Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

188. Kapitel: Vom ewigen Segen an Jesu Tisch. Plötzliche geistleibliche Verwandlung der drei Sonnentöchter durch Jesus. Ein Wink über die Macht der Liebe und ihre Wunder. Bischof Martins Sieg über Satan.

   01] Das Mahl ist bald verzehrt, alles ist vollauf gestärkt und jeder wundert sich über den köstlichsten Geschmack. Da aber das Mahl verzehrt ist und somit der große Tisch leer dasteht, fragen Mich in aller Demut
   02] Uhron und Shonel: »O heiliger, lieber Vater, so es Dein heiligster Wille wäre, möchten wir auf der Stelle den Tisch wieder voll machen?«
   03] Rede Ich: »Das wäre sehr unnötig. Wer einmal an Meinem Tisch gespeist ward, der hat sich gesättigt mit dem ewigen Leben. Er braucht nicht mehr als einmal Mich in sich aufzunehmen und er hat Mich ganz für die Ewigkeit!
   04] Aber, Kindlein, nun haben wir etwas anderes noch abzumachen und das wird auch eine Speise sein, aber geistig und nicht materiell.
   05] Diese drei Töchter, die Mir zuerst entgegengekommen sind und Mich auch zuerst erkannt haben in aller Liebeglut ihres Herzens und eine starke Prüfung wohl bestanden haben, werde Ich zu Mir nehmen unter die Zahl Meiner Kinder. Aber nur dann, so es euch recht ist! Denn der Vorteil, daß ihr irdisch leben könnt, solange ihr wollt, soll euch nicht benommen werden. Daher gebt Mir euren Willen kund, ob es euch genehm ist, daß Ich deren Leben auf dieser Welt abkürze und sie zu Mir nehme!«
   06] Sprechen Uhron und Shonel: »Herr, Du lieber, heiliger Vater, ist ja doch Dein ewig heiliger Wille unser aller Leben, unser aller Form und Wesenheit! Sind wir doch alle Dein und nicht unser, alle Dein Werk! Wie sollen wir da wieder unseren Willen kundgeben, ob es uns recht wäre oder nicht?
   07] O Herr, was Du tun willst, das ist uns allen vollkommen von ganzem Herzen recht; denn Dein heiligster Wille ist nun unsere Liebe, ist unser aller Leben! Du hast uns diese drei lieben Töchter erweckt und gegeben uranfänglich. Daher sind sie Dein und nicht unser, und Du kannst sie nehmen, wann Du willst! Dein allein heiliger Wille werde ewig gepriesen!«
   08] Rede Ich: »Liebe Kinder, eure Rede gefällt Mir, weil sie nicht aus eurem Munde nur, sondern auch aus eurem Herzen kommt. Und so sind die drei, wie ihr sie nun seht, nicht mehr in ihren diesirdischen Leibern, sondern in den schon reingeistigen hier an Meiner Seite. Denn sie sind im Augenblicke verwandelt worden, als ihr in euerem Herzen die wahrhaft freudige Einwilligung dazu gabt! Merkt ihr an ihnen wohl einen Unterschied zwischen früher und jetzt?«
   10] Sprechen Uhron und Shonel: »O Vater, wir merken nicht den allergeringsten Unterschied! Wie ist das wohl zugegangen und wie sollen wir das verstehen? Denn siehe, unsere Abgeschiedenen sehen als Geister viel leichter und ätherischer aus, diese aber, als hätten sie noch völlig ihren früheren irdischen Leib! Auch hinterlassen unsere sonstigen Abgeschiedenen ihren toten Leib, den wir dann an einen bestimmten Ort bringen, wo er bald vollends aufgelöst wird. Aber bei den dreien ist ja gar kein Leib zurückgeblieben! Wie wohl möglich ist das also zugegangen?«
   11] Rede Ich: »Kindlein, dies merkt: Wessen Liebe zu Mir so heftig und mächtig ist, als da ist die Liebe dieser drei, der wird auch schon im Leibe verwandelt durch die heftige Liebe zu Mir, sodaß sein Fleisch vom Feuer seines Geistes alsbald zersetzt, geläutert und in das eigene Leben und Wesen des Geistes aufgenommen wird, ohne daß vorher der Leib gänzlich vom Wesen des Geistes getrennt zu werden braucht.
   12] Folgt daher in der Liebe zu Mir dem Beispiel dieser drei, so wird dann auch eure Verwandlung eine gleiche sein! Denn wahrlich, sage Ich euch, wer Mich wahrhaft so liebt, daß er aus Liebe zu Mir alles verläßt, der wird ebenso verwandelt werden wie diese drei!«
   12] Spricht Martin: »O Herr und lieber Vater Jesus, das wäre auf unserer kleinen Erde wohl auch gut. Aber die Leiber meiner irdischen Brüder sind wohl zu grobmateriell, als daß sie einer solchen Verwandlung fähig werden könnten?«
   13] Rede Ich: »Martin, die Erde ist nicht, was die Sonne, und die Sonne nicht, was die Erde. Ich aber bin gleich wie im Himmel, also auch in der Sonne und auf der Erde, und so ist auch gleich die rechte Liebe und ihre Kraft und Wirkung!
   14] Auch die Erde hat solche Verwandlungsbeispiele genug aufzuweisen und das sowohl in der alten, wie in der jungen Zeit. Aber einer solchen Wirkung muß auch die dazu erforderliche Ursache vorangehen! Bei zu wenig Wärme zerschmilzt nicht einmal das Wachs, geschweige das Erz! Verstehst du dies?«
   15] Spricht Martin: »O Herr, das verstehe ich nun bestens. Denn ich selbst war ein solches Wachs oder Erz und hatte viel zu wenig Wärme in mir, um das Wachs damit auch nur etwas zu erweichen, geschweige das harte Erz meiner Materie zu zerschmelzen! Und so werden wohl eine Menge Brüder die Erde bewohnen, deren Materie nicht nur Erz, sondern ganz rein Diamant sein mag. Diese wird wohl schwer so verwandelt werden können wie die jener drei Himmelstöchter nun!«
   16] Rede Ich: »Martin, das zu erörtern, gehört nun nicht mehr hierher. Aber das wirst du wohl wissen, daß Mir gar vieles möglich ist, was dir unmöglich scheint. Ich sage dir, auch in den Gräbern geschehen Wunder, die von den Fleischaugen der Erdenmenschen nicht gesehen und beobachtet werden!
   17] Aber nun nichts mehr davon. Wir haben nun etwas ganz anderes zu tun. Ich sage euch, nun werden wir noch etwas Bedeutendes zu tun bekommen, denn unser Feind hat schon wieder etwas gemacht! Daher fasst euch!«


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