Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

110. Kapitel: Vorbereitungen zu einem himmlischen Fest. Martins erste Reise mit der Himmelspost.

Originaltext 1. Auflage 1896 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text u. Versnummerierung nach 3. Auflage 1960 Lorber-Verlag

01] Unterdessen aber wende Ich Mich zum Martin und Borem und sage zu ihnen geheim: „Freunde und Brüder, nun habt ihr Gehilfen und Gehilfinnen in die Menge; gehet daher hin und stellet den großen Tisch in des Saales Mitte, und besetzet ihn wohl mit Brode und Weine, und nehmet auch vollreife Früchte von diesem Feigenbaume, und leget sie zahlreich neben Brod und Wein auf den Tisch! Denn nachdem Ich zuvor mit dieser Meiner allerliebsten Chanchah noch einige Worte wechseln werde, wollen wir nachher Alle samt und sämtlich eine gute Labung, Stärkung und Nahrung zu uns nehmen! Gehet, und erfüllet diesen Meinen Wunsch und Willen!"

02] Die Beiden danken Mir in ihrem Herzen für diesen Auftrag, und gehen dann, die anbefohlene Sache sogleich in die Ordnung zu bringen. Martin beruft sogleich die nun gereinigten Mönche aus all den schon kund gegebenen Orden, und eben so auch die Nonnen, die mit dem Auftragen der Speisen, d. h. des Brodes und Weines, und die Herz-Jesu-Damen besonders mit der Herbeischaffung der Feigen beauftragt sind, während zuvor die Patres den großen Tisch, der hier auch ohne Schreiner entstand, zurechte stellen, nach der Anordnung der Beiden.

03] Die 100 Chinesen sehen dieser Bewegung mit der gespanntesten Aufmerksamkeit zu; denn sie wissen auch noch nicht, was daraus werden solle? Ganz besonders befremdet die plötzliche Herbeischaffung des großen Tisches, von dem früher nirgends eine Spur zu entdecken war; denn die eben so plötzliche Entstehung des Feigenbaumes wundert sie nicht mehr gar so mächtig, indem sie sich durch die längere Beschauung schon mehr und mehr daran gewöhnt haben.

04] Also staunen auch die vielen irdischen Eltern, besonders jene der Herz-Jesu-Damen über die plötzlich entstandene Thätigkeit in diesem Saale, und sind auch etwas ängstlich dabei, weil sie auch nicht fassen können, was da am Ende herauskommen wird; denn sie können vor Volksmenge, die sich nun um den Tisch sehr geschäftig macht, nicht erschauen, wie dieser reichlichst mit Brode, Weine und Feigen besetzet wird.

05] Als der Tisch bestellet ist, begeben sich alle Dienstthuer wieder auf ihre sanften Ruheplätze zurück, und der Martin und Borem in Begleitung der einen Herz-Jesu-Dame, d. h. derjenigen, die zuerst als Frosch sich ins Meer stürzte in ihrem Innern, diese Drei kommen aber zu Mir wieder, und zeigen es Mir an, daß nun alles bereitet ist!

06] Ich aber sage: „Es ist alles gut; gehet aber nun auch hinaus an den Zaun des Gartens, und sehet, ob Niemand da sei, der auch an dieser Mahlzeit Theil nehme! Gella (Herz-Jesu-Dame) aber bleibe unterdessen hier bei Mir, und höre, was Ich nun Meiner allerliebsten Chanchah all's für schöne Dinge sagen werde! Also sei es, Meine Brüder!"

07] Die Beiden gehen nun sogleich hinaus und erstaunen nicht wenig, als sie den Garten in der größten himmlischen Ueppigkeit antreffen, und dabei von und in einer so großen Ausdehnung, daß ihnen dabei nahe das Hören und Sehen vergehet, und der Martin, sich ganz über alles stark verwundernd, spricht:

08] „O Bruder, da werden wir hübsch weit herum zu gehen haben, bis wir da alle diesen ungeheuren Garten umgebenden Zäune absteigen werden!? Wahrlich dieser Garten muß nun ja schon eine größere Ausdehnung haben, denn ein größtes Königreich auf der Erde?! O Herr, o Herr! das ist unendlich, das ist unbegreiflich! ja, so was kann wahrlich nur im Himmel vorkommen!

09] O Gott, o Gott! da sieh' gegen Morgen hin, diese Allee! welch herrlichste Baumreihen! und Bruder, siehst du irgend ein Ende dieser Allee? Ich erschaue keines, und von irgend einer Einzäunung ist schon gar keine Spur zu entdecken! No, Bruder Borem, wie gesagt, mit unserer gewöhnlichen Fußbeweguug werden wir Beide zu thun haben, nur einmal irgendwo an einen Zaun zu kommen; und dann den ganzen Zaun abgehen! o Herr! das wird doch etwa ein ganz löbliches Stückchen von einer Commotion non plus ultra sein?!

10] Aber das macht nichts, des Herrn Willen vollziehen ist ja allzeit die größte und allerseligste Lust und Freude, und so freue ich mich auch auf diese Bereisung dieses unseres Gartens; aber Bergsteigen werden wir auch; dort gegen Mittag entdecke ich ja auch Berge von bedeutender Höhe! und, o saperment, saperment, da sieh gegen Abend und Mitternacht! das sind ja Gebirge, wie auf der Erde sich wohl noch nie Jemand etwas Aehnliches hatte können träumen lassen! ah, ah, ah, diese Spitzen, diese furchtbar schönen Spitzen! Bruder! ist das alles noch innerhalb des Zaunes unseres Gartens?"

11] Spricht Borem: „Allerdings, denn der Garten erweitert sich ja wie unsere Liebe zum Herrn, und zu unsern Brüdern und Schwestern; aber weißt du, Bruder, im Verhältnis zu dieser himmlischen Ausdehnung dieses unseres Herrn Gartens, den Er für uns also herrlich zubereitet hat, gibt es aber auch eine eigene Art himmlischer Bewegung, die da ist dreifach, als erstens eine natürliche mit den Füßen, also wie auf der Welt; zweitens eine schwebende, d. i. die seelische, die da hat die Schnelligkeit der Winde, und endlich drittens eine plötzliche, d. h. geistige, welche ist gleich wie ein Blitz, und gleich wie der Flug eines Gedankens;

12] diese Art der Bewegung wird nur im äußersten Nothfalle gebraucht; daher wollen wir hier von dieser auch keinen Gebrauch machen; wohl aber von der Bewegung der zweiten Art, mit der wir hier schon auslangen werden; das Mittel zu dieser Bewegung aber ist unser fester Wille. Daher dürfen wir blos nur wollen in des Herrn Namen, und sogleich werden wir in dieser Himmelsluft uns ganz frei schwebend befinden; und wohin wir dann ziehen wollen, dahin auch wird es mit Windesschnelle vorwärts gehen. Also wolle du nun, und es wird geschehen!"

13] Martin will nun, was der Borem ihm gezeigt hat, und sogleich schweben Beide in der freiesten Himmelsluft, und machen eine erste Bewegung gegen Morgen, worüber der Martin eine solche Freude hat, daß er sich ordentlich nicht zu helfen weiß!

01] Unterdessen aber wende Ich Mich zu Martin und Borem und sage zu ihnen geheim: »Freunde und Brüder, nun habt ihr Gehilfen und Gehilfinnen in Menge. Geht daher hin, stellt den großen Tisch in des Saales Mitte und besetzt ihn wohl mit Brot und Wein. Nehmt auch vollreife Früchte von diesem Feigenbaume und legt sie zahlreich neben Brot und Wein auf den Tisch! Denn nachdem Ich zuvor mit Meiner allerliebsten Chanchah noch einige Worte wechseln werde, wollen wir nachher allesamt eine gute Labung, Stärkung und Nahrung zu uns nehmen! Geht und erfüllt diesen Meinen Wunsch und Willen!«

02] Die beiden danken Mir in ihrem Herzen für diesen Auftrag und gehen dann, die anbefohlene Sache sogleich in Ordnung zu bringen. Martin beruft sogleich die nun gereinigten Patres aus all den schon kundgegebenen Orden. Ebenso auch die Nonnen, die mit dem Auftragen der Speisen, d. h. des Brotes und Weines, und die Herz-Jesu-Damen, die besonders mit Herbeischaffung der Feigen beauftragt sind, während zuvor die Patres den großen Tisch, der hier auch ohne Schreiner entstand, nach Anordnung der beiden zurechtstellen.

03] Die hundert Chinesen sehen dieser Bewegung mit gespanntester Aufmerksamkeit zu, denn sie wissen noch nicht, was daraus werden soll. Besonders befremdet die plötzliche Herbeischaffung des großen Tisches, von dem früher nirgends eine Spur zu entdecken war. Denn die ebenso plötzliche Entstehung des Feigenbaumes wundert sie nicht mehr gar so mächtig, indem sie sich durch die längere Beschauung schon mehr und mehr daran gewöhnt haben.

04] Ebenso staunen auch die vielen irdischen Eltern, besonders jene der Herz-Jesu-Damen, über die plötzlich entstandene Tätigkeit in diesem Saale. Sie sind etwas ängstlich dabei, weil sie auch nicht fassen können, was da am Ende herauskommen wird. Denn sie können vor Volksmenge, die sich nun um den Tisch sehr geschäftig macht, nicht erschauen, wie dieser reichlichst mit Brot, Wein und Feigen besetzt wird.

05] Als der Tisch bestellt ist, begeben sich alle Diensttuer wieder auf ihre sanften Ruheplätze zurück. Martin und Borem in Begleitung der einen Herz-Jesu-Dame - d. h. derjenigen, die zuerst als Frosch sich ins Meer stürzte in ihrem Innern - kommen aber wieder zu Mir und zeigen Mir an, daß nun alles bereitet ist.

06] Ich aber sage: »Es ist alles gut. Geht aber nun auch hinaus an den Zaun des Gartens und seht, ob niemand da sei, der noch an dieser Mahlzeit teilnehme! Gella (Herz-Jesu-Dame) aber bleibe unterdessen hier bei Mir und höre, was Ich nun Meiner liebsten Chanchah für schöne Dinge sagen werde. Also sei es, Meine Brüder!«


07] Die beiden gehen sogleich hinaus und erstaunen nicht wenig, als sie den Garten in der größten himmlischen Üppigkeit antreffen und dabei von einer so großen Ausdehnung, daß ihnen beinahe Hören und Sehen vergeht und Martin, sich über alles stark verwundernd, spricht:

08] »O Bruder, da werden wir hübsch weit herumzugehen haben, bis wir da alle diesen ungeheuren Garten umgebenden Zäune absteigen werden! Wahrlich, dieser Garten muß ja schon eine größere Ausdehnung haben denn ein größtes Königreich auf der Erde! O Herr, o Herr, das ist unendlich, das ist unbegreiflich; ja, so etwas kann wahrlich nur im Himmel vorkommen!

09] O Gott, o Gott, da sieh gegen Morgen hin, die Allee! Welch herrlichste Baumreihen! Und, Bruder, siehst du irgendein Ende dieser Allee? Ich erschaue keines, und von irgendeiner Einzäunung ist gar keine Spur zu entdecken! No, Bruder Borem, mit unserer gewöhnlichen Fußbewegung werden wir beide zu tun haben, nur einmal irgendwo an einen Zaun zu kommen. Und dann den ganzen Zaun abgehen - o Herr, das wird ein ganz löbliches Stückchen von einer Kommotion non plus ultra sein!

10] Aber das macht nichts; des Herrn Willen vollziehen ist ja allzeit die größte und seligste Lust und Freude, und so freue ich mich auch auf die Bereisung dieses Gartens! Aber Bergsteigen werden wir auch: dort gegen Mittag entdecke ich ja Berge von bedeutender Höhe. Und, o sapprament, da sieh gegen Abend und Mitternacht, das sind ja Gebirge, wie auf der Erde sich wohl noch nie jemand etwas Ähnliches hatte träumen lassen! Ah ah, diese Spitzen, diese ungemein schönen Spitzen! Bruder, ist das alles noch innerhalb des Zaunes unseres Gartens?«


11] Spricht Borem: »Allerdings, denn der Garten erweitert sich ja wie unsere Liebe zum Herrn und zu unsern Brüdern und Schwestern. Aber weißt du, Bruder, im Verhältnis zur himmlischen Ausdehnung dieses unseres Herrn Gartens, den Er für uns so herrlich zubereitet hat, gibt es aber auch eine eigene Art himmlischer Bewegung, die da ist dreifach: erstens eine natürliche mit den Füßen so wie auf der Welt. Zweitens eine schwebende, d. i. die seelische, die da hat die Schnelligkeit der Winde und endlich drittens eine plötzliche, d. h. geistige, welche ist gleich einem Blitz und gleich dem Fluge eines Gedankens.

12] Diese dritte Art der Bewegung wird nur im äußersten Notfalle gebraucht. Daher wollen wir hier von dieser auch keinen Gebrauch machen, wohl aber von der Bewegung der zweiten Art, mit der wir hier schon auslangen werden. Das Mittel zu dieser Bewegung aber ist unser fester Wille. Daher dürfen wir bloß nur wollen in des Herrn Namen, und sogleich werden wir in dieser Himmelsluft uns ganz frei schwebend befinden. Wohin wir dann ziehen wollen, dahin auch wird es mit Windesschnelle vorwärtgehen. - Also wolle du nun, und es wird gehen!«

13] Martin will nun, was Borem ihm gezeigt hat, und sogleich schweben beide in der freiesten Himmelsluft und machen eine erste Bewegung gegen Morgen, worüber Martin eine solche Freude hat, daß er sich ordentlich nicht zu helfen weiß.

voriges Kapitel Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers nächstes Kapitel