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Kapitelinhalt 183. Kapitel: Minervas Herrlichkeit im Himmelskleide. Robert und Sahariel geben sich den beiden zu erkennen. Wichtige Lehre über die Erziehung zur wahren Freiheit und Selbständigkeit. (Am 12. April 1850)

Originaltext 1. Auflage 1898 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text nach 2. Auflage 1929 Lorber-Verlag

01] (Miklosch): „Die Minerva zieht nun wirklich das Gewand an; ste ist nun auch schon angekleidet; O tausend, O tausend! ah! das ist stark! nein, da ist es ja gar nimmer zum Aushalten! Aber diese ungeheuere Schönheit! Herr und Vater Jesus! mein Gott, mein Gott! sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig! nein, diese allerungeheuerste Schönheit auf eine längere Weile ansehen zu müssen, und dabei das Leben zu erhalten, das dürfte wohl kaum möglich sein. Nur diese unbeschreibbar sanftest weiche Zartheit, diese göttlichst herrliche Form ihres Angesichtes, dieser wallende Busen, dieser Arm! nein, Herr! Ich würde entweder todt, oder ein Narr, so ich diese zu allerungeheuerste Schönheit nur einige Sekunden noch anschauen müßte. Ah, ah! sie wird immer schöner und schöner! Wie aber ein Kado, und wie die zwei andern, als der Robert Uraniel und der Sahariel, die ihr doch gar so nahe gekommen sind, solch eine Nähe ohne Verlust ihres Lebens aushalten können, das ist mir ein ungeheures Räthsel. Wohl gehen den beiden Letztgenannten nahe die Augen vor lauter Glanz und Schönheit über, was da sehr begreiflich ist; aber wie der Kado es in ihrer größten Nähe auszuhalten vermag, das begreife, wer es begreifen kann; ich werde es sicher nie begreifen. Denn diese allerungeheuerste Schönheit müßte geradewegs vollends todte Statuen im Augenblicke beleben können. Bruder Bath.! Gehe, und suplire du mich nun eine Weile, denn ich kann es wahrlich nimmer aushalten."

02] Spr. der Bath.: „Mein Freund Miklosch, das kann wohl nicht ausgeführet werden; ich habe nun nur ein paar sicher sehr flüchtige Blicke hingeworfen, und bin deßhalb schon ganz schach- und matt; was würde aus mir erst dann werden, so ich mich ganz wohlbehaglich eine längere Weile in sie vergaffete? Ich bedanke mich, liebster Freund, für diesen deinen Antrag. Versehe du nur selbst diesen angenehmsten Dienst; ich werde das meinige mir schon aus deinen Worten nehmen."

03] Spr. der Miklosch weiter: „Nun gut, so werde ich ein reiner Narr. Und itzt, oh, oh, oh! Die Beiden machen gar Miene, als ob sie zu uns her sich begeben wollten. Nun, so das? da werde ich ganz bestimmt ein Narr! Aber, Gott! dir alles Lob! jetzt geben sich die beiden Engel dem Kado, und der Minerva zu erkennen, und der Kado, wie die Minerva scheinen gleichzeitig ganz verblüfft darüber zu sein, daß sie nun auf einmal, wie aus den Wolken gefallen, zwei ihnen ganz fremde Gesellschafter bekommen! Kado betrachtet die Beiden mit sehr forschenden Blicken vom Kopfe bis zur Zehe, und scheint sie fragen zu wollen, woher sie gekommen seien, ob von Oben, oder von Unten? aber aussprechen will er's noch nicht; aber in seiner höchst klassischen Miene scheint diese Frage unverkennbar zu liegen?! Bin nun höchst gespannt, was da herauskommen wird.

04] Aha, nun wischet sich der Kado mit der rechten Hand die Haare aus dem Gesichte, nimmt eine ganz famose Heldenstellung den Beiden gegenüber an, und sagt nun: »Woher seid ihr? was wollet ihr, und wer seid ihr? Pünklich genaueste und wahrste Antwort verlangt der Kado von euch. Verstehet aber wohl! Der Teufel Kado verlangt solches von euch!«

05] Tritt der Robert vor und spricht: »Wir Beide sind deine intimsten Freunde, sind von Oben, wie auch von Unten zugleich her; wir haben dich beobachtet und beschützet insgeheim, ansonst du diese Urkönigin aller Materie nicht so weit gebracht haben würdest; nun du aber sozusagen am Ende deines großen Werkes stehest, so kommen wir dir zu gratuliren, daß dir dieß schöne Werk so herrlich gelungen ist, daran die Mühe so vieler mächtiger Brüder gescheitert ist; solltest du dich in was immer, das da gut ist vor Gott, unseres Dienstes bedienen wollen, so stehen wir dir zu Gebote.«

06] Spricht Kado: »Für euren allfälligen Schutz, den ihr mir geheim geleistet zu haben vorgebet, danke ich euch, und so auch für eure Wache über mich; aber ich bekenne es euch Beiden auch ganz unverholen entgegen, daß es mir beiweitem lieber gewesen wäre, so ihr mich weder beschützet noch bewahret hättet. Denn mir genügt der Name und die Kraft des großen Einen; alles Andere ist bei mir eitel nichts; auch ihr Beide seid mir gleich einer Nulle! Einen weitern Dienst von euch kann ich von nun an nimmer in irgend einen Anspruch nehmen, da ich mir selbst zu genügen getraue. Ich ersuche euch darum, daß ihr euch alsogleich von mir entfernet, ansonst ich Gewalt gebrauchen müßte; denn diese meine heißgeliebteste Minerva ist noch lange nicht auf dem Punkte, fremde Gäste, die ein sehr schmarotzerisches Aussehen haben, zu ertragen. Wird sie einmal ganz vollendet sein, dann könnet ihr gleichwohl wieder kommen, und euch ihrer Wiedergenesung freuen. Aber nur keine weitere, weder offene und noch weniger geheime Hülfe mehr, denn das würde meine Mühe nur verzögern, und keineswegs verkürzen. Also, Gott befohlen, meine Freunde!«

07] Spricht die Minerva: »Freund Kado! da ich nun das urkönigliche Gewand anhabe, und somit alles erfüllet habe, was du von mir verlanget hast, so glaube ich hier wohl auch schon wirksam ein Wörtchen reden, und etwas frei begehren zu dürfen. Ich begehre sonach, daß diese beiden Weisen von Oben und Unten her hier verbleiben, und mir in so Manchem einen Dienst leisten können, so sie's wollen; kurz, ich will und begehre, daß hier ihrem Wunsche willfahret werde.«

08] Spricht Kado: »Nur das hat zu geschehen, was ich anordne; alles andere unterbleibt. Und muß ich dir nun nachgeben, so bist du von vornherein wieder auf wenigstens eine halbe Ewigkeit verloren samt mir. Denn vergesse du nur ja nicht, daß wir Beide Teufel sind, und eine andere Bahn zu gehen haben, um zur Vollendung zu gelangen, als die Engel Gottes, die schon in ihrer Art vollendet sind. Also, Freunde, thut mir sonach diese purste Freundschaft, und gehet! denn in eurer Gegenwart kann ich die Minerva nimmer weiter führen.« (Am 14. April 1850)

09] (Mikl.:) Spricht Robert: »Freund Kado! du kennst uns noch zu wenig, so du meinest, daß wir dir hinderlich sein könnten in Ausführung deines guten Planes mit der Minerva. Siehe, was du bisher geredet und gethan hast, das hast du durch uns gethan; denn Gott der Herr, dessen Name herrlich ist, überherrlich, hat uns eben dazu die gerechte und hinreichende Kraft und Macht ertheilt. Wärest du ganz allein vor dieser sogenannten Min. S. gestanden, da wärest du ihr auch schon lange als ein schnödestes Opfer gefallen. Wir waren es ja, die dir jegliches Wort in den Mund gelegt haben; wir haben deine Steine, die du als Waffe gebrauchtest, gesegnet und gekräftiget, und ließen die Feuerfluth nicht höher steigen, auf daß du auf diesem Hügel ein sicher's Asil finden sollest, und auch wirklich gefunden hast, während deine Feinde in den Wogen des Zornmeeres Gottes ihren erschrecklichsten Untergang fanden. Da sich aber all die Sachen also verhalten, und nicht anders verhalten können, wie sollen wir dir nun hinderlich sein können bei der fernern Fortführung deines Planes mit der nun schon sehr hold gewordenen Minerva? Förderlich, ja, das wollen und können wir dir sein bei deinem löblichsten und allen Himmeln gefälligsten Werke; aber dich irgend ableiten das Werk zu vollenden, das könnte uns auch in keinem Traume beifallen, so hier ein Traum möglich wäre. Sei du Kado daher ganz unbesorgt unsertwegen! wir werden dir sicher in etwas um so weniger hinderlich sein, da wir so ganz eigentlich selbst die Urheber davon sind.

10] Wir bleiben aber nun darum hier bei dir eine gerechte Weile, auf daß du nun wirklich frei aus dir selbst das Fernere thun wirst können, was zur Vollendung dieses Großwerkes vonnöthen ist; denn obschon wir dir auch nun mit Rath und That zu Diensten stehen werden, so wird aber unser Rath dennoch von nun an nicht mehr heimlich, sondern ganz offen, und eine That nur auf dein offenes Verlangen geschehen, auf daß du dadurch samt der Minerva wahrhaft frei werden kannst; denn du wirst ganz frei unsern Rath entweder annehmen können - oder denselben von dir weisen. Würden wir wie bisher, in dich heimlich einfließen, so könntest du nimmer frei und dadurch selig werden; denn in diesem Falle bist du blos nur ein Werkzeug in unseren Händen. Wir aber geben nun das Werkzeug frei, und machen es los von den Fesseln des Gerichtes, auf daß es dann wahrhaft frei wirke, und aus sich selbst etwas werde vor dem Herrn. Darum muß aber das an sich zwar sehr taugliche, aber durch sich bisher dennoch höchst schwache Werkzeug das erkennen, und darnach sich selbst bestimmen, so wird es denn auch in Kürze zur wahren und freien Vollendung gelangen, und nicht weiterhin in der genöthigten Knechtschaft verbleiben. Und also sei und verbleibe es, im Namen des Herrn Jesu, des einigen Gottes Himmels und aller Welten!«

11] Spricht Kado: »Wenn so, da freilich wohl bleibet ihr; denn ich muß frei handeln, und will selbst frei handeln, um frei zu werden von jeglichem Joche. Ob aber nun die Minerva, die ehedem für euer Hierbleiben sehr gestimmt war, auch noch so gestimmt sein und bleiben wird, das ist eine andere Frage.«

12] Spricht die Minerva: »Die Schritte, die ich nun vorwärts gemacht habe, die bleiben, und ich werde sicher keinen Rückgang mehr thun; aber diese beiden himmlischen Filus müssen mir aus den Augen, darum sie gegen mich nicht offen, sondern nur geheim und hinterlistig gehandelt haben. So sie hier verbleiben werden, werde ich keinen Schritt mehr vorwärts dir zu Gefallen thun.«

13] Spricht Robert: »Nicht so, nicht so, holdeste Minerva! So wir dir erweislich etwas Arges zugefüget haben, dann wollen wir auch sogleich gehen. Du aber mußt es selbst bekennen, daß wir dir dadurch nur etwas höchst Gutes erwiesen haben durch die Kraft Gottes, die in uns ist mächtig und thatkräftig, daß wir dich in soweit frei gemacht haben von den Fesseln der Hölle, und haben sie mehr und mehr verstummen gemacht in deinem Herzen, in dem ehedem der Grundkeim alles Uebels, und somit auch aller Hölle gelegen ist. Bedenke dieses ernstlich, und gedenke der schaudervollsten Zeiten Länge, durch die du der Qualen höchste freilich leider (sozusagen unglaublich) durch dein eigenes starrstes Wollen durchgelitten hast, und unsere für dein künftiges Wohl höchstbesorgte Gegenwart wird dir sicher nicht so unangenehm sein können, als wie du es dir nun einzubilden scheinst.«

14] Spricht Kado: »Ganz richtig, also denke! und es wird dann alles gut werden. Die Beiden müssen nun bleiben, weil ich's ihnen gebiete. Hast du auch gegen mein Gebot etwas einzuwenden?« - Spricht die Min. S.: »O ja, denn du gebietest, weil die Beiden dich dazu nöthigen.«

15] Spricht Kado: »Da irrst du dich sehr, ich lasse mich von Niemanden bei meinem freien Wissen und Wollen nöthigen. Bin ich aber dazu gerichtet, solches thun zu müssen, dann wirst du dich dem um so weniger widersetzen können, was da ausspricht mein gerichteter Wille, indem er da nicht mehr mein, sondern des allmächtigen Gottes ist. Und so denn bleibe es bei dem, was die Beiden ehedem selbst bestimmt, und ich nun geboten habe. Kein Jota darf daran geändert werden, verstehst du? Kein Jota!«

16] Spricht die Minerva: »Ja, ja, im Eigensinne bist du groß, und weißt die Sache also zu drehen, daß du dabei von deinem Ansehen, das du dir gewisserart erstohlen hast, ja nichts verlierest; nur ich, als der Erstling aller Kreatur, soll nun bei dir um ein Ansehen betteln. Aber sei es nun, wie ihm wolle, ich werde mich zwar äußerlich in dein Wollen fügen, wie bisher, weil ich zu schwach bin, dir einen wirksamen Kampf entgegen zu bieten; aber das Innere gehört mir, und das hat von nun an nichts als den alleinigen Fluch für dich, wie auch für diesen deinen Freundschaftsbund, Amen! Verstehst du dieses Amen?«

17] Spricht Kado: »O ja, so viel Verstand besitze ich gottlob; aber auch noch etwas mehr, gottlob! um wie viel mehr aber (?) brauche ich dir nicht zu sagen. Wird einmal nur dein Aeußeres recht durchgegerbet werden, dann wird sich auch dein Inneres dem zuwenden, was ich mit dir nach der unwandelbaren Gottesordnung will; und dazu sage auch ich ein unwandelbares Amen. Verstehst auch du, was ich mit diesem allerunwandelbarsten Amen sagen will, und gesagt habe?«

01] Miklosch in seinem Berichte fortfahrend: "Die Minerva zieht jetzt wirklich das Gewand an. - Sie ist nun auch schon angekleidet! - O Tausend, o Tausend! Ah, das ist stark! Nein, da ist es ja gar nimmer zum Aushalten! Aber diese ungeheure Schönheit! Herr und Vater Jesus! Mein Gott, mein Gott, sei mir armem Sünder gnädig und barmherzig! Nein, diese allerungeheuerste Schönheit auf eine längere Weile ansehen zu müssen und dabei das Leben zu erhalten, das dürfte wohl kaum möglich sein! Nur diese unbeschreibbar sanftest weiche Zartheit, diese göttlichst herrliche Form ihres Angesichts, dieser wallende Busen, dieser Arm! Nein, Herr, ich würde entweder tot oder ein Narr, so ich diese zu allerungeheuerste Schönheit nur einige Sekunden noch anschauen müßte! - Ah, ah, sie wird immer schöner und schöner? - Wie aber ein Cado und wie die zwei andern, der Robert-Uraniel und der Sahariel, die ihr doch gar so nahe gekommen sind, solch eine Nähe ohne verlust ihres Lebens aushalten können, das ist mir ein ungeheures Rätsel! Wohl gehen den beiden Letztgenannten nahezu die Augen vor lauter Glanz und Schönheit über, was da sehr begreiflich ist; aber wie der Cado es in ihrer größten Nähe auszuhalten vermag, das begreife, wer es kann! Ich werde es sicher nie begreifen. Denn diese allerungeheuerste Schönheit müßte geradewegs völlig tote Statuen im Augenblicke beleben können! - Bruder Bathianyi! Geh und ersetze du mich nun eine Weile! Denn ich kann es wahrlich nimmer aushalten!"

02] Spricht der Bathianyi: »Mein Freund Miklosch, das kann wohl nicht ausgeführt werden! Ich habe nur ein paar sehr flüchtige Blicke hingeworfen und bin deshalb schon ganz schachmatt. Was würde aus mir erst werden, so ich mich ganz wohlbehaglich eine längere Weile in sie vergaffete?! Ich bedanke mich, liebster Freund, für diesen deinen Antrag! Versehe du nur selbst diesen angenehmsten Dienst! Ich werde das weinige mir schon aus deinen Worten entnehmen.«

03] Spricht der Miklosch weiter: "Nun gut, so werde ich ein reiner Narr! - Und jetzt - oh, oh, oh! - Die beiden machen gar Miene, als ob sie sich zu uns her begeben wollten. Nun, so etwas! Da werde ich ganz bestimmt ein Narr! - Aber, Gott, Dir alles Lob! Jetzt geben sich die beiden Engel dem Cado und der Minerva zu erkennen, und der Cado wie die Minerva scheinen ganz verblüfft darüber zu sein, daß sie nun auf einmal, wie aus den Wolken gefallen, zwei ihnen ganz fremde Gesellschafter bekommen. Cado betrachtet die beiden mit sehr forschenden Blicken vom Kopf bis zur Zehe und scheint sie fragen zu wollen, woher sie gekommen seien, ob von oben oder von unten. Aussprechen will er es noch nicht, aber in seiner höchst klassischen Miene scheint diese Frage unverkennbar zu liegen. Bin nun höchst gespannt, was da herauskommen wird!

04] Aha, nun wischt sich der Cado mit der rechten Hand die Haare aus dem Gesicht, nimmt den beiden gegenüber eine ganz famose Heldenstellung an und sagt: »Woher seid ihr? Was wollt ihr und wer seid ihr? - Pünktlich genaueste und wahrste Antwort verlangt der Cado von euch! Verstehet aber wohl - der Teufel Cado verlangt solches von euch!«

05] Tritt der Robert vor und spricht: »Wir beide sind deine innigsten Freunde, sind von oben wie auch von unten zugleich her. Wir haben dich beobachtet und insgeheim beschützt, ansonst du diese Urkönigin aller Materie nicht so weit gebracht haben würdest. Nun du aber sozusagen am Ende deines großen Werkes stehst, so kommen wir, dich zu beglückwünschen, daß dir dies schöne Werk so herrlich gelungen ist, woran die Mühe so vieler mächtiger Brüder scheiterte. Solltest du dich in irgend etwas, das da gut ist vor Gott, unseres Dienstes bedienen wollen, so stehen wir dir zu Gebote!«

06] Spricht Cado: »Für euren allfälligen Schutz, den ihr mir geheim geleistet zu haben vorgebt, danke ich euch und so auch für eure Wache über mich! Aber ich bekenne es euch beiden auch ganz unverholen, daß es mir bei weitem lieber gewesen wäre, so ihr mich weder beschützt noch bewahrt hättet. Denn mir genügt der Name und die Kraft des großen Einen. Alles andere ist bei mir eitel nichts. Auch ihr beide seid mir gleich einer Null! Einen weitern Dienst von euch kann ich von nun an nimmer in irgendeinen Anspruch nehmen, da ich mir selbst zu genügen getraue. Ich ersuche euch darum, daß ihr euch alsogleich von mir entfernet, ansonst ich Gewalt gebrauchen müßte. Denn diese meine heißgeliebteste Minerva ist noch lange nicht auf dem Punkte, fremde Gäste, die ein sehr schmarotzerisches Aussehen haben, zu ertragen. Wird sie einmal ganz vollendet sein, dann könnet ihr gleichwohl wiederkommen und euch ihrer Wiedergenesung freuen! Aber nur keine weitere, weder offene und noch weniger geheime Hilfe mehr! Denn das würde meine Mühe nur verzögern und keineswegs verkürzen. - Also, Gott befohlen, meine Freunde!«

07] Spricht die Minerva: »Freund Cado, da ich nun das urkönigliche Gewand anhabe und somit alles erfüllt habe, was du von mir verlangt hast, so glaube ich hier wohl auch schon wirksam eim Wörtchen reden und frei etwas begehren zu dürfen. - Ich begehre sonach, daß diese beiden Weisen von ,oben und unten' her, hier verbleiben und mir in so manchem einen Dienst leisten können, so sie's wollen! Kurz, ich will und begehre, daß hier ihrem Wunsche willfahret werde!«

08] Spricht Cado: »Nur das hat zu geschehen, was ich anordne! Alles andere unterbleibt! - Muß ich dir nun nachgeben, so bist du von vornherein wieder auf wenigstens eine halbe Ewigkeit verloren samt mir. Denn vergesse du nur ja nicht, daß wir beide - Teufel sind und eine andere Bahn zu gehen haben, um zur Vollendung zu gelangen, als die Engel Gottes, die schon in ihrer Art vollendet sind. Also, Freunde, tut mir sonach diese reinste Freundschaft und gehet! Denn in eurer Gegenwart kann ich die Minerva nimmer weiter führen!«

09] Spricht Robert: »Freund Cado! Du kennst uns noch zu wenig, so du meinst, daß wir dir hinderlich sein könnten in Ausführung deines guten Planes mit der Minerva. Siehe, was du bisher geredet und getan hast, das hast du durch uns getan! Denn Gott der Herr, dessen Name herrlich ist, überherrlich, hat uns eben dazu die gerechte und hinreichende Kraft und Macht erteilt. Wärest du ganz allein vor dieser sogenannten Minerva gestanden, da wärest du ihr auch schon lange als ein schnödestes Opfer gefallen. Wir waren es ja, die dir jegliches Wort in den Mund gelegt haben. Wir haben deine Steine, die du als Waffe gebrauchtest, gesegnet und gekräftigt und ließen die Feuerflut nicht höher steigen, auf das du aus diesem Hügel eine sichere Zuflucht finden solltest und auch wirklich gefunden hast, während deine Feinde in den Wogen des Zornmeeres Gottes ihren erschreilichen Untergang fanden. - Da sich aber all die Sachen also vehalten und nicht anders verhalten können, wie sollen wir dir nun hinderlich sein können bei der ferneren Fortführung deines Planes mit der nun schon sehr hold gewordenen Minerva?! Förderlich ja, das wollen und können wir dir sein bei deinem löblichen und allen Himmeln gefälligen Werke. Aber dich irgend abhalten, das Werk zu vollenden, das könnte uns auch in keinem Traume beifallen, so hier ein Traum möglich wäre. Sei du, Cado, daher ganz unbesorgt unsertwegen! Wir werden dir sicher um so weniger in etwas hinderlich sein, da wir so ganz eigentlich selbst die Urheber deines Unternehmens sind.


10] Wir bleiben darum nun aber hier eine gerechte Weile bei dir, auf daß du nun wirklich frei aus dir selbst das Fernere wirst tun können, was zur Vollendung dieses Großwerkes vonnöten ist. Denn obschon wir dir auch jetzt mit Rat und Tat zu Diensten stehen werden, so wird aber unser Rat dennoch von jetzt an nicht mehr heimlich, sondern ganz offen erfolgen und eine Tat nur auf dein offenes Verlangen geschehen - auf daß du dadurch samt der Minerva wahrhaft frei werden kannst. Denn du wirst ganz frei unsern Rat entweder annehmen oder denselben von dir weisen können. Würden wir, wie bisher, in dich heimlich einfließen, so könntest du nimmer frei und dadurch selig werden. Denn in diesem Falle bist du bloß nur ein Werkzeug in unseren Händen. Wir aber geben nun das Werkzeug frei und machen es los von den Fesseln des Gerichtes, auf daß es dann wahrhaft frei wirke und aus sich selbst etwas werde vor dem Herrn! Darum muß aber das an sich zwar sehr taugliche aber in sich selbst bisher dennoch höchst schwache Werkzeug das erkennen und darnach sich selbst bestimmen - so wird es denn auch in Kürze zur wahren und freien Vollendung gelangen und nicht weiterhin in der genötigten Knechtschaft verbleiben. Und also sei und verbleibe es im Namen des Herrn Jesu, des einigen Gottes Himmels und aller Welten!«

11] Spricht Cado: »Wenn so, dann blibet ihr freilich wohl hier! Denn ich muß und will selbst frei handeln, um frei zu werden von jeglichem Joche! - Ob aber nun die Minerva, die ehedem für euer Hierbleiben sehr gestimmt war, auch noch so gestinmt sein und bleiben wird, das ist eine andere Frage.«

12] Spricht die Minerva: »Die Schritte, die ich nun vorwärts gemacht habe, die bleiben, und ich werde sicher keinen Rückgang mehr tun! Aber diese beiden himmlischen Gauner müssen mir aus den Augen, da sie gegen mich nicht offen, sondern nur geheim und hinterlistig gehandelt haben! - So sie hier verbleiben, werde ich keinen Schritt mehr dir zu Gefallen vorwärts tun!«

13] Spricht Robert: »Nicht so, nicht so, holdeste Minerva! So wir dir erweislich etwas Arges zugefügt haben, dann wollen wir auch sogleich gehen. Du aber mußt es selbst bekennen, daß wir dir dadurch nur etwas höchst Gutes erwiesen haben durch die Kraft Gottes, die in uns mächtig und tatkräftig ist. (Und du solltest dankbar einsehen), daß wir dich somit freigemacht haben von den Fesseln der Hölle und sie mehr und mehr haben verstummen gemacht in deinem Herzen, in dem ehedem der Grundkeim alles Übels und somit auch aller Hölle gelegen ist. Bedenke dieses ernstlich und gedenke der schaudervollen Zeitenlänge, in welcher du der Qualen höchste - leider freilich unglaublicherweise durch dein eigenes, starrstes Wollen - durchgelitten hast - und unsere für dein künftiges wohl höchstbesorgte Gegenwart wird dir sicher nicht so unangenehm sein können, wie du es dir nun einzubilden scheinst.«

14] Spricht Cado zur Minerva: »Ganz richtig! Also denke und es wird dann alles gut werden! Die beiden müssen nun bleiben, weil ich's ihnen gebiete. - Hast du auch gegen mein Gebot etwas einzuwenden?« - Spricht die Minerva: »O ja, denn du gebietest, weil die beiden dich dazu nötigen!«

15] Spricht Cado: »Da irrst du dich sehr, ich lasse mich von niemanden bei meinem freien Wissen und Wollen nötigen. Bin ich aber dazu gerichtet, solches tun zu müssen, dann wirst du dich dem um so weniger widersetzen können, was da ausspricht mein gerichteter Wille, indem er da nicht mehr mein, sondern des allmächtigen Gottes ist, und so denn bleibe es bei dem, was die beiden selbst bestimmt und ich nun geboten habe! Kein Jota darf daran gändert werden, verstehst du?! Kein Jota!«

16] Spricht die Minerva: »Ja, ia, im Eigensinne bist du groß und weißt die Sache also zu drehen, daß du dabei von deinem Ansehen, das du dir gewisserart erstohlen hast, ja nichts verlierst. Nur ich, als der Erstling aller Kreatur, soll nun bei dir um ein Ansehen betteln! - Aber sei es nun, wie ihm wolle, ich werde mich zwar äußerlich in dein Wollen fügen, wie bisher, weil ich zu schwach bin, dir einen wirksamen Kampf entgegen zu bieten. Aber das Innere gehört mir, und das hat von nun an nichts als den alleinigen Fluch für dich wie auch für diesen deinen Freundschaftsbund, Amen! - Verstehst du dieses Amen?!«

17] Spricht Cado: »O ja, so viel Verstand besitze ich gottlob! Aber auch noch etwas mehr, gottlob! - Um wieviel mehr aber, brauche ich dir nicht zu sagen. Wird nur einmal dein Äußeres recht durchgegerbt werden, dann wird sich auch dein Inneres dem zuwenden, was ich mit dir nach der unwandelbaren Gottesordnung will. Und dazu sage auch ich ein unwandelbares Amen! Verstehst auch du, was ich mit diesem allerunwandelbarsten Amen sagen will und gesagt habe!?«

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