Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

145. Kapitel: Jesus und die drei liebereifen Sonnentöchter. Eine liebliche Szene.

   01] Auf diese Beheißung wendet sich Martin zu den dreien und spricht zu ihnen: »Nun, meine geliebtesten Töchter, sind wir am rechten Ort. Da schüttet eure Herzen aus, wie ich es euch gelehrt habe und es die Glut eurer Herzen verlangt!«
   02] Auf diese Worte Martins breiten die drei schnell ihre überschönen Arme aus und wollen sogleich Mir an die Brust fallen.
   03] Ich aber bedeute ihnen: »Meine geliebten Kindlein, noch rührt Mich nicht an, da ihr noch in eurem Fleische seid; denn solches würde euren Leib töten! Wenn ihr aber entleibt sein werdet, werdet ihr Mich ohne allen Schaden anrühren dürfen! Ich bin ein vollkommenster Geist; daher können auch nur vollkommene Geister mich anrühren!«
   04] Sprechen die drei: »Ist dieser dein Bruder doch auch ein Geist! Und sieh, wir lagen an seiner Brust und lernten da die Liebe kennen, und es hat uns nicht geschadet! So du, allerherrlichster Meister und Herr deiner Brüder, ein noch vollkommenerer Geist bist, meinen wir, daß es uns noch weniger schaden wird, so wir an deiner Brust uns so ganz der Liebe hingeben wollen!
   05] Und was ist es denn, wenn wir dadurch entleibt würden? Es ist doch besser, ohne Leib zu lieben, als mit dem Leibe von der Liebe verbannt zu sein! - O sieh uns doch an und fühle, wie sehr wir leiden, so wir dich nicht nach unserem Herzensdrange lieben dürfen!«
   06] Rede Ich: »Meine lieben Kindlein! - Lieben dürfet ihr Mich schon aus allen euren Kräften, die Liebe sei euch nicht vorenthalten. Aber nur anrühren sollt ihr Mich noch nicht, weil euch das schaden würde! Aber so eure Liebe schon so heftig ist, daß sie euren Leib nahezu auflösen möchte, könnt ihr wohl Meine Füße anrühren; denn die Brust wäre wohl noch zu heiß für euch!«
   07] Bei diesen Worten stürzen die drei sogleich zu Meinen Füßen nieder, umklammern diese mit ihren zartesten Händen und sprechen dann mit einer überzarten und harmonischen Stimme: »Ach, ach, welch eine unendliche Süßigkeit! Oh, wüßten doch unsere Brüder von vielen Aeonen, wie endlos süß die Liebe ist, sie gäben alle ihre Weisheit für einen Tautropfen solcher Liebe!
   08] O du herrlichster Herr und Meister, warum wissen denn wir Menschen dieser großen herrlichen Welt nichts von der Liebe? Warum müssen wir allein nur in der nimmer zu erforschenden Weisheit der Himmel des ewigen Urgeistes wühlen und dabei nie gewahren, was die Liebe, die allersüßeste Liebe ist!«


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