Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

146. Kapitel: Schwierige Bedingungen zur Erreichung der Gotteskindschaft auf der Erde.

   01] Rede Ich: »Meine lieben Kindlein! Seht, der Leib eines Menschen hat mannigfache Glieder und Sinneswerkzeuge. Aber es kann das Ohr nicht haben, was das Auge, - der Mund nicht, was die Nase, - der Kopf nicht, was das Herz, - und das Herz nicht, was die Füße und Hände haben. So aber der ganze Leib gesund ist, da sind es auch alle einzelnen Glieder. Es fühlt sich das Auge nicht unglücklich, weil es nicht hört, und das Ohr nicht, weil es nicht sieht.
   02] Ebenso hat auch das Haupt sich noch nie beklagt, weil es weiter vom Herzen entfernt ist als die Lunge. Denn alle Glieder, welcher Verrichtung sie auch sein mögen, genießen und leben doch von einem Herzen, das da ist die Wohnung der Liebe und des Lebens. Und so, Meine Kindlein, seid auch ihr, wennschon nicht das Herz selbst in der großen Ordnung der Dinge Gottes, so doch gleiche Mitgenießer alles dessen, was aus dem Herzen Gottes kommt. Wer von euch aber ganz besonders die Liebe erkennt wie ihr nun, der wird auch von der Liebe aufgenommen werden!
   03] Solange ihr noch Blut seid, könnt ihr jedes Gliedes Anteil werden. So aber das Blut einmal Nährteil irgendeines Gliedes geworden und mit ihm zur Einheit zusammengeflossen ist, ist an eine Weiterführung solch eines vereinigten Blutteiles nicht mehr zu denken.
   04] Ich weiß wohl, daß eure Weisen oft über das große Vorrecht jener kleinen Welt - die sie gewöhnlich den Heiligen Planeten nennen, da seine Menschen ausschließlich Kinder des Allerhöchsten sind - erstaunen. Bedenket aber, wie gar elend müssen sie alldort ihr zeitweiliges Leben zubringen!
   05] Hunger, Durst, große Kälte, oft noch größere Hitze, nebst einem sehr gebrechlichen Leibe müssen sie von Kindheit an ertragen. Dieser ihr Leib aber ist noch dazu tausend schmerzlichsten Krankheiten und endlich noch einem sicheren schmerzlichen Tode unterworfen! Mit großen Schmerzen wird dort der Mensch geboren und ebenso muß er wieder die Welt verlassen.
   06] Bis in sein zwölftes Jahr ist dort der Mensch oft kaum eines reifen Gedankens fähig und wird oft mit Hieben der Rute erst zum vernünftigeren Menschen gebildet. Ist er nur halbwegs bei Vernunft, wird ihm schon das harte Joch einer Menge schwerst zu beachtender Gesetze aufgebürdet. Für deren Übertretung erwarten ihn nicht nur schwere und schmerzliche zeitliche, sondern sogar allerschärfste und unausbleibliche ewige Strafen!
   07] Daneben muß er noch, um das Leben seines ohnehin gebrechlichen, schweren Leibes zu fristen, im brennenden Schweiße seines Angesichtes seine Nahrung bereiten! Und er ist bei alledem oft bis auf den letzten Augenblick seines irdischen Lebens in beständiger Ungewißheit, ob es nach dem schmerzlichen Tode seines Leibes noch irgendein Leben gibt. Und so es schon eines gibt, so ist das für ihn nicht selten schrecklicher gestellt und weniger wünschenswert als selbst eine ewige Vernichtung. Zu allen den Bitterkeiten des Lebens wird er aber dennoch von einer außerordentlichen Liebe zum Leben dergestalt beseelt, daß ihm der Tod trotz allen Drangsalen seines kummervollsten Lebens dennoch als das Allererschrecklichste erscheint!
   08] Wenn ihr nun die Menschen des von euch sogenannten Heiligen Wandelsternes so betrachtet, was sie ausstehen müssen, um ihrem einstigen, freilich höchsten Berufe zu entsprechen: sagt, so ihr euch dagegen betrachtet, sind sie von euch zu beneiden? Oder möchtet ihr das ausstehen, um möglicherweise das zu werden, was sie von Geburt an noch lange nicht sind und auch nie werden können, so sie nicht all die schweren Bedingungen nach den strengen Gesetzen erfüllen, die ihnen unmittelbar unter strengsten Sanktionen vom allerhöchsten Gottesgeiste gegeben sind?!«


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