Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


   11] Was ist wohl leichter, als sich in einem hohen Amte zu überheben und sich für besser zu halten denn alle seine Brüder, denen ein solches Amt nicht zuteil ward!? Was aber ist für des Menschen Geist wohl auch gefährlicher als eben solch eine gar leicht mögliche Überhebung?!
   12] Darum also war es auch für Paulus und jeden seines Amtes nötig, eine beständige Mahnung im Fleische zu haben, die so zu ihm sprach: »Siehe, du bist nur ein Mensch und durchaus kein Gott! Sooft du fallen wirst vor Mir, will Ich dich wieder aufrichten, damit du gedenkest, daß du nur ein Mensch seiest!« -Paulus merkte in sich solchen Jammer. Darum bat er Mich auch dreimal heftig, daß Ich ihn von dieser Probe befreien solle.
   13] Ich aber sprach zu ihm darauf: »Lasse dir an Meiner Gnade genügen, denn Meine Kraft ist nur in den Schwachen mächtig!« - d.h. so sie ihre Schwäche lebendig erkennen, wie denn auch Paulus darauf bekennt, da er spricht: »Also will ich mich denn am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß allzeit die Kraft Christi bei mir wohne! Und darum denn bin ich, Paulus, nun auch stets guten Mutes in meinen Schwachheiten, in Schmach, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen. Denn ich weiß es ja, daß ich nur dann stark bin, so ich schwach bin!«
   14] Warum denn also? - Weil Paulus wohl wußte, daß Ich dem Schwachen und dadurch Demütigen stets näher bin als einem Starken oder sich wenigstens törichterweise für stark Wähnenden!
   15] Wer fällt wohl öfter im Gehen als die Kindlein?! Und dennoch sage Ich: »So ihr nicht werdet wie die Kleinen, werdet ihr nicht eingehen in Mein Reich der Himmel!« - Daraus kannst du auch ersehen, warum sich der Paulus seiner Schwäche rühmte.
   16] Aber auch daraus (kannst du es ersehen), daß der gute Hirte die 99 gerechten Schafe verläßt und geht suchen das hundertste Verlorene, und so Er es findet, es sobald unter der größten Freude auf Seine Achsel legt und es nach Hause trägt! - Und endlich kannst du den Schwachheitsruhm des Paulus auch daraus gar deutlich verstehen, daß der Vater nur dem verlorenen Sohne entgegenkam, ihn aufnahm, ihm dann sogar ein großes Gastmahl bereitete, ihn schmückte mit dem Herrnringe und ihn setzte in die größten Ehren!


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