese für so viele und große Wohltaten gebührend auszudrücken und dem heilig-großen Geber so zahllos bester Gaben vom Grunde unseres Lebens zu bezeugen. Aber was da betrifft das Bitten, so muß ich dir gestehen, daß ich damit durchaus nicht einverstanden sein kann, da ich jede Bitte als eine Beleidigung der göttlichen Weisheit ansehen muß.
   06] Denn durch eine Bitte an die Gottheit bekenne ich ja doch offenbar, daß ich einsichtsvoller bin als Gott und daher gewisserart besser einsehen will als der Herr Selbst, was mir not tut. Ich meine, so etwas sollte sich selbst ein Kind Gottes nicht anzumaßen getrauen, geschweige erst ein anderes Geschöpf!
   07] Ferner erscheint mir jede Bitte auch wie ein höflicher Kampf, durch den das Geschöpf eine gewisse Härte und gleichsam eigensinnige Unbarmherzigkeit im Schöpfer besiegen und damit über Ihn triumphieren möchte!
   08] Wahrlich, Freund, ehe ich mir getrauen möchte, dem allweisesten, allgütigsten und allmächtigsten Schöpfer mit einer Bitte zu kommen, durch die ich Ihm doch offenbar dartäte, daß ich meine Bedürfnisse besser kenne als Er, - und ehe ich bitten möchte für andere und Ihm dadurch zeigete, daß ich offenbar besser und barmherziger bin als Er, da wollte ich lieber nicht sein! O Freund, welche Achtung vor Gott, dem urweisesten imd allmächtigsten Geiste, wäre wohl das!
   09] Daher ist meine Antwort auf deinen Antrag folgende: Wir wollen für ewig wie bis jetzt in allem ganz von Ihm abhängen, weil es unmöglich ist, von jemand anderem abzuhängen! Ebenso wollen und werden wir Ihm auch ewig aus tiefstem Lebensgrunde für alles danken, da wir eine jede Gabe von Ihm für endlos gut ansehen und sie als solche auch allertiefst anerkennen. Bitten aber werden, wollen und können wir den Herrn um nichts, da wir nur zu klar einsehen, daß der Herr endlos besser weiß, was uns allen not tut, und nicht nötig hat, von uns erst darauf aufmerksam gemacht zu werden durch eine nichtssagende Bitte von elenden und kaum halb lebenden Geschöpfen gegen Ihn! So sei es von uns auch ewig ferne, Ihm durch eine Bitte zu sagen, daß Er ein harter Gott ist und solche Schwäche hat, die erst durch Bitten von Seite der Geschöpfe in die wahre Ordnung gebracht werden kann!
   10] Freund, wir alle achten Gott, den allerhöchsten Geist, zu endlos hoch und haben eine zu heilig-erhabenste Vorstellung von Seinen vollkommensten Eigenschaften, als daß wir uns je so tief vergessen könnten, dem mit einer Bitte kommen zu wollen, der uns doch ohne unsere Bitte so vollkommen als für uns notwendig erschaffen hat!
   11] Danken, ja ewig danken werden und wollen wir Ihm für alle die vielen Wohltaten und Gaben, deren die kleinste so groß und heilig ist, daß wir sie wohl kaum in aller Fülle je zu würdigen imstande sind. Aber - wie nun schon gründlich gezeigt - mit einer Bitte wollen und werden wir uns wohl an Ihm, dem allerheiligst Vollkommenen, nie versündigen!
   12] Tue du nun, was du willst. Aber es wird dir mit all deiner Weisheit schwerlich gelingen, uns dahin zu stimmen, daß wir uns auch an das Bitten machen sollen! Es müßte nur sein, der Herr Selbst verlangte es ausdrücklich von uns. Natürlich - gegen den Willen Gottes kann kein Geschöpf sich stemmen. Aber bei unserer Freiheit bleiben wir auch frei und werden tun, was wir als recht vor Gott und den Menschen und Engeln erkennen!


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