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Kapitelinhalt 167. Kapitel: Cados höllischer Trotz. Vermessener Umsturzplan des Häuptlings. Der eigentliche Höllenschlund tut sich auf.

Originaltext 1. Auflage 1898 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text nach 2. Auflage 1929 Lorber-Verlag

01] Kado schüttelt abermal den Kopf, und sagt: „„Freund! das ist noch alles eine Rechnung ohne Wirth, und die Pläne sind eitel; ich bin zwar der Gottheit entschieden Feind, aber nicht ihrer Schwäche, sondern ihrer nur zu ungeheuren Macht wegen. (Am 13. Febr. 1850) Ich versichere dich, es ist mein vollkommen freier Wille, entweder hier im Orte der Qualen zu verbleiben, oder umzukehren und Besitz zu nehmen von allen möglichen Freuden eines himmlischen Lebens; aber ich ziehe es dennoch vor, hier zu verbleiben, weil ich der Gottheit endloseste und ewige Macht nur zu gut kenne; wäre die Gottheit nur um einen Grad schwächer und besiegbarer als sie ist, da hielte ich's sogleich mit ihr, und würde sie vertheidigen gegen jeden Angriff; aber da sie eben so unendlich mächtig und unbesiegbar ist, so bin ich ihr entschiedenster Feind. Ich weiß es, daß meine Feindschaft gegen die allmächtige Gottheit eine barste Thorheit ist, und sie mich vernichten kann jeden Augenblick; aber so lange ich einen freien Willen habe, will ich ihr den entschiedensten Trotz bieten, blos um ihr zu zeigen, daß sie mit aller ihrer Allmacht und Weisheit mit mir dennoch nichts richten kann, so lange sie mich in der gegenwärtigen Willens-Freiheit beläßt. Es ist für einen Helden wahrlich der größte Hochgenuß, als ein Atom gegen die endloseste Größe Gottes sich derart zu stemmen, daß sie nichts dagegen auszurichten vermag. Ich werde daher auch nie ihre irgend eingebildeten chimärischen Schwächen, sondern nur vor allem ihre unendlichste Kraft aufzusuchen und zu erforschen bemühet sein; und je mehr Kraft und Stärke ich in ihr entdecken werde, desto unbeugsamer werde ich mich ihr gegenüber gebärden. Siehe, das ist mein Sinn, der sich für einen Helden ziemt; aber dein die Gottheit entthronen wollender Plan gehört offenbar zu den größten Lächerlichkeiten, und ist ewig unausführbar. Meinst denn du, daß die wirkliche Gottheit eine persische oder chinesische Pagode ist, die Jedermann vom Throne oder Altare herabreißen, und ins Feuer oder in den Koth werfen kann. Da irrst du dich ganz verdammt gewaltig! Die Gottheit ist das unendlichste Wesen in jeder Hinsicht; daher gebe du deinen lächerlichen Plan auf, und thue, was ich thue, so wirst du dadurch in dir selbst einen Hochgenuß haben, darin und dadurch, daß du dir durch dein Bewußtsein selbst das Zeugniß geben kannst, der höchsten Gottesmacht mit deiner barsten Nullkraft dennoch einen härtesten Trotz bieten zu können."

02] Spricht der Prinzipal: „O du dummer Esel! meinst denn du, daß du bist, wie du bist, aus dir selbst heraus? Sieh, du bist ja also gerichtet, und kannst nimmer anders wollen, als wie du nun vor mir dich dumm genug ausgesprochen hast; und du meinst dadurch der Gottheit zu trotzen, so du bist, wie sie will, und nicht wie du willst. Komme mit mir, so du frei werden willst! So lange irgend ein Wesen Gesetze und sanktionierte Fesseln binden, ist es nicht frei, sondern ein Sklave einer höhern Macht; und so lange die Gottheit unserem Wirken fortwährend unübersteigliche Grenzen setzt, sind wir die elendesten Sklaven, und von einer Freiheit kann bei uns so lange keine Rede sein, so lange wir aus unserer eigenen Macht das harte Joch der Gottheit nicht vollends von uns zu weisen im Stande sein werden; können wir aber der Gottheit trotzen, und muß die Gottheit diese Schmach erdulden, und kann's nicht ändern, so ist das ja doch sicher ein Zeichen, daß sie schwach ist; ist sie aber in einem schwach, so wird sie auch in vielem Andern schwach, und vielleicht noch schwächer sein; daher ist es an uns, alle ihre schwachen Seiten sorglichst auszukundschaften, und sie dann bei diesen mit aller unserer Uebermacht anzugreifen und gänzlich zu verderben."

03] (Der Frzsk. Cipr. für sich:) „O du ganz verzweifelter Lump, was der für löbliche Ideen hat, schau, schau! also: hinc illae lacrimae! Ich habe immer noch gemeint, daß die höllischen Geister in ihrer fürchterlichsten Qual eine ewig vergebliche brennendste Reue über ihre begangenen großen Sünden fühlen müssen, ohne dadurch je an eine Erlösung eine allerleiseste Hoffnung haben zu dürfen; aber so ist die Sache ganz anders; sie wollen das alles selbst, blos um Dir, o Herr, einen allerhartnackigsten Trotz bieten zu können; - ah da sieh' einmal Jemand solch eine niederträchtigste Lumperei an; die Kerle haben nur eine Freude über ihre grenzenlose Verstocktheit! ah das ist wahrlich nicht übel! Aber Herr! solchen Lumpen, wie die Beiden dort sind, möchte ich an Deiner Stelle denn doch ein Bischen ihre Freude versalzen, so daß sie es über alle Maßen empfinden sollen, wozu ihre Freude gut ist! O ihr Hauptlumpen ihr! nein, wartet, wartet; dieser seltene Freuden-Becher solle euch mit einer Galle gefüllet werden, an der ihr für ewig hinreichend sollet zu lecken haben."

04] Sage Ich: „Mein lieber Ciprian; diese Erscheinung mußt du ganz leidenschaftslos beobachten können, sonst füllst du dein eigen Herz mit demselben Stoffe, mit welchem der beiden höllischen Geister Herz erfüllet ist; denn Drohung, Rache und Krieg sind Tugenden der Hölle, wie sie sich dir soeben zur Schau stellen. Siehe nur hin, wie soeben eine Horde gleich glühenden Drachen aus einer mächtig qualmenden Höhle zum Vorscheine kommt, und unsere beiden armenischen Räuberhäuptlinge umstellet und begrüßet, und sie belobet ob ihrer gut höllischen Gesinnung, und die Beiden sich nun auch in eine ganz gut ausgebildete Drachengestalt zu umwandeln beginnen, was so viel sagen will, daß sie nun vollends in's echte Höllische übergehen, da sich dasselbe nach ihrem gegenseitigen Gespräche zu urtheilen nun vollends ausgebildet hat.

05] Ich sage dir's, es bleibt diesen Geistern nichts geschenket; jedes Lästerwort wird zu einem glühenden Steine auf ihrem Haupte, und sie werden bei solch einer Last schon inne nach und nach, ob sie stärker seien als die Gottheit, und ob sie fähig seien, ihre argen Pläne gegen Mich je in eine Ausführung zu bringen. Denke du dir's nur stets also: Gott ist durchgehends die purste Liebe, und aus solcher Lieb« die höchste Weisheit, Ordnung und Macht; alles das, und mag es dir noch so arg und schrecklich vorkommen, ist Meine Liebe, Weisheit und Ordnung, und es muß alles also geschehen, damit alles bestehe, und nichts verloren gehe.

06] Die eigentliche Höllenqual wird erst jetzt ihren Anfang nehmen; denn das frühere war nur so eine Art Vorstellung. Du siehst nun auch die ehedem vom Kado zerrissenen Quälgeister sich wieder ergänzen und zusammengreifen, nur nicht in einer Mensch ähnlichen, sondern in einer Schlangengestalt; passe nun nur recht auf, und du wirst sogleich der eigentlichen Hetze ansichtig werden. Aber du Helena darfst nun nicht mehr hinsehen, weil das für dich zu arg wäre. Aber ihr Andern sehet nur Alle hin, und du Ciprian kannst auch flüchtig erzählen nebenher, was du siehst und sehen wirst."

01] Cyprian berichtet weiter: "Cado schüttelt abermals den Kopf und sagt: »Freund, das ist noch alles eine Rechnung ohne den Wirt, und die Pläne sind eitel! Ich bin zwar der Gottheit entschiedener Feind, aber nicht ihrer Schwäche, sondern ihrer nur zu ungeheuren Macht wegen. Ich versichere dich, es ist mein vollkommen freier Wille, entweder hier im Orte der Qualen zu verbleiben oder umzukehren und Besitz zu nehmen an allen möglichen Freuden eines himmlischen Lebens. Aber ich ziehe es dennoch vor, hier zu verbleiben, weil ich der Gottheit endlose und ewige Macht nur zu gut kenne. Wäre die Gottheit nur um einen Grad schwächer und besiegbarer als sie ist, da hielte ich's sogleich mit ihr und würde sie verteidigen gegen jeden Angriff. Aber eben da sie so unendlich mächtig und unbesiegbar ist, so bin ich ihr entschiedenster Feind. Ich weiß, daß meine Feindschaft gegen die allmächtige Gottheit eine barste Torheit ist und sie mich jeden Augenblick vernichten kann; aber solange ich einen freien Willen habe, will ich ihr den entschiedensten Trotz bieten, bloß um ihr zu zeigen, daß sie mit aller ihrer Allmacht und Weisheit mit mir dennoch nichts richten kann, solange sie mich in der gegenwärtigen Willensfreiheit beläßt. Es ist für einen Helden wahrlich der größte Hochgenuß, als ein Atom gegen die endlose Größe Gottes sich derart zu stemmen, daß sie nichts dagegen auszurichten vermag! Ich werde daher auch nie ihre (fälschlich) eingebildeten chimärischen (sagenhaft, erdichteten) Schwächen, sondern vor allem nur ihre unendliche Kraft aufzusuchen und zu erforschen bemüht sein. Und je mehr Kraft und Stärke ich in ihr entdecken werde, desto unbeugsamer werde ich mich ihr gegenüber gebärden. Siehe, das ist mein Sinn, der sich für einen Helden ziemt! Aber dein die Gottheit entthronen wollender Plan gehört offenbar zu den größten Lächerlichkeiten und ist ewig unausführbar. Meinst denn du, daß die wirkliche Gottheit eine persische oder chinesische Pagode (Götzenbild) ist, die jedermann vom Throne oder Altare herabreißen und ins Feuer oder in den Kot werfen kann!? Da irrst du dich ganz verdammt gewaltig! Die Gottheit ist das unendlichste Wesen in jeder Hinsicht! Daher gebe du deinen lächerlichen Plan auf und tue, was ich tue, so wirst du dadurch in dir selbst einen Hochgenuß haben darin und dadurch, daß du dir durch dein Bewußtsein selbst das Zeugnis geben kannst, der höchsten Gottesmacht mit deiner barsten Nullkraft dennoch einen härtesten Trotz bieten zu können!«

02] Spricht der Häuptling: »O du dummer Esel! Meinst denn du, daß du aus dir selbst heraus bist, wie du bist? Sieh, du bist ja also gerichtet und kannst nimmer anders wollen, als wie du nu¤ vor mir dich dumm genug ausgesprochen hast! Und du meinst dadurch der Gottheit zu trotzen, so du bist, wie sie will, und nicht, wie du willst! Komme mit mir, so du frei werden willst! - Solange irgend Gesetze und sanktionierte Fesseln ein Wesen binden, ist es nicht frei, sondern ein Sklave einer höhern Macht! Und solange die Gottheit unserem Wirken fortwährend unübersteigliche Grenzen setzt, sind wir die elendsten Sklaven, und von einer Freiheit kann bei uns so lange keine Rede sein, als wir aus unserer eigenen Macht das harte Joch der Gottheit nicht völlig von uns zu weisen imstande sein werden. Können wir aber der Gottheit trotzen, und muß die Gottheit diese Schmach erdulden und kann's nicht ändern, so ist das ja doch sicher ein Zeichen, daß sie schwach ist. Ist sie aber in einem schwach, so wird sie auch in vielem andern schwach und vielleicht noch schwächer sein! Daher ist es an uns, alle ihre schwachen Seiten sorglichst auszukundschaften und sie dann bei diesen mit aller unserer Übermacht anzugreifen und gänzlich zu verderben.«~"

03] Der Franziskaner Cyprian für sich: "O du ganz verzweifelter Lump! Was der für löbliche Ideen hat! Schau, schau! Also: "hinc lacrimae (darum jene Tränen)! - Ich habe immer noch gemeint, daß die höllischen Geister in ihrer fürchterlichsten Qual eine ewig vergebliche, brennendste Reue über ihre begangenen großen Sünden fühlen müssen, ohne dadurch je eine allerleiseste Hoffnung auf Erlösung haben zu dürfen. Aber so (wie ich sehe) ist die Sache ganz anders! Sie wollen das alles selbst, bloß um Dir, o Herr, einen allerhartnäckigsten Trotz bieten zu können! - Ah da sieh einmal jemand solch eine niederträchtigste Lumperei an! Die Kerle haben nur eine Freude über ihre grenzenlose Verstocktheit! Ah das ist wahrlich nicht übel! Aber Herr, solchen Lumpen, wie die beiden dort sind, möchte ich an Deiner Stelle denn doch ein bißchen ihre Freude versalzen, so daß sie es über alle Maßen empfinden sollen, wozu ihre Freude gut ist! - O ihr Hauptlumpen ihr! Nein, wartet, wartet! Dieser seltene Freudenbecher soll euch mit einer Galle gefüllt werden, an der ihr für ewig hinreichend sollet zu lecken haben!"

04] Sage Ich: "Mein lieber Cyprian! Diese Erscheinung mußt du ganz leidenschaftslos beobachten können, sonst füllst du dem eigen Herz mit demselben Stoffe, mit welchem der beiden höllischen Geister Herz erfüllt ist. Denn Drohung, Rache und Krieg sind Eigentümlichkeiten der Hölle, wie sie sich dir soeben zur Schau stellen! Siehe nur hin, wie soeben eine Horde gleich glühenden Drachen aus einer mächtig qualmenden Höhle zum Vorscheine kommt und unsere beiden armenischen Räuberhäuptlinge umstellt, begrüßt und sie belobt ob ihrer gut höllischen Gesinnung und wie die beiden sich nun auch in eine ganz gut ausgebildete Drachengestalt umzuwandeln beginnen, was so viel sagen will, daß sie nun vollends ins echt Höllische übergehen, da sich dasselbe, nach ihrem gegenseitigen Gespräche zu urteilen, in ihnen nun völlig ausgebildet hat.

05] Ich sage dir, es bleibt diesen Geistern nichts geschenkt! Jedes Lästerwort wird zu einem glühenden Stein auf ihrem Haupte. Und sie werden bei solch einer Last schon nach und nach inne, ob sie stärker seien als die Gottheit, und ob sie fähig seien, ihre argen Pläne gegen Mich je in Ausführung zu bringen! Denke du dir (die Sache) nur stets also: Gott ist durchgehends die reinste Liebe, und aus solcher Liebe die höchste Weisheit, Ordnung und Macht. Alles das, und mag es dir noch so arg und schrecklich vorkommen, ist Meine Liebe, Weisheit und Ordnung, und es muß alles so geschehen, damit alles bestehe und nichts verlorengehe!

06] Die eigentliche Höllenqual wird (für diese Geister) erst jetzt ihren Anfang nehmen; denn das frühere war nur so eine Art Einleitung! - Du siehst nun auch die ehedem von Cado zerrissenen Quälgeister sich wieder ergänzen und zusammengreifen nur nicht in einer menschenähnlichen, sondern in einer Schlangengestalt! - Passe jetzt nur recht auf und du wirst sogleich der eigentlichen Hetze ansichtig werden! Aber du, Helena, darfst nun nicht mehr hinsehen, weil das für dich zu arg wäre! - Ihr andern aber sehet nur alle hin! Und du Cyprian kannst auch flüchtig nebenher erzählen, was du siehst und sehen wirst!"

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