Bsp. 2) Dr. Wickland berichtet: »Ein plötzlicher Tod, bei dem zweifellos Geistereinfluß im Spiel war, traf die bekannte Filmschauspielerin Olive T. Die Zeitungen berichteten, daß Olive T. an einem Abend im Frühherbst des Jahres 1920 in Paris Selbstmord begangen habe, und sechs Tage später ihre beste Freundin Anna D. obenfalls. - Kurze Zeit darauf erlebten wir Folgendes:
Sitzung vom 22.09.1920: Geist: Olive T.
Das Geistwesen wand sich in schmerzhaften Krämpfen und weinte jämmerlich.
Dr. Wickland: Wer sind Sie denn, Freund? Kommen Sie, sagen Sie uns doch, wer Sie sind und was Sie quält und warum Sie so weinen. Man hat Sie hergebracht, damit wir Ihnen helfen sollen.
Geist: Oh, sehen Sie! Sehen Sie da!
Dr.: Was sehen Sie denn?
G. Sehen Sie doch da! Oh, sehen Sie! Ist es nicht furchtbar, dies Gesicht? (deutet auf ein unsichtbares Wesen).
Dr.: Wissen Sie, wo Sie sind? Sie sind in Kalifornien.
G. Helfen Sie mir! Oh, helfen Sie mir!
Dr.: Sie müssen aber hübsch vernünftig sein.
G. Geben Sie mir was zu trinken! Champagner! Geben Sie mir ein Glas Sekt!
Dr.: Sie sind jetzt ein Geist und können keinen Sekt mehr gebrauchenSie haben Ihren Körper abgelegt. - Sie sind jetzt in Kalifornien.
G. (windet sich, als ob er heftige Schmerzen habe) Oh, sehen Sie! Helfen Sie mir doch!
Dr.: Machen Sie sich mal klar, daß Sie Ihren Körper abgelegt haben. Sie befinden sich augenblicklich im Körper meiner Frau, die ein Medium ist. Erfahrene Geister haben Sie hergebracht, damit Sie hier Hilfe finden sollen. Lange können Sie aber nicht hier bleiben.
G. Geben Sie mir was zu trinken!
Dr.: Wer sind Sie denn? Wie heißen Sie? Wir haben hier nichts zu trinkenaber wir würden Ihnen auch nichts zu trinken geben, selbst wenn wir etwas da hätten. Machen Sie sich nur erst mal Ihre Lage klar!
G. Befreien Sie mich doch hiervon.
Dr.: Wovon denn? Suchen Sie nur erst mal recht vernünftig zu sein! Dann können die erfahrenen Geister Ihnen auch beistehen und Ihnen zu besserer Einsicht verhelfen.
G. (sehr erregt) Holen Sie mir ein Glas Sekt!
Dr.: Sie müssen sich nicht so wild gebärden! Bedenken Sie doch, daß Sie ein Geist sind! Meine Frau ist Medium und gestattet Geistern, wie Ihnen eben jetzt, ihren Körper zu benutzen, damit ihnen geholfen werden kann. Merken Sie denn nicht, daß Sie sich in einer recht sonderbaren Lage befinden?
G. Das kümmert mich nicht.
Dr.: Es nutzt Ihnen doch aber gar nichts, wenn Sie sich so gehen lassen. Wenn Sie sich so erregen, machen Sie Ihr Unglück nur größer.
G. (klagt über große Schmerzen) Ich will Sekt haben! Und zwar schnell!
Dr.: Sie bekommen jetzt überhaupt keinen Sekt mehr zu trinken, das war einmal! Ihr Erdenleben ist vorüber. Machen Sie sich doch Ihre Lage einmal richtig klar! Erfahrene Geister wollen Ihnen helfen und Sie in die Geisterwelt in bessere Verhältnisse bringen.
G. Geben Sie mir eine Zigarette!
Dr.: Auch eine Zigarette bekommen Sie nicht mehr. Sagen Sie uns doch mal, wer Sie sind und was Sie von Ihrer gegenwärtigen Lage halten. Zuerst müssen Sie mal begreifen, was eigentlich mit Ihnen los ist. Das ist das einzige, was Ihnen helfen kann. Dann werden Sie auch alles verstehen und im geistigen Leben vorwärtskommen. - Wo kommen Sie denn her? Ihre irdischen Gelüste können Sie jetzt nicht mehr weiterhin befriechgen. Erzählen Sie uns doch mal, was Sie so unglücklich macht. Wissen Sie, daß Sie in Kalifornien in Los Angeles sind?
G. (wird sehr aufgeregt und deutet auf etwas Unsichtbares) Sehen Sie doch bloß den Mann dort drüben! Er ist schrecklich, schrecklich! Ich fürchte mich so vor ihm. Lassen Sie ihn ja nicht zu mir! Er sieht furchbar aus. Lassen Sie ihn mich nicht anfassen!
Dr.: Hören Sie auf uns! Wir meinen es gut mit Ihnen. Wir verstehen Ihre Lage. Sagen Sie uns doch, wer Sie sind.
G. Das kann ich Ihnen im Augenblick nicht sagen, ich fürchte mich so sehr. Oh, ich fürchte mich so vor dem Manne dort! Der verfolgt mich schon die ganze Zeit. - Was ist denn das eigentlich hier?
Dr.: Das ist hier ein medialer Zirkel, durch den wir Geistern helfen, die durch ihre Unwissenheit noch im Finstern sind. Wenn Sie sich nur beruhigen und recht still verhalten wollten, dann können wir Ihnen auch helfen. Glauben Sie nur, was ich Ihnen sage, dann können wir Ihnen helfen!
G. Der Mann dort drüben schneidet mir so fürchterliche Gesichter, daß ich Angst bekomme.
Dr.: Suchen Sie sich nur zu beruhigen, dann können unsere geistigen Freunde Ihnen helfen.
G. Ich verstehe Sie nicht.
Dr.: Sie sind ein Geist und der Mann dort drüben auch. Ihren irdischen Leib haben Sie verloren und haben jetzt einen geistigen Leib.
G. Ich verstehe Sie nicht und habe solche Angst.
Dr.: Sie brauchen keine Angst zu haben. Hören Sie nur gut zu! Unsere geistigen Freunde werden Ihnen helfen, wenn Sie nur erst ruhig sein wollten!
G. (plötzlich sehr aufgemuntert durch den Anblick einer unsichtbaren Erscheinung) Oh, Anna! Anna D.! Wo kommst du denn her? - Sie fürchtet sich auch vor dem Manne dort. Der geht jetzt zu ihr hin. Lassen Sie ihn doch nicht hin zu ihr!
Dr.: Sagen Sie uns doch, wer Sie sind! Dann können wir Ihnen leichter helfen.
G. Ich bin Olive T.
Dr.: Dann sind Sie also kurz vor Anna D. gestorben. Alle beide sind Sie sich nicht klar darüber, daß Sie Ihren irdischen Leib abgelegt haben. Sie hat auch Hilfe nötig.
G. Sie ist doch nicht tot.
Dr.: Sie hat bisher ebensowenig wie Sie begriffen, daß sie aus ihrem irdischen Körper heraus ist.
G. Anna, wie kommst du denn hierher?
Dr.: Sie sind alle beide Geister und können nur kurze Zeit hier bleiben. Begreifen Sie denn immer noch nicht, daß Sie aus Ihrem Körper heraus sind? - daß Ihnen etwas ganz besonderes zugestoßen sein muß? - Sie waren doch in Paris und sind nun plötzlich in Kalifornien.
G. Kalifornien!? - Ach, bitte, sagen Sie nur doch, wer denn die reizende Dame ist, die dort steht. (Geist)
Dr.: Wahrscheinlich ist sie ein Geist, der Sie hierhergebracht hat, damit Ihnen geholfen werden könne. Fragen Sie sie doch mal, wer sie ist.
G. Ach, das ist ja Anna H.!
Dr.: Sie leistet Helferdienste an Unglücklichen.
G. (weint) Ich sehe ja nichts mehr! Was ist denn nur mit mir? Wo bin ich denn?
Dr.: Sie sind in Los Angeles in Californien.
G. Ja, aber ich bin doch nicht bei meinen Leuten. Wo sind die alle?
Dr.: Den Zeitungsberichten nach waren Sie in Paris. Dort sind Sie eines Abends ausgegangen und haben nach Ihrer Rückkehr dann in Ihrer Wohnung Selbstmord begangen.
G. Da ist ja der Mann, der mich dazu getrieben hat. - Der Mann, der da drüben steht und mir so furchtbare Grimassen schneidet. (Geist)
Dr.: Der wird Ihnen jetzt nichts mehr anhaben können.
G. Er sagt, er sei es gewesen, der mich da hingebracht hat, wo ich an dem Abend gewesen bin (weint). Warum hat er das getan? Ich bin in einen Zustand geraten, daß ich dieses Kerls wegen schon gar nicht mehr schlafen konnteer verfolgte mich die ganze Zeit.
Dr.: Sie müssen medial veranlagt gewesen sein.
G. Lassen Sie ihn bloß nicht zu mir her. Ich habe schon so viel durch ihn zu leiden gehabt. Niemand weiß, wie furchtbar ich gelitten habe. Niemand konnte sich den häufigen Stimmungswechsel bei mir erklären.
Dr.: Wer sollte das auch können, wo doch kaum jemand etwas davon weiß, daß Menschen von Geistern gequält werden? Sie waren eben besessen, und es gibt wenig Menschen, die darüber Bescheid wissen.
G. Ich fühle mich schwer krank, aber bitte lassen Sie mich nicht sterben, ich möchte so gern noch leben.
Dr.: In Wirklichkeit stirbt doch überhaupt niemand, wir werden nur unseren irdischen Körper los. Sie haben den Ihrigen schon abgelegt und werden jetzt in der Geisterwelt ein neues Leben beginnen.
G. Sag', Anna D., wie kommst du denn hierher?
Dr.: Weiß sie, daß sie verstorben ist?
G. (sehr aufgeregt und ängstlich weinend) Der Kerl, der da drüben steht, ist an ihrem Tode schuld, - so sagt er.
Dr.: Sie benutzen Gehirn und Körper meiner Frau und müssen sich zu beruhigen suchen. Anna H. hat Sie hergebracht, damit wir Ihnen helfen sollen.
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G. Die mag mich doch gar nicht.
Dr.: Hören Sie nur gut hin, was sie sagt. Seien Sie recht ruhig und hören Sie zu, dann kann man Ihnen auch helfen. Sie müssen auf die Nerven meiner Frau ein bißchen Rücksicht nehmen. Sie erlaubt Geistern Ihrer Art, ihren Körper zu benutzen, und Sie dürfen ihn nun nicht mißbrauchen. Hören Sie nur gut zu, was Anna H. sagt.
G. Anna H. sagt, sie diene jetzt solchen Geistern, die durch ihre eigene Torheit und Eigensucht und unvernünftige Geldwirtschaft sich in der Finsternis befinden. Sie geht umher und sucht sich ihre Arbeit. (weint wieder) Wenn ich doch nur Bescheid gewußt hätte!
Dr.: Sie hätten wohl zu Ihren irdischen Lebzeiten gar nicht zugehört, wenn man Ihnen von Geistern etwas hätte erzählen wollen.
G. Ich weiß nicht, was Sie meinen!
Dr.: Ich meine, daß Sie Ihren eigenen Körper abgelegt haben und jetzt im Körper meiner Frau stecken. Wir können daher zwar mit Ihnen sprechen, aber sehen können wir Sie nicht.
G. Wo bin ich denn?
Dr.: Sie sind im Hodiland-Park in Los Angeles
G. Ich kann das nicht begreifen. Anna! Anna D., wie kommst du denn hierher? Bist du auch in Paris?
Dr.: Was sagt sie darauf?
G. Sie sagt, sie weiß gar nichts. Sie fühlt sich höchst eigenartig.
Dr.: Sie ist auch ein Geistwesen und ist sich über ihren Zustand nicht im klaren.
G. Anna H. hat auch sie hergebracht. Sie sagt, durch ihre Hilfeleistungen an anderen Unglücklichen sei sie selbst vorwärts gekommen.
Dr.: Vor ungefähr zwei Jahren hat sie sich hier auch durch dies Medium kundgegeben.
G. Sie sagt, sie wolle für uns beide sorgen, und ich könne auch wieder Ruhe und Schlaf finden. Ich will mit ihr gehen und Anna D. auch mitnehmen, weil Anna H. uns beide ja auch zusammen hergebracht hat. Sie sagt, Anna D. habe auch Hilfe nötig.
Dr.: Sie werden viele kundige Geister finden, die gern bereit sind, Ihnen zu helfen.
G. Und dieser schreckliche Kerl wird mich also nicht mehr quälen können, nicht wahr? Alle beide, Anna D. und ich, haben wir große Angst vor ihm gehabt. - Wir waren ja viel zusammen.
Dr.: Der Mann, von dem Sie sprechen, ist auch ein Geistaber er wird Sie jetzt nicht mehr belästigen.
G. Ich war ja so weit, daß ich überhaupt nicht mehr schlafen konnte, und fühlte mich entsetzlich elend.
Dr.: Vermutlich hat dieser Geist Sie zu all dem getrieben, was Sie getan haben.
G. ja, so ist es auch.
Dr.: Nun gehen Sie nur mit Anna H. mitsie und die anderen alle werden Ihnen helfen.
G. Sie sagt, ich könne Ruhe und Schlaf finden. - Ich sehe hier so viele Menschen und weiß gar nicht, wer sie sind. (Geister) - Ich bin so müde und möchte schlafen. Mir ist so, als ob ich schon jahrelang zu keiner Ruhe mehr gekommen wäreaber es ist doch wohl nur eine kurze Zeit so gewesen.
Nun will ich also mit Anna H. mitgehen. Leben Sie wohl. {CW.DJuT.179-183}
Kurz nach dem Tode des Filmstars Virgina R., die in San Francisco gestorben war, brachte (die nach ihrem Selbstmord durch Wickland aufgeklärte) Olive T. diese Verstorbene in unseren Kreis, um sie wach zu machen, und hinterher sprach Olive T. selbst durch das Medium. {CW.DJuT.179-183}
Sitzung vom 19.April 1922
Geist: Olive T.
}»Es drängt mich, wieder einmal zu Ihnen zukommen und Ihnen zu danken für all das Glück, das ich erleben durfte, seit ich zuletzt hier bei Ihnen war.
Man sollte schon in frühester Jugend damit anfangen, die Kinder über Sinn und Zweck des Lebens zu belehren. Man sollte es ihnen auch in Bildern anschaulich machen. Es müßten auch Filme geschaffen werden, durch welche die Menschen in richtigem Sinne über das Leben belehrt werden könnten, um ihnen klar zu machen, daß es ja gar keinen Tod gibt. Wenn man sie auf diese Weise darüber belehren wurde, was für beglückende Zustände drüben im andern Leben ihrer warten, wenn sich die Menschen nur in richtigem Verstand auf dieses höhere Leben einstellen, dann würde die Welt ganz anders aussehen.
Ich habe ein hohles Scheinleben geführtund wir Filmschauspieler sehen ja unsere Aufgabe darin, die Menschen damit zu unterhalten. - Mir tun die jungen Mädchen so leid, die sich ausschließlich dem Sport widmen. Sie meinen selbst, es gehe ihnen doch gut dabei, - ja, eine Zeitlang wohl! Aber da ist doch immer die leise Stimme des Gewissens, die einen mahnt, so sehr man sich auch mühen mag, sie zu ersticken. Oh, könnte ich doch diese jungen Mädchen belehren, - und ihnen klar machen, wie töricht solch ein Leben doch ist! Wenn es mir doch möglich wäre, ihren Blick auf das h ö h e r e Leben hinzulenken und ihnen begreiflich zu machen, daß nur dieses das wahre Leben ist. Wir sollten die Menschen lehren, für andere zu leben, nicht für sich selbst. Schon in jungen Jahren sollten die Mädchen die grundlegenden Richtlinien des wahren Lebens kennen lernen und nicht einem hohlen Scheinleben überlassen werden.
Etwas sehr Verderbliches für die Welt ist auch der Alkohol und das Morphium. Die treiben unter den gegenwärtigen Verhältnissen die jungen Menschen beiderlei Geschlechts ins Verderben. Wirksame Abhilfe gegen diese Gefahren zu schaffen, das sind die Menschen nicht imstande, aber mit dem Verdammen sind sie schnell zur Hand. Und was ist damit gewonnen? Man treibt damit die Jugend doch nur weiter in den Abgrund, denn das Verbotene lockt erst rechtund auf diese oder jene Weise verschaffen sie es sich doch. Und gerade weil es verboten ist, gilt ihnen der Genuß ganz besonders begehrenswert. - Und noch etwas anderes spricht dabei mit.
Laßt uns Gutes tun allen und überall, wo sich irgend Gelegenheit dazu bietet, und uns allen Menschen freundlich erweisen. So wollen wir über unsere Selbstsucht Herr werden.
zu 3) "Im Juli 1919 zog ein Mordfall in Los Angeles die Auferksamkeit und Anteilnahme der Öfentlichkeit ganz Amerikas auf sich. Ein junger Mann, Harry New, war angeklagt, seine Geliebte, Frieda Lesser, ermordet zu haben. Der unglückliche Vorgang hatte sich am 4. Juli im Topanga Canyon abgespielt, wohin Harry und Frieda am späteren Nachmittage eine Ausfahrt unternommen hatten. Dicht an der Kante der Erdschlucht war ein Schuß gefallen, durch den das Mädchen zu Tode kam, und Harry New wurde verhaftet und des Mordes bezichtigt. Das Mädchen war schwanger gewesen, und gerade diese Tatsache galt dem Gerichtshof als Beweggrund zur Tat. Harry New wurde als Mörder zweiten Grades angesehen und zu 10 Jahren San Quentin verurteilt.
In der Zeit dieses Gerichtsverfahrens hatten wir eine sehr bemerkenswerte Sitzung, deren Ergebnisse den Fall auch dem Gericht in ganz anderem Licht hätten erschen lassen, wenn sie dort nur Aussicht gehabt hätten, als Beweise anerkannt zu werden.
Sitzung vom 7. Jan. 1920
Geist: Frieda Lesser
Das sich kundgebende Geistwesen schien ganz verstört und weinte jämmerlich.
Doktor W.: Was ist Ihnen denn?
Gei st : Ach, es geht mir so schlecht!
Dr.: Was quält Sie denn?
G. Sehr vieles.
Dr.: Vielleicht können wir Ihnen helfen.
G. Das ist unmöglich. Ach, ich fühle mich so elend! (weint)
Dr.: Wie lange sind Sie denn schon tot?
G. Ich bin doch nicht tot. Ich bin krank und sehr niedergeschlagen.
Dr.: Weswegen sind Sie denn so niedergeschlagen?
G. Wegen meiner eigenen Torheit.
Dr.: Was haben Sie denn so törichtes getan?
G. Sehr, sehr vieles!
Dr.: Was denn so besonders? Sind Sie nicht glücklich?
G. Oh nein! Glücklich bin ich nicht. (Ringt verzweifelt die Hände.) Ich wünschte, ich wünschte, ich wünschte, ich wäre nicht so töricht gewesen.
Dr.: Ist Ihnen denn etwas zugestoßen?
G. Ja, allerhand.
Dr.: Wie ist denn Ihr Name? Heißen Sie John?
G. Ich bin kein Mann. Oh, all diese Menschen, so eine große Menge! Und sie wollen mich nicht anhören, wenn ich ihnen davon spreche.
Dr.: Wie heißen Sie denn?
G. Ich fühle mich so elend, daß ich gar nicht denken kann. -Oh, Harry, Harry! Du bist ja nicht schuld daran! Was machen diese Menschen nur mit ihm? Er hat doch nichts getan. Es war doch meine eigene Torheit.
Dr.: Was haben Sie denn getan?
G. Ich habe mich mit ihm gebalgt. Ich hatte den Revolver und wollte ihm Angst machen. Er wollte mir den Revolver wegnehmen, und dabei rangen wir miteinander. Ich wollte ihm ja nur Angst machen. Ich gehe ihn besuchen und weiß nicht, was ich tun soll.
Dr.: Wozu nahmen Sie überhaupt den Revolver?
G. Ich wolIte nur sehen, ob er wohl Angst bekäme.
Dr.: Haben Sie den Revolver abgefeuert?
G. Er wollte mir den Revolver fortnehmen, und dabei ging der Schuß los. Ich fühle mich so elend, und er will nicht mit mir sprechen, und alle die Leute beschuldigen ihn. Er hat doch aber gar nichts getanes war doch nur meine eigene Dummheit. Er war immer ein guter Kerl, aber ich habe meinen Unsinn mit ihm getrieben. Wo bin ich jetzt nur?
Dr.: Sie sind im Hochland-Park, Los Angeles.
G.:Was soll ich denn hier?
Dr.: Gute Freunde haben Sie hergebracht.
G. Ach, ich wollte doch zu Harry!
Dr.: Meinen Sie Harry New?
G. Ja, natürlich.
Dr.: Haben Sie ihn denn gern?
G. Mehr als je, wo ich jetzt nicht zu ihm kann. Er ist's ja gar nicht gewesen, er hat mich nicht erschossen. Ich hatte ihm gesagt, ich wolle mich erschießen, und ging und holte den Revolver. Er hat ihn nicht geholt. Ich nahm ihn aus dem Auto mit und hatte ihn bei mir. Es war mir gar nicht ernst damit, ich wollte ihm nur Angst machen. Es war nur Dummheit, Dummheit, Dummheit!
Dr.: Wie heißen Sie denn?
G. Frieda - Frieda Lesser.
Dr.: Ist Ihnen klar, daß Sie nicht mehr in Ihrem Körper leben?
G. Ich weiß gar nichts. Ich merke bloß, wenn ich zu meiner Mutter oder zu Harry komme oder auch sonstwohin, daß mich niemand beachtet. Ich möchte ihnen doch sagen, wie sich das zugetragen hat, aber niemand will auf mich hören, nicht ein einziger. Ich bin so verzweifelt und weiß gar nicht, warum man denn nicht auf mich hört, wenn ich was sage. Ich bin so unglücklich.
Dr.: Die Menschen, denen Sie das erzählen wollen, können Sie ja doch nicht sehen, und so wissen sie eben gar nicht, daß Sie da sind.
G. Oh, und nun muß der arme Kerl für meine Dummheit büßen! Sie können sich gar keine Vorstellung machen, in was für einer furchtbaren Lage ich bin. Niemand will darauf hören, was ich sage, auch nicht ein einziger.
Dr.: Die wissen eben gar nicht, daß Sie da sind, weil sie Sie nicht sehen können. Auch wir hier sehen Sie ja nicht.
G. Warum können Sie mich denn nicht sehen? (weint wieder und ringt die Hände) Ich törichtes Mädchen, törichtes Mädchen!
Dr.: Sie müssen jetzt versuchen, sich ein bißchen zusammenzunehmen. Sie sind von freundlichen Geistern hierher gebracht worden und dürfen Körper und Gehirn meiner Frau für kurze Zeit benutzen. Sie können nur vorübergehend in diesem Körper sein.
G. Warum können denn Sie den Menschen nicht klar machen, daß es nur meine eigene Dummheit gewesen ist?
Dr.: Man würde es mir ja doch nicht glauben, wenn ich es auch sagte.
G.: Was sagte?
Dr.: Daß Sie als Verstorbene bei uns gewesen seien und es uns selbst gesagt hätten. - Begreifen Sie denn nicht, daß Sie in dem Augenblick, als der Schuß fiel, ihren Körper verloren haben?
G. Ich dachte, ich habe mich nur angeschossen! Ich begreife auch gar nicht, wieso ich denn tot sein soll. Denn wenn man stirbt, dann fühlt man doch nichts mehrich habe aber doch furchtbar gelitten.
Dr.: In Wirklichkeit stirbt ja auch niemandwir legen nur unseren Körper ab. Sie leiden in Ihrer Seele.
G.:Aber der Kopf tut mir doch so weh.
Dr.: Auch das ist nur ein seelischer Zustand.
G.:Warum kann denn Harry nicht mit mir sprechen?
Dr.: Er weiß ja gar nicht, daß Sie da sinder sieht Sie doch nicht.
G. Ich gehe immer dorthin, wo er jetzt ist, und versuche den Meinen dort zu erklären, daß ja alles nur durch meine Dummheit gekommen ist. Oh, wenn ich doch bloß was daran ändern könnte! - Ich nahm den Revolver und sagte, ich wolle mich erschießenaber ich dachte nur, ich wollte ihm ein bißchen Angst machen. Als er sah, daß ich den Revolver hatte, wollte er ihn mir fortnehmen. Eigentlich wollte ich ja auch gar nichts damit tun, - ich machte nur Unsinn. Er liebt mich, und ich liebe ihn. Er wußte gar nicht, wie der Revolver in meine Hände gekommen war. Er hatte ihn im Wagen liegen gehabt. Da hatte ich ihn mir genommen und zunächst in meinem Kleide versteckt. Nach einer Weile sagte ich, ich wolle mir das Leben nehmen.
Dr.: Hatten Sie die ernste Absicht, ihn zu heiraten?
G. Ja freilich!
Dr.: Hatten Sie ihn wirklich so lieb, daß sie ihn hätten heiraten können?
G. Ja. Wir hatten keine ernsten Meinungsverschiedenheiten. Ich habe ihm freilich Angst machen wolilen, aber Sie wissen ja, Mädchen sind manchmal recht töricht. Ich wollte ihn auf die Probe stellen, um zu sehen, ob er mich auch lieb hätte. (weint)
Dr.: Denken Sie daran, daß Sie Gehirn und Körper meiner Frau benutzen. Sie müssen sich zu beruhigen suchen. Sehen Sie sich nur mal um, dann werden Sie freundliche Geister sehen, die ihnen helfen wollen.
G. Mir kann nie wieder geholfen werden. Ich bin zu unglücklich.
Dr.: Wenn Sie nachher von uns fortgehen, wird man Sie in die Geisterwelt mitnehmen. Den Weg dorthin haben Sie bisher nicht finden können, weil Sie über Ihr Unglück noch zu sehr erregt sind. Freundliche Geister sind bei Ihnen und bereit, Ihnen zu helfen.
G. Ich möchte diesen Menschen doch gern klar machen, wie sich alles zugetragen hat, aber sie wollen ja nicht auf mich hören. Sie hören und sehen mich anscheinend überhaupt nicht. Ich gehe auch zu Harry, und weil er manchmal, daß ich da bin, haIten sie ihn für verrückt.
Dr.: Sie sind jetzt ein entkörpertes Geistwesen und müssen auf die geistigen Freunde hören, die hier sind. Die wollen Ihnen zum rechten Verständnis verhelfen und Sie lehren, mit Ihrem Unglück fertigzu werden.
G. Wird man denn Harry für meine Dummheit zum Tode verurteilen?
Dr.: Ich glaube kaum.
G. Armer Kerl! Armer Kerl! Es tut mir schrecklich leid um ihn und seine Mutter. Beide weinen, und meine Mutter auch. Wie konnte ich auch bloß so eine Dummheit machen! Es war ein Stück aus dem TolIhaus.
Dr.: Nun schauen Sie sich nur mal um, ob Sie nicht Freunde sehen, die Ihnen helfen möchten.
G. Da steht eine junge Dame (Geist) und sagt, ihr sei auch hier geholfen worden, und sie sei es, die mich hierher gebracht habe. Sie sagt, sie sei in der gleichen unglücklichen Lage gewesen wie ich, und hier sei ihr aus ihrer Not geholfen worden. Jetzt sei sie glücklich und könne mir helfen. Sie sagt, sie habe ganz dieselbe Torheit begangen wie ich. Sie habe Gift genommen, um ihrem Liebsten Angst zu machen, und habe sich dadurch ums Leben gebracht.
Dr.: Sagt sie Ihnen, wie sie heißt?
G. Sie sagt, sie sei viel bei mir, denn sie leiste Missionsarbeit und nehme sich solcher Mädchen an, die in ähnlicher Not seien wie ich.
Dr.: Sieht sie unglücklich aus?
G. Nein, sie scheint ganz vergnügt zu sein. Sie sagt, sie gehe umher und suche nach unglücklichen Mädchen, die in der gleichen Lage sind, in der sie sich selbst befunden habe, als sie ins geistige Leben getreten gei. (weint)
Dr.: Lassen Sie sich nicht so gehen! Sie wissen noch gar nicht, was für einen Vorzug Sie genießen damit, daß Sie einen menschlichen Körper gebrauchen dürfen und dabei belehrt werden. So viele bleiben in ganz unklaren Verwirrungszuständen viele, viele Jahre hindurch.
G. Die Dame hier sagt, Sie hätten ihr hier geholfen, als sie in demselben Unglück war wie ich.
Dr.: Wie mag sie denn geheißen haben?
G. Sie sagt, sie sei Marion Lambert. Sie sagt, sie habe schwer zu tun, unglücklichen Mädchen zu helfen, die sich durch eigene Torheit in solche Not gtbracht haben, und bemühe sich, ihnen aus ihrem Unglück herauszuhelfen.
Sie sagt, das sei ihre besondere Aufgabe, und dazu habe sie auch mich hierher gebracht. (weint)
Dr.: Machen Sie sich richtig klar, daß Sie den Körper dieses Mechums nur vorübergehend benutzen können. Sie dürfen ihn nicht mißbrauchen dadurch, daß Sie sich so aufregen. Das junge Mädchen, das Sie sehen, kam vor einigen Jahren zu uns in der gleichen trostlosen Verfassung wie Sie. Jetzt kann sie Ihnen schon sagen, daß sie glücklich ist und Missionsarbeit leistet.
G. Kann ich denn jemals wieder glücklich werden?
Dr.: Aber natürlich! Wenn Sie auch jetzt sehr unglücklich sind, - das geht doch aber auch wieder vorüber. - In Wirklichkeit -stirbt doch überhaupt kein Mensch. Wir legen ja nur unseren natürlichen Leib ab. Der Geist kann gar nicht sterben.
G. Das habe ich nie begriffen. Ich habe auch früher nie etwas von Geistern gehört.
Dr.: Wenn Ihnen bei Ihren Lebzeiten jemand etwas von Geistern erzählt hätte, hätten Sie wahrscheinlich darüber nur gelacht.
G. Die Dame sagt, sie wolle sich meiner annehmensie will, daß ich mich zunächst mal ausruhen soll. Ich bin müde. Sie sagt, ich solle mit ihr gehen und solle mich bei Ihnen dafür bedanken, daß ich habe herkommen dürfen. Werde ich wohl noch wieder so schrecklich viel weinen müssen?
Dr.: Nein. Man wird Sie mit den richtigen Lebensgesetzen bekannt machen. Das Erdenleben dauert ja nur kurze Zeit und geht schnell vorüber. - Jeder Mensch hat seinen Kummer, der eine diesen, der andere jenenaber aus der Not lernt man.
G. (schaut gespannt nach einigen Geistern und ihr Gesicht hellt sich aufdann schüttelt sie den Kopf) Nein, nein, das geht nicht. (weint)
Dr.: Was sehen Sie denn?
G. Ich erwartete doch ein Kindchenund nun kam ein Mädchen mit einem kleinen Kinde und sagte, es wäre meins. Kann ich es haben?
Dr.: Aber gewiß!
G. Ich bin's doch aber nicht wert. Man wird mich wohl auch deswegen schief ansehen.
Dr.: Sie sollen ja doch nicht auf der Erde bleiben.
G. Ich fühle mich jetzt schon viel wohler als vorhin, wo ich kam. Wann ist denn das Kindchen gekommen?
Dr.: Als Sie Ihren Körper verloren, wurde auch das Kindchen frei.
G. Ich sehe nur nicht recht, wie das geschehen konnte.
Dr.: Es geschieht gar manches, was Ihnen nicht geläufig ist. Das geheimnisvolle Wunder des Lebens ist für den Verstand nicht zu fassen.
G. Habe ich denn das Kindchen auch getötet, als der Revolver los ging?
Dr.: Durch Ihren körperlichen Tod wurde auch der Geist des Kindes frei. - Wenn Sie auch durch diesen Körper mit uns sprechen können, so können wir Sie dennoch nicht sehen. Alles eigentlich lebendige Wesen ist unsichtbar. Haben Sie jemals Musik gesehen?
G. Aber gehört habe ich sieund ich höre auch jetzt Musik.
Dr.: Das sind bei Ihnen die ersten Wahrnehmungen aus der Welt des wirklichen Lebens.
G. Da ist noch eine andere Dame mit weissem Haar. Sie sagt, sie wolle zunächst mal meine Mutter sein und sich meiner annehmen. Sie sagt, sie gehöre dem Barmherzigkeitsbund an.
Dr.: Der Barmherzigkeitsbund der Geister geht darauf aus, der Welt zu beweisen, daß es keinen Tod gibt, und wir arbeiten nun schon viele Jahre mit ihm Hand in Hand, indem wir unglücklichen Geistern helfen, die in der Finsternis sind.
G. Diese Dame ist sehr schön. Ich meine nicht die, welche zuerst hier war, auch nicht die mit dem Kindchen. Sie nennt mir ihren Namen, sie heißt Frau Case.
Dr.: Frau Case nahm schon zu ihren irdischen Lebzeiten lebhaften Anteil an unserem Hilfswerk.
G. Die andere Dame sagt, sie wolle für mein Kindchen sorgen, das wäre ihre Aufgabe. Sie sagt, sie heiße Abbie Judson und habe für solche kleinen Kinder zu sorgen. Zu ihren irdischen Lebzeiten sei sie Spiritistin gewesen und habe auch geschrieben. - Oh, was bin ich unglücklich Harrys wegen! Wird er mir je verzeihen?
Dr.: Er kennt ja die näheren Umstände und wird Ihnen schon verzeihen.
G. Ach bitte, darf ich wohl mit diesen Leuten mitgehen? - Werde ich noch wieder so sehr weinen müssen? Ich habe so viel geweint, daß mir schon die Augen ganz weh tun.
Dr.: Die geistigen Freunde werden Ihnen über alles genau Bescheid sagen, was Sie für das jenseitige Leben wissen müssen, und Sie werden auch wieder froh werden. {CW.DJuT.174-178}
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