Jakob Lorber: 'Die geistige Sonne' (Inh.-Vz. Bd. 2) 
jl.gso2.069. Kapitel:
01] Seht, hier
vor uns steht schon wieder ein anderes und bei weitem
größeres Haus; was wird denn hier gelehrt? Wir werden
gleich dahinterkommen. Ihr wißt, daß diese Kindlein
ihren Geburtsort, die Erde, nie haben vermocht kennenzulernen aus
dem Grunde, weil sie zu frühzeitig, und zwar gleich nach
ihrer Geburt, dem Leibe nach verstorben sind. Da es aber zur
Erkenntnis des Herrn auch notwendig ist, den Ort näher zu
kennen, den Er zum Hauptplatze Seiner Erbarmungen erwählt
hat, so müssen auch diese Kindlein eben diesen Ort darum
näher kennenlernen, um daraus zu ersehen, wie der Herr und wo
der Herr ein Mensch geworden ist, um das gesamte menschliche
Geschlecht zu erlösen und die Erde für eine Lehrstube
Seiner Kinder einzurichten. - Also wird hier im ganz eigentlichen
Sinne die Geographie der Erde gelehrt, und das sicher auf eine
zweckmäßigere Weise, als solches bei euch der Fall
ist.
02] Wie aber
diese Geographie der Erde hier vorgtragen wird, davon wollen wir
uns sogleich überzeugen. In der Mitte des großen Saales,
in dem wir uns nun befinden, befindet sich auf einem großen,
prachtvollen Gestelle ein Erdglobus fast auf die Art, wie bei euch
auf der Erde. Ihr müßt das nicht etwa bloß
annehmen, sondern unter der überzeugenden Bedingung, daß
auf der Erde sich in keinem Fache etwas vorfindet, das nicht
entsprechendermaßen schon lange vorher im Geiste vorhanden
gewesen wäre. Somit ist auch ein Erdglobus auf der Erde
durchaus keine solche Erfindung, die da nicht zuvor im reinen
Gebiete des Geistes schon lange, ja ewig lange vorhanden gewesen
wäre.
03] Solches
könnt ihr auch aus dem ganz vollkommen erschauen, so ihr euch
selbst fragt: Was war wohl eher vorhanden, die Erde oder ein von
Menschen verfertigter Globus, der die gegenwärtige Gestalt
der Erde nur höchst mangelhaft und dürftig abbildenddarstellt?
04] Ich meine
aber, da im Geiste des Herrn die Erde sicher schon gar lange
bestanden hat, so wird es wohl auch mit dem Bestehen des Abbildes
der Erde seine guten, geweisten Wege haben. Sonach kann dieser
Globus hier ja auch ganz wohl geistig genommen in seiner Ordnung
sein und ist in der Fülle der Wahrheit auch in einer
bedeutend größeren Ordnung, als er es bei euch auf der
Erde je wird sein können.
05] Geht nur
näher hin und betrachtet ihn. Er ist auf seiner
Oberfläche nicht also gezeichnet, wie solches bei euch auf
der Erde zu sein pflegt, sondern er ist eine förmliche
plastische Strahlentypik, gleich euren sogenannten Lichtbildern,
welche ebenfalls den allerunscheinbarsten Gegenstand im kleinsten
Maßstabe wieder zum Vorscheine bringen. Der große
Unterschied aber zwischen der irdischen äußeren
Strahlentypik und dieser inneren geistigen ist unberechenbar
groß; denn hier darf bei der genauesten Beobachtung auch
nicht ein Atom fehlen und muß die ganze Natur der Erde
vollkommen genau dargestellt sein.
06] Daß aber
solches hier bewerkstelligt ist, könnet ihr beim ersten
Anblicke in der vollen Nähe hier erkennen; denn seht, die
Bächlein, Flüsse, Ströme und Meere sind hier ganz
natürlich; die Bäche, Flüsse und Ströme
fließen und das Meer nimmt sie auf.
07] Seht weiter
an! Die Gebirge, die ganz getreu in kleinem Maßstabe die der
Erde vorstellen, sind ersichtlich aus denselben Stoffen. Die
Gletscher haben ihren Schnee und Eis, die Kalkgebirge ihren Kalk,
die niederen Alpen ihre Weiden und tiefer hinab ihre Waldungen.
und seht nur genau, eine jede Stadt ein jedes Dorf ist genau
abgebildet.
08] Da ist z.B.
eben eure Wohnstadt. Betrachtet sie, und ihr werdet finden,
daß da nicht das geringste abgeht. Seht aber auch, wie sogar
Wolken und Nebel umherziehen gerade nach den Richtungen und in
denselben Formen, wie sie gleichzeitig allzeit auf der wirklichen
Erde sich befinden. Seht, das ist sicher ein vollkommenster
Globus. Er ist freilich wohl ziemlich groß; sein Durchmesser
dürfte nach eurem Maßstabe bei zwanzig Klaftern
haben.
09] Wie aber kann
er da wohl nach allen Seiten übersehen werden? Sehr leicht;
denn seht, fürs erste hängt oder ruht er vielmehr auf
dem großen Gestelle mittels einer mächtigen
(horizontalen) Spindel ganz parallel mit einer Rundgalerie, welche
gerade die Höhe der Pole erreicht. Auf dieser Galerie
befinden sich unsere Schüler, unter ihnen ihre Lehrer, und
besichtigen gründlich einen ganzen Meridian. Haben sie diesen
gut inne, so wird der Globus um einen Meridian weitergerückt
und so fort, bis auf diese Weise die ganze Erde durchstudiert
ist.
10] Ist aber das
der einzige Glabus, und haben die Schüler mit dessen Studium
das geographische Lehrfach beendet? O nein! Seht, da weiter vor
uns ist schon wieder ein großer Saal; in dem befindet sich
ein ähnlicher Globus, die Erde um tausend Jahre früherdarstellend, und wieder in einem anstoßenden großen
Saale einer, die Erde wieder um tausend Jahre früher
darstellend, und das geht so fort bis zu Adam.
11] Auf diese
Weise erlernen diese Schüler mit der Gegraphie auch zugleich
die Weltgeschichte; nur gehen sie allezeit den umgekehrten Weg.
Sie fangen bei der Gegenwart an, und gehen somit von den
Erscheinungen auf die Ursache; welches ebensoviel sagen will als
von außen nach innen gehen.
12] Ihr fragt
hier und sagt: Auf der Erde aber geschehen ja von Jahr zu Jahr
nicht selten ganz gewaltige Veränderungen; wie lassen sich
diese wohl auf den großen, allezeit tausend Jahre in sich
fassenden Globen erlernen? Da sage ich nichts anderes als: Seht
euch nur ein wenig um und betrachtet, was alles in solch einem
überaus großen Saaile enthalten ist. Seht, in einer
ziemlichen Entfernung stehen in einem jeden Saale noch zehn etwas
kleinere Globen. Diese stellen die Erde von hundert zu hundert
Jahren dar, und zwar ebemso lebendig genau, wie solches auf den
großen zu ersehen ist. Hinter diesen zehn Globen werdet ihr
wieder eine noch große Menge in guter Ordnung entdecken, auf
denen die Erde von Jahr zu Jahr verändert dargestellt wird,
und hinter diesen die letzte weiteste Reihe, in der ihr ganz
kleine, kaum drei Schuh im Durchmesser habende Globen findet,
daran die Veränderung der Erde von Tag zu Tag dargestellt
wird.
13] Im ersten
Saale könnt ihr bemerken, daß in dieser letzten Reihe
nach eurer Berechnung von Tag zu Tag ein neuer Globus
hinzugefügt wird, d.h. im Saale, der euer gegenwärtiges
Jahrtausend vorstellt. Damit aber die Schüler nicht so viel
mit den kleinen Globen herumzuschaffen haben, so wird ihnen von
den Lehrern auf dem großen Globus schon alles vorangedeutet,
welche Veränderungen sich hier und da auf der Erde zugetragen
haben. Dadurch erfahren die Schüler schon alles und
können sich hernach zur eigenen Bekräftigung auf den
kleinen Globen selbst überzeugen.
14] Am Ende des
letzten Saales, darin die Erde zu Zeiten Adams dargestellt wird,
befindet sich auch eine Öffnung, durch welche unsere
Schüler die wirkliche Erde wie durch einen Tubus erschauen
können, um sich dadurch die völlige Überzeugung von
allem dem zu verschaffen, was sie in diesen Sälen über
die Erde gelernt haben.
15] Wie lange
dauert aber nach eurer Zeitrechnung ein solcher Lehrkurs?
Höchstens sechs bis sieben Tage; denn ihr müßt hier
bei weitem größere und ungehindertere reingeistige
Auffassungsfähigkeit in Anspruch nehmen, derzufolge ein
solches gewecktes einstiges Kind in einer Miniute mehr faßt
als ihr auf der Erde in einem Jahre. Im Gegenteile gibt es
freilich wohl wieder im Reiche der Geister, die da unvollkommen
sind, Situationen, wo ein Geist in hundert Jahren geringere
Fortschritte macht als ein Mensch auf der Erde in einer
Minute.
16] Also gibt es
auch auf eurer entsprechenden Erde und besonders auch auf dem
Monde Lehr- oder Besserungsanstalten für Geister, in denen
sie ganz erbärnilich schlechte Fortschritte machen. Aberdiese gehören nicht hierher, allda die Geister sich in ihrer
Vollkommenheit und ursprünglichen Reinheit befinden.
17] Was lernen
aber die Kinder nach diesem Kurse? Seht, vor uns, weiter gegen
Mittag, steht ja schon wieder ein enorm großes Gebäude.
Was wird wohl in diesem gelehrt? Ich sage euch: Nichts anderes,
als was natürlich die Unterlage des äußeren
Erdwesens ist, also die natürliche Geologie und die
Entstehung der Erde. Ist dieses erst alles anschaulich und
gründlich aufgefaßt, so wird dann zur geschichtlichen
und von dieser zur geistigen Erde übergegangen. Wie aber
solches alles vorgtragen wird, davon werdet ihr euch an Ort und
Stelle ebensogut überzeugen, als wie ihr euch von allem
bisher überzeugt habt. -

Home
Buch-Inh.-Vz. |
Orig.-Werke Lorbers |
Sekundärlit. |
Themenbearbeitungen (eBooks)