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   01] Joseph fortfahrend: "Aber nun, o Herr - Dir allein alle Liebe, alles Lob! - bin ich erst auf dem rechten Wege! Jetzt verstehe ich Dein heiliges Wort, und Du, o Herr, bist mir nun erst die Liebe aller Liebe! Kurz, ich bin nun ganz geheilt und wollte, daß alle Menschen es also wären. Aber nun geht das Meßopfer dieser Pfaffen auch zu Ende. Was wird darauf etwa nun geschehen?"
   02] Sage Ich: "Mein lieber Bruder, du wirst es sogleich sehen, wie sie nun einen sogenannten Exorzismus (Teufelsaustreibung) an uns ausüben wollen. Aber wir werden ihn nicht annehmen und dafür an ihnen einen sonderbaren Gegenexorzismus in Anwendung bringen. Und da wirst du deine Wunder sehen, was da alles zum Vorscheine kommen wird! - Aber, wie gesagt, nur keinen Ärger dabei! Grundbedingung, ohne die wir wenig oder nichts ausrichten würden; denn bei diesen bedarf es einer scharfen Feile!"
   03] Nun ist der letze Monstranzensegen-mit seinem nichtssagenden "Genitori, Genitoque" zu Ende, und wir als die vermeintlichen bösen Gister sind nicht geflohen. Das ärgert nun die Pfaffen ganz entsetzlich und ihre reichliche und zahlreiche Dienerschaft fängt an, gegen dies gehaltene Hochamt verschiedene Verdächtigungen zu erheben. Einige meinen, daß das heilige Geschirr von ungeweihten Händen angerührt worden sei und daß deshalb das ganze Amt vor Gott keinen Wert und somit auch keine Kraft haben könne. Ein anderer sagt, vielleicht habe etwa eine Hure oder eine Ehebrecherin oder gar eine Lutheranerin die heilige Wäsche gewaschen und dadurch das heilige Meßgerät tiefst entheiligt, und da könne der Teufel freilich lachen, wenn er solch ein Meßopfer verrichten sehe. Ein anderer meint, der Hauptdienstbare habe zu wenig tiefe Reverenzen gemacht und sich dadurch der allerheiligsten Himmelskönigin mißfällig erwiesen; sie habe darum ihre Gnade nicht hinzugegeben, und so sei das Meßopfer ohne Kraft und Wirkung gewesen. Man solle nur noch ein Amt halten, aber mit den allertiefsten Reverenzen, was der allerseligsten Himmelskönigin am besten gefiele, und er stehe dafür, daß bei einem solchen tiefst reverenzierten Amte die Teufel nicht gegenwärtig bleiben werden.
   04] Ein anderer wieder will bemerkt haben, daß ein Ministrant beim "Confiteor" und namentlich beim "Mea culpa" zu wenig an die Brust geschlagen habe. Ja, einen Schlag habe er sich etwa eines teuflischen Flohes wegen auf den Bauch gegeben, und das zerstöre auch die Wirkung der Messe. Denn man solle es kann glauben, von welcher Kleinigkeit oft die Wirkung oder Nichtwirkung einer Messe abhänge. Ihm habe das einmal ein alter, frommer Kapuziner ganz haarklein auseinandergesetzt.
   05] Einer bemerkt gar etwas Lächerliches und sagt: Das Epistelpolster sei beim Infundieren verkehrt worden, was er wohl bemerkt habe. Und wenn so etwas geschieht, so ist die Messe ohne Kraft; denn aufs Epistelpolster legt die glorreichste Mutter, so das heilige Meßbuch aus das Evangeliumspolster übertragen wird, das Christkindlein. Wird aber das Polster verkehrt, so nimmt sie das Christkindlein wieder weg und die Messe ist ohne Wirkung. Daher sei es auch notwendig, daß diese heiligen Polster, und zwar das linke mit dem Namenszeichen Jesu und das rechte mit dem der allerheiligsten Jungfrau Maria mit Goldstickung bezeichnet würden, auf daß da ja keine Verwechslungen und Verkehrungen statthaben können, weil so etwas dem Meßopfer einen entschiedenen Nachteil brächte.
   06] Ein Ziremoniarius fragt, ob nicht etwa jemand die Stola verkehrt übers Kreuz mit dem Zingulum überbunden habe? Man untersucht und findet richtig bei einem bevespermantelten Assistenten, daß der linke Stolateil über dem rechten statt unter demselben liegt, und diesem Umstande wird nun die Mißwirkung der Messe zugeschrieben. Und dieser Assistent, so er nicht ein Kardinal wäre, hätte in jedem Falle eine Strafe erhalten. Aber einem Kardinale kann man so was denn doch nicht mehr antun. - Aber ein Kapuzinerprior sagt doch: "Ja, wenn man bei der heiligsten Handlung so unvorsichtig ist, da könnte sich unsereiner zu Tode ministrieren, so würde das aber dennoch nichts nützen. Nein, die Stola verkehren! Das ist ja schon was Altes, daß da sogleich alle Engel, die unsichtbar bei der heiligsten Handlung ministrieren, vom Altare zurücktreten und ihre heiligen Gesichter abwenden. Und die heiligste Mutter Gottes kann da gar nicht zum Altare kommen, weil durch eine solche Unvorsichtigkeit sie alle ihre sieben Schmerzen wieder empfindet."
   07] Hier wird es Meinem lieben Joseph förmlich unwohl. Auch Robert und Helena können sich eines hellen Lachens kaum mehr enthalten. - Und der Kaiser Franz tritt zu Mir hin und sagt: "Herr, ich habe zwar nie viel auf die Pfaffen gehalten - nur um des blinden Volkes Willen mußte ich so manches tun, was diese Brut von Mir verlangte; denn ich kenne den Papst und seinen Stuhl besser als tausend andere. Aber hätte ich diese Dummheiten je auf der Erde gehört, wie hier nun, da hätte ich sicher das vollendet, was mein Onkel Joseph begonnen hat. Nein, aber so was wäre mir auch im Traume nie eingefallen!"
   08] Sage Ich: "Seid nur ruhig, das ist alles noch nicht! Bei dem bald über uns ergehenden Exorzismus werdet ihr erst die großartigsten Wunder der Dummheit der Pfaffen kennenlernen! Denn von der römisch-katholischen Teufelsaustreiberei (besonders so nach ihren dümmsten Begriffen die Teufel irgendeinen sogenannten Gottestempel in den Besitz genommen haben) habt ihr alle keinen Begriff, gebet nur auf alles acht! Die Sache wird zwar von keiner langen Dauer sein, aber für euch alle dennoch sehr belehrend. Denn ihr Kaiser müsset das vorzugsweise sehen, weil ihr solche Dummheiten, die ihr leicht hättet abstellen können, für nichts und wieder nichts geduldet und hie und da sogar kräftigst befördert habet. - Gebet jetzt nur acht, der famose Exorzismus wird sogleich beginnen!"
   09] Ein Levit entfernt sich nun und mit ihm einige Dienstbare. In wenigen Augenblicken bringt er ein schwarzes Buch, das auf beiden Deckeln äußerlich mit einem weißgrauen Totenkopfe geziert ist. Die Diener aber bringen eine Menge schwarzer sogenannter Requien- und Exequien-Gewänder. Die Gewänder werden nun unter einigen lateinischen Murmeleien gewechselt und in wenig Augenblicken steht die ganze Hohepriesterschaft ganz schwarz vor uns. Es wird auch ein sogenannter Katafalk aufgerichtet, aber verkehrt, und eine Menge schwarzer Kerzen werden auf schwarze Leuchter so unordentlich als nur möglich gesteckt. Ein schwarzes Rauchfaß und ein ebenso schwarzer Weihbronnkessel fehlt nicht samt einem ganz schwarzborstigen Sprengbartstocke.
   10] Nun tritt der Hauptdienstbare vor und murmelt aus dem ihm ehrerbietigst vorgehaltenen Buche, und die andern sagen alle Augenblicke Amen dazwischen. Nach solcher ziemlich lange anhaltenden Murmelei wird die Hälfte der Kerzen angezündet, mit dem Rauchfasse beraucht und mit dem Weihwasser besprengt. Dies Murmeln, Rauchen und Besprengen geschieht noch zweimal. Darauf wird ein schwarzer Strick hingelegt. Der Hauptdienstbare tritt im Namen Mariä auf den Strick, andeutend, daß er nun der Schlange den Kopf zertritt. Darauf wird eine große schwarze Schüssel mit glühenden Kohlen von den Dienern herbeigeschafft. Das Feuer wird dreimal verflucht und der Strick wird daraus in dieses Feuer geworfen. Nach dieser Operation wird wieder aus dem Buche gemurmelt und daraus das Feuer mit dem verbrannten Stricke aus der Kirche geschafft. Nun aber werden eine Menge Knittel aus der Sakristei gebracht; ein jeder nimmt einen solchen in die Hand. Bei dieser Gelegenheit wird auch die andere Hälfte der Kerzen angezündet, aber dafür die schon brennende, zuerst angezündete Hälfte ausgelöscht. Nach diesem Akte werden die Knittel geweiht, beräuchert, besprengt und angerührt. Als dies beendet ist, sagt der Hauptdienstbare: »Hiscum fustibus percutiantur omnia!« Das heißt: Mit diesen Stöcken muß jetzt alles zerschlagen werden, was die Teufel entheiligt haben. Aus dies Wort werden zuerst die Leuchter umgeschlagen. Darauf wird der Katafalk ganz zertrümmert und das Bahrtuch in Stücke zerrissen. Zugleich macht auch der Hauptdienstbare einen kleinen Riß in das weiße Unterkleid. Darauf beignnt ein wilder Lärm; ein jeder schreit was er nur kann, natürlich uns Quasiteufel aus der Kirche hinausverfluchend. Daneben wird mit diesen Knitteln auf allen Bänken herumgeschlagen, was nur immer möglich ist. Nur die Altäre und die Orgeln werden geschont. Aber die armen Bänke müssen bei dieser Operation viel aushalten. Solange die Knittel nicht ganz zerschlagen sind, wird mit dieser Agitation nicht innegehalten.
   11] Aber als nach ein paar Stunden irdischer Zeitrechnung die Knittel zu Ende sind und wir denn doch noch fest dastehen und nicht um ein Haarbreit weichen wollen, beruft der Hauptdienstbare alle die Teufelsaustreiber zu sich und sagt: "Höret! Wir haben nun alles getan, mehr können wir nicht tun! Aber leider hat all unsere Mühe nichts gefruchtet: Ich bin daher der Meinung, daß wir noch die große lauretanische Litanei beten sollen, und zwar vor dem Bilde der allerschmerzhaftesten Mutter Gottes. Holet es aus der geheimen Kammer der Schätze Marias und stellet es gerade vor das Tabernakulum hin! Zündet nun alle Kerzen an, auf daß wir mit der Litanei sogleich beginnen können! Maria ist und bleibt unser letzter Schutz und Schirm und unsere letzte Zuflucht!"
   12] Sagt einer aus der Mitte: "Wenn aber das etwa auch nichts nützen sollte, was werden wir dann tun? Denn so dieser Generalexorzismus nichts gefruchtet hat, der doch ganz auf den Namen der allerseligsten Jungfrau sich fußet, was wird dann das tote Bild der schmerzhaftesten und die große Litanei fruchten? - Ich bin gar nicht mehr dafür! Übrigens kommen mir diese Wesen auch gar nicht als Teufel vor! Man betrachte sie nur genauer und man wird sich bald überzeugen, daß da hinter ihnen gar nichts Teuflisches zu stecken scheint." - Sagt der Hauptdienstbare: "Teufel können auch Engelsgestalten annehmen! Darum heißt es hier alles versuchen und daraus das Gute behalten! Darum gehet nur ganz geschwinde und bringet mir die Allerschmerzhafteste herbei! Amen dico vobis!"
   13] Ein paar Diener begeben sich nun sogleich nach dem Orte hin, wo sich das Bild der allerschmerzhaftesten Mutter befindet. Als sie das anscheinend hölzerne Bild herbeischaffen, da zeigt es sich, daß es ganz außerordentlich schadhaft ist. Es fehlen dem Bilde die sieben Schmerzen, die gewöhnlich durch sieben in den Leib der Maria hineingestoßene Schwerter ausgedrückt werden. Dann fehlt dem Bilde die Krone, der halbe Kopf, eine Hand und der ganze tote Heiland, den sie auf ihrem Schoße trägt. Von einer Farbe und Vergoldung ist keine Rede mehr. Dafür aber ist das, was noch von der Allerschmerzhaftesten da ist, desto wurmstichiger, und die ganze Figur wäre kaum mehr zur Beheizung eines kleinen Kamins zu gebrauchen.
   14] Als der Großdienstbare dies zerstörte Bild ansieht, sagt er ganz verdrießlich: "Aber um des Himmels willen! Was ist denn mit diesem glorreichen, außerordentlich mirakulösen Gnadenbilde geschehen?! Das sieht ja doch so jämmerlich aus als wie die sieben teuren Zeiten von Ägypten. Mein Gott und mein Herr! Wie hast denn zu dies heilige Bild Deiner allerseligsten Mutter gar so zugrunde gehen lassen können?! Ei, ei, ei! Was wird nun da zu machen sein?! Saget mir, gibt es denn nirgends eine andere? Denn mit dieser ist es nichts mehr!"
   15] Sagt ein Diener: "Eure Eminenz! Da unten in einer Seitenkapelle ist wohl noch eine ohnehin zur öffentlichen Verehrung Ausgestellte. Wie wäre es denn, so wir uns dahin begäben?" Sagt der Großdienstbare: "Das ist nichts! Es muß eine Übertragbare sein, damit man sie vors Tabernakulum stellen kann. Die Festangemachte auf einem Altare ist wohl für eine allgemeine Verehrung gut genug; aber für außerordentliche Gelegenheiten muß auch etwas Außerordentliches dasein, sonst macht es keine Wirkung. Traget dies Bild weg und sehet, daß ihr mir ein anderes herbeischaffet! Das wäre nicht übel wenn in dieser Kirche weiten Räumen nicht noch irgendeine besser erhaltene Schmerzhafteste sollte aufzufinden sein! - Gehet und durchsuchet mir alle Winkel!"
   16] Die Diener tragen das zerstörte Bild wieder hinaus, kommen nach einer Weile mit ganz betrübten Gesichtern und vermelden allerehrfurchtvollst, daß sie alle Winkel durchsucht und nichts Schmerzhaftestes irgendwo haben antreffen können. - Darob wird der Großdienstbare ganz unwillig und schmäht die Dienerschaft aus, sagend: "So ist es, wenn man lauter Esel zu Kirchendienern hat! Wie die Ochsen rennen sie von einem Winkel zum andern und finden halt nichts! Dumme Tölpel! Gehe jemand anders suchen! Es muß doch noch was geben!"

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