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Kapitelinhalt 15. Kapitel: Die Umgebung eines Hauses auf dem Mittelgürtel. Baumwuchs dort.

   01] Wie sieht denn die nächste Umgebung bei einem solchen Hause aus? Diese besteht gewöhnlich in einer runden Allee von sehr hohen Bäumen, welche bei einem Hause stets einer und derselben Art sind, aber nicht [genau auch] wieder dieselben bei einem andern Hause. Ja ihr könntet da den ganzen, über 40000 breiten und bei 600000 Meilen (1 Meile = 7,42 km, d.Hg.) langen Gürtel kreuz und quer abgehen wenn eure irdischen Lebensjahre dazu hinreichten, so würdet ihr aber doch nimmer bei einem oder dem andern Hause wieder dieselbe Art von fruchtbaren Alleebäumen finden, wie ihr sie allenfalls bei einem ersten Hause gefunden habt. So sehen zum Beispiel die Alleebäume bei unserem ersten Hause aus wie riesenhaft große, gewundene Säulen, welche zuoberst mit einer trauerweidenartigen Krone geziert sind. Die Blätter sind über eine Spanne lang und kaum einen halben Zoll (1 Zoll = 2,5 cm, d.Hg.) breit; die Rückseite ist karminrot, die vordere latte Seite aber ist grüngolden. An der Spitze eines jeden Blattes hängt eine überaus starkleuchtende Perle von blauem Licht. Zwischen den Blättern hängen auf langen, weißen Stielen Früchte, ungefähr von der Gestalt wie bei euch das sogenannte Johannisbrot, aber alles ohne Kern. Denn, wie ihr schon wißt, sind in der Sonne alle Früchte kernlos und sind von einem überaus geistigen, süßen Geschmacke. - daher sie auch eine Lieblingsspeise für dieses Haus sind.
   02] Wie bekommen aber die Sonnenbewohner die Früchte von diesen hohen Bäumen? Dieses geschieht dort auf eine höchst leichte und einfache Art. Die Sonnenbewohner haben nämlich dazu eigene Stangen, welche zuoberst mit einem nach Belieben bewegbaren Zwicker versehen sind. (Dieses Instrument ist fast allenthalben dasselbe!) Mit diesem Zwicker brechen sie die Früchte mit der größten Bequemlichkeit von den Bäumen, welcher Art sie auch immer sein mögen, und bemächtigen sich auf diese Weise zu ihrer Sättigung der Baumfrüchte.
   03] Ihr werdet euch hier im geheimen denken: Warum lassen aber die Menschen die Bäume so hoch wachsen, wenn das Wachstum der Bäume sowie des ganzen Pflanzenreiches in der Gewalt ihres Willens steht? Wer da so fragen würde, der wäre in einer kleinen irrigen Meinung. Denn die Sonnenbewohner sind überaus weise und tun nichts umsonst oder zwecklos, und es muß daher jede Verzierung sogar eine entschieden wohlberatene und durchgeprüfte Nützlichkeit haben. Und so hat auch die hochgestellte Fruchtkrone eines solchen Baumes ihren entschiedenen, mehrseitigen guten Zweck.
   04] Ihr fragt hier: Worin denn ein solcher nützlicher Zweck besteht? Nur Geduld, es wird sogleich kommen! Fürs erste müßt ihr wissen, daß es auf gar keinem Planeten so überaus reizende und weitgedehnte Landschaftsaussichten gibt wie eben auf der Sonne. Denn da ist es gar nichts Seltenes, daß man von einem mittelmäßigen Hügel einen Flächenraum von wenigstens fünftausend Meilen im Durchmesser übersieht, also ungefähr beinahe viermal so weit wie auf eurer Erde in gerader Linie vom Süd- bis zum Nordpol. - Dazu müßt ihr noch nehmen, daß die Sonnenluft, besonders über diesem Gürtel, von höchster ätherischer Reinheit ist, wodurch natürlicherweise die Fernaussicht, besonders für die überaus scharfen Augen der Sonnenmenschen, begünstigt wird.
   05] Jetzt seht, es wird ein Zweck gleich einleuchtend sein! Da die Sonnenbewohner nämlich, wie schon gesagt, große Freunde schöner Landschaftsaussichten sind, so stellen sie aus dem Grunde die Fruchtkronen ihrer Bäume so hoch, damit sie ihnen nicht irgendwo die Aussicht verdecken. Seht, das ist einmal ein Zweck, welcher zwar, auf eurer Erde betrachtet, eben nicht von einer großen Wichtigkeit erscheint, aber desto mehr in der Sonne. Denn es handelt sich da nicht nur allein um den reizenden Aussichtspunkt, sondern die Aussicht ist dort etwas sehr Notwendiges, weil über dem Lande sich oft verschiedene Phänomene zeigen, welche manchmal von guter, manchmal wieder von schlechter Wirkung sind. Darum auch muß auf alles gehörig achtgegeben werden, sonst liefen die Sonnenbewohner, besonders dieses Gürtels, gar zu oft Gefahr, von einer oder der anderen, sich etwa ihrer Wohnung nahenden Naturerscheinung gewaltig beschädigt, oder wohl auch gänzlich zugrunde gerichtet zu werden.
   06] Damit ihr solches ein wenig mehr einseht, will Ich euch nur ein geringes Beispiel anführen. Es geschieht nicht selten, daß sich plötzlich über einem oder dem andern Hügel rotleuchtende Sterne zeigen. Bei dieser Gelegenheit muß sogleich sorgfältig beobachtet werden, wie hoch irgendein Hügel sein mag, über dem sich diese Sterne zeigen, oder in welcher Richtung sie einem Hügel entschweben. Setzen wir den Fall, solche Sterne würden bei einem tausend Meilen abstehenden Hügel entdeckt, und dieser Hügel wäre ungefähr von einer mittleren Höhe, und die Sterne bewegten sich in der Richtung gegen den Hügel, auf welchem wir uns befinden, es braucht nicht mehr als höchstens drei Minuten Zeit, so schweben diese vormals kleinen Sternchen nun schon als kleine Weltmassen gegen diesen Hügel her, wo wir uns befinden; ihre Schnelligkeit ist überaus groß, da sie zumeist elektrischer Art sind. Was sie nun auf ihrem Wege erreichen, das ist in einem Augenblick zerstört.
   07] Was tun dann die Sonnenbewohner bei einer solchen Gelegenheit? Sie begeben sich augenblicklich unter den Schutz des lebendigen Gottes und stecken auf einer freien Höhe spitzige Stangen auf, welche mit Fahnen versehen sind. Diese Stangen ziehen wie ein Magnet diese rotglühenden, elektrischen Massen höher, so daß diese sich endlich gar ins hohe Gebirge verlieren. Und auf diese Weise werden allzeit Wohnungen, Bäume, Tiere und Menschen in der Tiefe verschont.
   08] Seht, das ist schon wieder ein guter Grund für eine unbeschränkte, freie Aussicht. Daher stehen auch solche Alleebäume allzeit mit einer Säule des Wohnhauses in gleicher Richtung vom Mittelpunkt desselben aus, damit selbst durch ihre Stämme die freie Aussicht nicht gehindert wird.
   09] Eine gar nicht selten vorkommende Erscheinung, besonders in der Gegend der großen Gewässer oder auch in der Nähe der hohen Gürtelgrenzgebirge, sind die für eure Begriffe ungeheuren Wasser- und Feuerhosen. - Was die Wasserhosen betrifft, so ziehen diese freilich wohl nie gar weit vom Wasser übers Land. Aber desto verheerender sind die Feuerhosen, von denen manche einen Feuerwirbel mit einem Durchmesser von hundert bis tausend Meilen und dabei eine so schnelle Umdrehung hat, daß sie sich in einer Sekunde einmal umdreht, welches ebensoviel gesagt haben will als: der äußere Flammenkreis legt in einer Sekunde einen Weg von dreihundert bis dreitausend Meilen zurück.
   10] Nun denkt euch einmal die Wirkung, die ein solches Naturereignis auf einer Gegend bewerkstelligt, über welcher es sich bewegt!. - Was tun denn die Sonnenbewohner bei einer solchen Gelegenheit? Sie begeben sich fürs erste augenblicklich mit dem lebendigsten Vertrauen unter Meinen Schutz und stellen auf einem höchst möglich zu ersteigenden Hügel ein bedeutendes Gefäß voll Wasser auf. Rings um das Gefäß mit dem Wasser stecken sie strahlenförmig ziemlich lange Spieße in das Erdreich. Diese ganz einfache Vorrichtung hat nach der Erfahrung ihrer weisesten Lehrer die entschiedene Kraft, fürs erste eine solche Feuerhose an sich zu ziehen und dann alsogleich in ihrer Wirbeldrehung zu beruhigen.
   11] Und so ihr Zeugen sein könntet, so würdet ihr eine solche Naturerscheinung sicher mit dem überraschendsten Vergnügen ansehen. - Denn wenn eine solche Feuerhose bei ihrem Entstehen auch den größten Durchmesser hat, so fängt sie sich aber dennoch, sobald sie einen solchen Hügel erreicht hat, zuunterst also zu beengen an, daß ihr Durchmesser in wenigen Sekunden von tausend Meilen auf eine Klafter zusammengeschmolzen ist. Wenn sie aber dann erst vollends die Höhe erreicht hat, wo das Wassergefäß mit den strahlenförmig in die Erde gesteckten langen Spießen sich befindet, da fängt sie sich allenthalben zu beengen an und bekommt endlich die Form einer für eure Blicke unendlich lang scheinenden Feuerstange, welche dann allmählich über dem Gefäße wie zusammensinkend verschwindet.
   12] Bald darauf begeben sich dann die Sonnenbewohner wieder auf einen solchen Hügel und holen ihre Sicherheitsgerätschaften, welche gänzlich unversehrt angetroffen werden, bis auf das Wasser, welches zwar an seiner Menge nichts verloren hat, aber gänzlich schwarz geworden ist.
   13] Warum aber tun die Sonnenbewohner eigentlich dieses, um dadurch einer Verheerung zu entrinnen? Sie sagen: Auf den hohen Bergen wohnen Geister; wann sie aber vor zu großer Hitze durstig werden, so ergreifen sie sich in großer Masse und suchen wie Rasende eine Kühlung. Daher ist es notwendig, ihnen mit einem Trunk entgegenzukommen, damit sie nicht tiefer herab rasen und irgendein erquickendes Gewässer suchen und so uns auf ihrem Wege unsere Häuser und Früchte zerstören möchten.
   14] Und Ich sage euch nichts anderes, als daß solche Annahme und geistige Wissenschaft der Sonnenbewohner ihren ganz vollkommen richtigen Grund hat. Denn es ist in der Sonne ganz dasselbe der Fall bezüglich einer solchen Feuerhose, wie Ich eben dasselbe Ereignis euch schon einmal bei einer Gelegenheit auf eurem Erdkörper vorkommend enthüllt habe. Denn ein Geist bleibt überall ein Geist, in der Sonne wie auf den Planeten; nur ist jedes Geistes freier Wirkungskreis in einer Sonne weniger beschränkt als auf einem Planeten.
   15] Seht nun wieder, wie notwendig in dieser Hinsicht die freie Aussicht den Sonnenbewohnern ist. Aus diesem Grunde steht auch jedes Wohnhaus auf einem ziemlich kegelförmigen Hügel; und aller andere, zu einem Hause gehörige Grund liegt niederer als das Haus selbst. Daher dürftet ihr auch nirgends ein Haus in einer Ebene antreffen, sondern sowohl Wohnhäuser wie auch die vielfach verschiedenen Amtshäuser befinden sich allenthalben auf den Hügeln, und die Tempel zur Anbetung und Verehrung des großen Gottes auf den höchsten.
   16] Und so gibt es noch eine Menge tüchtiger Gründe für die freie Aussicht, aus welchen sonach fürs erste die Sonnenbewohner die Fruchtkronen der Bäume so hoch stellen. Allein alle diese Gründe namentlich anzuführen, würde unsere Mitteilung zu sehr ins Lange dehnen.
   17] Ein zweiter Grund, warum die Sonnenbewohner diese Fruchtkronen so hoch stellen, ist auch der, daß durch diese höherstehenden Kronen das Licht von oben gegen die Wohnungen gemindert wird. Daß die Kronen solcher Bäume aber das Licht sehr bedeutend an sich saugen, bekunden die leuchtenden Perlen, welche sich fast allenthalben an den Spitzen der Blätter bilden und an und für sich nichts anderes sind, als von dem Baume unverzehrte Lichtbündel, gleich dem sogenannten Sankt-Elms-Feuer bei euch, welches an allen gespitzten Gegenständen zu erblicken ist, wenn die Luft überstark mit Elektrizität angefüllt ist. Bei euch ist dies freilich nur zur Nachtzeit sichtbar, in der Sonne hingegen allzeit nur am Tage (da es dort keine Nacht gibt) und das zufolge der überaus starken Lichtstrahlungen von oben herab.
   18] Ein dritter Grund, warum die Kronen der Bäume so hoch gestellt werden, ist auch der, damit die Kinder stets genötigt sind, zu ihren Eltern zu kommen, wenn es sie hungert. Und dieser Grund ist ein recht guter Grund; denn ihr könnt es glauben, für den unreifen Geist der Kinder ist überall nichts nachteiliger als eine, wenn auch von den Eltern zugelassene Eigenmächtigkeit. Denn dadurch begründen sich die Kinder zuallererst in der Hoffart und im Eigensinn, welche zwei Untugenden die unzerstörbaren Grundsteine aller nur erdenklichen folgenden Laster sind.
   19] In der Sonne, wo die Menschen ohnehin einen viel freieren und unumschränkteren Spielraum haben, ist aber eine solche Erziehung der Kinder um so notwendiger, damit dadurch ihr Wille eine solche Richtung bekommt, welche zur Erhaltung der allgemeinen Ordnung unumgänglich notwendig ist. Dies wäre auch bei euch freilich wohl über alles zu wünschen; allein die Menschen der Erde sind schon zuallermeist überaus beschränkt eigensinnigen Geistes, aus welchem Grunde sie auch in eben diese schroffe Erde gelegt wurden. Daher ist ihnen auch nichts saurer als ein pünktlicher Gehorsam, welcher die alleinige Schule zur Gewinnung der wahren, geistigen, innern Willenskraft ist. - Darum aber gelangen auch äußerst wenige Menschen dieser Erde in ihrem Leibesleben zu dieser Kraft, welche im Grunde doch nur die Bedingung ihres Hierseins ist (d.h. deren Erlangung der tiefere Grund und Zweck ihres Erdenlebens ist).
   20] Jedoch wir sind jetzt (schon wieder) nicht auf der Erde, sondern in der Sonne. Daher wollen wir auch allda die weiteren häuslichen Einrichtungen verfolgen, und zwar, wie bis jetzt, den allein naturmäßigen häuslichen Teil, ohne den wir ganz natürlicherweise nie auf einen geistigen und dann erst himmlisch reingeistigen übergehen könnten. Und somit wollen wir für das nächste Mal die anderen, zu einem Hause gehörigen Grundteile und ihre zweckmäßige Benutzung beachten.


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