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Kapitelinhalt 46. Kapitel: Erzgewinnung und -Verwertung, Baukunst und Wohnhäuser auf dem sechsten Gürtelpaare.

   01] Unter den Werken dieser Menschen werden vorzüglich ihre Bauten und ihre Metallarbeiten verstanden.
   02] In diesem Gürtel haben die Berge der Sonne eine Art Metall, das da völlig das Aussehen hat, als wäre bei euch Gold mit Eisen gebunden worden. Dieses Metall kommt allda fürs erste sehr häufig vor, fürs zweite ist es eben darum nicht schwer zu gewinnen, und fürs dritte ist es sehr geschmeidig, dabei doch federhart und dadurch zu allerlei nützlichen Hau- und Schneidewerkzeugen tauglich.
   03] Um dieses Metall aber sehr tauglich zu bereiten, sind eben diese Gürtelbewohner überaus geschickt. Sie haben zu diesem Behufe auch überaus große Hüttenwerke, in denen dieses Metall zu allerlei Gerätschaften bereitet wird. Für den Zweig dieser Industrie widmen sich mehrere Menschen ausschließlich. Sie verlangen zwar nichts für ihre Arbeit; aber wer allda ein oder das andere Werkzeug haben will, der muß sie ebenso schwer mit Früchten und Eßwaren versehen, wie schwer da ein oder das andere Werkzeug ist.
   04] Daß diese Werkzeuge manchmal nicht von zu leichter Art sind, könnt ihr euch leicht vorstellen, besonders die großen Hammerbeile; denn diese sind nicht selten fünfzig bis hundert Zentner schwer. Mit Hilfe solcher Werkzeuge können dann auch diese Bewohner gar leicht die riesenhaftesten Gebäude aufführen.
   05] Es gibt zwar nur selten Wohnhäuser, das heißt, die Wohnhäuser sind nicht etwa so knapp aneinander, wie ihr euch vorderhand denken möchtet, sondern sie leben in diesem Lande so weit voneinander abstehend, wie etwa die Residenzstädte bei euch. Aber wo ein solches Wohnhaus steht, da will es auch bei weitem mehr sagen als die größte Stadt auf eurem Erdkörper und hat dann auch im Verhältnisse seiner riesigen Größe eine sehr zahlreiche Bevölkerung. So gibt es nicht selten Wohnhäuser, in denen fünf bis zehn Millionen Menschen wohnen.
   06] Aus dieser Angabe könnt ihr euch schon einen kleinen Begriff machen, was für eine kolossale Bewandtnis es mit einem solchen Wohnhause hat. - Um euch ein solches Haus speziell darzustellen, hättet ihr wenigstens zehn Jahre fleißig daran zu schreiben, ohne dabei noch ein volles Detail zu haben. - Damit ihr euch aber dennoch einen kleinen Begriff davon machen könnt will Ich euch nur einen möglichst kurzen Abriß davon geben.
   07] Ein solches Haus hat gewöhnlich sieben, manchmal aber auch zehn Stockwerke. - Wie aber sind diese Stockwerke eingt eilt? - Denkt euch eine viereckige Fläche, die auf jeder Seite eine Länge von siebzig Meilen eures Maßes hat. Auf dieser Fläche, das heißt den äußersten Rand allenthalben berührend, erhebt sich das erste Stockwerk zu einer Höhe von dreißig Klaftern eures Maßes. Die Zimmerbreite dieses ersten Stockwerkes beträgt allzeit fünfzig Klafter.
   08] Das Stockwerk, oder vielmehr dieses große Randgebäude, hat wie alle übrigen kein [Spitz-] Dach, sondern ist ganz flach gedeckt und an den Rändern, sowohl nach außen wie nach innen, mit festen und geschmackvollen Geländern versehen. Die Wände sind komplett, und in gerechten Entfernungen von fünf zu fünf Klaftern mit großen Fenstern versehen, allenfalls sogestaltig, wie bei euch in den Bethäusern die sogenannten gotischen Fenster aussehen. Ein jedes Zimmer zählt sieben bis zehn solcher Fenster.
   09] Im Innern des Zimmers wird die Dachdecke nach der Länge dieses Randgebäudes von starken Säulen getragen. Die Fenster selbst sind mit einer Art Glas, wie bei euch, verschlossen; nur ist das Glas nicht also hart und spröde wie bei euch, sondern ist mehr elastisch und biegsam, da es aus dem Saft einer Wurzel, die allda in großer Menge gepflanzt wird, bereitet ist, - etwa also wie ihr bei euch aus den tierischen Abfällen den Leim bereitet. Das Glas ist aber allzeit von einer grünen Farbe, das heißt von der Natur aus; manchmal aber mischen die Bewohner dem Safte auch andere Farben bei; und so gibt es dann auch verschieden gefärbte Glasarten, aus denen die Fensterscheiben geschnitten werden.
   10] Die Einrichtungen der Zimmer sind zwar sehr einfach, aber nichts weniger als geschmacklos. So sind auch die Wände und die Decke allezeit mit mannigfaltigen, wenn schon an und für sich mehr einfachen Zieraten geschmückt. - Der Fußboden eines solchen Zimmers ist gewöhnlich mit viereckigen, verschiedenfarbigen, platten Steintafeln belegt, welche alle fein abgeschliffen und poliert sind. Auf den Glanz der Gegenstände in einem Zimmer richten die Bewohner ein ganz besonderes Augenmerk.
   11] Um die Säulen in der Mitte eines solchen Zimmers sind gewöhnlich große Rundbänke gezogen, ebenso auch um die Wände geradläufige Bänke, welche mit weichen Laubpolstern reichlich belegt sind, über welche Laubpolster dann erst zierliche Decken gezogen werden.
   12] Wollt ihr nun wissen, wieviel Zimmer in einer Front des Randgebäudes vorhanden sind, so dürft ihr nur das fragliche Maß eines und des andern Zimmers nach der Anzahl der Fenster und ihrer Entfernungen bestimmen und dann durch ein solches Zimmermaß die ganze Länge von siebzig Meilen teilen, so könnt ihr euch die Menge der Zimmer ganz gut vorstellen. - Ein jedes Zimmer hat dazu noch seinen eigenen Eingang, sowohl von außen als wie von innen. Und sämtliche Zimmer eines ganzen Stockwerkes sind innen ebenfalls mittels Türen miteinander verbunden, so zwar, daß man durch die Zimmer alle vier Fronten eines Stockwerkes umgehen kann. Also führt auch von einem jeden Zimmer an der Wand, welche quer durch das Zimmer geht, eine zierliche und bequeme Treppe auf das freie, mit Geländern versehene platte Dach eines solchen Stockwerks. - Ein jedes Zimmer wird von einer eigenen Familie bewohnt.
   13] Nun hätten wir auf diese Weise das erste Stockwerk. - Denkt euch jetzt wieder einen freien Raum oder vielmehr eine Gasse in der Breite von fünfzig Klaftern. Hier fängt das zweite Stockwerk an. Dieses hat an und für sich wirklich zwei Stockwerke, das heißt, das erste gleichlaufend mit dem äußeren, großen Randgebäude, das zweite ruht auf dem ersten Stockwerk und erhebt sich noch einmal so hoch von der Erde wie das erste. - Die Einteilung und Einrichtung der Zimmer, sowohl des ersten als des zweiten Stockwerks, ist ganz dieselbe wie im ersten Randgebäude. Das Dach ist auch hier flach und zum freien Herumwandeln tauglich und ist ebenfalls mit festen, zierlichen Geländern versehen.
   14] Denkt euch nun eine Gasse, welche in geradester Linie nicht viel weniger als siebzig Meilen Länge hat, so kann auch das Großartige eines solchen Wohnhauses schon ein wenig einzuleuchten anfangen.
   15] Gehen wir aber durch dieses zweite Gebäude [hin]durch! Und seht, das Gebäude selbst hat eine Breite von fünfzig Klaftern so wie das erste. Und nun ist wieder eine fünfzig Klafter breite Gasse.
   16] Hier sehen wir das dritte Stockwerk, von der Erde angefangen aus drei Stockwerken [bestehend], jedes von gleicher Höhe mit dem äußeren Randgebäude, welches, wie schon gesagt wurde, sich dreißig Klafter über den Erdboden erhebt. - Also hätten wir demnach bei diesem dritten Stockwerk schon eine Höhe von neunzig Klaftern. - Hier finden wir wieder nichts anderes Neues als bloß den dritten Stock, der natürlicherweise ganz bequem über den zweiten hinwegsieht.
   17] Gehen wir also auch durch dieses Gebäude! - Hier kommen wir wieder auf eine fünfzig Klafter breite Straße; allda sehen wir das vierte Stockwerk, welches den früheren Gebäuden in allem anderen völlig gleicht, nur daß es natürlicherweise in den unteren Stockwerken verhältnismäßig stärkere Mauern hat als die früheren Gebäude. - Auch hier ist das Dach flach und mit festen und zierlichen Geländern versehen, und man kann vom Dache auch natürlicherweise über die anderen drei Stockwerke bequem hinaussehen.
   18] Gehen wir nun wieder durch dieses Gebäude, und wir erblicken abermals eine fünfzig Klafter breite Straße und ein fünf Stockwerke hohes Gebäude, welches natürlich etwas kürzere Fronten hat als das äußerste; allein die Verkürzung dieser Front gegen die des äußeren Randgebäudes beträgt noch nicht eine deutsche Meile. - Somit hättet ihr noch immer mehrere Tagereisen nötig, um nur eine Front dieses fünften Fünfstockwerkgebäudes abzureisen. - Daß auch dieses fünfte Stockwerkgebäude mit den anderen bis auf die größere Stärke der Mauern gleich ist, braucht kaum mehr erwähnt zu werden.
   19] Gehen wir wieder durch dieses fünfte Fünfstockwerkgebäude, und eine neue Gasse von fünfzig Klaftern Breite eröffnet sich; und wir sehen die Front des sechsten Sechsstockwerkgebäudes. Dieses Gebäude ist ebenfalls von den anderen in nichts unterschieden als in der größeren Stärke der unteren Mauern und sodann auch - in der Farbe; denn von diesem sechsten Gebäude fangen die Stockwerke an, verschieden gefärbt zu werden, und zwar nach der Ordnung der Farben eines Regenbogens, was natürlicherweise einen überraschend herrlichen Anblick gibt. Die Dachfläche ist hier mit einem Pyramiden-Geländer umfaßt, auf dessen Pyramiden große Goldkugeln angebracht sind. - Das ist der Unterschied zwischen diesem sechsten Gebäude und den ersten, uns schon bekannten. - Was aber das Innere der Zimmer betrifft, so sind diese ebenso eingt eilt und eingerichtet wie die Zimmer der anderen, uns schon bekannten Gebäude.
   20] Und so begeben wir uns wieder durch dieses sechste Sechsstockwerkgebäude. Hier treffen wir auf einmal eine tausend Klafter breite Straße. Diese Straße ist durchgehends also glatt abgeschliffen und poliert wie ein Spiegel bei euch. - Und endlich erhebt sich mit der großartigsten Säulenpracht das Siebenstockwerkgebäude. - Dieses Gebäude ist von den früheren nicht nur durch die verschiedene Färbung der Stockwerke unterschieden, sondern es unterscheidet sich auch durch die nach außen wie nach innen jedes einzelne Stockwerk tragenden Säulen. Denn die eigentlichen Wände dieses siebenten Gebäudes steigen erst innerhalb der mächtigen Säulengalerien auf. - Daß die Säulen der unteren Stockwerke immer stärker sind als die der oberen, versteht sich von selbst, weil sie die Last der oberen stets mehr und mehr tragen müssen. Jede Säulenreihe ist von einer andern Farbe, ebenfalls nach der Ordnung der Farben eines Regenbogens. - Das Dach ist ebenfalls flach und über einer jeden Säule erhebt sich ein Obelisk, der zuoberst abermals mit einer großen Goldkugel geziert ist. Ein jeder solcher Dachobelisk ist mit dem andern durch ein zierliches Geländer verbunden und bietet auf diese Weise einen überaus prachtvollen Anblick. - Dieses siebente Gebäude ist zufolge der nach außen wie nach innen gekehrten Säulengalerien, von denen eine jede bei zwanzig Klafter Breite hat, um soviel breiter als die anderen, so daß die ganze Breite eines solchen Gebäudes hundert Klafter beträgt.
   21] Manches Wohnhaus hat hier ein Ende, - und der innere, noch überaus geräumige Platz ist dann ein allgemeiner Pracht- und Ziergarten, wohlversehen mit tausenderlei Arten kleinerer Baukünste, wie auch mit vielen Alleen fruchtbarer Bäume. Auch fehlen allda nicht allerlei Wasserkünste, darin die Bewohner dieses Gürtels große Meister sind, weil auch die verschiedenen Wasserleitungen in das Fach der Baukunst gehören.
   22] Manche Wohnhäuser aber haben nach diesem siebenten Stockwerkgebäude noch drei, also noch ein achtes, neuntes und zehntes Stockwerkgebäude, wovon dann wieder jedes durch eine fünfzig Klafter breite Straße vom andern entfernt ist. Nur sind diese Gebäude, weil sie dem Siebenstockwerkgebäude gleichen, jegliches von einer Breite von hundert Klaftern. Dadurch wird freilich dann der innere, große Platz etwas enger; aber dennoch immer groß genug, so daß ihr noch stets mehrere Tagereisen vonnöten hättet, um ihn zu umgehen.
   23] Nun seht, das ist ein Wohnhaus dieser Bewohner des besagten Gürtels. Welche Pracht der Anblick eines solchen Wohnhauses gewährt, dazu ist eure Phantasie sogar zu klein, um sich das nur annähernd vorstellen zu können.
   24] Doch ihr müßt euch diese Wohnhäuser nicht etwa als das Großartigste der Baukunst dieser Bewohner denken. Wenn wir erst ihren großartigen Straßen-, Brücken- und Tempelbau werden kennenlernen, dann erst werdet ihr im vollsten Maße die Baukunst der Bewohner dieses Gürtels, euch überaus hoch verwundernd, beachten können. Das Großartigste aber bleiben immerhin ihre Straßen und Brücken; denn von etwas Ähnlichem hat euch noch nie geträumt. Und ihr mögt auch im voraus phantasieren wie ihr wollt, so könnt ihr versichert sein, daß die Darstellung einer solchen Straßen- und Brückenanlage alle eure noch so großartigen Phantasien bei weitem im Hintergrunde lassen wird.
   25] Da ihre Darstellung - damit ihr euch einen klareren Begriff davon machen könnt - etwas gedehnter sein muß, so wollen wir sie für das nächste Mal aufbehalten und uns für heute bloß mit der Vorankündigung begnügen.


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