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Kapitelinhalt 213. Kapitel: Ein hartnäckiger Kaiser. Rede des Paulus an ihn und Widerspruch des Starrsinnigen.

   01] Sagt daraus Paulus: "Mein Freund, du magst mit deinem ,Kaiser' einen noch viel höheren Begriff verbinden, als wie du ihn schon ohnehin verbunden hast. Sage es dir aber selbst, was ein Kaiser ist - ohne Land, Volk und Macht!? Ich sage dir, nichts anderes als ein Tor! - Ist denn ein Kaiser je aus seinen eigenen Gnaden Kaiser geworden, oder aus Gottes Gnaden? Wer gibt denn dem Menschen Macht, zu herrschen, und den Völkern den Willen, daß sie ihm gehorchen? Siehe, das tut Gott, der allein der ewige Herr ist aller Macht und Kraft. - Wer machte dich zum Kaiser, du dich selbst oder Gott? So dich aber Gott zum Kaiser machte, als der alleinige Herr der Unendlichkeit, was pochst du denn hernach auf deine Kaiserwürde, als hättest du dich selbst zum Kaiser gemacht?!
   02] "Siehe, wenn es so leicht wäre, ohne göttliche Kraft und Macht ein Kaiser zu werden, da gäbe es eine große Menge Kaiser auf der Erde; das wäre aber vor Gott ein Greuel der Greuel. Deshalb setzt Er über viele Länder nur einen Kaiser und versieht ihn mit Macht, Kraft und großem Ansehen - aber nur auf seine herrschensfähige Lebensdauer!
   03] "Nach dem Leibestode hört der Kaiser für ewig auf, und der Mensch, der da auf Erden ein Kaiser war, wird gleich einem seiner geringsten Untertanen. Er kann aber im Reiche Gottes wieder etwas werden durch die Demut und durch große Liebe vor allem zu Gott dem Herrn und dann zu allen Brüdern und Schwestern. - Aber solch starres Beharren auf dem, was jemand auf Erden war, bringt nicht Leben und die Wirkung des Lebens, sondern den wirklichen Tod nur und die Wirkung des Todes! - Ich sage dir daher: Bedenke dir's wohl, was du tun wirst! Denn siehe, das Tor der besondern Gnade und Erbarmung des Herrn ist nicht in einemfort offen, wie es auf Erden auch nicht immer Tag und Sommer ist. Im Sommer kannst du den Samen in die Furche der Erde legen, und er wird dir aufgehen und viele Frucht bringen; im Winter aber magst du säen, wie du willst, so wird der Same nicht aufgehen und wird dir auch keine Frucht bringen. Denn im Winter ist für einen Teil der Erde das Tor der besondern Gnade verschlossen, und erst im Frühjahre wird es wieder eröffnet. Aus der Erde geschieht dies Schließen und Öffnen zwar regelmäßig, weil der Herr alldort die Natur also eingerichtet hat; aber nicht so allhier, wo alles frei ist und am freiesten sicher der Wille Gottes. Da kann niemand zum voraus sagen: »Sieh, nun kommt bald das Frühjahr und dann der Gnadensommer!«, sondern das liegt im Herrn verborgen! Wann Er will, so ist es da. Er allein schließt und öffnet, wie und wann Er will.
   04] "Nun ist es offen da vor euch allen! Darum ergreifet und benützet es! Es wird aber wieder verschlossen werden, da wird dann wieder niemand etwas zu ergreifen und zu benützen bekommen. - Glaubst du denn, daß der Herr Tag für Tag körperlich von Seinen allerhöchsten Himmeln auf die Erde herabkommt und lehrt, heilt und begnadigt Seine Geschöpfe und macht aus ihnen Seine Kinder?! O sieh, das tut der Herr nicht! Und Er weiß es allein, warum Er so etwas tut oder nicht tut. Er ist zwar stets die Liebe und Erbarmung Selbst; aber Seine besondere Gnade gibt Er nicht allzeit gleich und nicht jedem gleich!
   05] "Sieh, ich war einst der größte und wütendste Verfolger, und Er erwies mir dennoch die höchste Gnade und stärkte mich zu einem Weltapostel - während Er Seine andern Apostel zuallermeist nur für die Juden bestellt hat. Und andere, gar viel, ja tausendfach bessere und edlere Menschen hat Er irgendeiner besonderen Gnade nicht gewürdigt. Den Weisen enthielt Er es vor und den unmündigen Kindern offenbarte Er Sein Reich und Seine besondere Gnade!
   06] "Aus dem aber gehet abermals hervor, daß der Herr nach Seiner innersten Weisheit tut, was Er will. Er gibt niemals in großer Überfülle und entzieht es ein anderes Mal ganz und gar. Wer sich am sichersten wähnt ist oft von tausend Gefahren umringt; und der Furchtsame, der jeden Augenblick fürchtet, von tausend Gefahren verschlungen zu werden, den beschützt der Herr nicht selten derart, daß ihm auch dann nichts geschehen würde, so die ganze Erde in kleine Splitter gerissen würde. Also tut der Herr, was Er will, und bedarf nie eines Menschen Rat. Es ist aber dann auch die größte und unverzeihlichste Torheit, die Gnadengeschenke aus Seiner höchstheiligen, eigenen Hand nicht anzunehmen, so Er sie jemanden freiwillig verabreicht.
   07] "Lasse also nun fahren deinen Kaiser und nehme dafür hin des Herrn Gnade, so wirst du leben - sonst aber sterben in deinem Wahne!"
   08] Sagt der Starrsinnige: "Du redest wohl recht weise wie ein Minister; aber welch ein Unterschied ist dennoch zwischen einem Minister und einem Kaiser! - Führe mir den Herrn selbst vor; ich will ihn in Gnaden anhören und ihm ausnahmsweise ein längere Audienz erteilen!"
   09] Spricht Paulus: "Und hast du sonst keine Schmerzen?! Ah, das ist wirklich auch schon alles über alles, was man von deiner Gnade erwarten kann! Du wolltest also sogar dem Herrn eine Audienz erteilen, so ich Ihn dir vorführte!? O du unsinniger Tor du! Gott, deinem Herrn - im Gnadenwege noch dazu - eine Audienz erteilen! Nein, Freund, das geht etwas zu weit! Ich, ein Paulus, erbebe vor diesem Gedanken! Und du kannst ihn denken und solches verlangen?! - Nein, das kann unmöglich dein Werk sondern nur ein Werk des Satans sein! Ermanne dich daher und stehe ab von deiner zu ungeheuer großen Torheit! Ich bitte dich, werde ein Mensch vor Gott!"
   10] Spricht der Starrsinnige: "Ein Regent spricht nach seiner gewohnten Weise und ein Apostel nach der seinen! Ich verstehe aber unter einer Audienz nicht gar so etwas Himmelschreiendes wie Er. Und ich meine, daß das unmöglich gar so hoch gefehlt sein kann, so ich den Herrn zu mir bitten lasse! Denn auf der Erde schickt man ja auch um einen Geistlichen, daß er dann komme mit Christo dem Herrn, wenn man selbst als ein Kranker nicht zu ihm kommen kann. Mache daher keinen solchen Lärm, als ob deshalb schon Himmel und Erde eingestürzt wären!
   11] "So du schon ein weiser Lehrer bist, so bedenke dabei, daß zwischen einem Kaiser, der freilich auch nur ein Mensch ist, und einem gewöhnlichen Menschen doch immer ein himmelhoher Unterschied obwalten muß. In welcher Sphäre jemand lebt, im der bildet sich auch sein Leben zu seiner eigentlichen Natur aus. Der Adler horstet ganz heimisch und gemütlich auf den schwindelndsten Höhen; trage aber eine Haushenne hinauf auf eine Felsenspitze, deren Höhestand über die Wolken hinaufragt, und sie wird nimmer lebendig ins tiefe Tal hinabkommen. Dem Fische ist das Wasser sein Lebenselement, einem Erdtiere ist es der Tod. Was aber leiblich unter den Tieren sich bewährt, das findet auch geistig unter den Menschen statt. So ich also hier vor dir meiner hohen Seelennatur nach rede, da wird das doch nicht so weit gefehlt sein können, als wenn ein anderer, gewöhnlicher Mensch sich also zu reden unterfangen würde!
   12] "Ich war einmal ein Kaiser, das kann mir kein Gott nehmen, solange er mir die Rückerinnerung beläßt. Und sonach bleibe ich denn ewig ein Kaiser auch vor Gott - in meiner Erinnerung. Daß ich aber hier weiter nichts mehr zu gebieten habe, das weiß ich schon lange so (gut) wie Er, mein polternder Freund! Ich brauche daher aber auch nichts weiteres mehr von Ihm. Ich werde mich schon selbst weiter fortbringen. Ich habe von jeher nichts weniger leiden können als irgend jemanden, der mir etwas, und wenn es selbst das Beste gewesen wäre, hat aufdringen wollen. Und so bin ich noch immer ein abgesagter Feind von allem Aufgedrungenen. - Wolle mir also gar nichts aufdringen, so werde ich das Gute und Wahre von selbst aufnehmen und darnach tun und handeln; sonst aber bleibe ich wie ich bin, ob gut oder schlecht, das ist eines. - Verstanden, Er Polterpatron!?"
   13] Sagt Paulus: "O ja, sehr gut! Bemerke aber bloß ganz einfach nur hinzu, solange dein Ego (dein Ich) als maßgebend und vorwaltend dir zu einem Richter dienen wird, solange wird das Ego des Herrn nicht Wohnung nehmen in deinem Herzen! - Die äußeren Lebensverhältnisse und Unterschiede allein für sich berücksichtigend, hast du recht in allem, was du, wenn auch gegen meine Person sehr anzüglich, in deiner dich entschuldigenden Rede mir vorgesagt hast; aber die inneren Lebensverhältnisse sind von einer ganz andern Art! Diese, weil sie dir ganz fremd sind, mußt du dir vorerst aufdringen lassen, sonst kommst du in der Geisterwelt, deren Einwohner du nun schon nahezu ein paar hundert Erdjahre bist, nimmer auf ein grünes Plätzchen. Ich bin ja dein Feind nicht, wenn ich dir nach der Beheißung des Herrn die volle Wahrheit offenbare. So ich aber dein Feind nicht bin, warum behandelst du mich, als so ich dein Feind wäre!?"
   14] Sagt der Harte: "Ich behandle dich nicht als Feind; aber du gefällst mir nicht! Darum will und muß ich einen andern haben und hören, auf daß ich recht weiß, was ich zu tun habe!"


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