Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

180. Kapitel: Antwort des Sonnenweisen an Petrus und seine Kritik an den Verheißungen Jesu und ihrer Erfüllung.

Originaltext 1. Auflage 1896 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text u. Versnummerierung nach 3. Auflage 1960 Lorber-Verlag

01] Spricht der Weise: „Ja, Freund, ja, es ist uns schon Alles recht, was der Herr will; denn wie schon einmal bemerkt, man kann sich ja doch dem allmächtigen Willen des Herrn nicht widersetzen, ob er von uns Leichtes oder Schweres verlanget; denn thun wir's nicht frei zu unserem einstigen Besten, so müßten wir es aber dennoch thun durch ein Gericht zu unserem Verderben; also thun wir es doch um endlos vieles lieber frei, und wollen dadurch für unser künftiges Leben lieber etwas gewinnen als etwas verlieren.

02] Ich sehe wohl aus allem dem, was du und dein Vorgänger uns gesagt habet, daß wir hier die bisher freie schöpferische Willenskraft, mittelst der wir bis jetzt unsere Gärten bestellten, und unsere Häuser und Wohnungen zu allermeist herstellten, ganz rein in die Hände des Herrn werden zurücklegen müssen; aber das macht gerade eben darum nichts, weil wir nun auf dem Wege der Bitte diese Fähigkeit doch ganz ungeschmälert wieder haben können!?

03] Freilich wissen wir auf dem Wege unserer inneren Wahrnehmungen, und durch allerlei Geister aus deiner Erde, daß der Herr es mit Seinen Verheißungen eben nie gar zu buchstäblich genau, wie ihr zu sagen pfleget, nehme; dem Er Reichthum verheißet, dem giebt Er Armuth, dem Er bei Gesundheit ein langes Leben zusaget, der kann sich sobald auf Leiden und auf ein baldiges Ende seines irdischen Lebens gefaßt machen; dem Er des Lebens Freiheit geben will, der wird in Kürze ein irdisch Gefangener; die Er lieb hat, die läßt Er versuchen, und gewaltig züchtigen; die getreuest an Ihm und Seinem Worte hängen, die läßt Er Noth und allerlei Verfolgungen erleiden, und die Ihn über alles lieben, die läßt Er kreuzigen - u. dergl. m.

04] Aber - wie gesagt, das macht alles nichts; denn Er allein ist der allmächtige Herr Seiner Werke, und kann mit ihnen thun was Er will; und Niemand kann Ihn fragen, und sagen: Herr! warum thust Du dieß oder jenes, das uns unbillig vorkommt?! denn Er ist der Herr ganz allein, und das genüge Jedem!

05] Der Herr, wie wir es wissen, verhieß Seinen Königen auf der Erde eine ewige Herrschaft, und sie starben wie ein jeder andere Mensch; so verhieß er einem gewissen Volke ein ewiges Land und Reich, und wie wir nun häufig erfahren, so hat dieses erwählte Volk nun kein Reich und kein Land mehr; so wissen wir auch, daß er Weise erwählete, die dann dem Volke Seinen Willen, und was Er thun werde, offenbaren mußten; als es aber dann an der Zeit war, daß solche Offenbarung hätte sollen erfüllet werden, da standen die Weisen wie barste Maulreißer da; denn der Herr ließ nicht geschehen, was Er durch die Weisen verkünden ließ! und dergleichen Mehreres!

06] Du siehst, daß man sich auf des Herrn Verheißungen, wie gesagt, so ganz buchstäblich nicht verlassen kann, und es wird auch gerade mit der Gewährung der verschiedenen Bitten der gleiche Fall sein; denn wer könnte Ihn dazu wohl je nöthigen können!?

07] Aber alles dessen ungeachtet wollen wir dennoch deinen Antrag annehmen, da wir wohl nur zu gut wissen, daß da eine Weigerung von unserer Seite wohl die größte Thorheit wäre; also denn geschehe, was da der allmächtige Herr will!"

01] Spricht der Weise: Ja Freund, es ist uns alles recht, was der Herr will. Denn man kann sich ja doch dem allmächtigen Willen des Herrn nicht widersetzen, ob Er von uns Leichtes oder Schweres verlangt! Denn tun wir's nicht frei zu unserem einstigen Besten, müßten wir es dennoch tun durch ein Gericht zu unserm Verderben! Also tun wir es endlos lieber frei und wollen dadurch für unser künftiges Leben lieber etwas gewinnen als verlieren.


02] Ich sehe wohl aus alledem, was du und dein Vorgänger uns gesagt hast, daß wir hier die bisher freie, schöpferische Willenskraft, mittels der wir bis jetzt unsere Gärten bestellten und unsere Häuser und Wohnungen meist herstellten, ganz in die Hände des Herrn werden zurücklegen müssen. Aber das macht gerade darum nichts, weil wir auf dem Wege der Bitte diese Fähigkeit doch ungeschmälert wieder haben können!


03] Freilich wissen wir auf dem Wege unserer inneren Wahrnehmungen und durch allerlei Geister aus deiner Erde, daß der Herr es mit Seinen Verheißungen eben nie gar zu buchstäblich genau nimmt. Dem Er Reichtum verheißt, dem gibt Er Armut. Dem Er bei Gesundheit ein langes Leben zusagt, der kann sich alsbald auf Leiden und auf ein baldiges Ende seines irdischen Lebens gefaßt machen. Dem Er des Lebens Freiheit geben will, der wird in Kürze ein irdisch Gefangener; die Er lieb hat, die läßt Er versuchen und gewaltig züchtigen. Die getreuest an Ihm und Seinem Worte hängen, die läßt Er Not und allerlei Verfolgungen erleiden. Und die Ihn über alles lieben, die läßt Er kreuzigen - und dergleichen mehr!

04] Aber - wie gesagt - das macht alles nichts; denn Er allein ist der allmächtige Herr Seiner Werke und kann mit ihnen tun, was Er will. Niemand kann Ihn fragen und sagen: 'Herr, warum tust Du dies oder jenes, das uns unbillig vorkommt?', denn Er ist der Herr ganz allein, und das genüge jedem!

05] Der Herr verhieß - wie wir wissen - Seinen Königen auf der Erde eine ewige Herrschaft, und sie starben wie ein jeder andere Mensch. So verhieß Er einem gewissen Volke ein ewiges Land und Reich, und wie wir erfuhren, hat dieses erwählte Volk nun kem Reich und kein Land mehr! So wissen wir auch, daß Er Weise erwählte, die dem Volke Seinen Willen, was Er tun werde, offenbaren mußten. Als es aber dann an der Zeit war, daß solche Offenbarung hätte sollen erfüllt werden, da standen die Weisen wie barste Maulreißer da: denn der Herr ließ nicht geschehen, was Er durch die Weisen verkünden ließ! Und dergleichen mehreres!


06] Du siehst, daß man sich auf des Herrn Verheißungen ganz buchstäblich nicht verlassen kann. So wird es auch mit der Gewährung der verschiedenen Bitten der gleiche Fall sein; denn wer könnte Ihn dazu wohl je nötigen?


07] Aber dennoch wollen wir deinen Antrag annehmen, da wir nur zu gut wissen, daß eine Weigerung von unserer Seite wohl die größte Torheit wäre. Darum geschehe, was da der allmächtige Herr will!«

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