Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 3, Seite 021


Kapitelinhalt Der Engel (23. Juni 1840)

   01] Hier will Ich euch ein erhabenes Nebenwort geben, damit ihr sehen sollet die Größe eines Fünkchens Meiner ewigen Liebe unendliche Stärke, Macht, und der Gottheit urewige Kraft und Heiligkeit in Mir, und dadurch aber auch eure euch so heilsame Nichtigkeit in allem, was ihr seid, tut, macht, denkt, schreibt und dichtet aus euch. Zugleich aber sollet ihr auch daraus ersehen, was ihr werden könnet durch Mich.
   02] Doch, was Ich euch hier sagen werde, sollet ihr vernehmen in einem bescheidenen Liede nach des Himmels höchster Weise. Und werden da auch der Rede erhabenste Formen gestalten den Neubau einer Überweltgröße, so sollet ihr das nicht, wie bei menschlichen Liedern, für einen poetischen Schwung halten; denn bei Mir gibt es keinen solchen, sondern nur die allerreinste Wahrheit, und Mein Name ist schon für sich der allerhöchste Schwung alles Singens.
   03] Nun folget das Lied, und das Lied ist ein Engel, und der geht aus Mir, und bringt euch eine gute und übergroße Botschaft, wie da folget:

   01] An aller Weiten Sonnen fernstem großen Morgen stand
ein großer Engel, streckend seine nackte Riesenhand
in Meiner Weltenschöpfung endlos tiefer Tiefen Mitte,
und wollte eine Sonne da aus ihrem Leuchtgebiete
gleich einem Herzen kühn aus aller Welten Mitte reißen
und sie dann, gleich so einer Nuß, in seinem Mund zerbeißen.

   02] Und dieses tät er bloß, um zu versuchen seine Kraft,
die er sich hat aus Meiner Liebe gar getreu verschafft.
Doch dachte er bei sich nach wohlgeratner Engelsitte:
"Was soll ich das versuchen, da ja unter meinem Tritte
schon mehr als Millionen solcher Sonnentrümmer ruhn,
deshalb will ich besinnen mich und etwas Größ'res tun.

   03] "Ich will daher mein Auge drehen hin zum großen Morgen
und da für meine Sehe hellsten Glanzes Strahlen borgen,
um zu erschauen dann aus aller Welten nichtigem Staube,
bevor noch wird ein solches Stäubchen kurzer Zeit zum Raube,
ein Stäubchen, welches einst das Allerhöchste hat getragen,
Des Namen wir mit unsrer Zunge nicht zu sprechen wagen.


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