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Kapitelinhalt jl.gso2.125. Kapitel:


   01] Was ferner noch »das Himmelreich« betrifft, so ist es geich dieser eurer gegenwärtigen Zeit, welche wieder gleich ist dem Sämann im Evangelium, der da guten Samen ausstreute, von dem ein Teil auf den Weg, ein Teil ins Gebüsch, ein Teil auf Steinboden und nur ein Teil auf gutes Erdreich fiel.
   02] Seht eure Zeit an, ob sie nicht dem Sämanne und dem Himmelreiche gleicht?
   03] Das Wort wird allenthalben ausgesät; allerorts leben noch geweckte Menschen, die das Wort aus dem innern Grunde erläutern. Allein die Bedürfnisse der Menschheit in der gegenwärtigen Zeit sind gleich geworden dem Wege, auf den der Same fällt, oder: sie sind rein weltlich geworden. Daher macht das Wort bei ihnen gerade solch einen Eindruck, als würfe man Erbsen an die Wand, da keine hängen bleiben wird und noch weniger Wurzeln schlagen in dem harten, steilen und glatten Grunde.
   04] Daher dürfte Ich alle Engel des Himmels herabsenden und von ihnen das Wort des Lebens allorts verkünden lassen auf die wunderbarste Weise - heute, morgen und übermorgen werden es die Menschen erschüttert anhören und annehmen, aber hiernach werden sie anfangen, das Wunder ganz gleichgültig zu betrachten und werden dabei ihren Weltgeschäften nachrennen wie zuvor.
   05] Das sind die industriellen Menschen und deren nimmer zu sättigenden Bedürfnisse. Sie gleichen dem Gebüsch und den Dornen. Geht anfangs das Wort auch auf, so wird es aber dennoch bald erstickt, und die Menschen werden hernach gleichgültiger gegen dasselbe als zuvor. Denn erst sprachen sie: So wir es auf einem wirklich wunderbaren Weg erhielten, da wollten wir ja glauben und darnach tun. Ich aber willfahre auch diesem Wunsche. Fast an allen Orten spende Ich es nun, wie hier, wunderbar aus. Welche Wirkungen aber macht es? Höchstens hie und da politische Bedenklichkeiten; das ist aber auch schon das meiste. Daß sich aber jemand daran kehren möchte - dieses gute Erdreich - wo ist es?
   06] Ich sage: Wo hundert Millionen Menschen leben, da ist viel zu viel mit tausend gesagt, die sich daran wahrhaft lebendig kehren möchten. Was nützen darunter zehn oder hundert Tausende, die das wohl recht gläubig anhören, wenn es aber aufs Tun ankommt, so lassen sie sich von einem Tage bis zum andern Zeit; denn sie sagen: Warum sollte man sich denn gar so anstrengen, um ein ewiges Leben zu erlangen? Gibt es ein ewiges Leben, wie sie es glauben, so wird es wohl nicht schwer sein, dasselbe zu erlangen; daher nur lustig gelebt und am Ende dennoch selig gestorben! Was braucht man darüber mehr?
   07] Da haben wir aber auch zugleich den steinigen und sandigen Grund. Dieser nimmt wohl den Samen an, und er geht auch bis zur Hälfte auf; aber der Boden hat keine Feuchtigkeit, und so geht am Ende noch das was aufgegangen ist zugrunde!
   08] Also hält sich der alleinige Glaube nie, wenn er nicht durch die Tat belebt wird; gleich wie durch die pure Theorie ohne tatsächliche Übung und Anwendung derselben niemand ein praktischer Mensch wird.
   09] So könnt ihr jetzt auch eine Legion um die andere moralischer und religiöser Plauderer finden. Aber alle diese Plauderer wollen an sich keine Probe machen und nicht ein Steinchen mit einem Finger anrühren. Ein jeder glaubt schon damit etwas außerordentlich Verdienstliches geleistet zu haben, wenn er nur gut gepredigt und durch sein moralisches und religiöses Geplauder allenfalls einige dumme Andächtler und Schwärmer zuwege gebracht hat.
   10] Niemand aber will im Ernste die Wege versuchen, durch welche er unmittelbar dahin gelangen möchte, wo er mit Mir Selbst in Verbindung träte und dann aus Meinem Munde eine lebendige Lehre bekäme, die ihn erst zu einem guten Erdreiche umgestalten könnte.
   11] Es gibt zwar eine Menge Gottesgelehrte und Theosophen, darunter aber kaum einen, der nach dein Evangelium Johannis wirklich von Gott gelehrt wäre, das da kündet, daß alle sollen von Gott gelehrt sein!
   12] Fürwahr, so Ich nicht aus Meiner großen Erbarmung heraus hier und da jemanden aufrütteln möchte, gleichwie ein emsiger Hausherr sein träges und faules Gesinde aufrüttelt, so wüßte von den Zeiten der Apostel angefangen bis jetzt beinahe kein Mensch, was »das lebendige Wort« ist und was es heißt »von Gott gelehrt sein«.
   13] Die derzeitigen Gottesgelehrten stellen Mich lieber ganz geheimnisvoll über alle Sterne und lassen Mich da in einem völlig unzugänglichen Lichte sitzen. Warum aber tun sie das? Sie tun das aus verschiedenen Gründen. Der erste wäre z.B. der: Weit weg ist gut vor dem Schuß. Der zweite möchte also lauten: Keinem Menschen ist es sonach möglich, sich Gott so zu nähern, daß er von Ihm gelehrt würde. Und noch ein Grund, der sich auf den vorigen stützt, lautet also: Gott hat dem Menschen Vernunft und Verstand gegeben; das ist das lebendige Wort Gottes im Menschen. Wer sich darnach kehrt, der lebt nach dem Willen Gottes, und wer seinen Verstand und seine Vernunft ausbildet, der ist schon von Gott gelehrt; denn niemand kann von Gott unmittelbar, sondern nur mittelbar gelehrt werden, indem Gott ja über allen Sternen im unzugänglichen Lichte wohnt.
   14] Wenn dann gegenüber diesen geheimnisvollen theosophischen Thesen Ich dennoch hie und da jemanden erwecke, der dann unmittelbar von Mir ein lebendiges Wort empfängt, so wird er vom größten Teile der gegenwärtigen Menschheit als ein Narr und Schwärmer erklärt, mitunter auch als ein Betrüger und Scharlatan, der sich einige Fähigkeiten seines Verstandes zugute zu machen versteht. Sagt, ob es nicht allso ist?
   15] Es werden euch verschiedene Männer nicht unbekannt sein die das lebendige Wort hatten, und das aus der neuen Zeit, vom achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert wie auch manche aus früheren Jahrhunderten. Was aber ist ihr Los? Die stumme Vergessenheit. Der gelehrten Welt genügt, daß sie ihre Namen kennt. Was aber diese Männer aus Mir gelehrt haben, das geht sie nichts an. Und wenn es auch noch hier und da einen oder den andern gibt, der ein solches Buch liest, so kommt er aber bald auf Sätze, die mit seiner Vernunft nicht übereinstimmen. Er verwirft daher auch bald das Ganze und läßt sonach unseren von Mir gelehrten Mann ruhen.
   16] Wenn es gut geht, so läßt man höchstens Mir allein noch einige Gerechtigkeit widerfahren; aben Meine Boten sind lauter Narren und Betrüger.
   17] Ist nicht eure Zeit so beschaffen? Ich meine, das kann ein jeder mit der Hand greifen.
   18] Da aber das Himmelreich keine irgendwo vorhandene Örtlichkeit ist, sondern nur vollkommen ein Zustand des Lebens, so ist das Himmelreich auch vollkommen gleich eurer Zeit, und zwar dieser Zeit, nämlich karg, armselig, klein, selten.
   19] Und wo es noch ist, daselbst ist es nicht rein. Wird aber das wohl ein Himmelreich sein, so es nicht ganz rein ist? Ich sage euch: Das Himmelreich ist in dieser Beziehung sehr relativ, und das darum, weil einem jeden Narren seine Kappe am besten gefällt.
   20] Ein jeder findet in seiner Dummheit sein Himmelreich. Ob das wahre aus Mir, das ist eine andere Frage. Dieses ist wahrlich selten, karg und spärlich geworden. Warum? Weil bei den Menschen das gute Erdreich ausgegangen ist! Daher mag Ich nun auch den allerbesten und reinsten Samen säen, wie ich will, so fällt er dennoch auf lauter Wege, zwischen Dornen und auf steinigen Baden, hie und da zwischen eine Ritze am Wege. So gehen auch zwischen einer Steinkluft aus einer Million Körner etwa tausend auf und hundert erreichen die Reife. Und das ist dann die ganze Ernte und das ganze Himmelreich! Das ist doch sicher karg, selten und spärlich!
   21] Aus dem könnt ihr abermals ersehen, daß alles bisher Gesagte seinen guten Grund hat, daß an der oberflächlichen Erscheinlichkeit des Geistigen ebensowenig gelegen ist wie an den Erscheinungen der Zeit. Sie sind taub und hohl, aber für den Weisen sind sie eine Schrift, aus deren Grundzügen er mit leichter Mühe die innere Wahrheit findet; denn einer jeden Erscheinlichkeit geht ein wirkender Grund voraus. Ist die Erscheinlichkeit edel und gut, so wird es auch in gleichem Maße der Grund sein; ist die Erscheinlichkeit aber unedel, das heißt weltlich, materiell und schlecht, so wird auch ihr Grund gleichen Maßes sein.
   22] Wer denn alles Geistige in seiner wahren Gestalt erschauen will, der binde sich nicht an das Erscheinliche, sondern er bediene sich dessen nur zur Erforschung des geistigen Grundes. Hat er diesen, so hat er das ganze Wesen aller Geisterwelt. - Wie aber dieser aus dem Erscheinlichen zu erforschen ist, soll in der Folge gezeigt werden. -

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