Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

152. Kapitel: Demütigende Wirkung der Schönheit der drei Sonnenmädchen auf die andern Weiber. Martins Donnerrede und Jesu Rat an die verärgerten Weiber.

   01] Auf diese Meine Worte ziehen die drei sogleich ihre Kleider aus und sagen: »O du Erhabenster, - wenn so, da sollen auch diese Kleider nimmer unseren Leib bedecken. Denn auch sie sind eine Verhüllung der Wahrheit und helfen mit, unser Herz und die Liebe zu verhüllen, was nicht des Rechtens ist!«
   02] Als sie wieder bloß, nur mit einem Gürtel um ihre Lenden und Hüfte bekleidet, dastehen und ihre Schönheit wieder völlig ersichtlich wird, fallen alle Weiber nieder und schreien: »O wehe, wehe uns Häßlichsten!«
   03] Über dieses Benehmen der Weiber wird Martin wieder einmal unwillig, tut seinen Mund stark auf und spricht mit sehr vernehmbarer Stimme: »Da haben wir's wieder! Da liegen sie gleich matt gewordenen Fröschen am Boden! Nein, so ist der Himmel bis auf die magisch-herrliche Gestaltung der Dinge aber auch nicht um ein Haar besser als die Erde mit ihren vergänglichen Wesen! Dort macht eben die Vergänglichkeit, daß die Menschen aus lauter Besorgnissen für ihr Leben ganz dumm werden. Darum verlieren sie nicht selten das Leben samt seiner fatalen Vergänglichkeit so sehr aus den Augen, daß sie dann in aller Dummheit ihres Daseins sogar nicht mehr wissen, was das Leben ist, und ob sie noch leben. Am allerwenigsten wissen sie aber, ob sie über des Leibes Tod hinaus noch länger ihrer selbst bewußt leben werden.
   04] Hier im Himmel haben die Vergänglichkeitssorgen wohl aufgehört. Aber an ihre Stelle treten tausend andere Miserabilitäten, die die verhängnisvollen Sorgen der Erde bei weitem übertreffen. Bald kommt dies, bald jenes, bald ganz etwas anderes. Kurz, man könnte schon eher alles als ein Mensch werden!
   05] Was mir diese weiblichen Wesen schon für Sorgen machten, das ist sogar dieser Sonnenwelt ungleich! So meint man: 'Dem Herrn alles Lob, nun wird's einmal gut!', - gerade da kommt wie ein Blitz wieder etwas vor, daß man sich schon selbst die Haut vom geistigen Leibe übers Gesicht ziehen möchte!
   06] O ihr eitlen, dummen Gänse, o ihr Schandwesen der Menschheit, glaubt ihr denn, daß euch der Herr für die Eitelkeit oder als eine Zierde der Himmel erschaffen hat? Glaubt ihr wohl immer das Recht zu haben, uns männlichen Wesen mit dem ganzen Heere eurer Dummheit zur beinahe unerträglichen Last zu fallen? Steht auf und gebärdet euch in der Folge weiser, sonst lassen wir euch alle im Stich und ihr könnt dann allein euren grauslichen Dummheiten leben!
   07] Aus lauter heimlicher Galle, weil diese Sonnenmädchen freilich endlos schöner und weiser sind als sie, fallen diese Närrinnen wie gefüllte Strohsäcke nieder und schreien aus lauter Kränkung ihrer unerträglichen Eitelkeit: 'O wehe, wehe uns Häßlichsten!' O ihr Gänse, wollt ihr etwa aus eurer Dummheit heraus noch schöner sein als diese Töchter der himmlischen Weisheit, die so hoch steht, daß sie uns Manngeistern die gerechteste Bewunderung abnötigt? Ich sage euch, da hat es noch entsetzlich lange Zeit für euch!
   08] Wenn ihr in eurer Dummheit wie bis jetzt so löbliche Fortschritte machen werdet, dürftet ihr mit der Folge wohl noch häßlicher werden als derselbe Gast, den ich mit Bruder Borem in meine Wohnung geschleppt habe an zwei Ketten! Auf daher mit euch, so ihr noch länger bei uns verbleiben wollt!
   09] Nach diesen Worten Martins richten sich alle die Weiber wieder auf und wenden sich an Mich mit der Bitte, daß Ich Martin ob solcher Kränkung doch einen rechten Verweis geben möchte.
   10] Rede Ich: »Habt ja selbst Mund und Zunge; so gebt ihm zurück, was euch nicht taugt. Mir tat Martin kein Leid an; denn es war recht, daß er euch durch ein kleines Donnern ein bißchen erweckt hat!«
   11] Sagen die Weiber: »Also auch Du, o Herr, unser Alles, bist wider uns! Wo werden wir dann Gnade finden?«
   12] Rede Ich: »In eurer rechten Demut, in eurem Gehorsam und in der rechten Liebe zu Mir! Aber durch eure Eitelkeit werdet ihr Mir schwer irgendeine Gnade entlocken. Daher tut, was euch Martin geraten hat, dann wird alles gut werden! Werdet Freundinnen dieser drei und liebt sie, dann wird euch ihre Schönheit wenig mehr genieren!«
   13] Auf diese Worte fangen die Weiber sogleich an, gemütlicher zu werden. Mehrere können schon die große Schönheit der Sonnentöchter ertragen und nähern sich ihnen nun ohne viel Scheu.


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