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Kapitelinhalt jl.gso2.112. Kapitel:


   01] Erstens. Stellt euch einen reichen Spekulanten vor. Beschaut diesen ewigen Nimmersatt recht. Was ist seine Liebe und was sein Wollen? Nichts anderes als sich auf jede mögliche, nur einigermaßen bürgerlich gesetzlich erlaubte Art die Habseligkeiten eines ganzen Landes, endlich eines ganzen Reiches zu verschaffen, und ist ihm das gelungen, sich auch mehrerer Reiche, wenn nicht der ganzen Erdoberfläche zu bemächtigen. Es gelingt ihm solcher Plan freilich nicht ganz und gar, und er wird seine Idee schwerlich gänzlich realisieren. Trotzdem geht sie in ihm nicht zugrunde und wird heimlich also lauten: Hätte ich nur eine Kriegsmacht von wenigstens ein paar Millionen unbesiegbarer Krieger, so holte ich mir alles Gold und alles Silber, alle Edelsteine und alle Perlen der ganzen Welt auf einen Haufen zusammen.
   02] Mancher hat auch diesen Wunsch: Wenn doch über ein ganzes Land eine Pest käme, welche bis auf mich alle Menschen ins Gras beißen ließe, so bliebe ich der natürliche Universalerbe des ganzen Landes. Und wenn dann Menschen irgendeines anderen Landes kämen und möchten mir meine Universalerbschaft streitig machen, da sollte sie gleich an der Grenze die Pest packen und erwürgen! -
   03] Seht, das ist en Bild der Fundamentalhölle, das ihr tagtäglich unter den Menschen finden könnt, bei allen Klassen, angefangen vom gemeinsten Krämer bis hinauf zum größten Großspekulanten. Was hindert diese daran, daß sie solche löbliche Ideen nicht realisieren können? Nichts als die fatale Materie. Nehmen wir aber nun diese hinweg und betrachten darauf mit denselben Eigenschaften den absoluten Geist, und wir haben die Fundamentalhölle in bester Form vor uns. - -
   04] Zweitens. Da steht ein geringer Offizier vor uns. Welcher Hauptgedanke wohnt in dessen Brust? Etwa der, dem Staate nützliche Dienste zu leisten? O nein, das ist der letzte. »Avancieren«, das ist der Hauptgedanke; wenn es möglich wäre, jede Stunde eine Stufe höher zu klimmen, in einem Jahre wenigstens ein General zu werden und als solcher so bald als möglich in die höheren Rangstufen aufzusteigen. Hat er, setzen wir den Fall, die höchste Stufe erreicht, so wird sein Plan, oder wenigstens sein Hauptgedanke sich darin aussprechen: Nun hinaus mit ungeheuren Kriegsscharen zur Besiegung aller Völker. Sind diese besiegt und habe ich die Macht in meinen Händen, dann müssen alle Kaiser, Könige und Fürsten vor meinem Schwerte zittern!
   05] Wer hier die Herrschsucht in unserem Offiziere nicht erkennt, der muß mit siebenfacher Blindheit geschlagen sein. Was ist hier wieder der Unterschied, daß unser Offizier solches nicht zu realisieren vermag? Wie oben die materiellen, naturmäßigen, beschränkenden Verhältnisse. Die Materie klopft unserem Helden auf die Finger, und er muß sich wohl oder übel seine geringe Offiziersstelle gefallen lassen. Dafür aber schimpft er nicht selten und sucht seine Herrschlust seinen Untergebenen so fühlbar als möglich zu machen. Das geringste Verschulden von seiten eines Untergebenen wird mit tyrannischer Unbarmherzigkeit geahndet. Nehmt bei diesem Offiziere die materiellen Hindernisse hinweg, und ihr habt ein zweites vollkommenes Bild der Fundamentalhölle in einer unübertrefflichen Form vor euch.
   06] Auch dieses Bild könnt ihr vielfach finden, besonders in jener Menschenklasse, welche berechtigt ist, einen Degen zu tragen, wie auch bei derjenigen, die das Privilegium hat, ein sogenanntes adeliges Wappenzerrbild vor ihrem wenig sagenden Namen zu führen. Überall werdet ihr da die Herrschlust finden, und das im ausgeprägtesten Zustande. Und das ist ja eben der Grund der untersten aller Höllen, welcher unersättlich ist und seine Herrschlust und Gier bis ins Unendliche ausgedehnt haben will. - In der Folge der Bilder mehr! -

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