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Kapitelinhalt 68. Kapitel: Grundsätzliches über die Religion der Sonnenbewohner und das Wesen göttlicher Offenbarungen.

   01] Wenn ihr die Religion der Bewohner des Planeten Miron betrachtet habt, so muß euch darin schon ein kleiner Vorgeschmack gekommen sein, wie die Religion hier auf diesem siebenten Sonnengürtel gestaltet sein möchte. Nur muß euch dabei nicht aus den Augen gehen, daß der entsprechende Sonnengürtel sich niemals gleich-polarisch, sondern in allem nur gegen-polarisch, das heißt solar zu all den Verhältnissen eines ihm entsprechenden Planeten, verhält. Und so ist denn solches auch der Fall mit der Religion.
   02] Auf einem Planeten geht die Religion aus dem Materiellen ins Geistige über, und somit ist auch das Materielle notwendig vorwaltend vor dem Geistigen. - Auf der Sonne ist dies gerade der umgekehrte Fall. Die Religion geht da aus dem Geistigen ins Materielle über und erscheint als der schaffende, wesenhafte Grund aller Dinge daselbst. Aus diesem Grunde ist denn auch alldort das Geistige vorwaltend vor dem Materiellen.
   03] Um aber diesen Unterschied noch deutlicher zu machen, müßt ihr euch die Sache also vorstellen: So ihr Bewohner eines oder des andern Planeten die Materie und ihre geformten Produkte vor euch habt, da bewundert ihr dieselben; und so ihr sie recht scharfsinnig betrachtet, so wird doch sicher ein jeder fragen: Wie entsteht oder entstand dieses oder jenes? Was ist wohl der Grund davon? - Durch dergleichen Fragen und möglich darauf erfolgte Antworten führet ihr euch immer tiefer. Und wenn ihr nach den gerechten Regeln forscht und sucht, so müßt ihr ja endlich notwendig auf das Geistige kommen, also auf ein selbständiges Leben, indem euch die regungslose, tote Materie am Ende zuruft: Ich kann mich ja unmöglich selbst gebildet und noch weniger belebt haben! - Mit andern Worten heißt das aber nichts anderes als: Ihr geht den antisolaren Weg - vom Materiellen ins Geistige über.
   04] In der Sonne ist der Weg ganz umgekehrt, wie schon oben gesagt wurde. Da sieht niemand ein Ding an, wie es da vor ihm ist, sondern sein erster Blick ist das naturmäßige Erden-Probeleben des Menschen der Grund, und von diesem aus geht er dann erst stufenweise diejenigen Wege durch, nach welchen sich aus dem Geistigen eine naturmäßige Wesenform ausgeboren oder ausgebildet hat, - und dieser Weg wird dann der solare genannt.
   05] Also gestaltet ist denn auch bei euch selbst jede Offenbarung; sie geht vom Geistigen ins Materiell-Formelle über. Aus diesem Grunde müssen dann ja nicht selten die Außenformen wie widersprechend erscheinen, während sie von innen, aus der allerhöchsten und wohlberechneten Ordnung, entspringen.
   06] Damit euch dieses wieder einleuchtender wird, so will Ich euch nur ein kleines Beispiel geben: Betrachtet einmal einen alten Baum! Er würde sich vorausgesetzt daß er ganz gesund ist, am besten dadurch betrachten lassen, so ihr den Stamm gerade quer durchschneiden und sodann von seinem Kerne aus mit scharfen Augen betrachten möchtet alle die stets unordentlicher werdenden Holzumgebungen des Kernes, - bis ihr auf seine äußerste rauhe Rindenumgebung kommen möchtet. Wenn ihr da den Kern und dessen nächste Umgebung sehen würdet, wie dieser ganz vollkommen ordnungsmäßig gebildet ist, so ist doch sicher vorauszusehen, daß euch dabei eine große Bewunderung über solche große Ordnung ergreifen müßte. Möchtet ihr aber dann die stets weiter vom Kerne entfernten Holzkreise zu betrachten anfangen, so werdet ihr da auf unordentliche Kreise kommen, und ihr werdet euch sicher fragen: Woher diese Unordnung? Das widerspricht ja offenbar dem vollkommen runden Kern. Denn wir entdecken da Aus- und Einbüge, die nicht selten ein, zwei bis drei Zoll ausmachen, und doch ist der Kern rund! Was hat denn da den Holzkreis eingedrückt und da wieder hinausgeschoben? - Und wenn ihr dann endlich erst auf die äußere Rinde kommen würdet, - saget Mir, woher werdet ihr euch da wohl die höchste Unordnung der Rinde selbst und endlich die groben Furchen des Baumes erklären? - Ihr werdet doch notwendig sagen müssen: Je mehr bei Lichte wir dieses betrachten, einen desto größeren Widerspruch finden wir zwischen dem Kerne und der äußern Umhüllung dieses Baumes. - Sehet, solches lehrt euch schon ein einziger Durchschnitt eines Baumes!
   07] Damit euch aber die ganze Sache noch klarer wird, wollen wir sie ein wenig mehr beleuchten. - Wenn ihr zum Beispiel den Baum auf mehreren Stellen durchschneiden, dann diese Durchschnitte bei immer gleichem Kerne miteinander vergleichen würdet, wie mächtig verschieden werdet ihr sie da finden! - Allein diese Verschiedenheiten sind noch zu wenig auffallend. Daher wollen wir die Sache auch noch ein wenig tiefer betrachten!
   08] Nehmen wir zum Beispiel das Samenkorn eines Baumes! Ihr könntet zum Beispiel hundert Eichnüsse miteinander vergleichen, ja sie sogar abwägen. Wenn ihr übrigens die vollkommen schönen Früchte dieses Baumes nehmet, so wird dabei des Unterschiedes in kaum merklichem Verhältnisse vorkommen. Und wenn ihr aus den Körnern noch dazu die Keime auslöset und sie an und für sich mikroskopisch betrachtet, so werdet ihr in einem jeden solchen Keimwärzchen eine und dieselbe Ordnung finden. - Jetzt aber, Meine Lieben, nehmen wir uns die Mühe und machen einen kleinen Spaziergang in einen Eichwald! - Ho, ho! werdet ihr sagen, da sieht ja nicht ein Baum dem andern gleich! Dieser da hat solche Äste, jener wieder andere, und nicht zwei im ganzen Walde sind sich der Form nach ähnlich! Ihr werdet etwa meinen, vielleicht herrscht doch in den Wurzeln eine größere Ordnung und entspricht [deren Zustand] mehr und mehr dem Keime? - Lassen wir die Bäume nur ausgraben; denn im Geiste ist solches ja leicht möglich. Besehet da die Wurzeln, wie sie ebenso verschieden und sich gegenseitig unähnlich sind wie die Stämme und Kronen der Bäume selbst!
   09] Wenn ihr solches nur ein wenig betrachtet, müßt ihr da nicht der Wahrheit gemäß laut ausrufen: Welch eine Unordnung, welch ein Widerspruch gegen die außerordentlich übereinstimmende und gleichmäßige Ordnung im Keime - Wie kann aus solcher Ordnung eine solche, sich in allen Stämmen, Ästen und Zweigen widersprechende Unordnung entstehen
   10] Sehet, darin liegt es, was zu verstehen und wohl zu begreifen euch überaus not tut, so ihr von jeder äußerlich-formellen, geistigen Offenbarung durch den Buchstabensinn einen wahren Nutzen ziehen wollt. Denn das Geistige ist eine in sich selbst bestimmte Kraft und ist mit sich selbst in der größten Ordnung. Wenn aber diese Kraft, aus sich selbst hinaustretend, sich äußern will, so muß sie ja doch, als in sich die größte Ordnung, wohl innewerden, wie sie sich den äußeren Verhältnissen gegenüber möglicherweise äußern kann, um fürs erste ihr ureigentümlich Beschaffenheitliches nicht aus den Augen zu lassen, übrigens aber also zu wirken, daß sie auch mit den äußeren Umständen im Einklang steht.
   11] Sehet, aus dem wird etwa doch klar werden, daß wenn Ich, als die Urkraft Selbst, aus der allerreingeistigste ewigen Ordnung Mich für die Außenwelt äußere, Ich auch stets diese zwei Regeln, als der Grundurheber derselben, auf das genaueste beachte; und zwar eben dadurch, daß dabei von dem eigentlich Göttlich-Heiligen in Seiner Fülle nichts vergeben wird, sondern dasselbe allenthalben allerhöchst-vollkommen beschaffenheitlich innewohnen muß. Was aber dann die formelle Äußerung nach außen betrifft, so muß sich diese dennoch wieder fügen nach den äußeren Umständen und muß daher notwendig in der Äußerlichkeit in allerlei widersprechend erscheinen, während sie doch in sich selbst in dem allerhöchst ordnungsmäßigen Einklange steht; - also wie die Eichbäume an und für sich beschaffenheitlich doch immer dieselben sind und sich, zufolge ihrer Produktionen, immer auf eine und dieselbe Grundordnung zurückbeziehen, wenn sie sich auch noch so sehr in der äußern Form zu widersprechen scheinen.
   12] Werden aber hier nicht einige sagen: Wie steht denn diese Erklärung mit der Religion der Bewohner des siebenten Gürtels im Einklange? - Ich aber sage: Die Folge wird es zeigen wie notwendig diese Erklärung war, um das Fach der Religion, wie auch alles andere [geistige Wesen] nicht nur der Bewohner des siebenten Gürtels, sondern auch aller anderen Gürtel - im wahren Grunde zu verstehen und daraus den gerechten Nutzen zu ziehen.
   13] Ich habe schon früher erwähnt, daß eben bei Gelegenheit der Darstellung der Religion dieser Bewohner des siebenten Ringes so manche scheinbare Widersprüche im Verlaufe dieser ganzen Mitteilung sollen ausgeglichen werden. - Wie würdet ihr solches wohl je ohne diese nun vorangegangene Erklärung ruhig und sicher einsehen? - Da ihr aber nun solches wisset, so wird es auch weiter keine große Schwierigkeit mehr sein, für euch alles solches zu berichtigen, und euch den Unterschied zwischen der solaren und antisolaren Wirkung zu zeigen.
   14] Aus diesem Grunde wollen wir denn auch das Fach der Religion so ganz eigentlich erst in der nächsten Mitteilung beginnen. - Somit gut für heute!


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