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   01] Rede Ich: "Ja, ja, also ist es! Nur auf dem engen Pfade und am engen Plätzchen ist jedes Menschen wahres Glück und wahre Seligkeit zu erreichen! Wer es auf den breiten Straßen sucht und der Meinung ist, daß die Seligkeit nur am großen Platze voll Glanzes zu finden sei, der findet das Gesuchte nimmer. Nur der Hochmut baut breite Straßen des Verderbens und errichtet große Plätze. Aber auf diesen Plätzen werden auch große Gerichtshäuser, Gefängnisse und Galgen neben den Palästen der Großen errichtet. Und derlei Einrichtungen bedingen wohl nicht das Glück der Menschen, weder materiell noch geistig.
   02] "Ihr habt auf der Welt oft gesehen, wie in den Palästen sich die Großen auf Kosten der Kleinen und Armen mästen. Ihr habt gesehen die prunkvollen Bethäuser - Kirchen genannt. Wer aber ward noch glücklich durch deren Gold, Silber und Edelsteine? Ich sage euch: Niemand! Der Pfaffe nicht, der darinnen schaltet und waltet; denn seine Ruhmsucht und seine Habgier findet viel zuwenig Sättigung und trachtet Tag und Nacht, wie er zu noch mehr Glanz und Ruhm und zu den Reichtümern eines Großmoguls gelangen könnte. Diese Sorgen plagen ihn und machen ihn unzufrieden. Wer aber unzufrieden ist, der ist auch nicht glücklich und kann es auch nicht werden. Denn ein großer und breiter Platz braucht viel, bis er voll wird, und wird er hie und da auch voll, so genügt er dann dem Besitzer nicht mehr. Dieser strebt nun nach der Erweiterung des Platzes, und ist dieses erreicht, da wird dann sogleich wieder nach der Anfüllung des erweiterten Platzes getrachtet. Und so treibt da ein verderblicher Keil den andern, und es ist nicht möglich, daß da solche Menschen je an ein Ziel gelangen könnten, wo sie einnmal ein wahres Glück finden würden.
   03] "Was macht denn so ganz eigentlich das größte Unglück aller Höllengeister aus? Es ist das Streben nach dem Unendlichen! Die Unendlichkeit aber hat keine Rückwand und somit keine Grenzen. Daher ist es denn auch sicher für jeden nur einigermaßen denkenden Geist klar ersichtlich und überleicht begreiflich, das so ein von der Hölle erfüllter Geist unmöglich zu einer Glückseligkeit gelangen kann. Wer die Seligkeit im Unendlichen sucht, der kann sie unmöglich je finden, denn je weiter er dringt, einen desto endloseren Abgrund ersieht er vor sich und eine Kluft, über die er ewig nicht gelangen wird.
   04] "Mein Reich ist daher in eines jeden Menschen kleines Herz gelegt. Wer da hineinkommen will, der muß also in sein eigen Herz eingehen und sich da ein Plätzchen der Ruhe gründen, das da heißet Demut, Liebe und Zufriedenheit. Ist er mit diesem Plätzchen in der Ordnung, so ist auch sein Glück für ewig gemacht. Er wird dann auf diesem Plätzchen gar balb sehr viel mehr finden, als er je erwartet hatte. Denn ein kleines Häuschen ist doch gewiß leichter mit allem einzurichten, was zum Hauswesen gehört, als ein großer Palast, der noch sehr leer aussieht, wenn auch schon um viele tausend Gulden Einrichtungsstücke sich darin befinden.
   05] "Ihr müsset euch daher auch von Meinen Himmeln keine gar zu breiten und endlosen Gedanken, sondern ganz enge und kleine Vorstellungen machen, etwa wie von den Verhältnissen bei den Keuschlern (Hüttenbewohnern) auf der Erde. Da werdet ihr dann darinnen die wahre Glückseligkeit finden. - Ein Herz voll Liebe zu Mir und zu den Brüdern und Schwestern und ein stets tätigkeitslustiger und tätigkeitsvoller Sinn, glaubet es Mir, das wird für jeden von euch die wahre, ewige Seligkeit begründen.
   06] "So sollet ihr euch Meine Himmel auch nicht irgendwo als recht weit entfernt vorstellen, sondern ganz nahe. Der ganze Weg beträgt höchstens drei Spannen Maß. Es ist das die Entfernung vom Kopfe bis ins Zentrum des Herzens. Habt ihr diese kleine Strecke zurückgelegt, so seid ihr auch dann, wie man sagt, mit Haut und Haaren darinnen! Denket ja nicht, daß wir etwa eine Auffahrt über alle Sterne hinauf und hinaus machen werden; sondern denket euch, daß wir bloß eine Niederfahrt in unser Herz machen. Und da werden wir unsere Himmel und das wahre, ewige Leben finden!"

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