Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

163. Kapitel: Auskunft des Petrus an den Sonnenältesten über die angekommene Gesellschaft. Bedenken des Weisen über die Sichtbarkeit Gottes.

   01] Spricht Petrus: »Nun, so höre denn! Wir alle, wie du uns hier erschaust, sind fürs erste Kinder Gottes, d. h. nach eurer Vorstellung Kinder des allerhöchsten Geistes. Fürs zweite aber sind einige von uns auch des Allerhöchsten erste Hauptdiener, und zwar von der Art, daß eben der Allerhöchste Selbst sie zu einem Grundpfeiler Seiner Kirche der ganzen Unendlichkeit gestellt hat. Zuerst freilich wohl nur auf der Erde, d. h. auf jenem Planeten, den ihr den heiligen nennt. Als sie aber dort ihre Aufgabe mit Freude und Hingebung erfüllt hatten, wurden sie dann durch eine schmerzliche Abnahme des Leibes sogleich zu Ihm in den obersten aller Himmel erhoben, um von Ihm alles zu haben, was Er Selbst hat, und sonach die höchste aller Seligkeiten ewig ungetrübt zu genießen. Fürs zweite aber in solcher Seligkeit jenen Dienst im ausgedehntesten Sinne zu verrichten, den sie auf der Erde - freilich im engsten Maße - verrichtet haben. Und so wisse, daß eben ich, Petrus, und jener Dritte, Johannes, solche Diener sind. Die andern aber sind alle mehr oder weniger Anfänger in dieser Welt und in diesem oberwähnten Dienste.
   02] Der Zweck, warum wir hierher kommen, ist zunächst der, daß wir zuerst die in dieser Welt Neuangekommenen zu höheren Liebediensten einführen und einweihen. Darnach wollen wir aber euch Bewohner dieser Lichtwelt, und zwar nur einige Gemeinden, die vom rechten Wege sich abgewandt haben, wieder aufrichten.
   03] Weil aber eben dies letzte ein hartes Geschäft ist, so daß da die Mühe unsere Kräfte überbieten möchte, so ist auch Gott der Herr Selbst in aller Seiner Kraft- und Machtfülle gegenwärtig! Und das in sichtbarer Menschengestalt, welche Gestalt eben die eigentliche göttliche ist, indem Gott uns Menschen nach Seinem Ebenmaße äußerlich wie innerlich geformt hat. Denn Er nahm keine andere Form für Seine Lieblinge als die urerste Seiner ewigen Liebe.
   04] Daher gibt es in der ganzen Unendlichkeit nirgends eine Welt, auf der die Menschen eine andere Form hätten, als wir sie haben. Nur sind sie hie und da nach der äußeren Größe voneinander verschieden und an der Farbe, manchmal auch an einigen wenigen äußerlichen Dingen. Die Grundform aber bleibt immer die göttliche.
   05] Daher darf es dich auch nicht befremden, so du nun gar bald Gott, den allerhöchsten Geist, ganz in meiner Gestalt und Größe erblicken wirst. Seine unendliche und ewige Macht und Größe hängt nicht von Seiner äußeren gestaltlichen, sondern von Seiner innersten Geistgröße ab, die aber ewig wohnt im allerheiligsten, unzugänglichen Lichte und nie von einem geschaffenen Geiste gesehen und noch weniger je begriffen werden kann.
   06] Nun weißt du alles; nichts habe ich ausgelassen, was zur Beantwortung deiner Frage in hohem Grade nötig war. Sage mir nun auch ganz treuherzig ohne alle Verstellung - die bei euch besonders in dieser Gemeinde sehr zu Hause ist -, ob du wohl alles glaubst, was ich dir nun gesagt habe!«
   07] Spricht der Weise: »Erhabenster Freund, aufrichtigsten Sinnes gesprochen, bis aufs letzte - alles. Aber daß da Gott, das allerhöchste, unendliche, urewige Gottgeistwesen auch hier unter euch, und zwar in deiner Gestalt und Größe vorhanden sein soll, das - du siehst es selbst ein, so dir nur ein wenig unsere urältesten Weissagungen und Offenbarungen bekannt sind - ist eine harte Sache! Es kann wohl sein, daß ich das später einsehen werde. Aber für diesen Augenblick ist das für meine Begriffe von Gott, dem allerhöchsten Wesen, beinahe völlig unmöglich!
   08] Du weißt es, daß Gott nur höchst selten Seine Engel hierher sendet, die uns obersten Weisen eben das höchste Gottwesen offenbaren, aber allzeit beisetzen: 'Gott aber kann niemand sehen und leben zugleich!' Daher wohne Er in einer unerforschlichen Tiefe aller Tiefen, daß kein Wesen durch die Beschauung der Gottheit beeinträchtigt werden solle in seinem Leben. Wie aber würde es uns nun ergehen, wenn es wirklich so wäre, wie du mir nun verkündet hast, wenn Gott hier unter euch weilte!
   09] Ich kann nicht in Abrede stellen, daß solches dem Gottwesen allerdings auch möglich sein könnte. Wo aber käme dann Seine ewige, unwandelbarste Ordnung hin, die uns so oft verkündigt worden ist?«
   10] Spricht Petrus: »Freund, nur eine kleine Geduld, und du wirst das dir kaum möglich Scheinende gar sehr möglich finden! Aber nun gedulde dich nur ein wenig - Er kommt Selbst her; von Ihm wirst du es am ersten fassen!«


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