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   01] Es sieht sich aber auch die Helena nach Robert-Uraniel um, und da sie ihn nirgends erschaut, so fragt sie Mich gar überaus sanft, wohin nun der Robert möge entschwunden sein samt dem Engel, der ihm das Sternengewand aus dem Himmel gebracht hat.
   02] Ich aber frage noch sanfter die Helena, ob es ihr bange sei um den Robert-Uraniel? - Und Helena erwidert: "O Du heiligster, süßester Vater! Wie könnte mir das sein an Deiner von der heiligsten, höchsten und reinsten Liebe erfüllten Brust? Wohin könnte Robert auch gelangen, daß er Deinen Augen unsichtbar würde!? Wer aber im Lichte Deiner Augen wandelt, der verirrt sich sicher ewig nimmer und kommt wieder, begleitet von einer heiligen Freudenträne aus Deinem Vaterauge und begrüßt von seiner an Deinem Herzen ruhenden Liebe! - Oh, er wird nun sehr viele und sehr große Wunder Deiner Allmacht, Weisheit und Güte schauen. Und so er wiederkehrt, was wird er uns, die wir in Deinem endlosen Geisterreiche noch ganz und gar nicht bewandert sind, für Herrlichkeiten zu erzählen wissen! O das wird recht herrlich sein!"
   03] Rede Ich: "Ja, ja, so wird es auch sein! Aber was meinst du denn, könnte Ich dir unterdessen etwa nicht auch so einige sehr merkwürdige Wunderdinge erzählen, die vielleicht noch seltsamer wären als jene, die du nun traulich vom Robert-Uraniel erwartest!? Was meinst du da?"
   04] Spricht Helena: "O liebster, heiligster Vater, das könntest zu freilich unendlichmale besser als alle zahllosen Engel aller Deiner Himmel! Aber Dich darum zu bitten, würde ich wohl ewig mir nicht getrauen; denn du bist da zu endlos groß, mächtig und heilig! Und so Du mir etwas erzählen würdest aus Deiner höchsteigenen Gottesgeschichte, so würden wohl etwa Trillionen von Erdjahren erforderlich sein, bis ich nur ein Wort aus Deinem Munde so recht in der Tiefe fassen könnte - obschon ich sehr neugierig wäre, von Dir, dem Schöpfer aller Dinge, über so manches etwas zu vernehmen.
   05] "Für mein Herz von besonders hohem Interesse wäre es, von Dir zu erfahren, worin etwa doch das bestanden haben mochte, was Du, o Herr, mit Deinen lieben Aposteln nach Deiner heiligsten Auferstehung magst gesprochen haben und worüber der Evangelist Johannes sagte: Du habest noch vieles mit ihnen geredet, was er nicht aufgezeichnet habe; denn hätte er es auch aufgeschrieben in viele Bücher, so würde sie die Welt doch nimmer fassen und begreifen mögen! - Ich habe auf der Erde einst von einer lutherischen Freundin das Neue Testament zum Lesen bekommen und muß es hier zu meiner Schande gestehen, daß mir nichts so sehr meine Neugierde unbefriedigt gelassen hat, als eben diese nun erwähnte Schlußbemerkung des Apostels Johannes. Ja, so Du, o heiligster Vater, mir darüber irgendeine Erleuchtung möchtest zukommen lassen! - O da mußt Du ja ganz entsetzlich wunderbare Sachen Deinen lieben Aposteln kundgetan haben!"
   06] Rede Ich: "Ja freilich wohl, Du Meine liebste Helena! Aber dieselben Sachen und Geschichten waren so großartig und tief, daß du sie auch in der Geisterwelt unmöglich fassen und begreifen könntest! Aber es wird schon noch in Kürze eine Weile kommen, wo du das alles sehen und verstehen wirst. Denn in Meiner großen Himmelsbibliothek sind derlei Dinge allergetreuest und bestens aufbewahrt. Wenn du einmal zu dieser Meiner großen Bibliothek gelangen wirst, da wirst du ein vollkommenstes Evangelium zu lesen bekommen! - Daher verlange du nun von Mir nur irgendeine andere Geschichte!"
   07] Spricht Helena: "O Du süßester Vater, so erzähle mir etwas von dem Falle des Luzifer! Denn das ist auch so etwas, das mir auf der Welt stets dunkel geblieben ist." - Rede Ich: "Meine Allerliebste, auch das wäre etwas zu früh noch für dein Herz! Denn diese Geschichte würde dich zu sehr angreifen. Darum wähle dir lieber etwas anderes!"
   08] Spricht Helena: "O heiligster, liebster Vater! So sage mir denn, da zu mich schon aus Deiner höchsten Liebe aufgefordert hast, Dich um etwas anderes zu fragen - was hat es denn da mit der Hölle, von der auf der Erde von den Geistlichen bei weitem mehr als von den Himmeln gepredigt wird, für eine Bewandtnis, und wer kommt so ganz einentlich in die Hölle? Gibt es eine Hölle, oder gibt es keine? Denn sieh, Du liebster und heiligster Vater und Herr und Gott Jesus! Ich war auf der Welt doch gewiß schlecht genug, ein schlabutzigs Wienerfrüchtl, wie man nur eines suchen kann. Zehntausend Liguorianer, so sie mich gekannt hätten, samt dem Papste und samt allen anderen Geistlichen hätten mich ohne alle Gnade und Barmherzigkeit festweg in die Hölle verdammt. Ich muß es wahrlich jetzt noch zu meiner großen Schande eingestehen, daß ich sie deshalb gar nicht einmal eines Unrechtes in meinem Herzen hätte beschuldigen können. Und trotz aller meiner Schlechtigkeit bin ich nun dennoch seligst hier bei Dir, mein Gott und mein Herr! Und so dürften noch so manche hier in Deiner heiligsten Gesellschaft sich des ewigen, seligsten Lebens freuen, von denen auf der Erde so mancher Erzpapist sagen würde: »Nein, das ist denn doch zu arg! Diese Kerls sind denn doch schon sogar für die Hölle zu schlecht!« - Und siehe, sie sind hier in Deinem Heiligtume, freuen sich ihres Daseins und loben in ihrem Herzen nun, zarten Lämmern gleich, Deine unendliche Güte, Weisheit, Macht und Stärke! Wie schlecht müssen sonach jene sein, die da in die Hölle kommen, so es überhaupt eine gibt!"
   09] Rede Ich: "Meine allerliebste Helena! Siehe, diese deine Frage ist nicht ganz ohne Interesse, und die Beantwortung wird nicht ohne Nutzen sein. Aber anstatt dir darüber ein Langes und Breites zu erzählen, werde Ich dir so ein höllisches Individuum vorführen lassen, das nun gerade auf dem Sprunge ist, in die Hölle zu kommen, und auch sicher in die unterste, ärgste Hölle kommen wird. An diesem argen Wesen wirst du am allereinleuchtendsten ersehen, wer so ganz eigentlich in die Hölle kommt. Denn es gibt eine Hölle, die in drei Grade geschieden ist, und da ist der unterste der allerschlimmste. - Und du wirst Mich dann loben, so du ersehen wirst, wer, wie und warum einer in die Hölle kommt. Fürchte dich aber nicht! Der Arge wird sogleich da sein!"

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