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Kapitelinhalt 114. Kapitel: Brunos durch Jesus inspirierte Antwort. Ein Beweis der Göttlichkeit der Lehre Jesu ist ihre unerschöpfliche Fülle und Mannigfaltigkeit. Vergleich mit menschlichen Lehren. (Am 25. Aug. 1849)

Originaltext 1. Auflage 1898 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text nach 2. Aufl. 1929 Lorber-Verlag

01] Nach dieser ziemlich klar gefaßten Rede unseres Gröblings wendet sich der Bruno an Mich, und bittet Mich um eine rechte Erleuchtung, damit er einen wirksamsten Gegensatz auf diese Rede dem Redner und dessen Genossen in einer wohlgeordneten Rede entgegenstellen könne.

02] Ich aber sage, und bedeute ihm: „Rede, und sorge dich nicht um die Worte; auf deiner eigenen Zunge wirst du die rechte Entgegnung finden."

03] Auf diese Meine Zusicherung wendet sich der Bruno wieder an den Redner, und sagt: „Freund, so du eine rechte Geduld mit wahrer Aufmerksamkeit verbunden besitzest, so will ich deiner Aufforderung bereitwilligst entgegenkommen". Spricht der Gröbling: „Nur zu! an der rechten mit aller Aufmerksamkeit verbundenen Geduld solle es weder mir, noch jemand anderem aus dieser Gesellschaft fehlen. Aber nur nicht übers Alter Christi hinaus darfst du deine Rede dehnen!"

04] Spricht Bruno: „Ganz wohl, liebe Freunde, meine Rede soll ganz kurz und gut sein, und so vernehmet mich:

05] „Alle zeitlichen Gaben der Gottheit an die Menschen sind so gegeben und gestellet, daß der unvollendete Mensch mit seinem Naturverstande, der die Gaben durchaus nicht zu würdigen versteht, an ihnen stets etwas zu tadeln hat. Dem Einen scheint die Sonne im Sommer zu heiß; ihm wäre ein ewiger Frühling lieber; wieder einem Andern ist der Winter ganz entsetzlich lästig; ein ewiger Sommer wäre ihm denn doch bei weitem lieber; ein Dritter schimpft sogar über den Mond, darum dieser nicht stets im Volllichte bleibet; Einem ist das menschliche Leben zu kurz, dem Andern oft so langweilig, ja und bis zur Verzweiflung langweilig, daß er sich selbst dasselbe gewaltthätig abkürzt. Wieder will Einer, daß die ganze Erde (meerlos) ein fruchtbarer fester Boden wäre, während ein Engländer das Meer noch beiweitem ausgedehnter haben möchte, als es an und für sich ohnehin ist. So wollen Einige lauter Aecker, Andere lauter Wiesen, wieder Andere lauter Gärten; noch Andere lauter Städte und Festungen, und so tausend verschiedene Dinge; ja ich habe kaum je zwei Menschen kennen gelernt, die ganz auf ein Haar ein und dasselbe wolleten!

06] Also können die Menschen aus eben dem mit allen göttlichen Gaben unzufriedenen Grunde auch diese Gaben nicht lassen, wie sie gegeben sind, sondern sie umwandeln dieselben stets nach ihrem Belieben, und nach ihren irdischen Bedürfnissen; die Thiere werden gefangen, abgerichtet, geschlachtet, und ihr Fleisch unter allerlei Zurichtungen verspeiset; die Bäume und Pflanzen, deren Früchte den Menschen Nahrung geben, werden auf bestimmten Aeckern nur gezogen, so wie der Weinstock auf eigens dazu bestimmten Plätzen. Vom Schöpfer aus müßte eigentlich alles wie Kraut und Rüben untereinander wachsen; aber mit dieser Ordnung ist der Mensch nicht zufrieden, und macht ihm selbst eine bessere; also wäre von Natur aus angezeigt, daß die Menschen nackt herumwandeln sollen, und Sommers und Winters unter freiem Himmel, oder in zufälligen Höhlen und Grotten kampiren! Allein sie sind mit dieser ihre feine Haut etwas zu sehr kitzelnden Bescherung durchaus nicht zufrieden, und machen sich deßhalb zweckmäßige, ja mitunter sogar sehr luxuriöse Kleider, mit denen sie ihre Haut bedecken, und bauen sich aus demselben Grunde allerlei Häuser und Wohnungen, und thun sich in selben gütlich!

07] Warum pfuschen denn die Menschen da in die erhabene Gottesschöpfung hinein? und zeigen dadurch der Gottheit tatsächlich, daß sie mit der ersten vom Schöpfer gestellten Ordnung durchaus nicht zufrieden sind? Ein Glück für die Gestirne des Himmels, daß sie von menschlichen Händen nicht können erreicht werden, sonst hätten sie schon lange eine andere Ordnung erhalten. Was läßt der Mensch wohl unangetastet, das er mit seinen Sinnen, und besonders, das er mit seinen Händen erreichen kann? Ich sage dir, nichts! sogar den Himmel nicht; - denn der Eine malt sich ihn so, und ein Anderer anders; sollen aber alle die von Gott erschaffenen Dinge auf der Erde darum nicht von Gott erschaffen worden sein, weil die ungenügsamen Menschen ihre Hände an selbe gelegt haben, und manche sogar ganz umstaltet? - Freund! beantworte mir vorerst diese Frage; sodann wollen wir von der Gotteslehre sehr vernünftig und weise weiter miteinander reden!"

08] Spricht der Redner: „No, no, die Sache läßt sich hören! wie ich nun so ganz leise zu verspüren anfange, so dürfte es dir, so du dir konsequent verbleibst, wohl gelingen, uns auch die Gottheit Christi begreiflich zu machen. Fahre aber nur weiter fort, denn es ist wahrlich sehr interessant, dich in dieser Art reden zu hören!"

09] Spricht Bruno weiter: „Gut, so ihr das von mir Gesagte einsehet, so will ich denn - im Namen des Herrn - weiter die Sache Gottes vor euren Augen und Ohren kund thun, und so höret!

10] Mit der Lehre Gottes (Bibel) ganz kurz gesagt, verhält es sich gerade also, wie mit der andern Schöpfung; sie ist vor den Augen des eigentlichen Weltverstandes eine höchst unordentlich aussehende Dummheit; der Weltverstand sucht da vergeblich irgend eine feste Ordnung, die er eine natürliche Logik nennt; - wunderliche Thaten und moralische Lehren in zumeist mystischen Bilderleins sind nahe so wie Kraut und Rüben untereinander gemengt; hier liest man ein Wundermärchen, dort einen Verweis; auf einer andern Seite eine an und für sich zwar auserlesenste Moral; aber sie hängt mit den andern Erzählungen, Gleichnissen und Begebnissen für den Weltverstand oft noch weniger zusammen, als die ordnungsloseste Flora einer gut gedüngten Bauernwiese, auf der ein Botaniker die heterogensten Muster für sein Herbarium beisammen findet. Das aber widerspricht der göttlichen Ordnung in der Gotteslehre an die Menschen dennoch nicht im geringsten, sondern bestätigt dieselbe vielmehr; denn eben dadurch zwingt die Gottheit die träge Natur der Menschen zum fortwährenden Denken und verschiedenartigen Suchen, in dem sich ordentlich zurecht zu finden, was ihr im Anfange, und in der Aeußerlichkeit der Gotteslehre gar so unordentlich und wie zufällig ohne alle Logik hingeworfen vorkommt.

11] Was wohl würdet ihr von der Gottheit halten, wenn sie z. B. auf der Erde die Sache so eingerichtet hätte, daß auf deren Boden nur auf bestimmten ganz mathematisch scharf abgemarkten symetrisch gleich großen Plätzen nur eine bestimmte Fruchtgattung, auf andern wieder eine andere Fruchtsorte fortkäme; würde aber dann ein Hausvater eine andere Fruchtgattung, die besser und ergiebiger wäre, auf einer solchen Fläche ansäen, und darauf nichts ernten, wie sähe es dann mit seinem Haushalte aus?

12] Daher hat der endlos weise Schöpfer der Welten, Pflanzen, Thiere und Menschen nur dort eine unwandelbare feste Ordnung gestellet, wo sie nothwendig ist, und heilbringend den Menschen; aber Dinge, mit denen sich der freie menschliche Geist zu beschäftigen hat, sind von Gott darum ganz bunt durcheinander geschleudert, damit an ihnen der Geist die beste Gelegenheit finden möge, sich im Fleiße zur Erreichung gewisser geordneter Vortheile zu üben, um dadurch jene Fertigkeit und andauernde Kraft sich eigen zu machen, die hier in dieser reinen Geisterwelt die eigentliche freie liebthätige ewige Existenz bedingt!

13] Also ist aber auch die Gotteslehre, wie schon früher bemerkt, so gegeben und gestellet, daß aus ihr wie aus dem Erdboden jeder Geist seine ihm zusagende Nahrung gleich einer Pflanze saugen, sich ernähren, wachsen und zur Vollendung gelangen kann.

14] Wie auf dem Erdboden zwei verschiedene Pflanzen recht gut fortkommen, und ihre Reife erlangen können, ebenso können auch aus derselben Gotteslehre zwei und mehrere konfessionell noch so verschiedengestellte Geister ganz ungehindert ihre geistige Vollendung erlangen, wenn sie ihrer Konfession nur treu und gewissenhaft folgen.

15] Daß aber keine Lehre auf der ganzen Welt, wie eben die Gotteslehre Jesu Christi eine solche Menge Kultusarten zuläßt, das ist hauptsächlich ein großer Beweis für die Göttlichkeit dieser Lehre, und ebenso für die ihres erhabensten Verkünders und Stifters. Wäre diese Lehre ein Menschenwerk, so wie etwa ein aus Wachs oder Holz nachgebildeter Baum oder Strauch, so könnte auch Niemand aus ihr irgend einen Zweig weiter verpflanzen; und thäte das Jemand, so wäre er höchstens als ein Narr auszulachen. Da aber die Gotteslehre aus dem Gottesmunde Christi kein durch Menschenhände künstlich geschnitzter, sondern ein ewig wahrer mit aller Lebenskraft in allen seinen Zweigen versehener, also nur von Gott selbst geschaffener und gepflanzter (ewiger Lebens-) Baum ist, so geschieht es denn auch, daß Seine Pfropfreiser (Konfessionen) überall grünen, und bei gerechter und richtiger Pflege auch unfehlbar gute Früchte zum Vorscheine und zum ewigen Lebensgenusse bringen.

16] Betrachtet aber nun dagegen menschliche Lehren, z. B. die Filosofie, die Mathematik und dergleichen mehr; sie sind wie eine Maschine, die nur unter einer bestimmten Form und Einrichtung die stets gleiche Wirkung hervorbringt. In der Mathematik ist auf der ganzen Welt ohne alle Sektirerei 2 mal 2 = 4; ein Aristoteles läßt nur eine Sekte, nehmlich die rein aristotelische zu, so ein Wolff, ein Leibnitz, ein Fichte, ein Kant, und so ein Hegel; denn sie alle pflanzten nur todte Bäume und Sträucher!

17] Aber nicht also verhält es sich mit der Gotteslehre Christi; jeder verpflanzte Zweig fasset Wurzeln, grünet fort, wächst bald groß zu einem Lebensbaume, und trägt Früchte. Und das ist der gewichtige Unterschied zwischen einem Gotteswerke, und zwischen dem todten eines Menschen, und zugleich der größte Beweis für die unläugbarste Göttlichkeit einer Lehre, die unter allen Zonen und unter den verschiedenartigsten Kultusformen bei gerechter, guter und gewissenhafter Pflege, stets dieselben Lebens-Früchte trägt!

18] Habt ihr aber irgend noch etwas dagegen einzuwenden, so steht es euch nun frei. Ich werde euch im Namen des Herrn keine erläuternde Antwort schuldig bleiben."

01] Nach dieser ziemlich klar gefaßten Rede unseres Gröblings wendet sich Bruno an Mich und bittet Mich um eine rechte Erleuchtung, damit er dem Redner und dessen Genossen in einer wohlgeordneten Rede einen wirksamsten Gegensatz entgegenstellen könne.

02] Ich aber sage und bedeute ihm: "Rede, und sorge dich nicht um die Worte! Auf deiner eigenen Zunge wirst du die rechte Entgegnung finden!"

03] Auf diese Meine Zusicherung wendet sich Bruno wieder an den Redner und sagt: "Freund, so du eine rechte Geduld mit wahrer Aufmerksamkeit verbunden besitzest, so will ich deiner Aufforderung bereitwilligst entgegenkommen." - Spricht der Gröbling: "Nur zu! An der rechten, mit aller Aufmerksamkeit verbundenen Geduld soll es weder mir noch jemand anders aus dieser Gesellschaft fehlen. Aber nur nicht übers Alter Christi hinaus darfst du deine Rede dehnen!"

04] Spricht Bruno: "Ganz wohl, liebe Freunde, meine Rede soll ganz kurz und gut sein, und so vernehmet mich!

05] Alle zeitlichen Gaben der Gottheit an die Menschen sind so gegeben und gestellt, daß der unvollendete Mensch mit seinem Natur-Verstande, der die Gaben durchaus nicht zu würdigen versteht, an ihnen stets etwas zu tadeln hat. Dem einen scheint die Sonne im Sommer zu heiß; ihm wäre ein ewiger Frühling lieber. Wieder einem andern ist der Winter ganz entsetzlich lästig; ein ewiger Sommer wäre ihm denn doch bei weitem lieber. Ein dritter schimpft sogar über den Mond, da dieser nicht stets im Vollichte bleibet. Einem ist das menschliche Leben zu kurz, dem andern oft bis zur Verzweiflung so langweilig, daß er sich selbst dasselbe gewalttätig abkürzt. Wieder will einer, daß die ganze Erde senza mare (ohne Meer) ein fruchtbarer, fester Boden wäre; während ein Engländer das Meer noch bei weitem ausgedehnter haben möchte, als es ohnehin ist, so wollen einige lauter Äcker, andere lauter Wiesen, wieder andere lauter Gärten, noch andere lauter Städte und Festungen! Und so tausend verschiedene Dinge! Ja, ich habe kaum je zwei Menschen kennengelernt, die ganz auf ein Haar ein und dasselbe wollten!

06] So können die Menschen aus eben derselben Unzufriedenheit die göttlichen Gaben auch nicht belassen wie sie gegeben sind, sondern sie wandeln dieselben stets nach ihrem Belieben und nach ihren irdischen Bedürfnissen um. Die Tiere werden gefangen, abgerichtet, geschlachtet und ihr Fleisch unter allerlei Zurichtungen verspeist. Die Bäume und Pflanzen werden versetzt, veredelt; und die Pflanzen, deren Früchte den Menschen Nahrung geben, werden nur auf bestimmten Äckern gezogen, so wie der Weinstock auf eigens dazu bestimmten Plätzen. Vom Schöpfer aus müßte eigentlich alles wie Kraut und Rüben untereinander wachsen. Aber mit dieser Ordnung ist der Mensch nicht zufrieden und macht sich selbst eine bessere. So wäre von Natur aus auch angezeigt, daß die Menschen nackt umherwandeln und Sommers und Winters unter freiem Himmel oder in zufälligen Höhlen und Grotten kampieren sollen! Allein sie sind mit dieser ihre feine Haut etwas zu sehr kitzelnden Bescherung durchaus nicht zufrieden und machen sich deshalb zweckmäßige, ja mitunter sogar sehr luxuriöse Kleider, mit denen sie ihre Haut bedecken, und bauen sich aus demselben Grunde allerlei Häuser und Wohnungen und tun sich in selben gütlich.

07] Warum pfuschen denn die Menschen da in die erhabene Gottesschöpfung hinein und zeigen dadurch der Gottheit tatsächlich, daß sie mit der ersten, vom Schöpfer gestellten Ordnung durchaus nicht zufrieden sind? Ein Glück für die Gestirne des Himmels, daß sie von menschlichen Händen nicht erreicht werden können, sonst hätten sie schon lange eine andere Ordnung erhalten. Was läßt der Mensch wohl unangetastet, das er mit seinen Sinnen und besonders mit seinen Händen erreichen kann? Ich sage dir, nichts! Sogar den Himmel nicht! Denn der eine malt sich ihn so, und ein anderer anders. Sollen aber alle die von Gott erschaffenen Dinge auf der Erde darum nicht von Gott erschaffen worden sein, weil die ungenügsamen Menschen ihre Hände an dieselben gelegt und manche sogar ganz umgestaltet haben? Freund, beantworte mir vorerst diese Frage; sodann wollen wir von der Gotteslehre sehr vernünftig und weise miteinander weiterreden!"

08] Spricht der Redner: "Nun, nun, die Sache läßt sich hören! Wie ich nun so ganz leise zu verspüren anfange, so dürfte es dir, so du konsequent verbleibst, wohl gelingen, uns auch die Gottheit Christi begreiflich zu machen. Fahre aber nur weiter fort, denn es ist wahrlich sehr interessant, dich in dieser Art reden zu hören!"

09] Spricht Bruno weiter: "Gut, so ihr das von mir Gesagte einsehet, so will ich denn im Namen des Herrn weiter die Sache Gottes vor euren Augen und Ohren kundtun. Und so höret!

10] Mit der Lehre Gottes (in der Bibel und anderen Offenbarungsworten) verhält es sich, ganz kurz gesagt, gerade also wie mit der andern Schöpfung. Sie ist vor den Augen des eigentlichen Weltverstandes eine höchst unordentlich aussehende Torheit. Der Weltverstand sucht da vergeblich irgendeine feste Ordnung, die er eine natürliche Logik nennt. Wunderliche Taten und moralische Lehren in zumeist mystischen Bildern sind nahe so wie Kraut und Rüben untereinander gemengt. Hier liest man ein Wundermärchen; dort einen Verweis; auf einer andern Seite eine an und für sich zwar auserlesenste Moral, aber sie hängt mit den andern Erzählungen, Gleichnissen und Begebnissen für den Weltverstand oft noch weniger zusammen als die ordnungsloseste Flora einer gut gedüngten Bauernwiese, auf der ein Botaniker die verschiedensten Muster für sein Herbarium beisammen findet. Das aber widerspricht in der Gotteslehre an die Menschen der göttlichen Ordnung dennoch nicht im geringsten, sondern bestätigt dieselbe vielmehr. Denn eben dadurch zwingt die Gottheit die träge Natur der Menschen zum fortwährenden Denken und verschiedenartigen Suchen, sich ordentlich zurechtzufinden in dem, was ihr im Anfange und in der Äußerlichkeit der Gotteslehre gar so unordentlich und wie zufällig ohne alle Logik hingeworfen vorkommt.

11] Was würdet ihr wohl von der Gottheit halten, wenn Sie z.B. auf der Erde die Sache so eingerichtet hätte, daß aus deren Boden nur auf bestimmten, ganz mathematisch scharf abgemarkten, symmetrisch gleich großen Plätzen nur eine bestimmte Fruchtgattung, auf anderen wieder eine andere Fruchtsorte, fortkäme!? Würde aber dann ein Hausvater eine andere als die bestimmte Fruchtgattung, die jedoch besser und ergiebiger wäre, auf einer solchen Fläche ansäen und darauf nichts ernten, wie sähe es dann mit seinem Haushalte aus?

12] Daher hat der endlos weise Schöpfer der Welten, Pflanzen, Tiere und Menschen nur dort eine unwandelbar feste Ordnung gestellt, wo sie notwendig und den Menschen heilbringend ist. - Aber Dinge, mit denen sich der freie menschliche Geist zu beschäftigen hat, sind von Gott darum ganz bunt durcheinandergeschleudert, damit an ihnen der Geist die beste Gelegenheit finden möge, sich im Fleiße zur Erreichung gewisser geordneter Vorteile zu üben um dadurch jene Fertigkeit und andauernde Kraft sich eigen zu machen, die hier in dieser reinen Geisterwelt die eigentliche, freie, liebtätige, ewige Existenz bedingt.

13] Also ist aber die Gotteslehre auch, wie schon früher bemerkt, so gegeben und gestellt, daß jeder Geist aus ihr, wie eine Pflanze aus dem Erdboden, seine ihm zusagende Nahrung saugen, sich ernähren, dadurch wachsen und zur Vollendung gelangen kann.

14] Wie auf dem Erdboden zwei verschiedene Pflanzen recht gut nebeneinander fortkommen und ihre Reife erlangen können, ebenso können auch aus derselben Gotteslehre mehrere, konsessionell noch so verschieden gestellte Geister ganz ungehindert ihre geistige Vollendung erlangen, wenn sie ihrer Konfession nur treu und gewissenhaft folgen.

15] Daß aber keine Lehre auf der ganzen Welt eine solche Menge Kultusarten zuläßt wie eben die Gotteslehre Jesu Christi, das ist ein großer Hauptbeweis für die Göttlichkeit dieser Lehre und ebenso für die ihres erhabensten Verkünders und Stifters! Wäre diese Lehre ein Menschenwerk, so wie etwa ein aus Wachs oder Holz nachgiebildeter Baum oder Strauch, so könnte niemand aus ihr irgendeinen Zweig weiterverpflanzen; und täte das jemand, so wäre er höchstens als ein Narr auszulachen. Da aber die Gotteslehre aus dem Gottesmunde Christi kein durch Menschenhände künstlich geschnitzter, sondern ein ewig wahrer, mit aller Lebenskraft in allen seinen Zweigen versehener, also nur von Gott Selbst geschaffener und gepflanzter Baum ist, so geschieht es denn auch, daß seine Pfropfreiser (Konfessionen) überall grünen und bei gerechter und richtiger Pflege auch unsehlbar gute Früchte zum Vorscheine und zum ewigen Lebensgenusse bringen.


16] Betrachtet aber nun dagegen menschliche Lehren, z.B.die Philosophie, die Mathematik und dergleichen mehr; sie sind wie eine Maschine, die nur unter einer bestimmten Form und Einrichtung die stets gleiche Wirkung hervorbringt. In der Mathematik ist auf der ganzen Welt ohne alle Sektiererei zwei mal zwei gleich vier. Ein Aristoteles läßt nur eine Sekte, nämlich die rein aristotelische zu, ebenso ein Wolff, ein Leibnitz, ein Fichte, ein Kant und ein Hegel; denn sie alle pflanzten nur tote Bäume und Sträucher!

17] Aber nicht also verhält es sich mit der Gotteslehre Christi! Jeder verpflanzte Zweig faßt Wurzeln, grünt fort, wächst bald groß zu einem Lebensbaume und trägt Früchte. Und das ist der gewichtige Unterschied zwischen einem Gotteswerke und dem toten Werke eines Menschen und zugleich der größte Beweis für die unleugbare Göttlichkeit einer Lehre, die unter allen Zonen und unter den verschiedenartigsten Kultusformen bei gerechter, guter und gewissenhaster Pflege stets dieselben Lebensfrüchte trägt.

18] Habt ihr aber noch irgend etwas dagegen einzuwenden, so steht es euch nun frei! Ich werde euch im Namen des Herrn keine erläuternde Antwort schuldig bleiben."

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