Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

194. Kapitel: Martins nochmaliger Versuch, Satan das Verkehrte seines Starrsinnes klarzumachen.

   01] Spricht Martin: »Armseliger Freund, das kann wohl alles so möglich sein, wie du nun mit gütiger Geduld es mir erörtert hast. Aber siehe ich bin wie alle Blinden denn doch sehr ungläubig, oder vielleicht auch mehr dumm als ungläubig. So kann ich durchaus nicht recht begreifen, wie nun die Schöpfung ohne dich nicht sollte bestehen können? Besonders, so du durch deine Umkehr zu Gott nicht nur nicht aufhörst zu sein, sondern in deinem Sein nur endlos vollkommener werden würdest!
   02] Wohl weiß ich aus dem Herrn, daß du durchaus erhalten werden mußt, weil durch dich zufolge der göttlichen Ordnung die Erhaltung der Naturkörper und Wesenheiten abhängt. Allein, was liegt denn an den vergänglichen Wesenheiten?
   03] Bist du einmal als vollendet gewonnen - was da ganz rein und allein von deinem Willen abhängt -, so ist dann die ganze Materie ohnehin ganz überflüssig! Sie wird - da sie nichts als dein gerichteter Starrsinn ist - mit deiner Umkehr und Vollendung ohnehin nach des Herrn Wunsche sogleich aufgelöst und vollendet werden in der reingeistigen Wesenheit, die in ihr nun geknebelt und gefangen ist durch deinen gerichteten Starrsinn!
   04] Aber unsere geistige Wesenheit und die neue Erde und der neue Himmel haben mit dir wahrlich nichts zu tun, da ihr ewiger Bestand lediglich im Herrn allein seine Polaritäten findet, die da sind Liebe und Weisheit, oder Gutes und Wahres!
   05] Du hast wohl recht, daß du ehedem unsere Blicke zur Erde wiesest, wo es arg zugehe. Aber ich behaupte, mein armseliger Freund und Bruder, so du umkehrst, da wird im Augenblicke nicht nur die Erde, sondern die ganze Schöpfung in ihrer ursprünglichen göttlichen Reinheit und Vollendung dastehen! Alle Bosheit wird aufhören, und was noch den gerichteten mühsamen Weg des Fleisches und der Materie durchmachen müßte, wird in und durch deine Umkehr im Augenblicke vollendet dastehen!
   06] Denn der ganze Fleischweg ist ja nichts anderes als eine mühsame Losschälung von dir und eine beschwerliche Erstehung aus deinem Gerichte. Hat aber bei dir das Gericht ein Ende, wozu wäre dann die Materie, wozu der beschwerliche Leidensweg des Fleisches?
   07] Ich meine, daß ich nun auch die vollste Wahrheit geredet habe, und das aus meinem bestmöglichen Herzen und Willen. Tue du nun darnach und du wirst sehen, daß die Sache ganz anders ausfallen wird, als du sie dir nun vorstellst!«


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